{"id":20676,"date":"2018-05-14T00:00:00","date_gmt":"2018-05-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20676\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-8\/"},"modified":"2019-05-30T15:55:11","modified_gmt":"2019-05-30T13:55:11","slug":"greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20676\/greenpeace-expedition-amazonas-riff-woche-8\/","title":{"rendered":"Greenpeace Expedition-Amazonas-Riff \u2013 Woche 8"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Bieler Facharzt f\u00fcr Viszeralchirurgie Dr. J\u00e9r\u00f4me Tschudi (<a href=\"http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/\">http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/<\/a>) erf\u00fcllt sich einen langgehegten Traum und ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza \u2013 und berichtet uns hier ungefiltert von seinen Erlebnissen und Eindr\u00fccken.\u00a0Die Tour ist Teil der Kampagne zum Schutz des erst k\u00fcrzlich entdeckten und von Greenpeace erforschten Amazonas-Riffes vor der brasilianischen K\u00fcste. Leider haben die \u00d6lkonzerne ein Auge auf die Region geworfen, die als einzigartiges, ja neuartiges \u00d6kosystem gilt. (<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/\">https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/amazonas-riff\/<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><em>J\u00e9r\u00f4me Tschudi ist Teil einer wissenschaflichen Expedition. Sie soll die Basis legen, das bisher fast unerforschte \u00f6kologisch sensible und wertvolle Gebiet zu einem Meeresschutzgebiet zu machen, wo Fischerei-Aktivit\u00e4ten und \u00d6lbohrungen verboten sind. Ein WissenschaftlerInnen-Team ist mit an Bord und wird \u2013 u.a. mit einem ROV-U-Boot \u2013 Daten sammeln und das Riff dokumentieren. Das wird helfen, die Risiken und Konsequenzen von \u00d6lbohrungen in dem \u00f6kologisch wertvollen Gebiet zu benennen, eine m\u00f6gliche Schutzzone zu erarbeiten und die PolitikerInnen und die Bev\u00f6lkerung davon zu \u00fcberzeugen, dass es da unbedingt ein Meeresschutzgebiet braucht.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Jer\u00f4me Tschudi sagt: \u00abIch freue mich, Leute kennenlernen, die sich aus \u00dcberzeugung und ohne pers\u00f6nlich Profit daraus zu schlagen f\u00fcr die Umwelt einsetzen, ihre Ideen, ihre Motivation, ihre Freuden und \u00c4ngste. Meine ganz grosse Hoffnung ist, dass wir es einmal schaffen,\u00a040% der Weltmeere unter\u00a0Schutz zu stellen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 3.5.18<\/strong><br \/>\nHeute morgen kommen gleich vier Tanklaster zum Quai, um die Esperanza aufzutanken \u2014 zum ersten Mal seit der Abfahrt in Frankreich. Die gestern besprochenen Massnahmen zur Eind\u00e4mmung eines \u00d6laustritts sind alle umgesetzt, die Abflussrohre f\u00fcr das Seewasser an Deck sind mit Zapfen verschlossen, die \u00d6lbarrieren aufgestellt, die Materialien zum Aufsaugen des Diesels liegen bereit. Der zweite Ingenieur und die Bootsfrau \u00fcberwachen konstant den Ladevorgang. Der Tankstutzen befindet sich im so genannten \u00abHundehaus\u00bb des Vordecks. An Diesel geht soviel daneben, wie mit einem Lumpen aufgenommen werden kann, kein Tropfen f\u00e4llt ausserhalb auf Deck.