{"id":20504,"date":"2018-01-23T00:00:00","date_gmt":"2018-01-22T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20504\/in-davos-auf-gerechtigkeit-hoeren\/"},"modified":"2019-07-04T16:54:28","modified_gmt":"2019-07-04T14:54:28","slug":"in-davos-auf-gerechtigkeit-hoeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20504\/in-davos-auf-gerechtigkeit-hoeren\/","title":{"rendered":"In Davos auf Gerechtigkeit h\u00f6ren"},"content":{"rendered":"<p>\u00ab<em>Eine andere Welt ist nicht nur m\u00f6glich, sie ist schon am Entstehen. An ruhigen Tagen kann ich sie bereits atmen h\u00f6ren.\u00bb&nbsp;<\/em>&#8211; Arundhati Roy<\/p>\n<p>Ich kann sie auch h\u00f6ren. Ich habe mein Arbeitsleben damit verbracht, anderen zu helfen, sie zu h\u00f6ren. Ich frage mich, ob ich sie diese Woche, wenn ich am j\u00e4hrlichen World Economic Forum (WEF) teilnehme, in der kalten Bergluft von Davos noch immer h\u00f6ren werde?<\/p>\n<div id=\"attachment_42089\" style=\"width: 809px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-42089\" class=\"wp-image-42089 size-full\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0769ff9a-0769ff9a-gp0strgv6_web_size.jpg\" alt=\"\" width=\"799\" height=\"532\"><p id=\"caption-attachment-42089\" class=\"wp-caption-text\">Aktion mit Justitia-Statue in Davos, 18. Januar 2018<\/p><\/div>\n<p>Sieben Frauen haben in diesem Jahr den Vorsitz in Davos, aber ich frage mich noch immer, ob Justitia sich \u00fcber den Chor der Hinterzimmer-Deals und die Rhetorik \u00fcber das gemeinsame Gestalten einer besseren Zukunft wird erheben k\u00f6nnen. Ich frage mich, ob wir in der Lage sein werden, das Mitgef\u00fchl und die Verbindung miteinander zu finden, um nicht nur \u00fcber die gr\u00f6ssten Herausforderungen zu debattieren, vor der die Welt heute steht, sondern auch die darin angelegten Chancen zu nutzen, um gemeinsam eine nachhaltigere und gerechtere Zukunft aufzubauen. Die Zeit, einfach am bestehenden System herumzubasteln, um den <em>Status quo<\/em> zu erhalten, ist l\u00e4ngst vorbei.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werde ich bei meinen Kontakten in Davos besonderen Wert legen auf die Gleichstellung der Geschlechter und die Gerechtigkeit als vitale Treiberin des Wandels, den wir in dieser Welt sehen m\u00fcssen. Ich werde an alle meine Gespr\u00e4chspartnerinnen und -partner appellieren, in sich zu gehen und sich zu fragen, was mit der Welt geschieht. Ich werde sie auffordern herauszufinden, was sie tun k\u00f6nnen, und sie dringlich bitten, es zu tun.<\/p>\n<p>Jedes Jahr ver\u00f6ffentlicht das WEF kurz vor dem Treffen in Davos einen <a href=\"https:\/\/www.weforum.org\/reports\/the-global-risks-report-2018\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">globalen Risiko-Bericht<\/a><u>.<\/u> In den letzten Jahren haben Greenpeace und weitere Bewegungen f\u00fcr Umwelt und soziale Gerechtigkeit viele der gleichen Punkte in Bezug auf Risiken, Dringlichkeit und L\u00f6sungen angesprochen. Gerade jene Systeme, aus denen Konzerne und PolitikerInnen ihre Macht und ihren Profit ziehen, versagen und schaffen die zersplitterte Welt, in der wir heute leben.<\/p>\n<p>Extreme Wetterereignisse (und machen Sie sich keine Illusionen, sie sind extremer wegen des Klimawandels) wie D\u00fcrreperioden, Wirbelst\u00fcrme oder Hochwasser wurden sogar von politischen und wirtschaftlichen F\u00fchrungskr\u00e4ften zum zweiten Mal in Folge als gr\u00f6sste Bedrohung f\u00fcr die Welt bezeichnet. Was die m\u00f6glichen Auswirkungen angeht, werden sie \u00e4hnlich bedrohlich eingestuft wie Massenvernichtungswaffen. Wir sind eindeutig in eine \u00c4ra alternativer Massenvernichtungswaffen eingetreten: Massenvernichtungs-Wetter.<\/p>\n<p>Welcher Ort w\u00e4re daher f\u00fcr diese Diskussionen relevanter als Davos, wo viele der Individuen anwesend sind, die daf\u00fcr sorgen k\u00f6nnen, dass wir das Schiff rechtzeitig abdrehen, bevor es in den Eisberg kracht?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir an diese MachthaberInnen als Menschen, als B\u00fcrgerInnen, als Eltern und Grosseltern appellieren. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, an ihre Menschlichkeit zu appellieren. Gleichzeitig haben sie spezifische Macht und Verantwortung.<\/p>\n<p>Ich werde auch f\u00fcr einen neuen Greenpeace-Bericht mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/Global\/international\/publications\/other\/2018\/Justice-for-people-and-planet.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abGerechtigkeit f\u00fcr Mensch und Planet\u00bb<\/a> werben. Im Bericht werden Regierungen aufgefordert, wirkungsvolle und verbindliche Regeln f\u00fcr das Verhalten von Wirtschaftskonzernen einzuf\u00fchren, damit diese ihrer Verantwortung f\u00fcr die Menschen und den Planeten gerecht werden. Der Bericht zeigt, dass Regierungen, statt solche Regeln einzuf\u00fchren, willentlich oder unwillentlich zu Wegbereitern der Straffreiheit f\u00fcr Konzerne wurden.<\/p>\n<p>Eine Analyse von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Corp.