{"id":20698,"date":"2018-06-07T00:00:00","date_gmt":"2018-06-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20698\/schneeweiss-und-doch-schmutzig\/"},"modified":"2022-03-31T10:48:11","modified_gmt":"2022-03-31T08:48:11","slug":"schneeweiss-und-doch-schmutzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20698\/schneeweiss-und-doch-schmutzig\/","title":{"rendered":"Schneeweiss und doch schmutzig"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"field--subline\">Greenpeace-Bericht: Mikroplastik und Umweltgifte in der Antarktis<\/h4>\n<p>Im M\u00e4rchen vom Hasen und dem Igel kann Meister Lampe so schnell laufen wie er will \u2013 sein stacheliger Kontrahent ist immer schon vor ihm am Ziel. Die Forscher an Bord des Greenpeace-Schiffes Arctic Sunrise erlebten auf ihrer Antarktis-Expedition eine \u00e4hnliche Niederlage, in der vielleicht niederschmetterndsten Nacherz\u00e4hlung des Hase-Igel-Rennens der Welt. Egal, wie entlegen der Ort ist, den man aufsucht: Der Mensch hat dort bereits Sch\u00e4den hinterlassen.<\/p>\n<p>Die Arctic Sunrise war von Januar bis M\u00e4rz dieses Jahres im S\u00fcdpolarmeer unterwegs, um\u00a0den einzigartigen Lebensraum \u00fcber und unter Wasser\u00a0zu dokumentieren. Mit gutem Grund: Die Antarktis-Kommission CCAMLR entscheidet im Herbst dar\u00fcber, ob im Weddellmeer das weltgr\u00f6\u00dfte Meeresschutzgebiet eingerichtet wird. Die Crew der Arctic Sunrise lieferte mit beeindruckenden Bildern des empfindlichen \u00d6kosystems am Meeresboden \u00fcberzeugende Argumente f\u00fcr ein Schutzgebiet, in dem keine industrielle Fischerei den Frieden unter Wasser st\u00f6ren d\u00fcrfte.<\/p>\n<h3>MIKROPLASTIK: LEICHTE BEUTE IM POLARMEER<\/h3>\n<p>Doch selbst wenn gro\u00dfe Teile des antarktischen Meeres unter Schutz gestellt w\u00fcrden: Der Mensch hat hier bereits seine Spuren hinterlassen. Sieben von acht Wasserproben, die die Crew der Arctic Sunrise von der Meeresoberfl\u00e4che nahm, enthielten winzige Plastikpartikel, zum Beispiel Mikrofasern.<\/p>\n<div id=\"attachment_47593\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47593\" class=\"size-medium wp-image-47593\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/0f587f67-0f587f67-gp0strmfi-antarktis-mikroplastik-pfc-schlauchboot-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" \/><p id=\"caption-attachment-47593\" class=\"wp-caption-text\">In ihren Proben von der Meeresoberfl\u00e4che hat die Crew der Arctic Sunrise in nahezu allen F\u00e4llen Mikroplastik nachweisen k\u00f6nnen. \u00a9 Daniel Beltr\u00e0<\/p><\/div>\n<p>Klingt noch nach nicht viel, ist aber ein gewaltiges Problem. \u201eDas Alarmierende an dem Mikroplastik, das wir in der Antarktis gefunden haben, ist, dass es \u00fcberhaupt da ist\u201c, sagt Thilo Maack, Greenpeace-Experte f\u00fcr Meere. Er hat die Expedition begleitet und selbst Proben genommen. \u201eEigentlich trennt die antarktische Ringstr\u00f6mung die Gew\u00e4sser des S\u00fcdpolarmeers von den Weltozeanen.\u201c Die sind bekanntlich\u00a0voll von Plastik jeglicher Gr\u00f6\u00dfe, rund 150 Millionen Tonnen Kunststoffm\u00fcll werden in den Weltmeeren vermutet.\u00a0\u201eDass Mikroplastik seinen Weg durch diese nat\u00fcrliche Barriere hindurchgefunden hat, das ist schon sehr besorgniserregend.\u201c<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Expedition zeichnen damit ein deutlicheres Bild der weltweiten Meeresverschmutzung durch Plastik \u2013 allerdings bei Weitem kein beruhigendes. \u201eMan wei\u00df sehr viel \u00fcber die Belastung der Weltozeane durch Mikroplastik, au\u00dfer in der Antarktis\u201c, sagt Maack. \u201eWir tragen dazu bei, dieses Problem f\u00fcr den S\u00fcdpol besser zu beschreiben.\u201c<\/p>\n<h3>CHEMIE IM SCHNEE<\/h3>\n<p>Nicht nur Mikroplastik fanden die Wissenschaftler auf ihrer Expedition, sondern auch gef\u00e4hrliche Chemikalien, in frisch gefallenem Schnee. Sieben von neun Schneeproben enthielten poly- und perfluorierte alkylierte Substanzen, kurz PFAS. Greenpeace hatte bereits 2015\u00a0<a title=\"Falsche Naturfreunde\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/endlager-umwelt\/falsche-naturfreunde\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">eine gro\u00dfangelegte Untersuchung an den entlegensten Orten der Welt<\/a>\u00a0durchgef\u00fchrt und in schwer zug\u00e4nglichen Bergregionen PFAS nachgewiesen. Denn \u00fcber die Atmosph\u00e4re verteilen sich die Stoffe \u00fcber den gesamten Erdball; einige davon stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen und den Hormonhaushalt zu st\u00f6ren.