<\/p>\n<p>Unseren Abfall haben wir in eine Mulde verfrachtet, wie immer fein s\u00e4uberlich getrennt nach Abfallkategorie in wiederverwendbaren Plastik, Papier, Aluminium etc. Ich finde es verheerend, wie viel Abfall 37 Menschen in kurzer Zeit produzieren. Soviel ich erkennen kann, handelt es sich vor allem um Verpackungen, Kartons, Tetrapacks, Plastikbeh\u00e4lter, Aluminiumdosen. Und wie immer frage ich mich, wieviel von diesem Abfall wohl tats\u00e4chlich der Wiederverwendung zugef\u00fchrt werden wird. Die L\u00f6sung? Verpackungen reduzieren oder vermeiden. Die Bewegung \u00abno waste\u00bb macht es vor. In Biel gibt es schon zwei L\u00e4den, in denen man verpackungsfrei einkaufen kann. Das Sortiment ist noch etwas eingeschr\u00e4nkt, aber die Richtung stimmt.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 4.5.18<\/strong><br \/>\nWir sind nur 22 Stunden im Industriehafen von Cayenne. Die Wissenschaftler werden komplett ausgewechselt, genauso wie die Kampagnenleute. Statt portugiesisch h\u00f6rt man jetzt vorwiegend franz\u00f6sisch. Als ich um 20 Uhr meine Wache antrete, muss ich als erstes die Lotsent\u00fcre aufmachen, was ich mittlerweile gut beherrsche: Schwimmweste und Helm anziehen, Innent\u00fcre zum Schiff schliessen, Bolzen an der Lotsent\u00fcre lockern, dann die T\u00fcre entriegeln und hydraulisch \u00f6ffnen. Sicherheitsleinen raus, Lotsenleiter raus. Funkmeldung an die Br\u00fccke. Das Lotsenboot naht wild tanzend im Seegang heran. Im Scheinwerfer wird es immer wieder von Gischt eingeh\u00fcllt, die Scheibenwischer sind auf Maximalgeschwindigkeit. Der Lotse wird dankend verabschiedet, dann steht er einige Zeit in der offenen Lotsent\u00fcre, bis das Lotsenboot optimal dazu steht und er ohne Risiko hin\u00fcbersteigen kann. Elegant dreht das Boot ab und verschwindet in der Nacht, w\u00e4hrend ich die Lotsent\u00fcre wieder wasserdicht verriegle.<\/p>\n<p>Auf der Br\u00fccke sind die Aufgaben vorschriftsgem\u00e4ss strikt verteilt, Nazareth kontrolliert die Instrumentenanzeigen und ich halte die Umgebung des Schiffs im Auge. Die Nacht ist pechschwarz, es ist, als w\u00fcrde man mit verbundenen Augen z\u00fcgig vorw\u00e4rtsfahren&#8230; Also starre ich hinaus, um vielleicht die Lichter eines Fischers zu erkennen. Sp\u00e4ter geht der Mond am Horizont auf, es leuchten die ersten Sterne, und das unruhige Meer gl\u00e4nzt in ihrem sanften Licht.<\/p>\n<p>Am Morgen ist die D\u00fcnung hoch, es besteht viel Strom, und an einen Einsatz des Tauchroboters ist wieder nicht zu denken. Stattdessen kommen Sonar zum Einsatz und es werden Boden- und Wasserproben genommen. Bei unserer frischen Bootsfrau gibt\u2019s f\u00fcr uns keine Pausen, solche werden mit kleinen Jobs \u00fcberbr\u00fcckt, f\u00fcr mich heisst das Aufr\u00e4umen, Putzen und entsorgen nicht mehr ben\u00f6tigter Materialien. Dabei bin ich als \u00e4ltestes Crewmitglied klar privilegiert, Juan l\u00f6st verhockte Bolzen und Scharniere, fettet sie und macht sie wieder fest, C\u00e9line hilft den Mechanikern und Usnea r\u00e4umt und putzt in den Lagerr\u00e4umen des Achterdecks, wo die schweren und sperrigen Ger\u00e4te und Trossen gelagert werden. Sie hat ihre zerschliessendsten Arbeitskleider angezogen und kommt von Kopf bis Fuss \u00f6lverschmiert die Leiter herauf&#8230;<\/p>\n<p><strong>Samstag, 5.5.18<\/strong><br \/>\nAuf meiner Wache pl\u00f6tzlich die Funkmeldung: Wasser in der