{"id":38416,"date":"2019-11-08T09:00:37","date_gmt":"2019-11-08T07:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=38416"},"modified":"2021-12-01T07:14:09","modified_gmt":"2021-12-01T06:14:09","slug":"tiefseeparadies-im-atlantik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/38416\/tiefseeparadies-im-atlantik\/","title":{"rendered":"Tiefseeparadies im Atlantik"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die<\/strong> <strong>Tristan Languste galt als ausgerottet<\/strong> <strong>am Tiefseeberg Vema. Eine Greenpeace-Expedition konnte jetzt ihre R\u00fcckkehr dokumentieren \u2013 dank eines 2007 verh\u00e4ngten Fischereiverbots<\/strong>.<\/p>\n\n<p>Mount Vema ist ein Tiefseeberg im S\u00fcdostatlantik \u2013 entstanden durch vulkanische Aktivit\u00e4ten vor 15&nbsp;bis 11&nbsp;Millionen Jahren. Aus 4.600 Meter Tiefe erhebt er sich bis 26 Meter unter die Meeresoberfl\u00e4che. So dicht unter der Oberfl\u00e4che sind &nbsp;seine Gipfel sogar f\u00fcr &nbsp;Taucher erreichbar \u2013 und f\u00fcr die Sonne. An seinen Gipfeln wiegen sich aus Tang bestehende Kelpw\u00e4lder in der Str\u00f6mung.<\/p>\n\n<p>Zwischen ihren langgestreckten Zweigen schweben Hunderte von Gelbschwanzmakrelen und Streifenbrassen. Kalkbildende Algen, Korallen und viele Krebsarten finden hier \u2013 fast 1000 Kilometer vom s\u00fcdafrikanischen Festland entfernt \u2013 k\u00fcsten\u00e4hnliche, ideale Lebensbedingungen. Die tieferen H\u00e4nge sind Heimat f\u00fcr Schwarze Korallen und farbenreiche Gorgonien.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Greenpeace-Taucher \u00fcberrascht von Vielfalt<\/h2>\n\n<p>Ein reines Paradies der Artenvielfalt haben Taucher hier auf ihrer Expedition mit dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise entdeckt. Sogar der auf Vema bereits als ausgel\u00f6scht geltende Bestand der Tristan Languste nimmt wieder zu. Dutzende Exemplare konnten die Greenpeace-Taucher beobachten. Ein Hinweis darauf, dass ein 2007 von der S\u00fcdostatlantischen Fischereiorganisation (SEAFO) verh\u00e4ngtes Verbot der Grundfischerei erste Erfolge zeigt.<\/p>\n\n<p>\u00abWir sind \u00fcberrascht, so viele Tristan-Langusten zu sehen\u00bb, sagt Greenpeace-Meeresbiologe und Taucher Thilo Maack vor Ort. \u00abOhne das Fischereiverbot w\u00e4re diese Art hier f\u00fcr lange Zeit verloren gewesen. &nbsp;Vema zeigt: Die Meere erholen sich, wenn man ihnen Zeit und Raum daf\u00fcr gibt.\u00bb<\/p>\n\n<p>Seeberge wie Vema sind Oasen &nbsp;des Lebens&nbsp;in der Weite der Ozeane. St\u00f6mungen transportieren n\u00e4hrstoffreiches Tiefenwasser nach oben, wo es auf die sonnenbeschienenen oberen Schichten trifft. N\u00e4hrstoffe und Licht erm\u00f6glichen Photosynthese und den Aufbau eines dichten Nahrungsnetzes mit vielen endemischen Arten \u2013 Tieren und Pflanzen, die nur an diesem Ort vorkommen. Tiefseeberge sind von enormer Bedeutung f\u00fcr das&nbsp;\u00f6kologische Gleichgewicht. Grosse Freiwasserfische wie Thunfische und Haie sowie Delfine, Wale und Seev\u00f6gel finden hier Nahrung.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"533\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/4c2128ec-gp0stu5nv_web_size.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38424\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/4c2128ec-gp0stu5nv_web_size.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/4c2128ec-gp0stu5nv_web_size-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/4c2128ec-gp0stu5nv_web_size-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/4c2128ec-gp0stu5nv_web_size-510x340.jpg 510w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Greenpeace Meerescampaigner Thilo Maack w\u00e4hrend eines Tauchgangs am Mount Vema. <\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wissenschaftler an Bord der Arctic Sunrise<\/h2>\n\n<p>\u00abWir wollten mehr \u00fcber den Seeberg Vema erfahren\u00bb, sagt Maack. \u00abKommen Wale und Delfine auf ihren langen Migrationsrouten vorbei? Wie ist es um die Artenvielfalt in diesem Lebensraum bestellt?\u00bb Wissenschaftler an Bord der Arctic Sunrise erkunden mit Hilfe von Unterwasser-Mikrofonen (Hydrofone) die Anzahl und Art vorbeiziehender Wale oder Delfine. Sie untersuchen Kelp, das die Taucher vom Plateau des Tiefseebergs mit an die Oberfl\u00e4che bringen, um seine Herkunft zu klassifizieren. Auch die Universit\u00e4t von Kapsatdt ist an den Ergebnissen interessiert.