{"id":20554,"date":"2018-03-21T00:00:00","date_gmt":"2018-03-20T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20554\/macht-der-einbildung\/"},"modified":"2019-05-30T15:44:01","modified_gmt":"2019-05-30T13:44:01","slug":"macht-der-einbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20554\/macht-der-einbildung\/","title":{"rendered":"MACHT DER EINBILDUNG"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbest\u00e4nde, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-43643\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0f0c6225-0f0c6225-bildschirmfoto-2018-03-21-um-11.03.51-300x160.png\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"480\" \/><\/p>\n<p>Was ist Holz wert? Selbstverst\u00e4ndlich sind gesunde, nat\u00fcrliche Waldbest\u00e4nde f\u00fcr das weltweite Klima unersetzlich; insofern ist Holz eigentlich unbezahlbar. Es gibt aber auch ganz profane Antworten auf die Frage: Ein Kubikmeter des begehrten Ipe-Holzes aus dem Amazonas kann gebrauchsfertig verarbeitet an Exporth\u00e4fen f\u00fcr rund 2000 Euro den Besitzer wechseln. Ein profitables Gesch\u00e4ft, das sich viele Holzh\u00e4ndler nicht von Umweltschutzbestimmungen verderben lassen wollen. Ein\u00a0<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.br\/hubfs\/Greenpeace_Report_Imaginary_Trees_Real_Destruction_March_2018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aktueller Greenpeace-Bericht<\/a>\u00a0deckt Machenschaften und Strategien in der brasilianischen Holzwirtschaft auf. Insbesondere zeigt er, wie illegal geschlagenes Holz einen gesetzeskonformen Anstrich erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Greenpeace beobachtet seit langem den gesetzeswidrigen Holzeinschlag in Brasilien,\u00a0vor allem in den Urw\u00e4ldern des Amazonasgebiets. Folgen f\u00fcr die Umwelt sind der Verlust der Artenvielfalt und eine fortschreitende Sch\u00e4digung des Waldes. Der Kampf ums Holz hat aber auch eine erschreckende gesellschaftliche Komponente: Landbesitzer werden h\u00e4ufig mittels brutaler Gewalt enteignet, Bewohner vertrieben, zusammengeschlagen, gefoltert und get\u00f6tet. Brasilianische Edelh\u00f6lzer sind oft nicht nur illegal geerntet, in vielen F\u00e4llen klebt Blut an ihnen \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/waelder\/amazonas\/mit-dem-leben-bezahlt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">die Spur f\u00fchrt bis nach Europa<\/a>.<\/p>\n<p>Der Greenpeace-Report \u201eImaginary Trees, Real Destruction\u201c erkl\u00e4rt, warum es so schwierig ist, illegales von legalem Holz zu unterscheiden. Und das Problem w\u00e4chst: Zwar gibt es staatliche Schutzmassnahmen gegen illegale Abholzung, aber die sind schwach und werden kaum kontrolliert. Missbrauch sind T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<h3>B\u00c4UME, DIE GAR NICHT DA SIND<\/h3>\n<p>Das liegt daran, dass die Forstunternehmen selbst Bestandsaufnahmen f\u00fcr die Gebiete machen, in denen sie eine staatliche Lizenz f\u00fcr den Holzabbau haben, etwa f\u00fcr Ipe-H\u00f6lzer. Das heisst: Sie sch\u00e4tzen das darin zu erwartende Volumen an Holz. Greenpeace deckt auf, dass viele Holzunternehmen diesen Bestand systematisch und in krimineller Absicht \u00fcbersch\u00e4tzen: indem sie \u00fcbertreiben, B\u00e4ume falsch identifizieren oder schlicht erfinden. Anhand dieser Zahlen bekommen die Unternehmen von der Umweltbeh\u00f6rde eine Art Guthaben ausgestellt: Dar\u00fcber, wie viel Holz sie maximal transportieren