Messe. Tats\u00e4chlich tropft es dort ziemlich stark von der Decke, darunter hat sich schon eine grosse Pf\u00fctze gebildet. Ich avisiere den diensthabenden Ingenieur, der gleich mit dem Elektriker und einem Mechaniker heraneilt. Die Decke wird abgeschraubt, es stellt sich dann heraus, dass das Wasser vom dar\u00fcber liegenden Deck stammt, genau von einer \u00fcberlaufenden Toilette, die ausser Betrieb gesetzt wird. Worauf alle wieder verschwinden und ich G\u00e4nge und Messe in Ordnung bringe. Den ganzen Tag \u00fcber versuchen wir erfolglos, einen geeigneten Moment zu erfassen, um den Tauchroboter einzusetzen. Der Strom variiert hier zwischen 2-4 Knoten, eher noch etwas st\u00e4rker als vor Amapa. Sonar und Kamera sind pausenlos im Einsatz. Es werden st\u00e4ndig Boden- und Wasserproben genommen.<\/p>\n<p>Helena ist die neue Kommunikationsverantwortliche und erz\u00e4hlt mir vom Treffen mit den Vertretern der indigenen St\u00e4mme, der lokalen Fischer und den Sch\u00fctzern der Mangroven an der K\u00fcste. Sie alle wollen das Gleiche: ihre nat\u00fcrliche Lebensgrundlage erhalten, damit sie und ihre Kinder weiter vom Meer leben k\u00f6nnen. Sie haben &#8211; jede Gruppe f\u00fcr sich &#8211; ihre Forderungen den Politikern vorgebracht. Alle w\u00fcnschen sich kleine Schutzzonen und bek\u00e4mpfen sich teilweise gegenseitig, weil sie Angst haben, \u00fcbervorteilt zu werden. Die Wissenschaftler haben das Amazonas-Riff als einzigartig entdeckt, sie wollen es sch\u00fctzen, ihre Mittel sind aber bescheiden, wie das der anderen Gruppen auch. Entsprechend schlecht stehen ihre Karten, \u00fcberhaupt wahrgenommen zu werden.<br \/>\nGreenpeace hat sie alle an einen Tisch gebracht, um ihnen zusammen eine Stimme zu geben, die weltweit geh\u00f6rt wird. Das Ziel ist eine \u00abMaritime Protected Area\u00bb, eine Art maritimer Park, der das Amazonas-Riff, die K\u00fcste mitsamt aller gew\u00fcnschten kleinen Schutzzonen zusammen sch\u00fctzen soll. Industrielle Fischerei, \u00d6lf\u00f6rderung und weitere zerst\u00f6rerische Aktivit\u00e4ten sollen so verboten werden, der bisherige Nutzungsumfang wird beibehalten, was ganz im Sinne der armen Bev\u00f6lkerung von Amapa ist. Dieser Anlass hat alle Teilnehmenden begeistert, was auch auf dem Gruppenbild im Bug der Esperanza zu sehen ist. Esperanza wie Hoffnung.<\/p>\n<p>Viele Menschen auf dieser Erde w\u00fcnschen sich eine gewaltfreie und nachhaltige Entwicklung. Alleine sind sie machtlos. Wenn sie sich Greenpeace anschliessen, wird ihre Stimme un\u00fcberh\u00f6rbar und selbst m\u00e4chtigen Interessen von Konzernen und Staaten kann erfolgreich entgegengetreten werden. \u00dcber zwei Millionen Menschen haben die Petition f\u00fcr den Schutz des Amazonas-Riffs unterschrieben.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 6.5.18<\/strong><br \/>\nGestern Abend fand wieder eine Informationsveranstaltung der Kampagnenleute statt. Helena kommentierte die bisher gemachten Aufnahmen mit Fabios Kamera in ihrer neuen stabilen Unterwasserh\u00fclle. Sie zeigen Riffstrukturen mit erstaunlich vielen Fischen, drei Arten davon sind auf Riffen h\u00e4ufig anzutreffen. Trotz k\u00fcnstlicher Beleuchtung sind die Bilder in dieser Tiefe aber schwierig zu interpretieren. Der wissenschaftliche Leiter zeigt uns daher die wesentlichen Strukturen, die manchmal