{"id":20673,"date":"2018-05-07T00:00:00","date_gmt":"2018-05-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20673\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-7\/"},"modified":"2019-05-30T15:55:03","modified_gmt":"2019-05-30T13:55:03","slug":"greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20673\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-7\/","title":{"rendered":"Greenpeace Expedition-Amazonas-Riff \u2013 Woche 7"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Bieler Facharzt f\u00fcr Viszeralchirurgie Dr. J\u00e9r\u00f4me Tschudi (<a href=\"http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/\">http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/<\/a>) erf\u00fcllt sich einen langgehegten Traum und ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza \u2013 und berichtet uns hier ungefiltert von seinen Erlebnissen und Eindr\u00fccken.\u00a0Die Tour ist Teil der Kampagne zum Schutz des erst k\u00fcrzlich entdeckten und von Greenpeace erforschten Amazonas-Riffes vor der brasilianischen K\u00fcste. Leider haben die \u00d6lkonzerne ein Auge auf die Region geworfen, die als einzigartiges, ja neuartiges \u00d6kosystem gilt. (<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/\">https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><em>J\u00e9r\u00f4me Tschudi ist Teil einer wissenschaflichen Expedition. Sie soll die Basis legen, das bisher fast unerforschte \u00f6kologisch sensible und wertvolle Gebiet zu einem Meeresschutzgebiet zu machen, wo Fischerei-Aktivit\u00e4ten und \u00d6lbohrungen verboten sind. Ein WissenschaftlerInnen-Team ist mit an Bord und wird \u2013 u.a. mit einem ROV-U-Boot \u2013 Daten sammeln und das Riff dokumentieren. Das wird helfen, die Risiken und Konsequenzen von \u00d6lbohrungen in dem \u00f6kologisch wertvollen Gebiet zu benennen, eine m\u00f6gliche Schutzzone zu erarbeiten und die PolitikerInnen und die Bev\u00f6lkerung davon zu \u00fcberzeugen, dass es da unbedingt ein Meeresschutzgebiet braucht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Jer\u00f4me Tschudi sagt: \u00abIch freue mich, Leute kennenlernen, die sich aus \u00dcberzeugung und ohne pers\u00f6nlich Profit daraus zu schlagen f\u00fcr die Umwelt einsetzen, ihre Ideen, ihre Motivation, ihre Freuden und \u00c4ngste. Meine ganz grosse Hoffnung ist, dass wir es einmal schaffen,\u00a040% der Weltmeere unter\u00a0Schutz zu stellen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 26.4.18<\/strong><br \/>\nIn Santana kommt nicht wie \u00fcblich ein Lotse an Bord, sondern gleich deren vier. Vor dem Hafen will niemand etwas von einem reservierten Anlegeplatz wissen. Wir ankern im Fluss, bis sich eine L\u00f6sung findet. Dann wissen die Lotsen nicht, ob die Fahrrinne f\u00fcr die Esperanza gen\u00fcgend tief ist. Wir wassern ein Schlauchboot und kontrollieren sie mit dem Echolot. Die vier Lotsen haben sich an Bord verpflegen k\u00f6nnen und pr\u00e4sentieren eine saftige Rechnung f\u00fcr f\u00fcnf Stunden Arbeit. Wir d\u00fcrfen an Pontons anmachen, auf denen Lager mit fermentierendem Soja (wohl Futtermittel u.a. f\u00fcr Europas Fleischfarmer) ihren \u00fcblen Gestank verbreiten.<br \/>\nOhne brasilianische Begleitung haben wir Ausgangsverbot. Wo wir anlegen mussten, ist die Gegend besonders unsicher. F\u00fcr meine Kollegin und mich selbst wurde ein Termin bei einer Zahn\u00e4rztin vereinbart. Mit zwei Stunden Versp\u00e4tung fahren wir los. Das Gel\u00e4nde ist abgez\u00e4unt, ein W\u00e4chter \u00f6ffnet das Tor und l\u00e4sst unseren Wagen durch. Die Strasse ist nicht asphaltiert, der r\u00f6tliche Boden weist enorme Schlagl\u00f6cher auf, der Wagen schleift zuweilen am Boden entlang. Die tiefsten Schlagl\u00f6cher wurden mit Haushaltsm\u00fcll planiert. Auf einem M\u00fcllhaufen am Strassenrand sitzen drei Aasgeier. Sehr