{"id":20499,"date":"2018-01-22T00:00:00","date_gmt":"2018-01-21T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20499\/greenpeace-und-unternehmens-verantwortung\/"},"modified":"2019-05-30T15:40:57","modified_gmt":"2019-05-30T13:40:57","slug":"greenpeace-und-unternehmens-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20499\/greenpeace-und-unternehmens-verantwortung\/","title":{"rendered":"Greenpeace und Unternehmens-Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Greenpeace ist bekannt f\u00fcr Kampagnen, die das Verhalten von Unternehmen beeinflussen sollen. Wir verdrehen den Schriftzug im Firmenlogo auf \u00abChoke\u00bb (ersticken, erdrosseln) und machen damit auf den <a href=\"https:\/\/act.greenpeace.org\/page\/8009\/action\/1?locale=en-US\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">massiven Beitrag des Coca Cola Konzerns zur weltweiten Plastikverschmutzung<\/a> aufmerksam. Wir stellen uns gegen den <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.uk\/latest-photos-greenpeace-volunteers-block-volkswagen-cars-entering-uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Import von schmutzigen Autos<\/a> und entlarven unternehmerisches Fehlverhalten wann und wo immer wir es antreffen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-42076 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/fcef1d5a-fcef1d5a-coke.jpg\" alt=\"\" width=\"780\" height=\"293\" \/><\/p>\n<p>Das Image von Greenpeace in der \u00d6ffentlichkeit ist deshalb oft das eines \u00abUnternehmens-Schrecks\u00bb. Wir k\u00f6nnen durchaus kantig und respektlos sein, wenn wir auf unternehmerisches Fehlverhalten aufmerksam machen (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CvsNE-DxckE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">wie in diesem satirischen Video<\/a>).<\/p>\n<p>Wir meinen nat\u00fcrlich nicht, dass in einem Unternehmen alle so denken wie der Mann im Video. Es gibt viele Gesch\u00e4ftsleute \u2013 und viele Firmen \u2013 die das Richtige f\u00fcr die Menschen und den Planeten tun wollen und auch tun. Ihnen spenden wir Beifall.<\/p>\n<p>Greenpeace sagt nie Nein ohne eine Alternative anzubieten. Wir setzen alles daran, den L\u00f6sungen, die unsere Welt braucht, m\u00f6glichst schnell zum Durchbruch zu verhelfen. Darum sind wir manchmal auch bereit, Unternehmen zu loben, obwohl sie noch immer Teil des Problems sind. Wir sagen \u00ab<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/en\/news\/features\/ask-and-ye-shall-receive-comp\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gut gemacht, Coca-Cola\u00bb<\/a>, wenn das Unternehmen klimasch\u00e4digende K\u00fchlmittel aus ihren K\u00fchlger\u00e4ten entfernt, weil die damit verbundenen Vorteile f\u00fcr Klima und zuk\u00fcnftige Generationen real und von grosser Bedeutung sind. Doch geschieht dies in einem Kontext, in dem wir noch viel grundlegendere Ver\u00e4nderungen verlangen <em>und<\/em> das Unternehmen gleichzeitig in unserer Plastikverschmutzungs-Kampagne aufs Korn nehmen. Wir haben \u00abkeine permanenten Freunde oder Feinde\u00bb in der Gesch\u00e4ftswelt. Das ist eines unserer <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/en\/about\/our-core-values\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grundprinzipien<\/a>, und es funktioniert, um Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren. Die Zusammenarbeit mit Coca-Cola zur Eliminierung der klimasch\u00e4digenden Gase begann mit einem \u00abbrand jam\u00bb, als der Konzern die \u00abgr\u00fcnen (olympischen) Spiele\u00bb von Sydney mit K\u00fchlger\u00e4ten belieferte, die das Klima zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Tatsache ist jedoch, dass Unternehmen, die sich schlecht benehmen, zu selten bestraft werden und allzu oft politische Entscheidungstr\u00e4gerInnen vereinnahmen. Wer verliert dabei, ist das Gemeinwohl \u2013 der Planet und unsere Zukunft.<\/p>\n<p>Das geht aus unserem neuen Bericht \u2013 \u00ab<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/Global\/international\/publications\/other\/2018\/Justice-for-people-and-planet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gerechtigkeit f\u00fcr Mensch und Planet<\/a>\u00bb (Englisch), 20 Fallstudien zu unternehmerischen Machtmissbrauch, Kollusion und Straflosigkeit \u2013 deutlich hervor. Der Bericht zeigt, wie gewisse Unternehmen in verschiedenen L\u00e4ndern und Umgebungen Menschen- und Umweltrechte missbraucht und verletzt haben. Die Beispiele sind ebenso schockierend wie vielf\u00e4ltig: Entwaldung, Wasser- und Luftverschmutzung, Plastikverschmutzung, Abfallbeseitigung, Chemieunf\u00e4lle, Nuklearkatastrophen, Verletzung von indigenen Rechten und mehr.<\/p>\n<p>Unser Bericht argumentiert, dass die wirkliche Ursache solcher unternehmerischer Missetaten die Regeln der Weltwirtschaft sind. Die wirtschaftliche Globalisierung hat zu erheblichen Kontroll-L\u00fccken gef\u00fchrt. Es gibt keine weltweit durchsetzbaren sozialen und \u00f6kologischen Regeln f\u00fcr globale Wirtschaftsakteure. Das Fehlen von Regelungen zur Schaffung einer weltweit nachhaltigen und fairen Wirtschaft ist das Ergebnis konkreter politischer Entscheidungen unserer Staats- und Regierungschefs. Die in unserem Bericht diskutierten F\u00e4lle zeigen, dass die Straffreiheit von Unternehmen bei Vergehen gegen Umwelt und Menschenrechte eine Folge der derzeitigen Wirtschafts- und Rechtsordnung(en) ist. Der mangelnde Schutz von Menschenrechten und Umwelt beginnt oft mit staatlichen Institutionen und Entscheidungstr\u00e4gern, die von Wirtschaftsinteressen vereinnahmt wurden. Infolgedessen verabschieden Politikerinnen und Politiker keine verbindlichen Gesetze, und Unternehmen werden nicht zur Rechenschaft gezogen.