{"id":43498,"date":"2020-04-23T13:30:00","date_gmt":"2020-04-23T11:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=43498"},"modified":"2020-05-05T11:15:31","modified_gmt":"2020-05-05T09:15:31","slug":"one-health-tierwohl-und-menschenwohl-sind-eins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/story\/43498\/one-health-tierwohl-und-menschenwohl-sind-eins\/","title":{"rendered":"One Health: Tierwohl und Menschenwohl sind eins"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Corona-Pandemie macht einmal mehr klar: Zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen und der Umwelt insgesamt gibt es keine Trennlinien. Das Zusammenleben muss arten\u00fcbergreifend neu gedacht werden.<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abEs gibt keinen fundamentalen Unterschied zwischen Mensch und Tier in ihren F\u00e4higkeiten, Freude und Schmerz, Gl\u00fcck und Elend zu f\u00fchlen.\u00bb &#8211; Charles Darwin.<\/p>\n\n<p>Tiere sind uns Menschen auf verschiedenen Ebenen \u00e4hnlicher als wir lange dachten. Doch fristen viele von ihnen leider ein trauriges Dasein, in einer Isolation, die nicht wie die unsere jetzt zeitlich begrenzt ist. Sie sind gezwungen, ihr Leben in engsten Beh\u00e4ltnissen und St\u00e4llen zu verbringen, werden k\u00f6rperlich misshandelt und enormen Schmerzen ausgesetzt. Dieses Wissen, diese Bilder machen betroffen, k\u00f6nnen einen innerlich fast zerreissen. Der respektlose Umgang mit Tieren ist verwerflich, das gilt f\u00fcr chinesische Tierm\u00e4rkte genauso wie f\u00fcr europ\u00e4ische bzw. schweizerische Landwirtschaftsbetriebe &#8211; beispielsweise in der Gefl\u00fcgel- und Schweinezucht. Und er ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr uns Menschen, denn Darwins Aussage geht eigentlich noch viel tiefer: Ansteckende Krankheiten und Antibiotika-Resistenzen machen nicht Halt vor Artenbarrieren. Tiere leiden an denselben Krankheiten, werden von denselben Bakterien und Viren befallen. Heute sind \u00fcber 200 Krankheiten bekannt, die bei Mensch und Tier vorkommen und wechselseitig \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Risiko f\u00fcr Krankheiten steigt<\/strong><\/h2>\n\n<p>Epidemien und Pandemien sind multifaktorielle Ereignisse. Eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Corona-Pandemie ist wichtig, um solche Gesundheitskrisen k\u00fcnftig m\u00f6glichst zu vermeiden. Was klar ist: <a href=\"https:\/\/www.uni-ulm.de\/nawi\/nawi-home\/nawi-detailseiten\/news-detail\/article\/evolutionsoekologin-prof-simone-sommer-ueber-das-neue-coronavirus-umweltzerstoerung-und-menschliches-verhalten-beguenstigen-zoonosen\/\">Das Risiko f\u00fcr Infektionskrankheiten, die zwischen Tier und Mensch \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen (Zoonosen), ist in den letzten Jahrzehnten massiv angestiegen. <\/a>Dazu geh\u00f6ren unter anderem SARS-Viren, MERS, Ebola und diverse Bakterienst\u00e4mme oder Pilzerkrankungen. Die Gefahr steigt dramatisch, wo Tiere nicht artgerecht gehalten werden, wo viele Menschen und Tiere auf engem Raum zusammenleben und\/oder wo die Menschen immer tiefer in die \u00d6kosysteme und R\u00fcckzugsgebiete der Tiere vordringen und diese verspeisen. Die durch Zecken \u00fcbertragene Fr\u00fchsommer- Meningoenzephalitis (FSME) ist wohl auch dank den ver\u00e4nderten Klimabedingungen auf dem Vormarsch. Die Abholzung und Schaffung von offenen Lebensr\u00e4umen und die Klimaerhitzung f\u00f6rdern beispielsweise die Ausbreitung von Moskitos, die Malaria oder Dengue-Fieber \u00fcbertragen k\u00f6nnen. Der Handel &#8211; insbesondere der illegale, unkontrollierte &#8211; mit Wildtieren erh\u00f6ht das Risiko f\u00fcr die \u00dcbertragung von Viren von Tier auf Mensch: Virenausbr\u00fcche haben ihren Ursprung nicht selten auf M\u00e4rkten, wo wilde und domestizierte, lebende und tote S\u00e4ugetiere, V\u00f6gel und Reptilien auf engstem Raum gehalten und zum Kauf angeboten werden. Globalisierung und Bev\u00f6lkerungsdichte bieten Erregern das ideale Milieu, um sich erfolgreich und rasant global zu verbreiten.