<\/p>\n<div id=\"attachment_47590\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47590\" class=\"size-medium wp-image-47590\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/b74bce4b-b74bce4b-gp0strh0g-arctic-sunrise-antarktis_0-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" \/><p id=\"caption-attachment-47590\" class=\"wp-caption-text\">Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise war von Januar bis M\u00e4rz 2018 im S\u00fcdpolarmeer unterwegs, um den einzigartigen Lebensraum Antarktis aus der N\u00e4he zu betrachten. \u00a9 Christian \u00c5slund<\/p><\/div>\n<p>Die langkettigen Molek\u00fcle werden in der Textilindustrie vor allem dazu benutzt, Kleidung widerstandsf\u00e4hig zu machen; durch die Beschichtung werden Outdoortextilien schmutz- und wasserabweisend gemacht. Nicht zum ersten Mal weisen Greenpeace-Experten auf die Paradoxie hin: \u201eIn erster Linie kommen diese Chemikalien von denen, die die Natur sch\u00e4tzen\u201c, so Maack. Die Aufkl\u00e4rungsarbeit von Greenpeace hat bereits viele Firmen dazu gebracht, auf PFAS und PFC (per- und polyfluorierte Chemikalien) in der Produktion zu verzichten \u2013\u00a0und es werden mehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_47591\" style=\"width: 816px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-47591\" class=\"wp-image-47591 size-full\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/eacd9225-eacd9225-gp0strgq1-antarktis-mikroplastik-pfc-pinguin.jpg\" alt=\"\" width=\"806\" height=\"455\" \/><p id=\"caption-attachment-47591\" class=\"wp-caption-text\">In der Antarktis stehen Pinguine, Wale und Robben am Ende der Nahrungskette. Mit Umweltgiften belastetes Mikroplastik wird selbst an diesem entlegenen Ort f\u00fcr die Tiere zum Problem. \u00a9 Christian \u00c5slund<\/p><\/div>\n<h3>DAS SCHUTZGEBIET IST EIN GUTER START<\/h3>\n<p>Die bereits in die Umwelt entlassenen Gifte sind allerdings nicht wieder einzufangen; dasselbe gilt f\u00fcr Mikroplastik, das sich in der Nahrungskette anreichert und\u00a0die Gesundheit von Menschen und Tieren bedroht. Der Mensch hat die Antarktis bereits in Mitleidenschaft gezogen; in unserer Verantwortung liegt es, keinen weiteren Schaden anzurichten. Dazu braucht es Schutzgebiete. \u201eDie Ergebnisse der Probenanalysen erh\u00e4rten unsere Forderung, dass wir sehr gro\u00dffl\u00e4chige Bereiche in der Antarktis brauchen, in denen die Natur wirklich sich selber \u00fcberlassen bleibt\u201c, sagt Thilo Maack. \u201eMeeresschutzgebiete tragen dazu bei, dem \u00d6kosystem und seinen Bewohnern Ruhe zu g\u00f6nnen und es widerstandsf\u00e4higer gegen die von Menschen verursachten Probleme wie die Verschmutzung durch Plastik zu machen. Und das Weddellmeer ist daf\u00fcr ein sehr guter Start.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winzige Plastikteile und menschengemachte Umweltgifte belasten selbst die entlegensten Orte der Welt. Das belegen Schnee- und Wasserproben, die Greenpeace am S\u00fcdpol genommen hat.<\/p>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":20704,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[33],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-20698","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-ernaehrung","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20698","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/30"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20698"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20698\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20698"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20698"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20698"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=20698"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=20698"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}