nur ganz kurz ins Bild kommen. Das Sonar hat einen zerkl\u00fcfteten Meeresgrund erkennen lassen. Zur Abkl\u00e4rung, ob es sich um Korallen handelt oder um Gestein, werden intensiv Bodenproben entnommen. Wir verlieren dabei fast das Ger\u00e4t. Dieses f\u00e4llt auf den harten Untergrund und verf\u00e4ngt sich darin. In bangen Minuten und verschiedenen Man\u00f6vern gelingt es, das Seil vom Boden zu l\u00f6sen und zu bergen. Das Seil riecht verbrannt und ist stark besch\u00e4digt, nur wenig mehr und es w\u00e4re zerrissen, und Ger\u00e4t und Kamera verloren. Die Kamera ist unbesch\u00e4digt, ein Beleuchtungsarm ist verbogen und muss gerichtet werden.<\/p>\n<p>Nachmittags ist die neue Fischreuse zum Wassern bereit. Eigentlich zum Fangen von Hummern gedacht, wird sie mit einem feinen Netz umwickelt, um auch kleine Fische darin festhalten zu k\u00f6nnen. Gegen die Meeresoberfl\u00e4che zu ist sie aber relativ weit offen. Es wurde viel Zeit und M\u00fche darauf verwendet, sie einerseits gut gegen die Str\u00f6mung zu verankern, andererseits auch wieder im Ozean auffinden zu k\u00f6nnen. Hoffnungsvoll verfolgen wir die hohe Fahnenstange, die im Seegang hin und her schwankt. Dann jedoch kippt sie, das sie stabilisierende Gewicht unter Wasser ist offenbar zu gering. Als das Schlauchboot vor Ort eintrifft, ist das Tau, das die Boje mit der Reuse verbindet, \u00fcber die Stange gerutscht und verschwunden, die Reuse unwiederbringlich verloren.<\/p>\n<p><strong>Montag, 7.5.18<\/strong><br \/>\nAls ich morgens auf Deck erscheine, st\u00f6rt sich Melissa an meinem schr\u00e4g sitzenden Helm, was sie sofort korrigiert, wie fast jeden Morgen. Sie versteht nicht, dass ich keinen Wert darauf lege, mit Helm, unf\u00f6rmiger Schwimmweste und zerschlissenen Arbeitshandschuhen eine besonders gute Figur zu machen&#8230;<br \/>\nDie Wissenschaftler m\u00f6chten bessere Bilder des Meergrundes. Als Gewicht, um die Kamera mit Zubeh\u00f6r zum Meerboden zu bringen, dient das Entnahmeger\u00e4t f\u00fcr Bodenproben. Wir verbringen den ganzen Morgen damit, die Kamera hinunter und wieder heraufzubringen. Das Resultat: jeweils drei bis f\u00fcnf Sekunden verwertbare Videosequenzen, kurz vor dem Aufschlag, und kurz danach, wenn sich die Staubwolke verzogen hat. Da die Bilder nicht \u00fcbermittelt werden k\u00f6nnen, wissen wir nie, wann das Ger\u00e4t den Boden erreicht und merken das erst, wenn das Seil nicht mehr zieht. Damit ist auch das Schleppen der Kamera \u00fcber l\u00e4ngere Strecken dem Meeresboden entlang nicht m\u00f6glich, die Kontrolle fehlt, und es besteht das Risiko, dass wir sie verlieren, wie das gestern fast der Fall gewesen ist. Der Nachmittag ist der Entnahme von Wasserproben gewidmet.<\/p>\n<p>Arnaud Jouve ist ein weisser Afrikaner von der Elfenbeink\u00fcste, wo er geboren wurde und aufgewachsen ist. Er wurde Journalist und arbeitet nun seit 25 Jahren bei \u00abRadio France internationale\u00bb, sein Lieblingsthema ist der Regenwald geblieben. So hat er in den letzten Jahren vorwiegend \u00fcber das Amazonasbecken berichtet, kollaboriert mit Greenpeace seit zehn Jahren, macht auch Dokumentarsendungen auf Arte. Seit einigen Jahren verfolgt er die Aktivit\u00e4ten der Drogenkartelle im Regenwald, insbesondere in Surinam, das bez\u00fcglich Kokain als \u00abFenster zu Europa\u00bb bezeichnet