-Accountability-Cases.zip\">20 konkreten F\u00e4llen<\/a>&nbsp;macht deutlich wie Konzerne die Unternehmens-Gesetzgebung, Steuer- und Investitionsabkommen, ihre Lobbymacht und Schlupfl\u00f6cher in der internationalen Gesetzgebung missbraucht haben, um auf Kosten von Menschenrechten und der Umwelt Profit zu machen.<\/p>\n<p>Der Bericht dokumentiert unter anderem, wie unterschiedliche Rechtsstandards dazu f\u00fchrten, dass der VW-Konzern im Dieselskandal in den USA Bussen in Milliardenh\u00f6he bezahlen musste, in Europa hingegen straffrei davonkommt, oder wie Firmen wie Resolute Forest Products und Energy Transfer Partners (die Firma hinter der umstrittenen Dakota Access Pipeline) ihre KritikerInnen mit sogenannten SLAPP-Verfahren zum Schweigen bringen wollen. Auch wird gezeigt, wie der Schweizer Rohstoffh\u00e4ndler Glencore Umwelt und Klima sch\u00e4digt und private Schiedsgerichte nutzt, um Regierungen unter Druck zu setzen, oder wie die spanische ACS-Gruppe sich mit ihrer Beteiligung am Bau des Renace-Wasserkraftwerks in Guatemala zum Komplizen einer Katastrophe f\u00fcr Menschen und Umwelt machte.<\/p>\n<p>Als Antwort skizzieren wir auf gesundem Menschenverstand fussende&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/medienmitteilungen\/wef-2018-greenpeace-aktivistinnen-bringen-gerechtigkeit-nach-davos\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prinzipien zur Konzernverantwortung<\/a>, unter anderem die Forderungen \u00abKonzerne und deren F\u00fchrungskr\u00e4fte sollen haftbar sein f\u00fcr Umweltsch\u00e4den oder Menschenrechtsverletzungen, die im Inland oder Ausland durch Unternehmen begangen werden, die unter ihrer Kontrolle stehen\u00bb oder \u00abStaaten sollen stetige Verbesserungen der Standards f\u00f6rdern, indem sie Unternehmen verbieten, T\u00e4tigkeiten im Ausland auszu\u00fcben, die im Land ihres Firmensitzes aufgrund von Risiken f\u00fcr Umwelt- und Menschenrechte verboten sind.\u00bb<\/p>\n<p>Wann immer m\u00f6glich, werde ich in Gespr\u00e4chen die neusten Erkenntnisse der Klimaforschung einbringen und dabei insbesondere auf den Zusammenhang zwischen extremen Wetterereignissen, Klimawandel und Unternehmenshaftung hinweisen. Dies ist ein Gebiet, das sich wissenschaftlich rasch entwickelt und, weil die Auswirkungen immer h\u00e4ufiger und intensiver zu sp\u00fcren sind, ein Thema, dessen sich die wirtschaftlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte bewusst sein sollten.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngst eingereichte Schadenersatzklage der Stadt New York gegen f\u00fcnf der gr\u00f6ssten \u00d6lkonzerne im Zusammenhang mit Auswirkungen des Klimawandels und der <a href=\"https:\/\/insideclimatenews.org\/news\/10012018\/new-york-city-divest-sued-big-oil-climate-change-costs-exxon-chevron-bp-shell-mayor-deblasio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Plan der Stadt, die Investitionen ihres Pensionsfonds aus Erd\u00f6lkonzernen abzuziehen<\/a>, fussen auf solch neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.<\/p>\n<p>Als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Greenpeace International werde ich immer wieder gefragt, ob ich wirklich nach Davos gehen sollte. Die Antwort ist Ja. Meine Vorg\u00e4nger nahmen aus einem einfachen Grund teil \u2013 es ist eine seltene Chance, den M\u00e4chtigen direkt die Wahrheit zu sagen. Nat\u00fcrlich gibt es wie immer keine Garantie, dass diese Leute auch zuh\u00f6ren werden.<\/p>\n<p>Ich werde viele leitende F\u00fchrungskr\u00e4fte f\u00fcr einmal ohne deren grosse Support-Teams treffen. Irgendwie f\u00fchlen sich solche Begegnungen menschlicher an \u2013 eine Chance \u00fcber Fakten und wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten zu sprechen und ihnen helfen zu k\u00f6nnen, das Mitgef\u00fchl zu finden, das sie brauchen, um sich diesen Herausforderungen zu stellen.<\/p>\n<p>Greenpeace ist oft die erste Organisation, die bei einer \u00d6lpest oder einer nuklearen Katastrophe vor Ort auftaucht. Wieso also sollten wir nicht auch die ersten sein, die am Hofe der globalen CEOs ganz oben auftauchen und diese dazu bringen, sich f\u00fcr eine Zukunft einzusetzen, die auch sie sich zweifellos f\u00fcr ihre Kinder und Grosskinder w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>===<\/p>\n<p>Jennifer Morgan ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Greenpeace International<\/p>\n<p>Zuvor war sie die globale Direktorin des Klimaprogramms beim World Resources Institute. Als Klima-Aktivistin war sie als Leiterin grosser Teams bei wichtigen Organisationen t\u00e4tig, unter anderem hatte sie f\u00fcr den WWF, das Climate Action Network und E3G gearbeitet.<\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abEine andere Welt ist nicht nur m\u00f6glich, sie ist schon am Entstehen. An ruhigen Tagen kann ich sie bereits atmen h\u00f6ren.\u00bb\u00a0&#8211; Arundhati Roy Ich kann sie auch h\u00f6ren. 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