einfache H\u00fctten mit Wellblechd\u00e4chern s\u00e4umen die Strasse und viele Kinder schauen uns beim Vorbeifahren zu, genauso dutzende magere Hunde. Die Hauptstrasse ist zwar asphaltiert, aber die Fahrerin muss geschickt den Schlagl\u00f6chern ausweichen. Motorr\u00e4der und Scooter schl\u00e4ngeln sich an uns vorbei. Auch Autos \u00fcberholen sowohl rechts wie links. Die Zahn\u00e4rztin hat ihre Praxis in einem kleinen Haus, der schmucklose Garten ist von einer drei Meter hohen Mauer umgeben und oben elektrifiziert. Gegen die Strasse zu schliesst ihn ein ebenso hohes kr\u00e4ftiges Gitter ab. Die Zahn\u00e4rztin nimmt uns trotz unserer Versp\u00e4tung. Wir werden beide sogleich ger\u00f6ntgt. Kein Strahlenschutz, die junge Assistentin steht im Strahlenkegel. Meiner Kollegin empfiehlt sie, den Backenzahn zu ziehen. Als wir z\u00f6gern, schl\u00e4gt sie vor, sie am n\u00e4chsten Tag mit ihrem Kollegen zu besprechen. Nun bin ich dran. Die \u00c4rztin f\u00fchrt einen herzf\u00f6rmigen Spiegel in meinen Mund und macht mit ihrem Handy Fotos. Dann erkl\u00e4rt sie, dass sie an meinem Backenzahn einen Riss entdeckt hat. Nach perfekt durchgef\u00fchrter An\u00e4sthesie ersetzt sie die alte F\u00fcllung und singt dabei die Lieder im Radio mit. Die Rechnung zahle ich sofort, alles zusammen umgerechnet 165 Franken. Es ist 20 Uhr geworden und wir fahren durch die Nacht zur Esperanza zur\u00fcck. Die Strassen sind voller Leute. Im Regen hat sich der Strassenrand in Schlamm verwandelt. An Bord sind jetzt zwei junge Wachen von kr\u00e4ftiger Gestalt, der eine mit einem blauen Auge. Ich trete mit Versp\u00e4tung meine Wache an und kann mich nach Mitternacht kurz hinlegen.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 27.4.18<\/strong><br \/>\nTagwache vor 04 Uhr. Geplant ist ein wissenschaftlicher Flug von drei Stunden von der Amazonasm\u00fcndung \u00fcber den Regenwald gegen Franz\u00f6sisch-Guyana zu. Fernando, unser Pilot, zeigt uns die Wetterprognosen auf seinem Tabletcomputer, wo die Flugroute durch eine Gewitterzone f\u00fchrt. Ausweichen ist nicht m\u00f6glich, daf\u00fcr ist die Reichweite des Flugtaxis zu gering. Wir warten im Hotel, wo wir uns gl\u00fccklicherweise etwas hinlegen und schlafen k\u00f6nnen. Nachmittags ist das Wetter besser und wir k\u00f6nnen als VIP schnell durch die Sicherheitskontrolle hindurch zum Flugtaxi. Anlegen der Schwimmwesten, Drei-Punkt-Sicherheitsgurte. Fabio installiert sich mit seiner Kamera im Heck des Flugzeugs. Aus der Luft erkennt man die enorme Breite des Amazonasstroms, im Vergleich w\u00e4re der Bodensee ein kleiner Fluss. Dann geht der Flug der K\u00fcste entlang \u00fcber weitfl\u00e4chig entwaldete Gebiete, auf denen Rinder weiden. Gegen das Landesinnere zu finden sich Soja-Plantagen, f\u00fcr die ebenfalls grosse Fl\u00e4chen gerodet wurden. Die Holzf\u00e4ller, die jeweils die Zerst\u00f6rung des Regenwaldes einleiten, sind schon lange weitergezogen, Tropenholz findet sich hier keines mehr. Der Regenwald ist in Inseln zu erkennen, weiter im Landesinneren erscheint er fast unber\u00fchrt, teilweise handelt es sich aber um Sekund\u00e4rwald, der nachgewachsen ist, teilweise auch nur um Str\u00e4ucher. Der Boden ist vielerorts stark erodiert, der Humus verloren gegangen. Die Austrocknung ist noch nicht \u00fcberall eingetreten, wir fliegen \u00fcber viele kleine Flussl\u00e4ufe und Teiche. Wenn Fabio es w\u00fcnscht, fliegt Fernando enge Kurven im langsamen Tiefflug, gef\u00fchlsm\u00e4ssig schauen die Fl\u00fcgel dann senkrecht nach oben und unten, beim ersten Mal f\u00fchle ich mich schon etwas mulmig. Auf dem R\u00fcckflug filmen wir eine typische Welle, die auf dem Amazonas dort entsteht, wo der Strom auf das Meer st\u00f6sst. Das braune Wasser erscheint im Abendlicht goldbraun glitzernd. Der Anflug f\u00fchrt \u00fcber armselige verschachtelte Vororte.