{"id":20602,"date":"2018-04-02T00:00:00","date_gmt":"2018-04-01T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20602\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-2\/"},"modified":"2022-03-31T17:51:08","modified_gmt":"2022-03-31T15:51:08","slug":"greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20602\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-2\/","title":{"rendered":"Greenpeace Expedition-Amazonas-Riff \u2013 Woche 2"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Bieler Facharzt f\u00fcr Viszeralchirurgie Dr. J\u00e9r\u00f4me Tschudi (<a href=\"http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/\">http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/<\/a>) erf\u00fcllt sich einen langgehegten Traum und ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza &#8211; und berichtet uns hier ungefiltert von seinen Erlebnissen und Eindr\u00fccken.&nbsp;Die Tour ist Teil der Kampagne zum Schutz des erst k\u00fcrzlich entdeckten und von Greenpeace erforschten Amazonas-Riffes vor der brasilianischen K\u00fcste. Leider haben die \u00d6lkonzerne ein Auge auf die Region geworfen, die als einzigartiges, ja neuartiges \u00d6kosystem gilt. (<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/\">https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><em>J\u00e9r\u00f4me Tschudi ist Teil einer wissenschaflichen Expedition. Sie soll die Basis legen, das bisher fast unerforschte \u00f6kologisch sensible und wertvolle Gebiet zu einem Meeresschutzgebiet zu machen, wo Fischerei-Aktivit\u00e4ten und \u00d6lbohrungen verboten sind. Ein WissenschaftlerInnen-Team ist mit an Bord und wird &#8211; u.a. mit einem ROV-U-Boot &#8211; Daten sammeln und das Riff dokumentieren. Das wird helfen, die Risiken und Konsequenzen von \u00d6lbohrungen in dem \u00f6kologisch wertvollen Gebiet zu benennen, eine m\u00f6gliche Schutzzone zu erarbeiten und die PolitikerInnen und die Bev\u00f6lkerung davon zu \u00fcberzeugen, dass es da unbedingt ein Meeresschutzgebiet braucht.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><em>Jer\u00f4me Tschudi sagt: \u00abIch freue mich, Leute kennenlernen, die sich aus \u00dcberzeugung und ohne pers\u00f6nlich Profit daraus zu schlagen f\u00fcr die Umwelt einsetzen, ihre Ideen, ihre Motivation, ihre Freuden und \u00c4ngste. Meine ganz grosse Hoffnung ist, dass wir es einmal schaffen,&nbsp;40% der Weltmeere unter&nbsp;Schutz zu stellen.\u00bb<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><b>25.3.2018 &#8211; Tag 14<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend meiner Wache zeigt das Thermometer 24 Grad C um Mitternacht an, die Luftfeuchtigkeit liegt \u00fcber 90%. Auf dem Radar ist nur ein Fischerboot bei seiner Arbeit zu erkennen. Die Esperanza hat eine Zusatzantenne eingebaut, die mit \u00ab Automatic Identification System \u00bb auch kleine Boote lokalisieren kann. Auf der Karte erscheint nun eine wahre Armada von Fischerbooten bis hin zur senegalesischen K\u00fcste. Erstaunlich, dass es \u00fcberhaupt noch Fische im Ozean gibt. Wieder ert\u00f6nt ein Notruf, diesmal von einem Schiff vor der nordamerikanischen K\u00fcste.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Am Mittagessen setze ich mich zum Ausr\u00fcster. Er k\u00fcmmert sich unter anderem um die Ausr\u00fcstung an Deck und auf den Schlauchbooten. Er erz\u00e4hlt mir, dass er adip\u00f6s gewesen sei. Vor drei Jahren hat er sich entschlossen, abzunehmen, dies praktisch ausschliesslich mit Sport. So macht er 1000 Liegest\u00fctzen t\u00e4glich und besucht auch t\u00e4glich unseren Fitnessraum an Bord mit seinen verschiedenen \u00ab Folterinstrumenten \u00bb. Damit hat er 28kg verloren und halten k\u00f6nnen, alle Achtung. Wenn man seinen durchtrainierten athletischen K\u00f6rper sieht, kann man ihn sich gar nicht fettleibig vorstellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der erste Offizier fragt mich, wie ich mich in diesen zwei Wochen eingelebt habe. Gut, ich kenne nun die Routine und bin \u00fcberrascht, wie reibungslos und sozusagen spannungslos das Zusammenleben mit der Crew ist. Von fr\u00fcheren zweiw\u00f6chigen Segelt\u00f6rns weiss ich, dass eine Woche auf engem Raum gut toleriert wird, in der zweiten Woche bauen sich in der Regel Spannungen