{"id":20511,"date":"2018-01-26T00:00:00","date_gmt":"2018-01-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20511\/recycling-loest-die-plastikkrise-nicht\/"},"modified":"2019-08-12T11:27:47","modified_gmt":"2019-08-12T09:27:47","slug":"recycling-loest-die-plastikkrise-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20511\/recycling-loest-die-plastikkrise-nicht\/","title":{"rendered":"Recycling l\u00f6st die Plastikkrise nicht"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Plastik liegt in der Luft. Nicht nur <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/science\/microplastic-microbeads-microfibres-pollution-environment-audit-committee-mps-evidence-a7021051.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">buchst\u00e4blich<\/a>. Alle reden \u00fcber Umweltverschmutzung durch Plastik und \u00fcber die n\u00f6tigen Gegenmassnahmen.<\/strong><\/p>\n\n<p>Plastikm\u00fcll breitet sich in der Umwelt und im Meer aus. Um dies zu erkennen, muss man keine grossen wissenschaftlichen Studien betreiben. Bis zu 12&nbsp;Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr in die Ozeane. So ist es keine \u00dcberraschung, dass Plastik \u00fcberall und insbesondere im Wasser vorhanden ist, wo es Meerestiere sch\u00e4digt und sich in der Nahrungskette anreichert.<\/p>\n\n<p>\u00dcberall auf der Welt engagieren sich Menschen f\u00fcr eine Welt ohne Einwegplastik und gegen die Wegwerfkultur. Sie \u00e4ndern ihre individuellen <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.uk\/9-ways-reduce-plastic-use\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lebensgewohnheiten<\/a>, sie <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/en\/campaigns\/detox\/what-you-can-do\/No-Plastic\/Tips\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">unterzeichnen Petitionen<\/a> oder sie sensibilisieren ihr Umfeld und lokale Gesch\u00e4fte.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Bewegung <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.breakfreefromplastic.org\/\" target=\"_blank\">#BreakFreeFromPlastic<\/a> wird immer gr\u00f6sser und ist nicht mehr zu stoppen!<\/h2>\n\n<p>Aber was macht die Politik? K\u00fcrzlich hat die EU-Kommission ihre <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/environment\/circular-economy\/pdf\/plastics-strategy.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">europ\u00e4ische Plastikstrategie <\/a>vorgelegt. Diese Strategie dokumentiert die Vision und Ziele der EU-Kommission zum Thema und soll zu entsprechenden Massnahmen und Aktionen f\u00fchren.<\/p>\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Union ist (zusammen mit den L\u00e4ndern des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens) nach China der zweitgr\u00f6sste Plastikproduzent der Welt.<\/p>\n\n<p>In der EU entstehen j\u00e4hrlich 25,8 Millionen Tonnen Plastikm\u00fcll. Davon werden 70&nbsp;Prozent verbrannt oder deponiert. Aus der EU gelangen jedes Jahr 150\u2019000 \u2013 500\u2019000 Tonnen Plastikm\u00fcll ins Meer. Die Menge an Mikroplastik, die aus EU-L\u00e4ndern in die Umwelt gelangt, wird auf 75\u2019000 bis 300\u2019000 Tonnen j\u00e4hrlich gesch\u00e4tzt. Diese Zahlen m\u00fcssen unbedingt sinken. Auf den ersten Blick scheint die neue Plastikstrategie der EU die Dringlichkeit der Situation zu erfassen. Und sicherlich ist es ein Fortschritt, dass es \u00fcberhaupt eine solche Strategie gibt. Schaut man aber genauer hin, enth\u00e4lt das EU-Papier leider nicht viel Neues.<\/p>\n\n<p>Die Strategie bietet einige gute Ans\u00e4tze, etwa dass Bestandteile von Mikroplastik (zum Beispiel Plastikk\u00fcgelchen in Kosmetika) k\u00fcnftig als giftige Umweltverschmutzung gelten, die unter die EU-Chemikalienverordnung f\u00e4llt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone wp-image-42292 size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2018\/01\/4587268a-gp0str5c3_pressmedia-1024x683-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30878\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2018\/01\/4587268a-gp0str5c3_pressmedia-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2018\/01\/4587268a-gp0str5c3_pressmedia-1024x683-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2018\/01\/4587268a-gp0str5c3_pressmedia-1024x683-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2018\/01\/4587268a-gp0str5c3_pressmedia-1024x683-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ein plastikspeiender Drachen protestiert an der Meereskonferenz \u201eOur Ocean\u201c in Malta. 