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wir ernten, was wir s\u00e4en<\/strong><\/h2>\n\n<p>Die prominente italienische Virologin, Veterin\u00e4rmedizinerin und Direktorin des One Health Center of Excellence der Universit\u00e4t von Florida, Professorin Ilaria Capua, unterstreicht in einem Gespr\u00e4ch mit Greenpeace: \u00abDie Gesundheit von Menschen und Tieren zusammen mit der Gesundheit von Pflanzen und der Umwelt zu f\u00f6rdern, ist die einzige M\u00f6glichkeit, die Nachhaltigkeit des Planeten zu erhalten und zu bewahren.\u00bb Die Gesundheit der Umwelt und der Tiere hat also einen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Menschen. Wir sind untrennbar miteinander verbunden. Wir sind verletzliche Individuen in einer verletzlichen Welt. Was wir der Umwelt antun, kommt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zu uns zur\u00fcck, im Guten wie im Schlechten. Es wird nur dann einen gesunden Planeten und ein gesundes Leben f\u00fcr uns geben, wenn wir den Umgang mit Tieren drastisch ver\u00e4ndern &#8211; das gilt auch f\u00fcr die Landwirtschaft.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/edd82990-gp0stttdi_web_size_with_credit_line-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-43499\" srcset=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/edd82990-gp0stttdi_web_size_with_credit_line-1.jpg 800w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/edd82990-gp0stttdi_web_size_with_credit_line-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/edd82990-gp0stttdi_web_size_with_credit_line-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/edd82990-gp0stttdi_web_size_with_credit_line-1-453x340.jpg 453w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Eine Gesundheit f\u00fcr alle<\/strong><\/h2>\n\n<p>Auch in Europa werden zum Beispiel noch immer mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen verabreicht; die Folge sind multiresistente Bakterien, gegen die fast keine Antibiotika mehr helfen und lebensbedrohlich sind. Die Resistenzentwicklung ist eine nat\u00fcrliche Anpassungsentwicklung \u2013 ein \u00dcberlebenstrieb der Bakterien, die sich so vor dem Zelluntergang sch\u00fctzen. Erregern ist es egal, ob ihr Wirt menschlich ist oder tierisch. Oder &#8211; im Fall von Bakterien &#8211; pflanzlich. Zwischen der Tier- und der Humanmedizin (und sogar der Pflanzenwelt) gibt es diesbez\u00fcglich keine Trennlinien. Die Corona-Pandemie ist ein weiteres Warnsignal: Das Zusammenleben von Mensch und Tier muss neu und arten\u00fcbergreifend gedacht werden. Zentral ist eine konsequente Umsetzung des <a href=\"https:\/\/www.who.int\/news-room\/q-a-detail\/one-health\">\u00abOne Health\u00bb<\/a>-Ansatzes: Systematische interdisziplin\u00e4re und multiprofessionelle Boards zwischen den relevanten Berufsgruppen &#8211; beispielsweise \u00c4rzten und Tier\u00e4rzten, Epidemiologen, Landwirten, \u00d6kologen und Wildtierexperten &#8211; sind sp\u00e4testens jetzt zur Pflicht geworden. Die Tier- und Humanmedizin sowie die Lebensmittelproduktion und der Zustand der Umwelt m\u00fcssen vernetzt betrachtet werden &#8211; weltweit, ohne Kompromisse.&nbsp;<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zeit, die Weichen neu zu stellen<\/strong><\/h2>\n\n<p>Wir fordern einen <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/tag\/landwirtschaft\/\">Systemwechsel in der Landwirtschaft<\/a> und unterst\u00fctzen deshalb die <a href=\"https:\/\/www.initiative-sauberes-trinkwasser.ch\/\">Trinkwasserinitiative<\/a> sowie die <a href=\"https:\/\/massentierhaltung.ch\/\">Massentierhaltungsinitiative<\/a>, die beide eine artgerechte Tierhaltung beinhalten. Wir rufen die EU und die Schweiz auf, sich f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.org\/eu-unit\/issues\/nature-food\/2700\/ending-wildlife-trade-for-health-and-planet\/\">ein weltweites Verbot des Handels mit wilden Tieren<\/a> einzusetzen und den Schutz von \u00d6kosystemen an Land und im Meer sowie des Klimas zu intensivieren. Es braucht neue Konzepte zur Frage, wie die Menschheit mit der Natur in Einklang leben kann. Dabei muss auch die Wachstumsphilosophie hinterfragt werden d\u00fcrfen. Das Wohlergehen der Tiere sowie biologische Vielfalt sind nicht \u00abnur\u00bb eine moralische Vernunft, sondern auch eine medizinische.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Pandemie macht einmal mehr klar: Zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und der Umwelt insgesamt gibt es keine Trennlinien. 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