auf, sodass man dann froh ist, von Bord gehen zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig freue ich mich aber auf unser erstes Etappenziel und vor allem auf die nachfolgenden wissenschaftlichen Arbeiten. Etwas Sorgen macht mir die extreme Hitze, die uns an Land erwartet und die vielen Leute, die an Bord kommen werden, die Esperanza wird mit etwa 45 Personen voll belegt sein. F\u00fcr meine Kabine bedeutet das vier Personen auf engstem Raum. Hoffentlich sind alle diszipliniert&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Meer erkenne ich viele Algen, was ich bisher so auf hoher See nicht gesehen habe, Bedeutung? Einmal sind wir Delphinen begegnet, von Zeit zu Zeit versucht ein Schwarm fliegender Fische, einem Fressfeind zu entgehen. Diese landen manchmal ungewollt auf dem Deck von Segelyachten, das Deck der Esperanza liegt f\u00fcr sie viel zu hoch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Heute hat sich niemand zum Kochen des Abendessens eingetragen, sodass ich mich wieder melde. Wieder hilft mir der Koch, wir kommen z\u00fcgig voran und es bleiben sogar noch 10 min bis zur Essenszeit um 18 Uhr. Nur schade, dass ich mit dem Englisch des Inders so M\u00fche habe, er spricht zwar sehr gut, aber die Aussprache ist f\u00fcr mich schwer zu verstehen.<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><b>24.3.2018 \u2013 Tag 13<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir haben die Cap Verden hinter uns gelassen und befinden uns etwa in der Mitte des Atlantiks. Es wird immer heisser, der Wind flaut ab und die Wellen legen sich zunehmend. Wir starten heute die Klimaanlage, sodass wir uns nachts wieder mit einem Leintuch werden zudecken k\u00f6nnen, jetzt war es dazu einfach zu heiss. Arbeiten an Deck sind bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit schweisstreibend und entsprechend anstrengend.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Morgens wird noch gearbeitet, nachmittags ist dann Wochenendbetrieb. Am Abend nehmen alle am Barbecue auf dem Achterdeck teil, lockeres Ausklingen der Woche wie zu Hause im Garten. Unser Bootsmann ist Grillmeister, was gut ist f\u00fcr die Gruppenbildung, selbst der Kapit\u00e4n bringt Bierb\u00fcchsen. Die Frauen haben sich sch\u00f6n gemacht und etwas frische Kleider aus der Reserve geholt, bravo. Der Radio-Offizier bringt die Musik mit, ferngesteuert mit seinem Handy \u00fcber Lautsprecher, die er heute erst unter dem Helikopterlandeplatz montiert hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich kann kein einziges Musikst\u00fcck erkennen und realisiere einmal mehr, dass uns eine gute Generation trennt, die meisten sind zwischen 20 und 35 Jahre alt. Dann habe ich noch ein Gespr\u00e4ch mit meinem Kabinenkumpel, der Neuseel\u00e4nder\/Australier ist der zweit\u00e4lteste mit 55 Jahren und seit 10 Jahren bei Greenpeace t\u00e4tig. Meist war er mit der Arctic Sunrise unterwegs und beschreibt mit viel Humor die Eigenschaften dieses Eisbrechers ohne Kiel, der manchmal so stark rollt, dass der Kapit\u00e4n freiwillig seine Kabine mit einer der unteren Decks tauscht.&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Wer dann noch mag, kann sich in der Lounge einen Film ansehen. Ich werde das auslassen und etwas schlafen, bevor meine Wache um Mitternacht beginnt.<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><b>23.3.2018 \u2013 Tag 12<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir sind w\u00e4hrend meiner Wache einem Schiff begegnet! Gesehen haben wir es aber nur auf dem Radar, einem grossen Bildschirm ziemlich genau in der Mitte der Br\u00fccke. Nun kennt ja jeder, was ein Radar ist. Meinte ich auch, aber dieses Ger\u00e4t kann noch viel mehr, als einfach einen Gegenstand in der Ferne nachzuweisen. Es zeigt uns an, um welches Schiff es sich handelt, Schiffsname, Heimathafen, Schiffsl\u00e4nge und -tonnage, Kurs, Geschwindigkeit, Zeit bis zur Kreuzung unserer beider Routen, Zeitpunkt des Minimalabstands zur Esperanza. Es wird dann etwas \u00fcber einer Meile entfernt vorbeiziehen. Da das Schiff beim Beginn meiner Wache 16 Meilen entfernt lag, lag es noch hinter dem Horizont und war entsprechend nicht zu sehen, ausser eben auf dem Radar. Und dennoch wussten wir fast alles dar\u00fcber, ohne