{"id":44042,"date":"2014-12-15T07:00:00","date_gmt":"2014-12-15T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44042"},"modified":"2020-05-17T12:41:48","modified_gmt":"2020-05-17T10:41:48","slug":"ueber-der-kohle-wohnt-der-mensch-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44042\/ueber-der-kohle-wohnt-der-mensch-teil-2\/","title":{"rendered":"\u00dcber der Kohle wohnt der Mensch &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Im Juli 2013 k\u00fcndigte der schwedische Energiekonzern Vattenfall an, er wolle seine Braunkohletagebaue und seine Kraftwerke in der ostdeutschen Lausitz abstossen. Anfang Dezember 2014 hat der Konzern nun dargelegt, dass die Lausitzer Kohlef\u00f6rderung trotz der Verkaufspl\u00e4ne ausgebaut und daf\u00fcr unter anderem das Genehmigungsverfahren f\u00fcr eine Erweiterung des Tagebaus Welzow beantragt werde. Auch andere Stromriesen schlingern: Der Aktienkurs von RWE verharrt nach dem Einbruch von 2008 auf niedrigem Niveau, der Stromriese EON k\u00fcndigte im Dezember 2014 seine Spaltung an und will die Produktionsst\u00e4tten f\u00fcr Atom- und Kohlestrom unter seinem Namen loswerden. Ein Erfolg der Verbraucher, die sich mehr und mehr der alternativen Stromgewinnung zuwenden? Welche Krise auch immer die Energiekonzerne sch\u00fcttelt, sie folgt der Logik des Marktes. Der EON-Schachzug riecht nach Etikettenschwindel, Vattenfall wird das Maximum aus den Lausitzer Braunkohlefl\u00f6zen herausholen \u2013 und sei es durch ihren Verkauf, und wie schon zu DDR-Zeiten werden ganze D\u00f6rfer und gewachsene Strukturen den Baggern weichen m\u00fcssen.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">W<\/span>er in die Zukunft der Lausitz mit noch mehr Tagebau schauen will, wirft am besten einen Blick auf die Gegenwart. Brachen und \u00f6de Fl\u00e4chen zeugen davon, dass \u2014 entgegen der von Vattenfall verk\u00fcndeten Nachhaltigkeitsphilosophie<sup>6<\/sup> \u2014 in der Lausitz vor allem die nachhaltige Ausbeutung des Bodens stattgefunden hat. Eine landwirtschaftliche Nutzung der Fl\u00e4chen ist mehr oder weniger ausgeschlossen. Die Spree f\u00e4rbt sich braunrot, wenn das tagebaubedingt abgesenkte Grundwasser Abbaur\u00fcckst\u00e4nde und hier vor allem Eisen(II)sulfat nach oben sp\u00fclt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/8688522a-1132a1dc5cf7d9034479d3741d095edd.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Die Spree f\u00e4rbt sich braunrot, wenn das tagebaubedingt abgesenkte Grundwasser Abbaur\u00fcckst\u00e4nde und hier vor allem Eisen(II)-sulfat nach oben sp\u00fclt. \u00a9 Mark M\u00fchlhaus\/attenzione\/Agentur Focus<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Neben der Tier- und Pflanzenwelt wird auch das gr\u00f6sste Trinkwasserreservoir der Hauptstadt Berlin, der Spreewald, in Mitleidenschaft gezogen. Die Schwermetallbelastung ist hoch, w\u00e4hrend des Tagebaubetriebs werden tonnenweise Blei und Arsen freigesetzt<sup>7<\/sup>und sickern ins Grundwasser. Flutungsseen, die die Lausitz in eine touristisch attraktive Wasserlandschaft verwandeln sollen, weisen aufgrund der Grubenr\u00fcckst\u00e4nde saure ph-Werte auf.<\/p>\n\n<p>Hektargrosse, angeblich ausreichend bodenverdichtete Fl\u00e4chen werden weitr\u00e4umig gesperrt, da immer wieder unberechenbare Erdrutschungen daf\u00fcr sorgen, dass sich alte Tagebaufl\u00e4chen aufwalmen und ruckartig senken. Immer h\u00e4ufiger taucht in der Lausitz das Schild \u00abBetreten verboten! Sperrgebiet\u00bb auf. Und die gr\u00f6sstenteils forstwirtschaftliche Nutzung auf zugesch\u00fcttetem ehemaligem Abbaugel\u00e4nde bringt nur einen \u00e4usserst geringwertigen Baumbestand hervor. \u00abDie B\u00e4ume wachsen an und bleiben bei anderthalb Meter stehen. Sogar die F\u00f6rster sch\u00fctteln dar\u00fcber den Kopf\u00bb, erz\u00e4hlt Pfarrer Berndt.<\/p>\n\n<p>Was ausserdem bleibt, sind \u00abBesucherbergwerke\u00bb, in denen ehemalige F\u00f6rderanlagen bestaunt werden k\u00f6nnen, und ein Event-Tourismus, der keine richtige Anziehungskraft entwickelt. Am Wolkenberg, nach einem in der N\u00e4he abgebaggerten D\u00f6rfchen benannt, wird Wein auf den Kippenfl\u00e4chen von Welzow-S\u00fcd angebaut. \u00abWein ist ein Flachwurzler, das funktioniert bestimmt\u00bb, meint Berndt. \u00abAber hier dient er als Feigenblatt f\u00fcr all das, was wachsen soll, aber nicht wachsen kann.