wird. Er verf\u00fcgt \u00fcber ein \u00fcber Jahre gepflegtes Beziehungsnetz zu den Indigenen des Amazonas, die ihn \u00fcber die illegalen Aktivit\u00e4ten auf ihrem Gebiet informieren, und ihm z. B. Flugpl\u00e4tze mitten im Regenwald zeigen, wo alle zwei Stunden eine mit Kokain aus Kolumbien beladene Maschine landet. Seine Dokumentation ist so umfangreich, dass er sie allen zug\u00e4nglich ins Netz stellt (z. B. \u00abSuriname et coca\u00efne\u00bb). Dort dient sie unter anderen den Beh\u00f6rden, um die Kriminellen verhaften und vor Gericht stellen zu k\u00f6nnen. Auf meine Frage, was sich in diesen 25 Jahren im Umweltschutz ver\u00e4ndert habe, antwortet er, dass die Umweltsch\u00fctzer damals als Linke oder Anarchisten bel\u00e4chelt wurden. Jetzt werden sie Ernst genommen. Es bleibe aber viel zu tun&#8230;<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 8.5.18<\/strong><br \/>\nAuf der Wache kommen wir auf humanit\u00e4re Katastrophen zu sprechen. Nach dem schweren Erdbeben auf Haiti 2010 transportierte die Esperanza Hilfsg\u00fcter f\u00fcr M\u00e9decins sans fronti\u00e8res (MSF), die erste Hilfe vor Ort leisteten. Nazareth war dabei und berichtet \u00fcber den f\u00fcrchterlichen Gestank der verwesenden Leichen, der dem Schiff bei seiner Einfahrt nach Port-au-Prince entgegenschlug . Er habe in seinem Leben noch nie so m\u00fcde Menschen gesehen wie die MSF-Leute vor Ort. Dann erz\u00e4hlt er wiederum von der Unterst\u00fctzung von MSF auf Lesbos 2015 w\u00e4hrend der Fl\u00fcchtlingskrise mit Greenpeace-Schlauchbooten. Einige Spender h\u00e4tten harsch reagiert, sie w\u00fcrden kein Geld mehr spenden, wenn die Organisation dieses f\u00fcr andere Zwecke als Umweltschutz ausgeben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Auf MSF und andere Organisationen wie dem Roten Kreuz stosse ich hier immer wieder. Greenpeace-Leute sind empathisch, und das kann sich nat\u00fcrlich nicht nur auf Riffe, Tiere und Pflanzen auswirken, sondern gilt f\u00fcr Menschen genauso. Juan ist ein typischer Vertreter dieser Menschen mit Herz. Von Beruf ist er Bauingenieur, als Matrose sehr effizient und zweifellos \u00fcberqualifiziert, irgendwie passte das alles nie so recht zusammen. Nun hat er mir erkl\u00e4rt, dass er humanit\u00e4re Eins\u00e4tze bevorzuge, weil er am liebsten Menschen in Not hilft. Bei M\u00e9decins sans fronti\u00e8res ist er bisher f\u00fcr die Logistik der Eins\u00e4tze verantwortlich gewesen, seit kurzem ist er zum Einsatzleiter bef\u00f6rdert worden. F\u00fcr Greenpeace arbeitet er in Madrid im B\u00fcro. Als wir \u00fcber MSF sprechen, erw\u00e4hnt er erst seine Funktion und bietet mir an, mich mit Informationen einzudecken, wenn ich diese w\u00fcnsche. Juan beendet seinen Einsatz auf der Esperanza in zwei Tagen und fliegt dann nach Spanien zur\u00fcck. Von dort geht\u2019s weiter nach Marokko in die Ferien, dann vertritt er einen Kollegen von MSF im Kongo, macht anschliessend eine Weiterbildung in der T\u00fcrkei und tritt dann seinen Einsatz mit MSF in Bangladesh an.