Funkkontakt. Dann stellte der Offizier eine Funktionsst\u00f6rung des Satellitenkompass fest, was er daran erkannte, dass die beiden anderen Kompasssysteme \u00fcbereinstimmten. Ein irrt\u00fcmlicher Kurswechsel wurde dadurch vermieden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Pl\u00f6tzlich ging ein Alarm los. Nachts ist die Br\u00fccke nicht beleuchtet, um die Nachtsicht nicht einzuschr\u00e4nken, nur das schwache r\u00f6tliche Leuchten der Monitore ist sichtbar, und es ist alles still bis auf die \u00fcblichen Schiffsger\u00e4usche. Das Alarm gebende Ger\u00e4t leuchtet rot auf, wir m\u00fcssen hinlaufen, um dem unangenehm lauten Piepsen ein Ende zu bereiten. Auf dem Display steht, dass ein Piratenangriff auf ein Schiff vor Nigeria stattgefunden hat, das von einem Schnellboot aus beschossen wurde. Es folgte ein Schusswechsel und das Schnellboot drehte ab, kaperte kurz darauf ein Fischerboot und zwang dieses, einen Hafen in Benin anzulaufen. Kaum haben wir uns dar\u00fcber ausgetauscht, ert\u00f6nt ein Notruf auf der Seenotfrequenz. Das Schiff liegt aber vor Frankreich und ist damit f\u00fcr die Esperanza, die sich mitten im Atlantik befindet, innert n\u00fctzlicher Zeit unerreichbar.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wie immer kontrolliere ich auf der elektronischen Karte, wo sich unser Schiff befindet, jeden Tag ein klein bisschen weiter zum Ziel Belem in Brasilien hin. Wie immer hat der Offizier die Kartenupdates der Admiralit\u00e4t zu Beginn der Wache ins System eingespeist. Wir werden uns schon bald bei den brasilianischen Beh\u00f6rden anmelden m\u00fcssen, auf der Karte ist eingezeichnet, wann wir die Meldepflicht erf\u00fcllen m\u00fcssen, und zwar noch weit innerhalb der internationalen Gew\u00e4sser. Zum x-ten Male studiert der Offizier die Seekarte zum Einlaufen nach Belem ein, wann welcher Kurswechsel zu erfolgen hat und wo die Untiefen sind. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Tide erreicht in Belem rund 3m, je nach Wasserstand bleibt nur wenig Wasser unter dem Kiel. Dieser befindet sich bei der Esperanza gut 5m unter der Wasseroberfl\u00e4che. Er zeigt mir, wo der Lotse zusteigt, der dann unser Schiff bis zum Quai f\u00fchren wird. Dieser wird mit der neuen Lotsenleiter an Bord steigen k\u00f6nnen, ein speziell langes Trittbrett ist mir bei dieser aufgefallen, dieses verhindert, dass sich die Leiter um ihre Achse dreht, was den Lotsen aus dem Gleichgewicht bringen k\u00f6nnte. Beim Man\u00f6ver m\u00fcssen alle Anwesenden Schwimmwesten tragen, die Lotsent\u00fcre im Rumpf wird ge\u00f6ffnet und die wasserdichte T\u00fcre zum Schiffinneren muss geschlossen sein. Dies habe ich anhand der schriftlichen Warnschilder im sogenannten \u00abNassraum\u00bb der Esperanza erfahren, das Man\u00f6ver habe ich noch gar nicht mitbekommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Den ganzen Nachmittag haben wir mit Putzen und Streichen verbracht. Nach dem Auftragen einer dritten Grundierungsschicht auf den rostbehandelten Stellen durften wir dann gr\u00f6ssere Bereiche des Decks streichen. Es ist eine wahre Freude, wenn endlich aller Rost verschwunden ist und das Deck wie neu gl\u00e4nzt. Die Amerikanerin fragte mich heute ganz besorgt, ob ich diese einfachen Arbeiten erniedrigend finde. Ich konnte sie beruhigen. Keine Arbeit ist f\u00fcr mich erniedrigend, jede hat ihren Wert und muss gesch\u00e4tzt werden, aber es gibt schon Leute, die besser streichen als ich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich habe noch gar nie erw\u00e4hnt, wie die Arbeit auf der Esperanza organisiert ist: Tagwache um 07.30Uhr, Arbeitsbeginn um 08 Uhr, Pause um 10 Uhr f\u00fcr eine Viertelstunde, dann erneut Arbeit bis zum Mittagessen Punkt 12 Uhr. Mittagspause bis 13 Uhr, dann wird bis 15 Uhr gearbeitet mit derselben Pause wie morgens. Um 17 Uhr ist Arbeitsschluss mit der bereits beschriebenen \u00ab Bier-Stunde \u00bb auf dem Achterdeck. F\u00fcr Wachhabende besteht ein separater 24-Stunden-Arbeitsplan, \u00c4mtchen kommen dazu, wie z.B. das Putzen der Duschen, WC\u2019s, der Messe etc. jeweils morgens in der Regel bis 09 Uhr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Unterhalt so eines grossen Schiffs gibt unglaublich viel zu tun, nebst den von mir beschriebenen relativ unqualifizierten Arbeiten sind drei Ingenieure, ein Elektriker, zwei Mechaniker, ein Ausr\u00fcster, ein Informatiker, ein Bootsmann, vier Matrosen mit mir als angelernter Matrose und Schiffsarzt voll damit besch\u00e4ftigt, alle Systeme in Schwung zu halten. Der Kapit\u00e4n und seine drei Offizieren schauen dazu, dass die Esperanza ihr Programm einh\u00e4lt und ihre Ziele erreicht und der Koch mit seiner Assistentin sorgen f\u00fcr das leibliche Wohl aller.