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/b1fd474b-27577f9eb88cfbb8e8c3fc99f677b6d5.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Flutungsseen, die die Lausitz in eine touristisch attraktive Wasserlandschaft verwandeln sollen, weisen aufgrund der Grubenr\u00fcckst\u00e4nde ph-Werte von S\u00e4uren auf. \u00a9 Mark M\u00fchlhaus\/attenzione\/Agentur Focus<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Bislang berichten lediglich Umweltgruppen \u00fcber die verheerenden \u00f6kologischen Folgen des Tagebaus. Deren wissenschaftliche Studien und Gutachten r\u00fctteln aber genauso wenig an der Machtposition des Stromkonzerns wie die wirtschaftswissenschaftlichen Erhebungen des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung, die den \u00f6konomischen Nutzen des Braunkohletagebaus langfristig infrage stellen.<\/p>\n\n<p>Noch weniger Aufmerksamkeit gibt es f\u00fcr die signifikanten sozialpsychologischen Folgen in der Lausitz: Ohnmacht \u2014 in der DDR-Zeit gegen\u00fcber den staatlichen Stellen, nach 1989 gegen\u00fcber wirtschaftlichen Akteuren \u2014 pr\u00e4gt das Lebensgef\u00fchl vieler Menschen. Der symbolische und reale Verlust von Haus und Hof, der Gemeinschaft im Dorf und auch der Natur ist psychisch schwer zu verkraften. Verunsicherung und Resignation machen sich breit. Aus der von einem einzigen Wirtschaftsfaktor abh\u00e4ngigen Region mit ihrem schwachen Arbeitsmarkt wandern die Leute ab. Aber das alles sei, h\u00e4lt Vattenfall seinen Kritikern vor, ebenso wenig beweisbar wie die irreparable \u00f6kologische Zerst\u00f6rung und der wirtschaftliche Niedergang des Gesch\u00e4fts mit der Braunkohle. 8<\/p>\n<div data-render=\"planet4-blocks\/gallery\" data-attributes=\"{&quot;attributes&quot;:{&quot;multiple_image&quot;:&quot;54126,54125,54124,54123,54122,54121&quot;,&quot;image_data&quot;:[{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54126},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/a7571e02-fa264881a37ab2e774e817d0a4c6c3c5-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54125},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/a6d84d41-4ee3b2d93de573ae657a471fb5da648e-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54124},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/b6bcc08d-52d9669bfb295a81824f718bcfbaa747-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54123},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/723f4744-64e717c72f8cd708199a942cbbcb0c4f-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54122},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/85e8ab41-f1d571f1d10f56317f9807c1c8b95435-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54121}],&quot;gallery_block_style&quot;:0,&quot;gallery_block_title&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_description&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_focus_points&quot;:&quot;&quot;,&quot;images&quot;:[{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2014\\\/12\\\/f8acad7d-8e1a2f1454ec50a3a137cb2fd7f7465a-1024x682-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Haus und Hof des Aktivisten Johannes Kapelle soll f\\u00fcr den Abbau Welzow-S\\u00fcd weichen. 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Protest Schild im Dorf Grabko, dass entv\\u00f6lkert werden soll. \\u00a9 Mark M\\u00fchlhaus\\\/attenzione\\\/Agentur Focus\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;}]}}\"><\/div>\n<p>\u00abVerstromung und Export rechnen sich f\u00fcr Vattenfall so lange, wie die externen Kosten und Verg\u00fcnstigungen im Strompreis nicht eingerechnet werden\u00bb, sagt auch Thomas Burchardt, Sprecher der Klinger Runde (www.klinger-runde.de), einem Zusammenschluss betroffener Gemeinden gegen die sieben m\u00f6glichen neuen Tagebaue. \u00abIn der Lausitz liegen neben den bisher genehmigten 1,2 Milliarden noch weitere 3,5 Milliarden Tonnen Kohle, die als wirtschaftlich gewinnbar eingesch\u00e4tzt werden.