{"id":39628,"date":"2019-12-04T00:15:00","date_gmt":"2019-12-03T22:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=39628"},"modified":"2021-12-01T07:14:04","modified_gmt":"2021-12-01T06:14:04","slug":"in-heissem-wasser-die-klimakrise-und-die-dringende-notwendigkeit-des-meeresschutzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/publikation\/39628\/in-heissem-wasser-die-klimakrise-und-die-dringende-notwendigkeit-des-meeresschutzes\/","title":{"rendered":"In heissem Wasser: Die Klimakrise und die dringende Notwendigkeit des Meeresschutzes"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Mai 2019 ver\u00f6ffentlichte der Weltbiodiversit\u00e4tsrat der Vereinten Nationen (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) die umfassendste jemals durchgef\u00fchrte Bewertung der weltweiten Artenvielfalt<a href=\"#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>. Die schockierenden Ergebnisse dieser globalen Bestandsaufnahme des Zustandes der Natur, der \u00d6kosysteme und der Bedeutung der Natur f\u00fcr das menschliche \u00dcberleben st\u00fctzen sich auf rund 15.000 wissenschaftliche und staatliche Quellen sowie indigenes Wissen. Der beschriebene Verlust in der Natur ist beispiellos, wobei das Ausmass des Artensterbens derart vorangeschritten ist, dass eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind. Viele davon innerhalb der kommenden Jahrzehnte. Das sind mehr Spezies als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit<a href=\"#_ftn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>. Zu den bedrohten Arten geh\u00f6ren fast 33 Prozent der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller Meeress\u00e4ugetiere.<\/p>\n\n<p>Der Bericht zeigt, dass nicht nur die \u00d6kosysteme an Land durch menschliche Aktivit\u00e4ten stark beeintr\u00e4chtigt werden. Bislang wurden auch zwei Drittel der Meeresumwelt, von den K\u00fcstengebieten bis zur Tiefsee, durch menschliches Wirken \u00abstark ver\u00e4ndert\u00bb. \u00dcberfischung und zerst\u00f6rerische Fangmethoden fordern ihren Tribut: Im Jahr 2015 wurden 33 Prozent der kommerziell genutzten Fischbest\u00e4nde in den Ozeanen auf nicht nachhaltigem Niveau befischt, weitere 60 Prozent wurden bis an ihre Grenzen ausgebeutet. Lediglich sieben Prozent wurden als \u00abunterfischt\u00bb eingestuft<a href=\"#_ftn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a>. Hinzu kommt, dass nach einigen Studien die illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei (IUU) sch\u00e4tzungsweise 15 bis 30 Prozent der weltweiten j\u00e4hrlichen Fangmengen ausmacht. Da weltweit mehr als 30 Millionen Menschen von kleinskaliger regionaler Fischerei abh\u00e4ngig sind, darf die Bedeutung dieser Zahl f\u00fcr die globale Ern\u00e4hrungssicherheit nicht unterbewertet werden.<\/p>\n\n<p>Die grenzenlose Ausbeutung der nat\u00fcrlichen Ressourcen ist ein treibender Faktor f\u00fcr den Verlust der biologischen Vielfalt und f\u00fcr die Ver\u00e4nderung der \u00d6kosysteme weltweit, aber sie ist nicht allein. Auch die Folgen der Klimakrise, die Versauerung der Ozeane, die Verm\u00fcllung und Verschmutzung sowie die Einwanderung invasiver Arten sind wichtige Faktoren und ihre Konsequenzen f\u00fcr die Meere sind enorm. So sank die Verbreitung von Seegraswiesen von 1970 bis 2000 um \u00fcber zehn&nbsp; Prozent pro Jahrzehnt<a href=\"#_ftn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>. Ebenso hat sich die Riffbedeckung mit lebenden Korallen in den letzten 150 Jahren fast halbiert und in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten weiter dramatisch verringert. Erh\u00f6hte Wassertemperaturen, regelrechte Hitzewellen in den Meeren und Versauerung &#8211; allesamt verbunden mit einem steigenden Kohlendioxidausstoss durch menschliche Aktivit\u00e4ten &#8211; haben die Krise beschleunigt. Die Lebensgrundlagen von sch\u00e4tzungsweise 100 bis 300 Millionen Menschen sind durch den damit einhergehenden K\u00fcstenschutzverlust gef\u00e4hrdet. Dar\u00fcber hinaus breiten sich \u00abTodeszonen\u00bb aus &#8211; hypoxische Bereiche mit sehr niedrigem Sauerstoffgehalt, die durch landwirtschaftliche \u00dcberd\u00fcngung verursacht werden &#8211; und umfassen nun eine Gesamtfl\u00e4che von mehr als 245.000 Quadratkilometer. <\/p>\n\n<p><em>\u2018The loss of species, ecosystems and genetic diversity\nis already a global and generational threat to human well-being. Protecting the\ninvaluable contributions of nature to people will be the defining challenge of\ndecades to come.