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Vor Feierabend kam die Crew in der Messe zusammen und der Kapit\u00e4n hat uns \u00fcber die neuen Vorschriften f\u00fcr Matrosen informiert. Diejenigen, die auch auf der Br\u00fccke Wache schieben, brauchen hierf\u00fcr ein spezielles Papier, ich habe wohl gerade noch Gl\u00fcck gehabt&#8230; Greenpeace hat einen Informationsbogen zugemailt, in dem jede m\u00f6gliche Unterst\u00fctzung zur Weiterbildung angeboten wird. Vorerst werden die Matrosen alle zwei Wochen vom Bootsmann und ersten Offizier qualifiziert, diese Qualifikationen sind f\u00fcr die Zulassung zur Pr\u00fcfung n\u00f6tig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dann erw\u00e4hnte er noch, dass wir Belem dank den kr\u00e4ftigen Passatwinden wohl bereits in einer Woche erreichen werden mit einem etwas l\u00e4ngeren Aufenthalt als prim\u00e4r vorgesehen. Er warnte uns vor Ausg\u00e4ngen an Land, Belem soll ein gef\u00e4hrliches Pflaster sein, was mir sp\u00e4ter von einem der Mechaniker best\u00e4tigt wurde, er wurde dort am gleichen Tag gleich zweimal ausgeraubt.<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><b>22.3.2018 \u2013 Tag 11<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Wache war wieder ruhig. Ich verbringe sie zum gr\u00f6ssten Teil mit meinen Runden durch die Esperanza, was mich fast \u00fcberall hinbringt ausser in die Kabinen. Nach wenigen Tagen sp\u00fcre ich meine Knie, auf den steilen Treppen schlage ich ausserdem h\u00e4ufig meine linke Achillessehne an, weil beim Treppablaufen praktisch nur die Ferse Platz auf den schmalen metallenen Stufen findet, und vom Hochziehen am Treppengel\u00e4nder schmerzt meine rechte Schulter vermehrt, was mich dazu zwingt, mich vor allem mit dem linken Arm hochzuziehen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wahrscheinlich tritt jetzt ein Trainingseffekt ein, \u00abmeine\u00bb Hundwache bleibt mir scheinbar erhalten zu bleiben. Dazwischen wird geplaudert, mein Offizier ist gl\u00fccklicherweise gerne f\u00fcr Gespr\u00e4che zu haben, wenn seine Arbeit ihn nicht gerade fordert. Er war zuerst gelernter \u00abWasserbauer\u00bb oder so \u00e4hnlich, ein knochenharter Job mit Unterhalt von B\u00f6schungen, Holzarbeiten, Schleusen, Bauten im und am Wasser, in Kan\u00e4len etc. Irgendeinmal hat er realisiert, dass sein Beruf keine Aufstiegschancen bietet und er ihn k\u00f6rperlich nicht ewig w\u00fcrde durchhalten k\u00f6nnen. Er machte das Berufsabitur und studierte Nautik an der Fachhochschule, ist nun dritter Offizier auf der Esperanza, beruflich sind damit alle Optionen offen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Greenpeace hat 2017 eine \u00abPlastiktour\u00bb im Mittelmeer durchgef\u00fchrt, um Regierungen und Bev\u00f6lkerung f\u00fcr das Problem Plastik zu sensibilisieren. Plastik wird unter UV-Strahlung in kleine Bruchst\u00fccke zerkleinert, die von Fischen geschluckt werden und so in die Nahrungskette gelangen. Was das auf l\u00e4ngere Zeit bedeutet, ist unklar, besser bekannt sind die Bilder verhungerter Jungv\u00f6gel, deren Magendarmtrakt voll mit Plastikteilen war, die sie von ihren Vogeleltern verf\u00fcttert bekommen hatten. In den Ozeanen gibt es insgesamt 5 Wirbel, wo verschiedene Str\u00f6mungen zusammentreffen, und wo sich dieser Plastikm\u00fcll ansammelt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf meine Frage, ob man nicht versuchen sollte, diese Wirbel mit Trillionen von Plastikteilen auszufischen, hat er mich auf<\/span><a href=\"http:\/\/www.theoceancleanup.com\"> <span style=\"font-weight: 400;\">www.theoceancleanup.com<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> hingewiesen. Die Organisation wurde 2013 von einem 1994 geborenen Holl\u00e4nder gegr\u00fcndet mit dem Ziel, den