{"id":20879,"date":"2018-11-13T00:00:00","date_gmt":"2018-11-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20879\/wenn-david-armin-heisst-und-goliath-gefahr-gefahr-schreit\/"},"modified":"2019-05-30T16:09:21","modified_gmt":"2019-05-30T14:09:21","slug":"wenn-david-armin-heisst-und-goliath-gefahr-gefahr-schreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20879\/wenn-david-armin-heisst-und-goliath-gefahr-gefahr-schreit\/","title":{"rendered":"Wenn David Armin heisst \u2013 und Goliath \u00abGefahr \u2013 Gefahr!\u00bb schreit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Landwirtschaft der Industriel\u00e4nder hat innert einem runden Jahrhundert eine Ver\u00e4nderung durchlaufen, die sie an den Rand der Selbstzerst\u00f6rung f\u00fchrt: Mit der Vergiftung ihrer eigenen Grundlagen durch die Anwendung chemischer Mittel im Pflanzenbau und der Aufgabe beinahe jeglicher Ethik gegen\u00fcber den Nutztieren aufgrund ihrer industrialisierten Verwertung. Ein wenig beachtetes Ergebnis dieser rasanten Entwicklung im 20. Jahrhundert war die Enthornung der K\u00fche. Sie ging mit der spezialisierten Z\u00fcchtung auf H\u00f6chstleistungen bei der Milch- oder Fleischproduktion einher. Denn ohne H\u00f6rner k\u00f6nnen K\u00fche und Stiere effizienter gehalten werden, das heisst auf weniger Platz mit weniger Aufwand und Aufmerksamkeit durch uns Menschen. So kam es, dass heute in der Schweiz nur noch rund 10% der Rinder H\u00f6rner tragen, in Realit\u00e4t, auf der Wiese. Im Kopf hingegen, aufgrund der Milchpackungen, Ansichtskarten und Kalenderbilder, sind die Verh\u00e4ltnisse umgekehrt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lehrst\u00fcck in Hartn\u00e4ckigkeit und<\/strong> <strong>politischem Gesp\u00fcr<\/strong><\/p>\n<p>Armin Capaul, fr\u00fcher Alphirt, heute jurassischer Bergbauer, geht das seit Jahren nicht in seinen B\u00fcndner Grind. Er, der sich indianischem Gedankengut genauso wie dem gesunden Menschenverstand verpflichtet f\u00fchlt, will den Hornk\u00fchen wieder eine Chance geben. Er h\u00e4tte auf ein simples Verbot der Enthornung dr\u00e4ngen k\u00f6nnen, im Wissen, dass es heutzutage gen\u00fcgend hornlos gez\u00fcchtete Milch- und Fleischviehrassen gibt. Doch er w\u00e4hlte einen schweizerischen Weg, in doppelter Hinsicht:<\/p>\n<p>Erstens setzte er, nach dem erfolglosen Gang durch die verwinkelten G\u00e4nge des Bundesamtes f\u00fcr Landwirtschaft und dem Schiffbruch im Parlament, auf die direkte Demokratie. Er sammelte mit seinen Unterst\u00fctzerInnen sagenhafte 150&#8217;000 Unterschriften f\u00fcr seine Hornkuh-Initiative.<\/p>\n<p>Zweitens formulierte er sie so, dass sich eigentlich niemand dagegen wehren m\u00fcsste: Die Entscheidung \u00fcber Enthornung oder nicht bleibt weiterhin bei den Tierhaltern. Wer jedoch als Bauernfamilie seinen Rindern oder Ziegen die H\u00f6rner l\u00e4sst, soll f\u00fcr die Mehrkosten und die achtsamere Arbeit im Umgang mit ihnen einen finanziellen Zustupf erhalten. Er dachte sich, so sei allen gedient, da die Schweizer Landwirtschaftslogik auf Direktzahlungen f\u00fcr \u00f6kologische Mehrleistungen setzt.<\/p>\n<p><strong>Was ist gef\u00e4hrlicher: Hochstamm-B\u00e4ume oder Hornk\u00fche?