\u00a0Wir kommen m\u00fcde zur Esperanza zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 28.4.18<\/strong><br \/>\nIch geh\u00f6re zur ersten Gruppe, die durch eine der Brasilianerinnen an Bord durch Macapa gef\u00fchrt wird. Wir besuchen das Museum des Aequators, der genau durch Macapa f\u00fchrt. Darin enthalten ist ein Souvenirladen mit Arbeiten der indigenen Bev\u00f6lkerung, die sich dadurch ein Zubrot erarbeitet. In Verl\u00e4ngerung des Museums wurde ein grosses Sportstadium gebaut, in dem die eine Mannschaft auf der n\u00f6rdlichen, die andere auf der s\u00fcdlichen Halbkugel spielt. Vom Dach des Museums aus ein grosses Reklameschild. Ein Motel bietet Zimmer f\u00fcr zwei Stunden f\u00fcr nur f\u00fcnf Franken an. Dann geht es zum Mittagessen in ein Restaurant am Strand des Amazonas. Der Sandstrand m\u00fcndet in das typisch braune Wasser des Amazonas, darin baden einige Kinder. Das Restaurant liegt an einem Kanal auf Stelzen gebaut, genauso wie die gegen\u00fcber liegenden H\u00e4user, die Fenster einfache L\u00f6cher, die nie geschlossen zu werden brauchen, es ist hier immer heiss. Auch dort wird gegessen, gefolgt von einer Siesta in den hier \u00fcberall zu sehenden H\u00e4ngematten. Das Essen ist ausgezeichnet, die Getr\u00e4nke eiskalt, aber ohne Klimaanlage k\u00f6nnte man sich gleich zum Schlafen hinlegen. Statt dessen schaue ich den vielen Kindern zu, die den Kanal in kleinen Booten immer wieder \u00fcberqueren. Sie paddeln sehr geschickt, turnen auf den schwankenden B\u00f6tchen sicher umher oder fischen im Kanal. Zum Dessert besuchen wir eine Gelateria und dann die portugiesische Festung am Ufer des Amazonas, die ab 1970 restauriert wurde. Die grossen Kanonen heissen \u00abMutter Gottes\u00bb, die Lafetten fehlen. Das Fort konnte allerdings seine Aufgabe, n\u00e4mlich den Handel fremder M\u00e4chte auf dem Amazonas zu verhindern, nie erf\u00fcllen, daf\u00fcr ist der Strom viel zu breit. In der Bar am Strand klingt der Tag aus, bis wir uns vor dem n\u00e4chsten Tropenregen unter das tropfende Dach zur\u00fcckziehen m\u00fcssen. Bei Nacht kommen wir zur Esperanza zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 29.4.18<\/strong><br \/>\nHeute ist die zweite Gruppe an der Reihe, Macapa zu besuchen. Ich verarzte unsere Fotografin, die nach einem kleinen Sprung ungl\u00fccklich gelandet ist und sich das Knie verdreht hat. Sie erz\u00e4hlt mir von den sozialen Problemen Brasiliens. Unter Pr\u00e4sident Lula wurde viel Geld in die Bildung gesteckt, die Armen erhielten Sexualunterricht, die Geburtenrate ist gerade unter den sozio\u00f6konomisch Schw\u00e4chsten zur\u00fcckgegangen, was bemerkenswert ist. Neue Gesetze gegen die Ausbeutung der armen Bev\u00f6lkerungsschichten wurden geschaffen, und diese Leute haben begonnen, sich zu wehren, was zu regelrechtem Hass der reichen Bev\u00f6lkerung auf die Armen gef\u00fchrt habe. Die neue Regierung k\u00fcrzte die Gelder f\u00fcr Erziehung und Gesundheit wieder. Mit vorhersehbaren Folgen, wie mir erz\u00e4hlt wird: Fr\u00fcher h\u00e4tten Minderbemittelte versucht, mit Fussball zu Namen und Geld zu kommen, aktuell w\u00fcrden sie dies mit Kampfsportarten tun, wobei sie auch aggressiver w\u00fcrden in einem ohnehin gewaltbereiten Klima.<br \/>\nWir sp\u00fcren alle die sechs Wochen auf See, sind m\u00fcde und erholen uns heute soweit m\u00f6glich in diesem Klima. Viel mehr bleibt auch nicht zu tun, Ausgang ist uns ohne brasilianische Begleitung sowieso verboten.<br \/>\nAm Wochenende wurden die Wissenschaftler und Campaigner komplett ausgewechselt und es fand ein Anlass mit Vertretern von indigenen St\u00e4mmen, lokalen Fischern, Politikern und Umweltsch\u00fctzern statt. Ich werde dar\u00fcber in der n\u00e4chsten Ausgabe berichten.