Pazifikwirbel bis 2050 leer zu fischen. Da die Plastikteilchen mehrheitlich an der Oberfl\u00e4che schwimmen, werden \u00d6lsperren\u00e4hnliche Gebilde eingesetzt, in denen sich der Plastikm\u00fcll ansammelt. Geplant ist die Verwertung dieses Plastiks durch Pyrolyse an Land, einerseits also durch R\u00fcckbau zu Monomeren als Grundstoff f\u00fcr neue Plastikprodukte, andererseits zu Erd\u00f6l. L\u00e4ngerfristig soll die Organisation durch den Verkauf dieser Produkte sich selbst finanzieren k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dann wollte ich wissen, wieviel Diesel mit den Elektromotoren gespart werde. Der Verbrauch wird auf etwa einen Drittel reduziert, der Diesel wird ja zum Betreiben der Generatoren ben\u00f6tigt, die den Strom f\u00fcr den Elektroantrieb und den Schiffsbedarf liefern. Im Logbuch haben wir dann den t\u00e4glichen Verbrauch nachgesehen. Lotsen verlangen in der Regel, dass die Hauptmotoren laufen, um im Notfall volle Kraft zu haben. Obwohl wir also bei der Ausfahrt von Bordeaux mit dem Ebbstrom den ruhigen Fluss hinuntergefahren sind, war der Treibstoffverbrauch dort etwa dreimal h\u00f6her als sp\u00e4ter auf See. Ich frage mich nun, ob Kreuzfahrtschiffe, die t\u00e4glich bis zu 320 to Treibstoff ben\u00f6tigen, nicht auf Elektroantrieb umgestellt werden sollten, man kann sich den Gewinn f\u00fcr Reederei und Umwelt vorstellen, vor allem, wenn dieses Antriebskonzept breit nachgeahmt werden sollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Den Nachmittag haben wir Decksmannschaft mit Streichen verbracht. Wo Rost geklopft worden war, mussten wir zun\u00e4chst eine Grundierung und dann einen Aluminiumprimer auftragen. Ein Zeitverzug muss unbedingt vermieden werden, schon nach Stunden bildet sich auf den freiliegenden Stahlteilen Flugrost. Ich werde morgen jeden Knochen sp\u00fcren. Es geht ja nicht nur ums Streichen, was einfach w\u00e4re. Der Rost bildet sich jeweils, wo Meerwasser stehen bleibt, bei Relingst\u00fctzen, in der Fussreling, sonstigen Aufbauten auf Deck etc., die nat\u00fcrlich mehr oder weniger gut zug\u00e4nglich sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Entsprechende Verrenkungen sind n\u00f6tig, f\u00fcr \u00e4ltere Semester wie mir fehlt dann jede Eleganz&#8230; Den Spanier, der die schwerste Arbeit durchf\u00fchrte, n\u00e4mlich das Klopfen und Wegfr\u00e4sen des Rosts habe ich gefragt, ob er das in der spanischen Marine auch habe machen m\u00fcssen. Er lachte und meinte, sie h\u00e4tten jeweils Eins\u00e4tze von 2 Monaten auf See gehabt und dann 3 Monate Urlaub, Unterhaltsarbeiten seien w\u00e4hrend des Urlaubs in der Werft durchgef\u00fchrt worden&#8230;so geht\u2019s auch, nur teurer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mittlerweile hat der Wind aufgefrischt und die See geht hoch, die Esperanza rollt wieder deutlich mehr. Ich habe jetzt gelernt, wie man in dieser Situation durch die G\u00e4nge l\u00e4uft, n\u00e4mlich richtig schr\u00e4g, ganz so, wie sich ein Motorradfahrer in die Kurve legt. Das sieht dann ziemlich lustig aus, die F\u00fcsse auf der einen Seite des Gangs und der Kopf auf der anderen. Durch das Rollen l\u00e4uft man dann nicht gerade, sondern von der einen Seite des Gangs auf die andere und wieder zur\u00fcck. Schwieriger wird das Kreuzen mit entgegenkommenden Personen&#8230;<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><b>21.3.2018 \u2013 Tag 10<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Wind hat aufgefrischt, sonst ist die Wache ruhig verlaufen, seit Tagen war kein Schiff mehr in Sicht. Um 01 Uhr musste ich alle Uhren der Esperanza um eine Stunde zur\u00fcckstellen, nun schon zum zweiten Mal. Zum Schutz vor Sch\u00e4den sind diese unter der Decke angemacht, es sind Kletterk\u00fcnste angesagt. Generell sind die Stahlkappenschuhe sehr n\u00fctzlich, beim vielen Stahl und den vielen Kanten trete ich h\u00e4ufig dagegen und bin so optimal gesch\u00fctzt. Der Goretex hat meine F\u00fcsse bisher einwandfrei trocken gehalten und die Sohle ist wirklich ein Hammer, sie gibt guten Halt selbst auf dem glatten gestrichenen und nassen Stahldeck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf jeder Wache lerne ich dazu. Erstmals habe ich auf meinen Runden die L\u00f6schwasserspritzkanonen