<\/strong><\/p>\n<p>Doch Capaul t\u00e4uschte sich gewaltig. Er erlitt Schiffbruch im Parlament, sogar mit einem klug formulierten Gegenvorschlag, und nun tobt eine Abstimmungsdiskussion die interessanterweise die Risiken der Hornkuhhaltung emporstilisiert. In der TV-Arena vom 2. November wurde eine halbe Sendung lang \u00fcber die Gef\u00e4hrdung durch Hornst\u00f6sse diskutiert. Martin Ott, der Pr\u00e4sident des Forschungsinstituts f\u00fcr Biologischen Landbau, konnte sich vor laufender TV-Kamera einen bissigen Spruch nicht verkneifen: \u00abVon den Hochstamm-Obstb\u00e4ume fallen jedes Jahr viel mehr Bauern als von einem Hornstoss getroffen werden. Doch niemand will Hochst\u00e4mmer verbieten, im Gegenteil: Sie werden gef\u00f6rdert. Wieso geht das nicht auch f\u00fcr Hornk\u00fche?\u00bb Bundesrat Schneider-Ammann blieb ihm die Antwort schuldig. Ebenso fehlte seine Erkl\u00e4rung wieso er die Forschungsergebnisse der Universit\u00e4t Bern aus dem Jahr 2016 negiert, die die monatelang andauernden Langzeitschmerzen bei K\u00e4lbern nach ihrer Enthornung belegt.<\/p>\n<p><strong>Beitrag an eine kleinr\u00e4umige, achtsame Graswirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Greenpeace unterst\u00fctzt die Hornkuh-Initiative. Sie zeigt einerseits die Ausw\u00fcchse der industrialisierten Landwirtschaft exemplarisch und am liebensw\u00fcrdig lebendigen Tier auf. Sollte am 25. November der Durchbruch an der Urne gelingen, hat wieder einmal ein einf\u00fchlsamer David \u2013 Armin heisst er diesmal \u2013 gegen den industriell effizienzbesessenen Goliath gesiegt. Gl\u00fccklich werden aber nicht nur der eigenwillige Bergbauer und all jene K\u00fche und Ziegen sein, die k\u00fcnftig ihre H\u00f6rner mit Stolz und kommunikativem Feingef\u00fchl tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Hornkuh-Initiative ist auch ein Beitrag an eine Landwirtschaft mit weniger Rindern in den St\u00e4llen, die vor allem dort eingesetzt werden, wo sie \u00f6kologisch Sinn machen: Auf kleineren Betrieben im steilen Voralpen- und Alpengebiet. Dort w\u00e4chst kein Getreide mehr, nur Gras, das unsere Spezies nicht verdauen kann. Dort waren und sind die Behornten am weitesten verbreitet und leisten ihren Beitrag zur Pflege der alpinen Biodiversit\u00e4t. Dort geh\u00f6ren sie hin.<\/p>\n<div class=\"box\">Kaspar Schuler ist Kampagnenleiter der Hornkuh-Initiative, Gesch\u00e4ftsleiter bei der Alpenschutzorganisation CIPRA International und Stiftungsratsmitglied von Greenpeace Russland.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Landwirtschaft der Industriel\u00e4nder hat innert einem runden Jahrhundert eine Ver\u00e4nderung durchlaufen, die sie an den Rand der Selbstzerst\u00f6rung f\u00fchrt: Mit der Vergiftung ihrer eigenen Grundlagen durch die Anwendung chemischer&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":48,"featured_media":20881,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"","p4_local_project":"","p4_basket_name":"","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[33],"p4-page-type":[75],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-20879","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-ernaehrung","p4-page-type-story"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/48"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20879\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/20881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20879"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=20879"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=20879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}