5. Okt. 2017 \u00a9 Bente Stachowske <\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Ziel der Strategie ist, dass Plastikverpackungen auf dem EU-Markt bis zu Jahr 2030 zu 100&nbsp;Prozent aus Mehrwegplastik bestehen oder recyclingf\u00e4hig sind. Erfreulicherweise soll bereits 2018 ein erster Gesetzgebungsvorschlag im Bereich Einwegplastik vorliegen.<\/p>\n\n<p>St\u00f6rend ist jedoch, dass die Strategie den Schwerpunkt auf Recycling legt. Recycling erscheint als das Allheilmittel. Reduktion und Wiederverwendung spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Das Ziel der Strategie ist jedoch nicht erreichbar, wenn Produktion und Verbrauch von Plastikverpackungen und Einwegplastik nicht gesenkt werden. Vieles davon ist ohnehin unn\u00f6tig. Zudem gibt es erprobte Alternativen, die nur darauf warten, auf gr\u00f6sserer Stufe eingesetzt zu werden.<\/p>\n\n<p>Pfandsysteme werden immer breiter genutzt. Es entstehen laufend Gesch\u00e4fte mit unverpackten Lebensmitteln. St\u00e4dte und \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze bieten wieder vermehrt Trinkwasserbrunnen an. Wiederverwendbare Produkte sind im Trend. Aber all diese Alternativen zu Plastik m\u00fcssen gest\u00e4rkt werden, und zwar durch fortschrittliche und weitreichende politische Massnahmen.<\/p>\n\n<p>Jetzt gilt es f\u00fcr die Menschen in Europa, wachsam zu sein und die Regierungen zu gesetzlichen Anpassungen aufzufordern. Damit Einwegplastik so schnell wie m\u00f6glich verboten wird. Es herrscht dringend Handlungsbedarf. Wir k\u00f6nnen nicht Jahre warten, bis der Prozess auf EU-Ebene die Plastikkrise l\u00f6st. Jetzt ist der Moment f\u00fcr Ver\u00e4nderungen, packen wir die Chance!<\/p>\n\n<p>Wer nicht in Europa lebt, kann trotzdem helfen. In dieser globalisierten Welt wirkt sich alles, was in Europa beschlossen wird, auch auf andere Regionen aus: \u00dcber Konzerne mit Hauptsitz in Europa, \u00fcber Handelsbeziehungen oder auch einfach durch das Beispiel, das beweist, dass weitreichende Massnahmen gegen Einwegplastik durchaus praktikabel sind.<\/p>\n\n<p>W\u00e4hrend wir die politische Entwicklung weiterhin beobachten, k\u00f6nnen wir alle unseren Beitrag leisten: Trinkhalme und Plastikt\u00fcten vermeiden, Mehrwegflaschen nutzen oder uns im pers\u00f6nlichen Umfeld gegen Plastikm\u00fcll einsetzen. Jeder Schritt z\u00e4hlt, egal ob klein oder gross! Denk dir etwas aus, und mach mit in der Bewegung! Zusammen schaffen wir es! #BreakFreeFromPlastic!<\/p>\n\n<p><em>Elvira Jim\u00e9nez ist verantwortlich f\u00fcr die EU-Plastikkampagne bei Greenpeace und war Leiterin der Schiffstour &#171;Less Plastic More Mediterranean&#187; vom Sommer 2017<\/em><\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auswirkung der neuen EU-Plastik-Richtlinien auf die Schweiz<\/h2>\n\n<p class=\"box\">Obwohl die Schweiz nicht in der EU ist, beeinflussen uns deren gesetzliche Ver\u00e4nderungen unmittelbar. Viele EU-Entscheide werden in der Schweiz \u00e4hnlich nachvollzogen, so etwa das Teilverbot von bienensch\u00e4dlichen Pestiziden. Um die Plastikflut einzud\u00e4mmen, werden auch bei uns immer mehr Kampagnen und politische Vorst\u00f6sse gestartet. Der Gr\u00fcnen-Nationalrat Balthasar Gl\u00e4ttli hatte in der Vergangenheit mit einer Motion erfolglos versucht, Mikroplastik in der Schweiz zu verbieten. Nun \u00fcberlegt er sich, erneut politisch vorzugehen, um nicht zur &nbsp;\u00abMikroplastik-M\u00fcllhalde Europas\u00bb zu werden. Nicht nur der Markt w\u00fcrde geflutet werden, sondern auch unsere Gew\u00e4sser noch viel st\u00e4rker belastet.<br>\nDas Bafu (Bundesamt f\u00fcr Umweltschutz) selber wartet zurzeit noch ab und will die neuen EU-Regelungen f\u00fcr die Schweiz pr\u00fcfen, sobald die konkreten Regulierungsvorschl\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht werden.<br>\nWir m\u00fcssen nicht auf die n\u00e4chsten politischen Entwicklungen warten, jeder von uns kann seinen eigenen Teil beitragen. Angefangen vom Verzicht auf Strohhalme und Plastiks\u00e4cke oder dem Benutzen von wieder auff\u00fcllbaren Trinkflaschen: Jeder Schritt, jede Handlung z\u00e4hlt, egal ob klein oder gross. Was machst du, um einen Beitrag zu leisten? W\u00e4hle deine eigene Aktion und werde Teil der plastikfreien Bewegung #BreakFreeFromPlastic!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Plastik liegt in der Luft. Nicht nur buchst\u00e4blich. 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