\u00a0Abends gibt\u2019s ein brasilianisches Barbecue auf dem Achterdeck, bevor wir morgen wieder in See stechen. Im Unterschied zum \u00abnormalen\u00bb Barbecue wird das Fleisch in kleine St\u00fccke geschnitten und so serviert. Man isst so viel langsamer und es bleibt reichlich Zeit f\u00fcr sozialen Kontakt.<\/p>\n<p><strong>Montag, 30.4.18<\/strong><br \/>\nBeim Barbecue erz\u00e4hlte mir die Fotografin Marizilda aus ihrem Leben. Sie wird bald 50-j\u00e4hrig, ist kinderlos geschieden, hat ihre Wohnung vor drei Jahren vermietet und lebt seither ohne festen Wohnsitz. Sie lebt da, wo sie gerade eine Anstellung hat, wie z.B. jetzt bei Greenpeace. Weitere Arbeitgeber sind das Rote Kreuz, M\u00e9decins sans fronti\u00e8res, Unicef, No More one u.a.m. Ihr Interesse gilt den Menschen, die sie antrifft, und \u00fcber deren Schicksale sie fotografisch berichtet, sei das \u00fcber Favelas, \u00fcber tropische und vernachl\u00e4ssigte Krankheiten, \u00fcber indigene V\u00f6lker im Kampf um ihren Wald. Allen gemeinsam sei der Wunsch nach Gerechtigkeit, die h\u00e4ufig von denen, die Geld und Macht haben, missachtet werde. Ihr Plan B ist der Verkauf ihrer Wohnung und der Bau eines Hauses nach \u00f6kologischen Kriterien mit Permakultur im Garten. Sie sieht ihr Haus als Treffpunkt f\u00fcr alle die bedrohten K\u00e4mpferinnen des Waldes, die sich etwas Erholung w\u00fcnschen&#8230;<br \/>\nWir verlassen heute Santana im str\u00f6menden Regen mit nur zwei Lotsen an Bord, die nach 20 Minuten bereits wieder von Bord gehen. Mit dem Ebbstrom geht es z\u00fcgig in Richtung Amazonasm\u00fcndung.<br \/>\nUnser Bootsmann hat seinen dreimonatigen Einsatz beendet und ist in die Philippinen zur\u00fcckgeflogen. Ersatz durch eine Bootsfrau, die frisch und mit vollem Einsatz in die Bresche springt und uns energisch einsetzt. Der Nassraum wird ihrer Vorstellung entsprechend aufger\u00e4umt, alles wird geputzt und so verstaut, wie sie das w\u00fcnscht, gleichzeitig macht sie damit Inventar und weiss genau, was sie wo finden kann. Um f\u00fcnf Uhr sind alle tropfnass verschwitzt und reif f\u00fcr die Dusche.<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 1.5.18<\/strong><br \/>\nWir sind unterwegs nach Cayenne, die D\u00fcnung ist aber wenig ausgepr\u00e4gt und nur wenige sind seekrank.<br \/>\nIch reinige sechs Toiletten, dann ordne ich den Verschlag, in dem wir das Bettzeug aufbewahren. Die Leint\u00fccher m\u00fcssen zusammengefaltet und auf die richtige Ablage gelegt werden. Dasselbe gilt f\u00fcr Kissen- und Dachbett\u00fcberz\u00fcge sowie schliesslich f\u00fcr die Dachbetten und Kissen selber, f\u00fcr 45 Kopf Belegschaft gar keine so kleine Sache, umso mehr, als der Raum mit viel WC-Papierrollen vollgestopft wurde, die sonst nirgends Platz gefunden hatten. Ohne L\u00fcftung ist es hier extrem heiss&#8230;<br \/>\nNachmittags Brainstorming \u00fcber den Einsatz der bestellten neuen Fischreusen. Der zweite Offizier hat sich viel Gedanken dazu gemacht und nimmt Anregungen der versammelten Crew entgegen. Dann zeigt uns Wachhabenden der zweite Ingenieur eine \u00d6lanzeige im Maschinenraum, die schon mehrere Alarme ausgel\u00f6st hat, und die wir st\u00fcndlich kontrollieren sollen. Er erkl\u00e4rt uns die Toleranzen und sch\u00e4rft uns ein, wann wir den diensthabenden Ingenieur benachrichtigen m\u00fcssen.