{"id":20950,"date":"2016-03-07T00:00:00","date_gmt":"2016-03-06T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/master.greenpeace.ch\/beitrag\/20950\/wenn-die-erneuerbaren-der-atomenergie-den-stinkefinger-zeigen\/"},"modified":"2019-05-30T16:13:31","modified_gmt":"2019-05-30T14:13:31","slug":"wenn-die-erneuerbaren-der-atomenergie-den-stinkefinger-zeigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/20950\/wenn-die-erneuerbaren-der-atomenergie-den-stinkefinger-zeigen\/","title":{"rendered":"Wenn die Erneuerbaren der Atomenergie den Stinkefinger zeigen"},"content":{"rendered":"<p><strong>7. M\u00e4rz &#8211; Meine Arbeit in der Pr\u00e4fektur Fukushima ist beendet. Als ich ein letztes Mal mit meinen Kollegen in einem Restaurant in Tokio esse, ruft unser Tischnachbar: \u00abGo away!\u00bb Wir sind erstaunt \u00fcber diese offene Aufforderung, die so gar nicht der japanischen Art entspricht, und beginnen uns mit ihm zu unterhalten. Es stellt sich heraus, dass ein Missverst\u00e4ndnis vorliegt: Der Mann meinte, wir w\u00fcrden f\u00fcr die Atomindustrie arbeiten.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-58834\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GP0STPJRB_Medium_res-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"560\" \/><\/p>\n<p>Diese Anekdote ist alles andere als unbedeutend. Der Atomunfall von Fukushima hat zwei Mythen endg\u00fcltig zerst\u00f6rt, die den JapanerInnen von Kindesbeinen an eingepr\u00e4gt worden sind: Erstens, dass die Atomenergie keine Risiken berge \u2013 hierzu braucht es keinen Kommentar mehr. Und zweitens, dass Japan nicht ohne Atomenergie auskommt, um den landesweiten Elektrizit\u00e4tsbedarf zu decken. Die komplette Stilllegung der 54 japanischen Reaktoren in den Monaten nach der Katastrophe hat mit aller Deutlichkeit das Gegenteil bewiesen: Es gab nicht die kleinste Unterbrechung in der Stromversorgung. Und die Reaktion des Mannes in Tokio auf drei Fremde, die sich bei einem Gl\u00e4schen Sake \u00fcber Atomenergie unterhielten, ist ein Zeichen f\u00fcr die Entr\u00fcstung gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden, die ihre Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger \u00fcber Jahrzehnte wissentlich in die Irre gef\u00fchrt haben.<\/p>\n<p>Meinungsumfragen zeigen, dass eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der japanischen Bev\u00f6lkerung genug hat von der Atomenergie. Premierminister Shinzo Abe und seine Verb\u00fcndeten in der Regierung pfeifen darauf. Sie versuchen mit allen Mitteln, die stillgelegten Reaktoren wieder zum Laufen zu bringen und erneut eine bedeutende Atomindustrie aufzugleisen. Gerade bevor ich in die Schweiz zur\u00fcckreise, erfahre ich, dass der Betrieb eines vierten Atomreaktors wieder aufgenommen worden ist. Allerdings nicht f\u00fcr lange: Einige Stunden sp\u00e4ter wurde er wegen einer besch\u00e4digten Turbine bereits wieder abgeschaltet \u2026<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-58836\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/GP0STPMJC_Medium_res-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"840\" height=\"630\" \/><\/p>\n<p>Ich bin zuversichtlich, dass Abe bald von der Realit\u00e4t eingeholt werden wird. Seit meinem ersten Besuch in Japan sind vier Jahre vergangen. Und wenn es etwas gibt, das mich diesmal verbl\u00fcfft hat, dann ist es der Aufschwung der Solarinstallationen: Innert weniger Jahre sind Solarzellen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Die Entwicklung ist ph\u00e4nomenal: Die Produktion von Solarenergie \u2013 vor dem Unfall in Fukushima praktisch gleich null \u2013 ist 2015 auf \u00fcber 30 Terawattstunden gestiegen, was der Energieproduktion von f\u00fcnf Atomreaktoren mittlerer Gr\u00f6sse entspricht. Sogar die von Greenpeace prognostizierten Werte, die gew\u00f6hnlich als realit\u00e4tsfremd kritisiert werden, wurden \u00fcberschritten. Wenn das nicht fantastisch ist!<\/p>\n<p>Die Partie ist aber leider noch nicht gewonnen. Shinzo Abe setzt nicht nur auf Atomenergie, sondern auch auf Kohle, wodurch er das Land in zweierlei Hinsicht in die Falle f\u00fchrt: Zu den Risiken der Atomenergie kommen klimabedingte Umweltrisiken hinzu. Die Windenergie, f\u00fcr deren Produktion sich die windigen K\u00fcsten der japanischen Inselgruppe ausgezeichnet eignen, muss noch richtig in Schwung gebracht werden. Zudem verschwendet das Land weiterhin Unmengen von Strom: zum Beispiel l\u00e4uft die Elektroheizung in meinem Hotelzimmer auf Hochtouren, und\u00a0auch\u00a0der kalte Luftzug, der durch das schlecht isolierte Fenster pfeift, zeugt nicht gerade von einem sorgsamen Umgang mit Energie.<\/p>\n<p>Ich reise dennoch mit einem optimistischen Gef\u00fchl ab: Japan wird nicht mehr umkehren. Die Energiewende hat begonnen und das Land ist, wohl oder \u00fcbel, unterwegs in die richtige Richtung. Meine B\u00fcrokollegen in Japan setzen sich stark daf\u00fcr ein, diese Ver\u00e4nderungen voranzutreiben. Ihr Einsatz im Dienst der sauberen Energietr\u00e4ger \u2013 weniger sichtbar und weniger spektakul\u00e4r als die Anti-Atomkraft-Arbeit \u2013 tr\u00e4gt ebenfalls Fr\u00fcchte: Die Pr\u00e4fektur Fukushima selbst hat beschlossen, voll und ganz auf erneuerbare Energie zu setzen.<\/p>\n<p>Ich werde mich noch lange an dieses Bild erinnern: Vor der K\u00fcste beim AKW Daiichi erkennen wir von unserem Schiff aus Windr\u00e4der, die im Meer errichtet worden sind. Obwohl ein bisschen vom Nebel verh\u00fcllt, sind sie doch da und zeigen der AKW-Ruine mit ihren eleganten Rotorbl\u00e4ttern einen Stinkefinger nach dem anderen. So sieht es momentan aus in Japan: Auch wenn ihre Umrisse noch nicht f\u00fcr alle klar auszumachen sind, ist die Energie-Revolution schon sichtbar im Gang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7. M\u00e4rz &#8211; Meine Arbeit in der Pr\u00e4fektur Fukushima ist beendet. 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