{"id":20678,"date":"2018-05-14T00:00:00","date_gmt":"2018-05-13T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20678\/nach-sechs-jahren-kampagne-drei-bienengifte-gestoppt\/"},"modified":"2019-05-30T15:56:03","modified_gmt":"2019-05-30T13:56:03","slug":"nach-sechs-jahren-kampagne-drei-bienengifte-gestoppt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20678\/nach-sechs-jahren-kampagne-drei-bienengifte-gestoppt\/","title":{"rendered":"Nach sechs Jahren Kampagne: Drei Bienengifte gestoppt!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 27. April 2018 haben sowohl die EU wie auch die Schweiz drei f\u00fcr Bienen besonders giftige Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide verboten. Diesem Entscheid ist einer \u00fcber sechs Jahre intensiv gef\u00fchrten Kampagne zu verdanken, die in der Schweiz ihren Ursprung nahm. Marianne K\u00fcnzle, unsere ehemalige Landwirtschafts-Campaignerin, schaut auf die Anf\u00e4nge der Kampagne zur\u00fcck und ihr Nachfolger, Philippe Schenkel, erz\u00e4hlt wie es weiter geht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie alles begann \u2013\u00a0Marianne K\u00fcnzle* schaut zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Vor sechs Jahren war es, als eine Handvoll Greenpeace-Freiwillige aus der Waadt eine Petition lancierte aus Sorge um das grassierende Bienensterben. Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit h\u00e4uften sich Meldungen von kollabierenden, eigentlich gesunden Honigbienenv\u00f6lkern. Der Verdacht, dass die hochpotenten Insektizide der Gruppe Neonicotinoide das Bienensterben mitverursachen w\u00fcrden, sollte sich sehr bald erh\u00e4rten. Im Januar 2013, ein Monat bevor Greenpeace-AktivistInnen zusammen mit ImkerInnen dem Bundesrat Schneider-Ammann die Petition mit 80&#8217;000 Unterschriften \u00fcberreichen konnten, warnte erstmals die EU- Kommission vor den Folgen des steigenden Gifteinsatzes f\u00fcr Honig- und Wildbienen. Die Freiwilligen waren engagierter denn je, und bereit, am Thema dranzubleiben. Greenpeace hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits \u00fcber ein Jahrzehnt konsequent und erfolgreich f\u00fcr eine gentechfreie Landwirtschaft engagiert. Die Tragweite des Bienensterbens veranlasste uns schlussendlich, eine internationale Bienenkampagne zu starten.<\/p>\n<p>Eine Arbeitsgruppe mit Lead in der Schweiz und in Ungarn definierte Massnahmen und Ziele, erarbeitete die wissenschaftlichen Grundlagen. Bestens in Erinnerung werden mir die intensiven Wochen bleiben, als in ganz Europa Film-Portr\u00e4ts von Imkerinnen und Imkern entstanden, die von ihren Bienen erz\u00e4hlten. Wie sehr mich ihre Geschichten ber\u00fchrt haben, ihre Berichte \u00fcber unheimliche V\u00f6lkerverluste, die finanziellen Einbussen der Direktbetroffenen, das unm\u00f6gliche Nebeneinander von Bienenst\u00f6cken und intensiv bewirtschafteter Felder. Die Bedrohung der Umwelt hatte eine Dimension angenommen, die wir auch hier in der Schweiz zu sp\u00fcren bekommen w\u00fcrden. Es blieb \u2013 und es bleibt \u2013 nicht viel Zeit. Unser Bericht zum Bienensterben und die Video-Portr\u00e4ts erzielten Wirkung.<\/p>\n<p>Im August 2013 hissten wir am Syngenta-Hauptsitz in Basel eine riesengrosse, sterbende Biene. Der Auftritt zusammen mit Francesco Panella, dem Pr\u00e4sidenten der europ\u00e4ischen Imkervereinigung BeeLif an der Generalversammlung von Syngenta bleibt unvergessen: Der Syngenta-CEO und die Mitglieder des Verwaltungsrates reagierten auf unsere Wortmeldungen gereizt und nerv\u00f6s. Eines der drei Bienengifte stammt aus Syngentas K\u00fcche: Thiamethoxam, einer der ganz grossen Kassenschlager des Pestizidkonzerns. Syngenta versuchte zu besch\u00f6nigen und uns zu diffamieren. Direkt, an der Generalversammlung, und im Hintergrund.<\/p>\n<div id=\"attachment_45543\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-45543\" class=\"wp-image-45543 size-large\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/GP04K48_High_res-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"559\" \/><p id=\"caption-attachment-45543\" class=\"wp-caption-text\">Francesco Panella protestiert mit Greenpeace-AktivistInnen an der Generalversammlung von Syngenta<\/p><\/div>\n<p>Die Politik reagierte nicht, weder in Br\u00fcssel noch in Bern. Es zogen Jahre ins Land, und den Bienen ging es schlechter. Wie viele Gespr\u00e4che, Telefonate, Publikationen, Auseinandersetzungen mit zust\u00e4ndigen \u00c4mtern in der Schweiz und im Ausland mussten noch w\u00e4hrend meiner Zeit bei Greenpeace und dar\u00fcber hinaus stattfinden, bis Sache in die Bewegung kam! Umso mehr freue ich mich \u00fcber diesen \u00fcberf\u00e4lligen Etappensieg. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es den Leuten, die die Verbote der drei Gifte verf\u00fcgt haben, nun endlich d\u00e4mmert: die Gifte sind mehr als Gifte, sie sind ein Symptom eines kranken Systems. Es braucht eine andere Landwirtschaft!<\/p>\n<p><strong>Und wie geht es nun weiter \u2013 ein Ausblick von Philippe Schenkel<\/strong><\/p>\n<p>Bedeutet dieser grosse Erfolg nun, dass die Gefahren f\u00fcr die Bienen gebannt sind? Leider nein. Verboten wurden bloss drei Wirkstoffe, nach wie vor d\u00fcrfen \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/news\/international\/gute-nachrichten-fuer-bienen-eu-verbietet-drei-fuer-bienen-schaedliche-insektizide\">80 verschiedene Pestizide eingesetzt werden, die als \u00abbesonders bienengiftig\u00bb gelten<\/a>. Was f\u00fcr Auswirkungen diese giftigen Pestizide auf die Bienenzucht hat, wird im folgenden Video erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/s0y3QIM8ytc\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Und wie <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2017\/10\/31\/sie-fliegen-nicht-mehr\/\">Untersuchungen in Deutschland letztes Jahr<\/a> gezeigt haben, sind die Bienen nur die Spitze des Eisbergs: \u00dcber die letzten Jahrzehnte ist die Anzahl aller fliegenden Insekten in unseren Lebensr\u00e4umen massiv zur\u00fcckgegangen. Da Insekten die Basis der Futterpyramide darstellen, f\u00fchrt ihr R\u00fcckgang zwangsl\u00e4ufig zu weniger Amphibien, Reptilien, V\u00f6geln und S\u00e4ugetieren \u2013\u00a0wir zerst\u00f6ren also die Biodiversit\u00e4t von Grund auf. Aus der Schweiz liegen keine vergleichbaren Untersuchungen vor, aber auch der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Situation in der Schweiz wohl <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/suche-curia-vista\/geschaeft?AffairId=20175571\">vergleichbar ist mit Deutschland<\/a>. Die Landwirtschaft tr\u00e4gt in diesem Drama nicht die alleinige Schuld; die zunehmende Siedlungsfl\u00e4che, sterile urbane Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Lichtverschmutzung und weitere Faktoren d\u00fcrften eine Rolle spielen. Aber alle Indizien zeigen klar, dass die Landwirtschaft der gr\u00f6sste Treiber ist.<\/p>\n<p>Was ist zu tun? Um die Insekten zu sch\u00fctzen \u2013\u00a0und damit unsere reichhaltige Tierwelt zu bewahren \u2013\u00a0braucht es rasch ein Umdenken in der Landwirtschaft. Der Einsatz von Pestiziden muss massiv reduziert werden, dabei sind bienengiftige Wirkstoffe priorit\u00e4r anzugehen.\u00a0Zentral ist zudem eine Umkehr bei der \u00abMonotonisierung\u00bb der Landschaft, also wieder mehr S\u00e4ume, Hecken, Ackerrandstreifen, nat\u00fcrliche Bachl\u00e4ufe \u2013\u00a0sprich mehr Wildnis \u2013\u00a0zuzulassen. Ausserhalb der Landwirtschaft braucht es endlich eine griffige Raumplanung, welche wertvolle Fl\u00e4chen vor der \u00dcberbauung sch\u00fctzt und eine Biodiversit\u00e4ts-Initiative f\u00fcr Privatg\u00e4rten, \u00f6ffentliche Gr\u00fcnfl\u00e4chen und Gewerbearealen. Das Potenzial ist riesig und die n\u00f6tigen Schritte sind bekannt \u2013\u00a0nur der politische Wille fehlt bisher.<\/p>\n<p>Greenpeace \u2013\u00a0zusammen mit \u00fcber 20 weiteren Organisationen \u2013\u00a0engagiert sich mit aller Kraft f\u00fcr eine rasche Pestizidreduktion und eine nachhaltige Agrarpolitik. Mit der bevorstehenden Reform der Agrarpolitik AP22+ hat die Schweiz die Chance, die Weichen in die richtige Richtung zu stellen. Packen wir sie!<\/p>\n<p>*Marianne K\u00fcnzle hat von 2002 bis 2015 als Landwirtschafts-Kampagnerin bei Greenpeace Schweiz gearbeitet. Mehr zu Marianne K\u00fcnzle findet ihr <a href=\"https:\/\/www.mariannekuenzle.ch\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27. April 2018 haben sowohl die EU wie auch die Schweiz drei f\u00fcr Bienen besonders giftige Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide verboten. 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