<br \/>\nWie immer ist nach Wechseln in der Belegschaft innert 72 Stunden die \u00dcbung \u00abFeueralarm\u00bb vorgeschrieben, diesmal in erweiterter Form. Alle Mechaniker und ein Teil der Matrosen sind in feuerfeste Anz\u00fcge eingekleidet, die Atemger\u00e4te sind angeschlossen, die Wasserschl\u00e4uche sind gef\u00fcllt. Im Szenario l\u00e4sst sich das Feuer nicht mit Wasser l\u00f6schen, also werden die brennenden R\u00e4ume luftdicht verschlossen und mit CO2 geflutet. Dabei ert\u00f6nt ein spezieller Alarm. Wer sich dann noch in der Gefahrenzone befindet, hat nun maximal 20 Sekunden Zeit, sie zu verlassen, bevor der Sauerstoff ausgeht. Das Szenario sieht vor, dass sich das Feuer weiter ausbreitet, die Farbe auf dem Deck zu kochen beginnt, und das Schiff verlassen werden muss. Wir ziehen die Schwimmwesten an und begeben uns auf die dem Feuer gegen\u00fcberliegende Schiffsseite, wo die Strickleiter \u00fcber Bord gehievt wird. Nur das Wassern der Rettungsinseln fehlt, von denen vier an Deck verteilt sind. Zwei gen\u00fcgen f\u00fcr die ganze Belegschaft, aber die anderen w\u00e4ren bei dem Szenario auch nicht erreichbar.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 2.5.18<\/strong><br \/>\nEs sind drei an Bord, die 2013 an der Greenpeace-Protestaktion gegen die russische \u00d6lf\u00f6rderung in der Arktis teilgenommen hatten, wegen Piraterie angeklagt wurden und zwei Monate in russischen Gef\u00e4ngnissen schmachten mussten. Darauf angesprochen best\u00e4tigen sie nur ihre Teilnahme, zwei schauen ins Leere und wollen sich nicht weiter dar\u00fcber \u00e4ussern, Ana Paula meint nur, diese Erfahrung habe sie nachhaltig ver\u00e4ndert, aber sie wolle nicht dar\u00fcber sprechen, nur dass sie seither gelernt habe, geduldig zu sein.<br \/>\nIn Cayenne werden wir Diesel bunkern. Daher wird heute \u00aboil spill drill\u00bb ge\u00fcbt, das richtige Vorgehen, wenn Diesel \u00fcber Bord zu gehen droht. Die Funkmeldung lautet:<br \/>\n\u00abOil spill on deck\u00bb, l\u00f6st den allgemeinen Alarm aus, die zur Hilfe herbeieilenden werden in zwei Gruppen eingeteilt, diejenigen, die direkt mit Diesel in Kontakt kommen,<br \/>\nund die anderen, die alles unternehmen, damit der Diesel keinen Weg ins Meer findet. Einsatz der Zapfen, die die Abflussrohre verschliessen, der \u00d6lsperren, der Materialien, um das \u00d6l zu binden und aufzunehmen etc. werden besprochen. Die Entsorgung erfolgt in Plastiks\u00e4cken zur Verbrennung an Land. Auf meine Frage, ob das Risiko eines unkontrollierten Dieselaustritts gross sei, antwortet der erste Offizier, dass die Ingenieure den Bunkervorgang genau kontrollieren w\u00fcrden, damit ein \u00dcberlaufen ausgeschlossen sei, und dass eigentlich nur ein Defekt der Anschl\u00fcsse oder des Tankschlauches zu bef\u00fcrchten sei. Wenn das geschehe, d\u00fcrfe jeder der Anwesenden \u00abStopp\u00bb rufen, um den Ladevorgang sofort zu unterbrechen.<br \/>\nDer Hafen Cayennes liegt etwas ausserhalb der Stadt, der Lotse wird um 18.30 Uhr an Bord erwartet und wir werden so um 20.00 Uhr ankommen. Der Aufenthalt wird weniger als einen Tag dauern, es eilt, wir haben nur eine Woche Zeit f\u00fcr die Erforschung des Riffs in franz\u00f6sischen Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p><strong>Weitere Tagebucheintr\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>[display-posts category=&#187;Bordtagebuch&#187; posts_per_page=&#187;-1&#8243; include_date=&#187;false&#187; order=&#187;ASC&#187; orderby=&#187;title&#187;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bieler Facharzt f\u00fcr Viszeralchirurgie Dr. J\u00e9r\u00f4me Tschudi (http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/) erf\u00fcllt sich einen langgehegten Traum und ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":20661,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-20673","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-meer","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20673","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20673"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20673\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20661"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20673"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=20673"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=20673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}