{"id":43979,"date":"2014-08-18T07:00:00","date_gmt":"2014-08-18T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=43979"},"modified":"2020-05-16T17:37:26","modified_gmt":"2020-05-16T15:37:26","slug":"wildnis-angst-und-anziehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/43979\/wildnis-angst-und-anziehung\/","title":{"rendered":"Wildnis: Angst und Anziehung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Wildnis ist ein rares Gut geworden. Urspr\u00fcngliche Teile der Natur, die sich dem Zugriff der Menschen entziehen, verschwinden. Die Zerst\u00f6rung der Regenw\u00e4lder geht weiter, die Arktis schmilzt dahin. Wo der Mensch es geschafft hat, ein St\u00fcckchen unber\u00fchrte Natur zu erhalten, wuchert eher der Tourismus \u2013 so sanft er auch sei. Was selten ist, gewinnt an Wert, und in diesem Sinn hat die Wildnis wahrhaftig Karriere gemacht, seit unsere Urahnen nachts in Angst vor dem S\u00e4belzahntiger um ein Feuer kauerten. F\u00fcr sie h\u00e4tte die Wildnis wahrscheinlich vor ihrer H\u00f6hle begonnen und sie h\u00e4tten sie zum Teufel w\u00fcnschen k\u00f6nnen, wenn dort nicht einfach eines gewesen w\u00e4re: die Welt, die Natur, von der sie ein Teil waren.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">D<\/span>as ist lange her. Mittlerweile ist die Wildnis so wertvoll, dass sie auch f\u00fcr eine bessere Welt steht. \u00abWild\u00bb ist zu einem G\u00fctesiegel geworden f\u00fcr Rockstars \u2014 born to be wild \u2014 und Liebhaberinnen, f\u00fcr Einrichtungsstile und Gartenbauphilosophien. So hat sich die Wildnis eine Reihe von Verkleidungen zugelegt. Sie entfaltet sich, wenn Regeln ausgeschaltet sind, was unheimlich sexy anmutet in einer Welt, wo bald jedes Ding seinen Sensor, Chip, Sender hat und mit einer Datenbank kommuniziert. Auf diese wilde Freiheit kann man in der Stadt treffen, im Internet, in der Kunst, im Musikclub, im eigenen Garten. Dieses Heft will diese Vielfalt dokumentieren.<\/p>\n\n<p>Das Wirken des Menschen hat aber nicht nur zu einem Schwinden der \u00abeigentlichen\u00bb Wildnis gef\u00fchrt. Mit der Verw\u00fcstung entstanden auch neue W\u00fcsten. Es gibt immer mehr Orte, an denen eine unkontrollierte Natur zur\u00fcckkehrt, weil sie unbewohnbar geworden sind. Radioaktivit\u00e4t und chemische Verseuchung schaffen Reservate, f\u00fcr die der Mensch nicht mehr Eindringling ist, sondern Fl\u00fcchtling. Sich daf\u00fcr zu begl\u00fcckw\u00fcnschen, w\u00e4re freilich unsinnig und auch diese Orte bleiben nur so lange verschont, bis jemand auf eine neue \u00abGoldader\u00bb st\u00f6sst.<\/p>\n\n<p>\u00abFurcht und Ehrfurcht\u00bb steht \u2014 etwas beschw\u00f6rend \u2014 auf unserer Titelseite. Das k\u00f6nnten wir noch steigern zu \u00abAngst und Anziehung\u00bb, je nachdem, ob wir uns wie Rotk\u00e4ppchen oder wie Charles Darwin f\u00fchlen. Dass die Wildnis auf Frauen und M\u00e4nner von heute anziehend wirkt, haben wir bereits gezeigt. Aber wo ist die Angst?<\/p>\n\n<p>Angesichts der drohenden Klimaver\u00e4nderungen w\u00fcrde es Greenpeace nicht schwer fallen, be\u00e4ngstigende Szenarien f\u00fcr die Zukunft heraufzubeschw\u00f6ren. Wir \u00fcberlassen das Hollywood, das neuerdings ein Genre von Filmen pflegt, in denen die Helden im \u00dcberlebenskampf ein paar Reste von Menschlichkeit retten. Die heftigen Debatten rund um den Datenschutz im Internet spiegeln auch eine Sehnsucht nach Kontrolle \u00fcber eine Welt, die im Chaos versinken k\u00f6nnte. Diese Wildnis weckt pl\u00f6tzlich neue \u00c4ngste.<\/p>\n\n<p>Als \u00f6kologisch f\u00fchlende und denkende Menschen stehen wir vor einem Dilemma. Wir w\u00fcnschen uns eine Welt, in der eine geordnete, massvolle Zivilisation und weite, unber\u00fchrte Gebiete koexistieren. Wir m\u00f6chten eine Grenze ziehen zwischen Mensch und Wildnis. Die Ecopop-Initiative ist ein Ausdruck dieser \u2014 verst\u00e4ndlichen \u2014 Sehnsucht nach der Idylle. Ob Grenzen der Erde bisher viel Gutes gebracht haben, m\u00f6chten wir zumindest hinterfragen.<\/p>\n\n<p>Wenn wir die Wildnis verstehen wollen, stellt sich rasch auch die Frage nach der \u00abWildnis in uns\u00bb. Dasselbe Leben steckt n\u00e4mlich in jedem Wesen, ob Einzeller, Pilz, Pflanze, Tier oder Mensch. Statt die Welt einzuteilen in Menschliches und Nichtmenschliches, statt Grenzen zu ziehen, sollten wir uns auf dieses grosse Gemeinsame besinnen. Vielleicht verschwindet dann die Wildnis in unseren K\u00f6pfen und es bleibt \u2014 die Natur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wildnis ist ein rares Gut geworden. 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