{"id":20946,"date":"2016-02-29T00:00:00","date_gmt":"2016-02-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20946\/meine-begegnung-mit-demjenigen-der-die-krise-bewaeltigen-musste\/"},"modified":"2022-03-31T10:50:12","modified_gmt":"2022-03-31T08:50:12","slug":"meine-begegnung-mit-demjenigen-der-die-krise-bewaeltigen-musste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20946\/meine-begegnung-mit-demjenigen-der-die-krise-bewaeltigen-musste\/","title":{"rendered":"Meine Begegnung mit demjenigen, der die Krise bew\u00e4ltigen musste"},"content":{"rendered":"<p><strong>29. Februar &#8211; Hektik macht sich breit an Bord der Rainbow Warrior. Wir r\u00e4umen den Speiseraum auf und fegen \u00fcberall gr\u00fcndlich mit dem Besen. Der Koch ist in der Komb\u00fcse, der Kapit\u00e4n erteilt seine letzten Befehle. Heute Abend wird ein ganz besonderer Gast an Bord sein. Seit mehr als zwei Wochen ist das Flaggschiff von Greenpeace nun in Japan, um an den f\u00fcnften Jahrestag des Nuklearunfalls von Fukushima zu erinnern und f\u00fcr die Energiewende zu werben.<\/strong><\/p>\n<p>Der prominente Gast ist Naoto Kan. Er war Premierminister als das schreckliche Erdbeben und der Tsunami die Ostk\u00fcste Japans zerst\u00f6rten und die dreifache Kernschmelze in Fukushima herbeif\u00fchrten. Er war es, der die Krise bew\u00e4ltigen und schliesslich die entsprechenden Entscheidungen treffen musste, um die Bev\u00f6lkerung bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Manchmal versuche ich mir vorzustellen, unter welch einer Anspannung dieser Mann gestanden haben muss \u2013\u00a0er, der wusste, dass je nach Verlauf der Ereignisse im Atomkraftwerk eine Evakuation der Agglomeration von Tokio und ihrer rund 40 Millionen Einwohner unausweichlich werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Heute Abend jedoch ist der ehemalige Staatsmann entspannt, als er auf die Schiffsbr\u00fccke steigt, und sichtlich zufrieden, an Bord der Rainbow Warrior zu sein. Die Formalit\u00e4ten des Protokolls \u2013 in Japan manchmal gar schwerf\u00e4llig \u2013 sind schnell vergessen, und wir diskutieren mit einem Glas Wein in der Hand \u00fcber Fragen rund um das weltweite Thema Atomenergie.<\/p>\n<p>Naoto Kan wurde heftig kritisiert f\u00fcr seinen Umgang mit der Nuklearkrise, was ihn dazu zwang, sein Amt einige Monate sp\u00e4ter niederzulegen. Ein Teil der Opfer hat ihm bis heute nicht verziehen. Er hatte sicher Fehler begangen \u2013 und gesteht dies auch ein in einem selbst verfassten Buch, das k\u00fcrzlich erschienen ist. Ich pers\u00f6nlich freue mich, ihn zu treffen, denn ich habe Respekt vor diesem Mann, der nach den Ereignissen zur Einsicht gekommen ist und seine Meinung zur Nuklearfrage grundlegend ge\u00e4ndert hat. Er, der vor dem Unfall \u00fcberzeugt war von den Vorteilen dieser Technologie, hat seine Lehren gezogen aus dem Unfall und zugegeben, dass die Risiken der Atomenergie nicht kontrollierbar sind und die Folgen einer Atomkatastrophe schlicht nicht zu meistern sind. Ich denke, er weiss, wovon er spricht.<\/p>\n<p>Im Lauf des Gespr\u00e4chs erz\u00e4hle ich ihm von der Situation in der Schweiz. Naoto Kan kann fast nicht glauben, dass der \u00e4lteste Reaktor der Welt in der Schweiz steht. Ich betone, dass das so sei: Doch, doch, Beznau 1 ist mit seinen 46 Jahren wirklich der Dienst\u00e4lteste unter allen Reaktoren. Dieser traurige Rekord erinnert mich daran, dass in der Schweiz die Lehren aus Fukushima noch nicht gezogen worden sind. Auch wenn der Ausstieg aus der Atomenergie 2011 beschlossen wurde, wird seine Umsetzung auf die lange Bank geschoben. Bis dahin werden unsere \u00fcberalterten Reaktoren am Rand ihrer Kr\u00e4fte betrieben, w\u00e4hrend die Risiken f\u00fcr Unf\u00e4lle einfach ausgeblendet werden. Auf die Schweiz kommen \u00abheitere\u00bb Zeiten zu \u2013 auf dieses nukleare Dorf der Weltgemein\u00adschaft, dieses Netzwerk, wo jeder jeden kennt und man die Probleme \u00abunter Freunden\u00bb l\u00f6st, wo die Betreiber der AKW und die Aufsichtsbeh\u00f6rden unter einer Decke stecken. Genau das war die Wurzel der Katastrophe in Japan.<\/p>\n<p>Die Mahlzeit war \u00fcppig, die Reden waren zum Gl\u00fcck kurz. Naoto Kan hilft einem Mitglied der Besatzung beim Ausblasen der Geburtstagskerzen. Es ist noch fr\u00fch, als er sich in seine Kabine im Unterdeck des Schiffs zur\u00fcckzieht. Morgen erwartet ihn ein langer Tag: Die Rainbow Warrior wird mit einem unscheinbaren, aber f\u00fcr den weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie einstehenden Botschafter an Bord den Norden ansteuern und in einigen Meilen Entfernung an Fukushima Daiichi vorbeischippern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29. Februar &#8211; Hektik macht sich breit an Bord der Rainbow Warrior. Wir r\u00e4umen den Speiseraum auf und fegen \u00fcberall gr\u00fcndlich mit dem Besen. 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