bemerkt, die in der N\u00e4he der Helikopterplattform platziert und f\u00fcr solche Landepl\u00e4tze Vorschrift sind. Erfahren habe ich auch, dass auf der Esperanza der Kompass gleich dreifach vorhanden ist, einmal magnetisch, dann als Gyrokompass und schliesslich als Satellitenkompass. Das ist kein Luxus, ein Kompasssystem kann durchaus ausfallen. Transportiert das Schiff beispielsweise eine Ladung von Stahl, funktioniert der magnetische Kompass nicht zuverl\u00e4ssig. Der Gyrokompass orientiert sich nicht am magnetischen Nordpol, sondern an der Erdrotationsachse, und wird bei Ausfall von einem Pickettdienst der Firma sofort und weltweit ersetzt. Der Satellitenkompass k\u00f6nnte z.B. einem Cyberangriff zum Opfer fallen. Als Segler bin ich beeindruckt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der wachhabende Offizier hat mir diese Nacht vom Greenpeace Einsatz vor der Ostk\u00fcste Nordamerikas erz\u00e4hlt, wo die republikanische Regierung mit den extrem lauten Schallkanonen nach \u00d6l suchen will. Dieser Unterwasserl\u00e4rm ist so stark, dass er Schalltraumen bei Lebewesen ausl\u00f6st, was z.B. bei Walen zu Hirnblutungen f\u00fchren kann und m\u00f6glicherweise zu den gef\u00fcrchteten Orientierungsst\u00f6rungen mit Strandung der Tiere. Im Minimum vertreibt er die Tiere weitherum. Um das zu beweisen, m\u00fcssen die Walges\u00e4nge an ausgew\u00e4hlten Orten aufgenommen werden und zwar vor und sp\u00e4ter nach dem Schallkanoneneinsatz. Hierzu kooperiert Greenpeace mit den Wissenschaftlern vor Ort, die sehr dankbar waren, dank Greenpeace ihre Bojen bergen, auswerten und mit neuen Batterien versehen zu k\u00f6nnen. Ein weiteres begeisterndes Beispiel erfolgreicher Kooperation.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich bin gerade aufgestanden und unter die Dusche gegangen. Auf der Esperanza wird S\u00fcsswasser durch Osmose aus Meerwasser gewonnen. F\u00fcr mich als Segler von eher kleinen Booten der absolute Luxus. Bisher habe ich auf diesen Booten im allerbesten Fall mit Meerwasser geduscht mit deutlich kleinerem \u00abWohlf\u00fchleffekt\u00bb. \u00dcbrigens ist das so gewonnene Wasser auch gut zu trinken und durchaus vergleichbar mit Hahnenwasser zu Hause.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wenig sp\u00e4ter ohrenbet\u00e4ubender L\u00e4rm. Es wird Rost geklopft, entweder mit einem Hammer, oder dann mit entsprechenden Maschinen, die vor allem an Ecken und Kanten sowie an Leitungen etc. zum Einsatz kommen. Absolute Schwerarbeit in unkomfortabler Stellung, kniend, liegend etc. Ist der Rost abgeklopft, erfolgt die Applikation eines Grundierungsmittels, um den Stahl zu sch\u00fctzen. Dieser wird sp\u00e4ter in der richtigen Farbe \u00fcberstrichen. Der Bootsmann will mir das nicht zumuten, ich verbringe den Nachmittag mit Enteisen des K\u00fchlschranks im Spital mit Reinigung und Kontrolle des Inventars sowie sp\u00e4ter mit erneutem Sortieren des Abfalls.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Um 17 Uhr ist jeweils Arbeitsschluss und \u00ab Bier-Zeit \u00bb. Man trifft sich auf dem Achterdeck unter dem Helilandeplatz, wo ein altgedientes Ledersofa festgezurrt ist, ein Tisch aufgestellt wurde mit St\u00fchlen darum herum. Die Raucher fr\u00f6nen ihrem Laster, ich halte mich mit Bemerkungen zur\u00fcck. Dazu gibt\u2019s Bier, jede Dose 50 Cents, jeder schreibt sich ein und zahlt sp\u00e4ter. Die Stimmung ist heiter, kameradschaftlich, es wird viel gelacht. Selbst die Brasilianerin, die k\u00fcrzlich ihre Freundin verloren hat, die als Umweltaktivistin in Brasilien auf offener Strasse erschossen wurde, zeigt ihr latinisches Temperament. Sie spricht nicht besonders gut englisch, mischt das mit Portugiesich, unterh\u00e4lt sich besonders gern mit dem einen Spanier, der Portugiesisch aber nur teilweise versteht. Die Missverst\u00e4ndnisse sind dabei das Lustigste.