\u2019<\/em> Sir Robert Watson, IPBES Chair.<\/p>\n\n<p>Der IPBES-Bericht\nunterstreicht die schwerwiegenden Ver\u00e4nderungen, die die Klimakrise f\u00fcr die\nMeeresumwelt mit sich bringt. Er prognostiziert einen R\u00fcckgang der\nNettoprim\u00e4rproduktion im Meer um drei bis zehn Prozent und damit einen R\u00fcckgang\nder Fischbiomasse um drei bis 25 Prozent bis zum Ende des Jahrhunderts.\nVer\u00e4nderungen in der Struktur und Funktionsweise der marinen Nahrungsnetze\nbedingen Kaskadeneffekte auf die globalen Systeme der Erde wie die Regulierung\ndes Klimas oder die Speicherung von Kohlenstoff. Einige dieser \u00c4nderungen\nk\u00f6nnen zu einer Verst\u00e4rkung der R\u00fcckkopplungsschleifen f\u00fchren, wodurch sich das\nProblem versch\u00e4rft &#8211; hierzu geh\u00f6rt z.B. die Erh\u00f6hung der Freisetzung von CO2 in\ndie Atmosph\u00e4re durch eine erh\u00f6hte Bakterienaktivit\u00e4t im Ozean<a href=\"#_ftn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>.<\/p>\n\n<p>Die\nVer\u00f6ffentlichung des Sonderberichtes des Weltklimarates (IPCC) vom September\n2019 zum Ozean und der Kryosph\u00e4re hat unser wachsendes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die\nkomplexen und umfassenden Wechselwirkungen zwischen dem globalen Klima und den\nOzeanen vertieft und die schwerwiegenden Auswirkungen der derzeitigen klimatischen\nVer\u00e4nderungen auf das Leben im Meer und die Menschheit verbl\u00fcffend deutlich\ngemacht<a href=\"#_ftn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>.\nGreenpeace z\u00e4hlt darauf, dass die Ver\u00f6ffentlichung eine koordinierte Reaktion\nausl\u00f6st, die sowohl die Klimakrise als auch den Schutz der Meeres\u00f6kosysteme\ngleichzeitig angeht<a href=\"#_ftn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a>.\n<\/p>\n\n<p>Seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens 2015 gibt es einen ermutigenden politischen Impuls der Integration von Meeresschutz und Massnahmen gegen die Erderhitzung &#8211; eine solche Koordination ist unerl\u00e4sslich wenn der Schutz der Meere im notwendigen Ausmass gew\u00e4hrleistet sein soll.&nbsp; Eine Reihe anstehender internationaler politischer Treffen stellt eine entscheidende Gelegenheit dar, die eng verflochtenen Gef\u00e4hrdungen durch den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt ehrgeizig anzugehen.<\/p>\n\n<p>Der Weltklimarat\nhat deutlich gemacht, dass die globalen Emissionen von Treibhausgasen bis 2030\num etwa 45 Prozent gegen\u00fcber dem Niveau von 2010 und bis etwa 2050 auf null\ngesenkt werden m\u00fcssen, um die globale Erw\u00e4rmung auf 1,5 Grad Celsius zu\nbegrenzen<a href=\"#_ftn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>.\nDieses erfordert eine vollst\u00e4ndige Transformation unserer Wirtschaft und\nGesellschaft, hin zur Dekarbonisierung und zur Entwicklung einer\nKreislaufwirtschaft<a href=\"#_ftn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a>.\nDazu geh\u00f6ren die Beendigung weiterer Erforschung und Gewinnung fossiler\nEnergietr\u00e4ger, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die Verbesserung\nder Energieeffizienz von H\u00e4usern, Fabriken und B\u00fcros, die Schaffung eines\nintelligenten Stromnetzes, die Abschaffung des Verbrennungsmotors, die\nAufwertung des \u00f6ffentlichen Verkehrs und die Umwandlung der Landwirtschaft in\nein ges\u00fcnderes und nachhaltigeres Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsmodell.\nParallel zu diesen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen m\u00fcssen Naturlandschaften\nund Meereslandschaften erhalten und wiederhergestellt werden. Dar\u00fcber hinaus\nm\u00fcssen nat\u00fcrliche Kohlenstoffspeicher gesch\u00fctzt und ihre Entstehungsprozesse\naufrechterhalten und verbessert werden.<\/p>\n\n<p>Dieser Bericht verdeutlicht, warum mindestens 30 Prozent der Weltmeere gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen &#8211; um dem Leben im Meer eine \u00dcberlebenschance in einer ungewissen Zukunft zu geben und ihm zu erlauben, sich an die Erderhitzung, die Versauerung und den sinkenden Sauerstoffgehalt anzupassen. Ausserdem wird die Widerstandsf\u00e4higkeit der Meeres\u00f6kosysteme gegen die genannten Faktoren durch echte Schutzgebiete erh\u00f6ht. Der Bericht zeigt auf, wie Netzwerke von Meeresschutzgebieten dazu beitragen, den gesamten Planeten gesund zu halten und die schlimmsten Auswirkungen der globalen Erw\u00e4rmung einzud\u00e4mmen: indem der \u00abblaue Kohlenstoffspeicher\u00bb gesch\u00fctzt wird.