<\/p>\n<p>Es gibt einen anderen Weg. Wirkungsvolles staatliches Handeln k\u00f6nnte die Dominanz der Wirtschaftsinteressen beenden und die Kontroll-L\u00fccke schliessen. Globale Regeln mit Biss sind zweifellos m\u00f6glich \u2013 ja, sie existieren! Die Welthandelsorganisation (WTO) zum Beispiel kann gegen L\u00e4nder, die sich nicht an die Regeln halten, Sanktionen verh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Wir brauchen solche Regeln f\u00fcr Umwelt und Menschenrechte. Aus diesem Grund legen wir zehn Prinzipien f\u00fcr die Unternehmensverantwortung vor:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Mensch und die Umwelt, nicht Unternehmen, m\u00fcssen im Zentrum der Regierungspolitik und des \u00f6ffentlichen Lebens stehen.<\/li>\n<li>Die \u00d6ffentlichkeit soll an allen politischen Entscheidungen beteiligt werden.<\/li>\n<li>Staaten sollen auf Regelungen verzichten, die Umwelt- oder Menschenrechte untergraben.<\/li>\n<li>Unternehmen sollen verbindlichen Regeln unterliegen, und zwar sowohl dort, wo sie ans\u00e4ssig sind, als auch dort, wo sie t\u00e4tig sind.<\/li>\n<li>Staaten sollen eine verbindliche Sorgfaltspr\u00fcfungspflicht vorschreiben sowie eine Verantwortung \u00fcber den gesamten Lebenszyklus (\u00abcradle to grave\u00bb) f\u00fcr Produkte und Dienstleistungen von Konzernen.<\/li>\n<li>Staaten sollen stetige Verbesserungen der Standards f\u00f6rdern, indem sie Unternehmen verbieten, T\u00e4tigkeiten im Ausland auszu\u00fcben, die im Land ihres Firmensitzes aufgrund von Risiken f\u00fcr Umwelt- und Menschenrechte verboten sind.<\/li>\n<li>Staaten sollen verbindliche Regelungen erlassen, die f\u00fcr Transparenz in allen Unternehmens- und Regierungst\u00e4tigkeiten sorgen, die einen Einfluss auf Umwelt- und Menschenrechte haben, einschliesslich Handel, Steuern, Finanzen und Investitionsregelungen.<\/li>\n<li>Unternehmen und ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte sollen haftbar sein f\u00fcr Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen, die im Inland oder im Ausland durch von ihnen beauftragte Unternehmen begangen werden.<\/li>\n<li>Menschen, die von Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen betroffen sind, sollen Zugang zu wirksamen Rechtsmitteln und Wiedergutmachung erhalten, wenn n\u00f6tig auch in den Herkunftsstaaten der Unternehmen.<\/li>\n<li>Staaten m\u00fcssen die geschaffenen regulatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auch tats\u00e4chlich durchsetzen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Detailliertere Informationen zu diesen Prinzipien (und warum sie n\u00f6tig sind) finden Sie im <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/Global\/international\/publications\/other\/2018\/Justice-for-people-and-planet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht<\/a> selbst.<\/p>\n<p>Und Sie k\u00f6nnen sich mit uns daran freuen, dass einige Schritte in die richtige Richtung bereits im Gang sind: <a href=\"http:\/\/corporatejustice.org\/news\/393-france-adopts-corporate-duty-of-vigilance-law-a-first-historic-step-towards-better-human-rights-and-environmental-protection\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Frankreich<\/a> verlangt zum Beispiel seit Kurzem, dass Unternehmen allf\u00e4llige Risiken f\u00fcr Mensch und Umwelt im Zusammenhang mit ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit ausfindig machen und vorbeugende Massnahmen ergreifen. In der Schweiz steht eine Volksabstimmung \u00fcber die <a href=\"http:\/\/konzern-initiative.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Konzernverantwortungsinitiative<\/a> bevor, welche Unternehmen dazu verpflichten w\u00fcrde, die Respektierung von Menschenrechten und Umwelt zu einem Grundprinzip ihrer Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit zu machen. Neue, spezialisierte Gesetze wie das <a href=\"https:\/\/business-humanrights.org\/en\/uk-modern-slavery-act\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">britische Gesetz zur modernen Sklaverei<\/a> verlangen von Firmen auch, dass sie Sklaverei und Menschenhandel in ihren Lieferketten bek\u00e4mpfen. Wie diese Beispiele zeigen, k\u00f6nnen Regierungen durchaus Vorschriften mit Biss erlassen, um die Aktivit\u00e4ten von Unternehmen weltweit in weniger zerst\u00f6rerische Bahnen zu leiten. Wenn sie wollen.<\/p>\n<p>Eine gerechtere und nachhaltigere Welt ist m\u00f6glich \u2026 wenn alle, die einen lebenswerten Planeten wollen, sich zusammen daf\u00fcr einsetzen. <a href=\"https:\/\/act.greenpeace.ch\/page\/18570\/petition\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Machst du mit<\/a>?<\/p>\n<p>Daniel Mittler<br \/>\nPolitischer Direktor, Greenpeace International<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Greenpeace ist bekannt f\u00fcr Kampagnen, die das Verhalten von Unternehmen beeinflussen sollen. 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