<\/span><\/p>\n<div class=\"a\">\n<hr>\n<p><b>20.3.2018 \u2013 Tag 9<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es scheint, dass ich nun fest f\u00fcr die sogenannte Hundswache zwischen Mitternacht und 04 Uhr eingeteilt bin, was ich erst auf Nachfrage hin gestern Abend erfahren habe. Wir haben die kanarischen Inseln hinter uns gelassen und werden sanft von Passatwinden vorw\u00e4rtsgeschoben, nat\u00fcrlich immer unter Motor. W\u00e4hrend der ganzen Wache sind wir keinem einzigen Schiff begegnet. Die Temperaturen sind stark gestiegen, nachts 21 Grad Celsius, tags\u00fcber nat\u00fcrlich mehr, was man beim stetig wehenden Passatwind aber gar nicht so bemerkt. T-Shirt und Shorts sind dennoch angesagt. Wir stehen dann auf der Br\u00fccke und der zweite Offizier erkl\u00e4rt mir die Sternbilder, er liebt es, den GPS-Standort des Schiffes mit astronomischer Navigation zu best\u00e4tigen. Er konnte mir so erstmals das langsam auszumachende Kreuz des S\u00fcdens am Himmel zeigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Endlich habe ich verstanden, warum die riesigen Hauptmotoren nie laufen. Die Schrauben werden tats\u00e4chlich von Elektromotoren angetrieben, die den Strom von Diesel-Generatoren erhalten ohne zwischengeschalteter Batterie. Die Generatoren verbrauchen sehr viel weniger Diesel als die Hauptmotoren, sie produzieren Strom f\u00fcr den Antrieb und den \u00fcbrigen Schiffsbedarf. So l\u00e4sst sich Treibstoff sparen und es ist mehr als genug Strom vorhanden f\u00fcr jeden erdenklichen Zweck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dem \u00abAusschlafen\u00bb habe ich die angelieferten Medikamente im \u00ab Spital \u00bb eingeordnet. Nachmittags half ich dann der Decksmannschaft einen Teil von Reling und Kaj\u00fctaufbau mit Phosphors\u00e4ure anzufrischen und verstehe somit besser, warum \u00fcberall diese Notfallkits zur Behandlung von Ver\u00e4tzungen der Augen angebracht sind. Die Arbeiten wurden aber mit Schutzbrille durchgef\u00fchrt, bei l\u00e4rmigen Arbeiten wird zus\u00e4tzlich ein Ohrschutz getragen. Unser Chef sprach von der Phosphors\u00e4ure als \u00ab Aufheller \u00bb, was den Effekt sehr gut wiedergibt. Danach wurden die bearbeiteten Teile mit dem Hochdruckreiniger abgespritzt und sind bereit zum Streichen morgen. Da unsere F\u00fcsse immer wieder von Meerwasser umsp\u00fclt werden, k\u00f6nnen nur h\u00f6her liegende Schiffsteile gestrichen werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Zeit bis zum Feierabend verbrachten wir mit dem Sortieren des Abfalls in die verschiedenen Container auf dem Achterdeck, wiederverwendbarer Plastik, nicht wiederverwendbarer, Tetrapacks, Metalle, organische Abf\u00e4lle, Papier, allgemeiner M\u00fcll. Aluminiumdosen werden vor dem Entsorgen platzsparend gepresst. Schliesslich wurden die M\u00fclleimer gereinigt und wieder an ihren Standort gebracht. Dazwischen fand ich etwas Zeit, meine W\u00e4sche zu machen. Irgendwie freut mich nat\u00fcrlich, dass auf der Esperanza zwei Miele Wascht\u00fcrme diese Arbeit verrichten, die fast ununterbrochen laufen, und dies anstandslos.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">F\u00fcr mich waren diese Arbeiten streng genug. Einerseits k\u00e4mpft man ja immer darum, das Gleichgewicht zu behalten, dann kommt erst die eigentliche Arbeit dazu. Auf einem Handelsschiff wie der Esperanza sind alle Teile massiv und schwer, schon das \u00d6ffnen und Schliessen der T\u00fcren ist anstrengend, weil immer mehrere schwer gehende Hebel zu bet\u00e4tigen sind, die die T\u00fcr dann aber auch wasserdicht verschliessen. Der Bootsmann schaut genau, welche Arbeiten er mir als \u00c4ltestem der Crew-Mitglieder geben kann, ohne mich einerseits zu \u00fcberfordern und andererseits einer \u00fcberm\u00e4ssigen Verletzungsgefahr auszusetzen<\/span><\/p>\n<hr>\n<p><b>19.3.2018 \u2013 Tag 8<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zwischen Mitternacht und 4 Uhr morgens war ich auf der Br\u00fccke zur Unterst\u00fctzung des wachhabenden Offiziers. Das heisst, nur zeitweise, weil meine Hauptaufgabe ein st\u00fcndlicher Rundgang durch das Schiff war, auf dem alle kritischen R\u00e4ume und Einrichtungen zu kontrollieren waren, die Feuer fangen oder besch\u00e4digt werden k\u00f6nnten. Also alle Decks mit besonderem Augenmerk auf die dort festgezurrten Schlauchboote und Container, die das wissenschaftliche Material enthalten inklusive der Tauchroboter, aber auch der Rettungsinseln, die sich aus ihren Halterungen l\u00f6sen k\u00f6nnten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Im Batterieraum hatten wir beim letzten Rundgang vor meinem Dienst Diesel