<\/p>\n\n<p>Mit Hilfe eines Unterwasserroboters erkundet die Besatzung der Arctic Sunrise die Bergh\u00e4nge des gewaltigen Unterwassermassivs und sucht nach verlorenem oder weggeworfenem alten Fischereiger\u00e4t. Hinterlassenschaften fr\u00fcherer Fangflotten, die Vema auf der Jagd nach der teuren Tristan Languste befischten. Noch im 20. Jahrhundert gab es auf dem Seeberg eine riesige Population der Tristan Languste (Janus tristani). Bis sie 1981 auf Mount Vema am Rand der Ausrottung stand. &nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Innerhalb von 20 Jahren nahezu zerst\u00f6rt <\/h2>\n\n<p>Die&nbsp;Tristan Languste ist die teuerste Langustenart weltweit und stammt in der Regel von der Insel Tristan da Cunha \u2013 &nbsp;laut Marine Stewardship Council aus einer nachhaltigen Fischerei. Die Vema-Population der Tristan-Languste entwickelte sich somit mehr als 1800 Kilometer vom nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebiet dieser Art. Das macht sie einzigartig. \u00dcber Jahrhunderte hinweg gelangten die Langustenlarven nur durch Zufall mit der Meeresstr\u00f6mung von Tristan da Cunha nach Mount Vema. Auf diese Weise baute sich sehr langsam ein Bestand auf. Die menschliche Gier brauchte weniger als 20 Jahre, um den Langustenbestand an den Rand des Aussterbens zu bringen.<\/p>\n\n<p>Mount Vema und der S\u00fcdostatlantik sind Beispiele daf\u00fcr, wie nat\u00fcrliche \u00d6kosysteme zusammenbrechen.&nbsp;Denn die Ozeane sind praktisch ohne Schutz. Nur rund&nbsp;drei Prozent der Meeresgebiete&nbsp;sind wirklich frei von menschlichen Eingriffen. Das ist zu wenig, um ein langfristiges \u00dcberleben der Arten zu sichern. Der Artenverlust schreitet doppelt so schnell voran&nbsp;wie an Land. Landwirtschaft und Fischerei sind die Hauptursachen f\u00fcr die Verschlechterung. Die industrielle Fischerei fischt auf \u00fcber der H\u00e4lfte der&nbsp;Weltmeere&nbsp;\u2013 ein Drittel aller Fischpopulationen gilt als \u00fcberfischt. Zwei Drittel der Meere stehen unter dem Einfluss von Fischfarmen, Schifffahrtsrouten und destruktiven Industrien wie Tiefseebergbau sowie \u00d6l- und Gasbohrungen. Seit dem sp\u00e4ten 19. Jahrhundert sind&nbsp;rund die H\u00e4lfte aller Korallenriffe&nbsp;verschwunden&nbsp;und fast ein Drittel aller anderen Meeresarten.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-38429\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-1366x1366.jpg 1366w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/11\/b8d2beb8-tiefseeberg_quadratisch_deut_final-340x340.jpg 340w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">640.000 Tonnen Fischereiger\u00e4t pro Jahr in den Ozeanen <\/h2>\n\n<p>Hinzu kommt der Plastikm\u00fcll: 12 Millionen Tonnen Plastik landen j\u00e4hrlich im Meer \u2013 so viel wie ein durchschnittlicher M\u00fcllwagen pro Minute entsorgt. Jegliches Plastik in den Ozeanen wird m\u00f6glicherweise zur t\u00f6dlichen Falle f\u00fcr Tiere, kann sie ersticken, fesseln oder schwer verletzen. Eine ganz bestimmte Art Plastik jedoch wurde extra hierf\u00fcr gebaut: Fischereiger\u00e4t, das auch dann noch t\u00f6dliche Beute macht, wenn es l\u00e4ngst ausrangiert ist.<\/p>\n\n<p>Der neue&nbsp;&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\" (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/38132\/geisternetze-wie-ueber-bord-geworfene-fischernetze-durch-die-meere-spuken\/\" target=\"_blank\">Greenpeace-Bericht \u00abGhost Gear\u00bb&nbsp;fasst die Bedrohung durch Geisterausr\u00fcstung&nbsp;<\/a>zusammen: J\u00e4hrlich landen rund 640.000 Tonnen altes Fischereiger\u00e4t in den Ozeanen, was einem Gewicht von mehr als 50.000 Doppeldeckerbussen entspricht. Zehn &nbsp;Prozent des Plastikeintrags in die Meere stammen von Netzen, Leinen, Bojen oder \u00e4hnlichem. Abf\u00e4lle aus der Fischerei wie Verpackungsbeh\u00e4lter oder Klebeband tragen ebenfalls dazu bei. In einigen Regionen der Ozeane bildet Fischereiausr\u00fcstung den gr\u00f6ssten Teil des dort vorkommenden Plastiks.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">30 Prozent der Meere unter Schutz stellen <\/h2>\n\n<p>\u00dcberfischung, Verm\u00fcllung, Geisternetze, direkte und indirekte Auswirkungen des Klimawandels strapazieren die Tiefseeberge genauso wie den Rest der Meere. Daher fordert Greenpeace mit Blick auf die laufenden UN-Verhandlungen \u00fcber ein globales Abkommen zum Schutz der Hohen See von den politischen Entscheidungstr\u00e4gern strenge Kontrollen und echten Meeresschutz. Greenpeace fordert, bis 2030 dreissig Prozent der Meere unter Schutz zu stellen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/schuetzen-wir-die-meere\/\">Petition unterzeichnen<\/a><\/div>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. Check the block&#8217;s settings or remove it.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tristan Languste galt als ausgerottet am Tiefseeberg Vema. 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