<\/p>\n<p>Morgens sind wir mit dem Bergen des Sonars besch\u00e4ftigt, als ich st\u00fcrze und auf Knie und das Gesicht falle. Der erste Griff an die Nase best\u00e4tigt mir, dass sie nicht gebrochen ist, auch die Z\u00e4hne haben nichts abgekriegt. Ich denke, dass der Helm Schlimmeres verh\u00fctet hat. Sch\u00fcrfungen und Prellungen werden bald abheilen. Am Nachmittag gelingen sch\u00f6ne Aufnahmen von Korallen mit der Kamera. Das Amazonas Riff reicht also eindeutig nach Franz\u00f6sisch Guyana hinein! Man will nun mit dem Tauchroboter nachdoppeln. Leider gelingt es nicht, die Esperanza im Strom zu stabilisieren, die Motoren \u00fcberhitzen, die \u00dcbung muss abgebrochen werden.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 9.5.18<\/strong><br \/>\nBald bin ich zur\u00fcck in der Schweiz. Zeit f\u00fcr einen R\u00fcckblick.<br \/>\nWas ich gelernt habe?<br \/>\nOzeane bergen ungeahnte Sch\u00e4tze, die wir zu zerst\u00f6ren drohen, bevor wir \u00fcberhaupt Kenntnis davon genommen haben. Dies aus kurzfristigem Gewinn- und Luststreben der stetig wachsenden Menschheit heraus.<\/p>\n<p>Viele von uns wehren sich dagegen. Alleine sind wir machtlos. Mit Greenpeace h\u00f6rt man unsere Stimme weltweit. Kooperation ist dabei der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Kooperation mit lokalen Fischern und Beh\u00f6rden zum Schutz gegen illegalen industriellen Fischfang, gegen die Pl\u00fcnderung und Zerst\u00f6rung der Regenw\u00e4lder, gegen die Er\u00f6ffnung neuer \u00d6lquellen und dadurch weiterem Anheizen des Klimawandels. Kooperation selbstverst\u00e4ndlich auch mit anderen Umweltschutzorganisationen, f\u00fcr mehr Gerechtigkeit. Ich habe einzigartige Pers\u00f6nlichkeiten kennengelernt. Sie sind weltoffen, mitf\u00fchlend, tolerant, zeigen Einsatz- und Opferbereitschaft und leben bescheiden. Allen gemeinsam ist die Vision von einer gerechten, die Natur und die Menschen achtenden Welt. Diese Werte leben sie und \u00fcbernehmen Verantwortung f\u00fcr ihre Kinder und Kindeskinder. Niemand ist perfekt, aber wir k\u00f6nnen daran arbeiten.<\/p>\n<p>Greenpeace danke ich daf\u00fcr, dass ich das alles erleben durfte. Dem Bieler Tagblatt danke ich, dass es meine Beitr\u00e4ge publiziert hat, und den Lesern f\u00fcr ihr Interesse.<\/p>\n<p><strong>Weitere Tagebucheintr\u00e4ge:<\/strong><\/p>\n<p>[display-posts category=&#187;Bordtagebuch&#187; posts_per_page=&#187;-1&#8243; include_date=&#187;false&#187; order=&#187;ASC&#187; orderby=&#187;title&#187;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bieler Facharzt f\u00fcr Viszeralchirurgie Dr. J\u00e9r\u00f4me Tschudi (http:\/\/www.dr-tschudi.ch\/) erf\u00fcllt sich einen langgehegten Traum und ist als Arzt und Crew-Mitglied derzeit bis Mitte Mai in Brasilien auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":50,"featured_media":20618,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[41],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-20676","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-meer","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20676","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/50"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20676"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20676\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20676"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20676"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20676"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=20676"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=20676"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}