vorgefunden, dieses wurde aufgefangen und der Raum gereinigt. Dann waren die Maschinenr\u00e4ume, der Maschinenkontrollraum, die Waschk\u00fcche, der Gymnastikraum, alle Werkst\u00e4tten, die Lagerr\u00e4ume etc. zu kontrollieren, wobei lose Gegenst\u00e4nde gesichert werden m\u00fcssen, die Bilgen auf Wassereinbruch kontrolliert werden und trotz \u00fcberall vorhandener Rauchmelder auf Rauchbildung zu achten ist. Irgendwelche Feststellungen waren sofort per Funktelefon dem Wachhabenden zu melden. Der Rundgang ben\u00f6tigt rund 20 Minuten und es sind viele sehr steile Treppen hinab- und wieder hinaufzusteigen. Daf\u00fcr kenne ich nun alle R\u00e4ume der Esperanza, die ich gar nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Genau so stelle ich mir die Arbeit von Securitas vor.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auf der Br\u00fccke hat mich der zweite Offizier ausf\u00fchrlich \u00fcber die verschiedenen Navigationsmittel informiert. Dabei zeigte er mir einen Bewegungsmelder, der Alarm schl\u00e4gt, wenn sich w\u00e4hrend 12 Minuten auf der Br\u00fccke niemand aufh\u00e4lt. Wird dieser nicht gleich abgestellt, wird zun\u00e4chst der erste Offizier und dann der Kapit\u00e4n alarmiert.&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Um 15.30Uhr werden heute das Vorgehen bei Feueralarm und im Falle der Aufgabe des Schiffes ge\u00fcbt.&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Sicherheit \u00fcberall. Eindr\u00fccklich!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Neben den Kontrollen bleibt auf der Br\u00fccke Zeit zum Plaudern. Mit dem Deutschen konnte ich deutsch sprechen, was mir eher liegt als englisch. Er arbeitet seit knapp 5 Jahren f\u00fcr Greenpeace und hat von seinen Eins\u00e4tzen erz\u00e4hlt. Obwohl von Natur eher zur\u00fcckhaltend, waren seine Erz\u00e4hlungen voller Herzblut und haben mich gepackt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Beispiel erz\u00e4hlte er von Eins\u00e4tzen gegen illegale Fischerei im indischen Ozean und vor der afrikanischen K\u00fcste. Da Greenpeace prinzipiell gewaltfrei vorgeht und auf ihren Schiffen keine Waffen mitf\u00fchrt, sind solche Eins\u00e4tze riskant. In Afrika wurde das Problem so gel\u00f6st, dass Greenpeace die Schiffe und ihre Crew liefert, die Staaten, denen das illegale Treiben vor ihren K\u00fcsten selbstverst\u00e4ndlich bekannt ist, stellen die Vertreter der \u00f6ffentlichen Hand, die dann f\u00fcr die Kontrollen der angehaltenen Fischerboote zust\u00e4ndig sind, was wiederum zu saftigen Bussen f\u00fchrt bis hin zum Lizenzentzug. Win-win Situation durch Kooperation.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Der Unterhalt der Greenpeace-Flotte verschlingt sehr viel Geld, und ich habe mich oft gefragt, ob in unserer digitalen Welt ein solches Instrument noch gerechtfertigt ist. Die Schiffe erlauben aber nicht nur wissenschaftliche Arbeiten und Eins\u00e4tze auf Ozeanen, sie sind auch im Inland effektiv, z.B. bei der Kontrolle des illegalen Holzschlags, wenn sie den Fluss hochfahren, bis praktisch sichergestellt ist, dass der ganze Schiffsverkehr nur noch Holztransporten gilt.&nbsp;<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Die Antwort ist detaillierter ausgefallen, hat mich aber total \u00fcberzeugt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Tagebucheintr\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>[display-posts category=&#187;Bordtagebuch&#187; posts_per_page=&#187;-1&#8243; include_date=&#187;false&#187; order=&#187;ASC&#187; orderby=&#187;title&#187;]<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00e9r\u00f4me Tschudi ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff. Lese, was er in Woche zwei erlebt hat. <\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":20604,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-20602","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-meer","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20602\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20604"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20602"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=20602"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=20602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}