<br><\/p>\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> <strong>IPBES (2019).<\/strong> Introducing IPBES&#8216; 2019\nGlobal Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services. First global\nbiodiversity assessment since 2005. <a href=\"https:\/\/www.ipbes.net\/news\/ipbes-global-assessment-preview\">https:\/\/www.ipbes.net\/news\/ipbes-global-assessment-preview<\/a> accessed 28th\nJune 2019.<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> <strong>IPBES (2019).<\/strong> Media Release: Nature\u2019s\nDangerous Decline \u2018Unprecedented\u2019; Species Extinction Rates \u2018Accelerating\u2019.\nhttps:\/\/www.ipbes.net\/news\/Media-Release-Global-Assessment<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> <strong>National Intelligence Council (USA). (2016).<\/strong> Global\nImplications of Illegal, Unreported, and Unregulated (IUU) Fishing. This\nmemorandum was prepared by the National Intelligence Council and was\ncoordinated with the US Intelligence Community. 19<sup>th<\/sup> September 2016\nNICWP 2016-02 https:\/\/fas.org\/irp\/nic\/fishing.pdf<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> <strong>IPBES (2019).<\/strong> Summary for policymakers\nof the global assessment report on biodiversity and ecosystem services of the Intergovernmental\nScience-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. Advanced\nUnedited Version 6<sup>th<\/sup> May 2019.\nhttps:\/\/www.ipbes.net\/sites\/default\/files\/downloads\/spm_unedited_advance_for_posting_htn.pdf<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> <strong>Steffen W., Rockstr\u00f6m J.,&nbsp; Richardson K.,&nbsp; Lenton T.M.,&nbsp;\nFolke C., Liverman D.,Summerhayes C.P., Barnosky A.D., Cornell S.E.,\nCrucifix M., Donges J.F., Fetzer I., Lade S.J., Scheffer M.,&nbsp; Winkelmann R., and Schellnhuber H.J. (2018).<\/strong> Trajectories of\nthe Earth System in the Anthropocene. PNAS August 14, 2018 115 (33) 8252-8259;\nfirst published August 6, 2018 https:\/\/doi.org\/10.1073\/pnas.1810141115<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> <strong>IPCC (2019).<\/strong> Summary for\nPolicymakers. In: IPCC Special Report on the Ocean and Cryosphere in a Changing\nClimate.&nbsp; H.-O. P\u00f6rtner, D.C. Roberts, V.\nMasson-Delmotte, P. Zhai, M. Tignor, E. Poloczanska, K. Mintenbeck, M. Nicolai,\nA. Okem, J. Petzold, B. Rama, N. Weyer (eds.) In press.\nhttps:\/\/report.ipcc.ch\/srocc\/pdf\/SROCC_FinalDraft_FullReport.pdf<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> <strong>Devex (2018).<\/strong> Ocean advocates find new\nways to link their cause with climate change.<\/p>\n\n<p>By Catherine Cheney 17<sup>th<\/sup>\nSeptember 2018.\nhttps:\/\/www.devex.com\/news\/ocean-advocates-find-new-ways-to-link-their-cause-with-climate-change-93410<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> <strong>IPCC (2018).<\/strong> Summary for Policymakers\nof IPCC Special Report on Global Warming of 1.5\u00baC approved by governments. IPCC\nPress Release 8<sup>th<\/sup> October 2018.\nhttp:\/\/ipcc.ch\/pdf\/session48\/pr_181008_P48_spm_en.pdf<\/p>\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> <strong>Greenpeace.<\/strong> How Government Should\nAddress the Climate Emergency.&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org.uk\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/0861_GP_ClimateEmergency_Report_Pages.pdf\">https:\/\/www.greenpeace.org.uk\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/0861_GP_ClimateEmergency_Report_Pages.pdf<\/a> Accessed 5<sup>th<\/sup>\nJuly 2019.<\/p>\n\n<p><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-issuu wp-block-embed is-type-rich is-provider-issuu\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div data-url=\"https:\/\/issuu.com\/greenpeace-switzerland\/docs\/30x30_ocean_climate_report_final_web\" style=\"width: 500px; height: 353px;\" class=\"issuuembed\"><\/div><script type=\"text\/javascript\" src=\"\/\/e.issuu.com\/embed.js\" async=\"true\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/12\/8a0942c7-30x30_ocean_climate_report_final_web.pdf\">Bericht herunterladen <\/a><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/handeln\/schuetzen-wir-die-meere\/\">Jetzt Petition unterzeichnen und Meeresschutzgebiet fordern<\/a><\/div>\n<div class=\"EmptyMessage\">Block content is empty. 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