und verkaufen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Holzfirmen haben dadurch quasi einen Puffer: die Differenz zwischen dem tats\u00e4chlich vorhandenen Holz und dem theoretisch auf dem Papier existierenden. Diese Differenz f\u00fcllen sie in den S\u00e4gewerken mit illegal geschlagenem Holz \u2013 weitgehend ohne Verdacht zu erregen. Bei der Verarbeitung l\u00e4uft also illegales und legales Holz zusammen und l\u00e4sst sich kaum mehr auseinanderdividieren, aufgrund eines systematischen Fehlers, der weit vor dem Produktionsschritt im S\u00e4gewerk passiert.<\/p>\n<p>Greenpeace hat f\u00fcr den Report 586 Dokumente des Umweltamtes von Para untersucht, einem brasilianischen Bundesstaat im Amazonasgebiet. Die Papiere zur Genehmigung des Holzabbaus lieferten teils absurde Zahlen. \u00dcber drei Viertel der Dokumente zeigten auff\u00e4llige Abweichungen, in einigen F\u00e4llen wurden Vorkommen gemeldet, die zehnfach h\u00f6her waren als nach wissenschaftlichen Massst\u00e4ben vor Ort realistisch.<\/p>\n<h3>VERANTWORTUNG LIEGT AUCH BEI UNS<\/h3>\n<p>Das Problem ist nicht bloss ein brasilianisches, als gewaltiger Abnehmer ist auch Europa in der Pflicht: Im Zeitraum M\u00e4rz 2016 bis September 2017 importierten elf europ\u00e4ische L\u00e4nder knapp 10.000 Kubikmeter Ipe aus Gebieten, in denen Greenpeace Unregelm\u00e4ssigkeiten im Abbau vermutet. Deutschland ist mit 210 Kubikmetern ein eher kleiner Abnehmer, Frankreich hingegen mit rund 3000 Kubikmetern der weltweit gr\u00f6sste nach den USA. Die Vereinigten Staaten haben im angegebenen Zeitraum 10.170 Kubikmeter importiert, etwas mehr als Europa.<\/p>\n<p>Doch da die Europ\u00e4ische Holzhandelsverordnung nur den sogenannten Erstinverkehrbringer in die Verantwortung nimmt (also den Importeur, aber nicht die Weiterverk\u00e4ufer), kann die illegal in die EU importierte Ware gut auch auf dem deutschen Markt landen. \u201eDeutschland muss sich darum st\u00e4rker um die Bek\u00e4mpfung des illegalen Holzhandels bem\u00fchen\u201c, sagt Jannes Stoppel, Greenpeace-Experte f\u00fcr W\u00e4lder. Einige der deutschen Firmen, die erneut in dem Report erw\u00e4hnt werden, sind schon\u00a0<a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/brasil\/Global\/brasil\/documentos\/2015\/greenpeace_amazon_license_to_launder.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in anderen Recherchen auff\u00e4llig geworden<\/a>.<\/p>\n<p>Greenpeace fordert von der brasilianischen Regierung, s\u00e4mtliche Waldbewirtschaftungspl\u00e4ne zu \u00fcberpr\u00fcfen und sie dort auszusetzen, wo Betrug nachgewiesen werden kann. Ben\u00f6tigt wird ein zentralisiertes, transparentes System bei der Vergabe von Lizenzen zum Holzabbau sowie eine strenge \u00dcberwachung s\u00e4mtlicher Produktionsschritte. Die Hoffnung, der Markt selbst k\u00f6nnte die Produzenten in die Schranken verweisen, indem er illegale Praktiken bestraft, hat sich als tr\u00fcgerisch erwiesen. Eine politische L\u00f6sung ist zum Schutz des einzigartigen Amazonasgebiets unumg\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Hier finden Sie den Report\u00a0<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.br\/hubfs\/Greenpeace_Report_Imaginary_Trees_Real_Destruction_March_2018.pdf\">Imaginary Trees, Real Destruction<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbest\u00e4nde, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht. Was ist Holz wert? 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