\u00bb Burchardt ist, was die Widerlegung von Argumenten zur Sinnhaftigkeit des Braunkohletagebaus betrifft, eine nicht versiegende Quelle. Er habe eine \u00abhohe Schnittstellenkompetenz\u00bb zum Thema, meint er \u00fcber sich selbst. Der 52-J\u00e4hrige, der sein ganzes Leben in der Lausitz verbracht hat, studierte Wirtschaftsinformatik und Umwelttechnik. Als aktives Mitglied der Domowina, der Vertretung der sorbischen Gemeinden, vertritt er zudem deren Interessen im Braunkohleausschuss des Landes.<\/p>\n\n<p>\u00abDas Jahr 2007 war ein riesiger Schock. Das Letzte, womit man hier gerechnet hat, waren sieben m\u00f6gliche neue Tagebaue, wie jetzt zum Beispiel J\u00e4nschwalde-Nord. Die Menschen, man muss es so sagen, sind traumatisiert. Niemand von denen, die eine unfreiwillige Umsiedlung selbst erlebt haben, kann dar\u00fcber l\u00e4nger als drei, vier Minuten sprechen, ohne von den unterdr\u00fcckten Emotionen \u00fcberflutet zu werden.\u00bb Die sogenannte Clausthal-Studie, in der 2007 sieben neue Tagebaue angek\u00fcndigt wurden, brach auch in das Leben der Menschen ein, die sich nach der Absage an den Tagebau in den 1990er Jahren wieder fest in der Lausitz niedergelassen haben.<\/p>\n\n<p>Mehrere Dutzend Eigenheime sind in den Ortschaften Kerkwitz, Atterwasch und Grabko mit insgesamt 900 Einwohnern entstanden, die nun abgebaggert werden sollen. In Dorfgemeinschaften, denen von den politisch Verantwortlichen versprochen worden war, dass niemals mehr ein Tagebau ihre Existenz bedrohen w\u00fcrde. \u00abAber deswegen\u00bb, so ist sich auch Pfarrer Berndt sicher, \u00absteht der Grossteil der Menschen hier gegen den Tagebau zusammen.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/35a79473-ea59ac61c1dcd7fee38dbe3885f08cdb.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>G\u00fcnter Spreetz mit Ehefrau vor ihrem Grundst\u00fcck mit Schild gegen schnelle und billige Umsiedlung &#8211; f\u00fcr den Bergbau Nochten \u00a9 Mark M\u00fchlhaus\/attenzione\/Agentur Focus<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Zusammengestanden sind die Menschen aber auch einmal in dem Rohner Dorfteil, in dem G\u00fcnter Spretz noch lebt und der jetzt dem Tagebau Nochten zum Opfer f\u00e4llt. \u00abVon 1996 bis 2009 haben wir hier alle gemeinsam gek\u00e4mpft. Unser Pluspunkt war, dass keiner von uns bei Vattenfall gearbeitet hat. Wir waren 62, haben eine B\u00fcrgerinitiative gegr\u00fcndet, sind zu Demonstrationen gegangen, haben auch Vattenfall eingeladen, mit uns zu diskutieren. Aber Vattenfall hat immer nur Einzelgespr\u00e4che um Entsch\u00e4digungen f\u00fchren wollen. Als wir als Gruppe eine gemeinsame Umsiedlung in eine Gegend gefordert haben, die unseren Lebensumst\u00e4nden hier entspricht, nah am Wald und nicht mitten in einer Ortschaft, sind wir nicht zugelassen worden.\u00bb Dann, berichten Spretz, seine Frau und andere Betroffene aus Trebendorf, habe die Gemeinde einem Umsiedlungsplan zugestimmt, der die betroffenen Menschen nicht einbezog.<sup>9<\/sup> \u00abWir wurden fallen gelassen. Niemals hat jemand von Vattenfall hier auf unserem Sofa gesessen, um uns bei Fragen hinsichtlich der Umsiedlung zu unterst\u00fctzen. Die lassen die Leute kommen, wenn sie nicht mehr weiterwissen.\u00bb Der Widerstand sei nach und nach aufgerieben worden \u2014 nicht zuletzt durch den fehlenden politischen R\u00fcckhalt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/8a5672a3-9808b4246cd044b8ecdd79c1db878ecc.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Der Tagebau Welzow. Kilometerlanger Abraum wo einmal ein Dorf stand. Dies droht nun auch dem Rohner Dorfteil G\u00fcnter Spreetz.<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Das Wort \u00abZerm\u00fcrbungstaktik\u00bb f\u00e4llt in vielen Gespr\u00e4chen mit Tagebaubetroffenen \u00fcber ihr Verh\u00e4ltnis zu Vattenfall und den politischen Bef\u00fcrwortern des Braunkohleabbaus. Eine sozialvertr\u00e4gliche Umsiedlung gibt es nicht. Die Menschen werden aus der gewohnten Umgebung herausgerissen, sie f\u00fchlen sich vertrieben. \u00abEin neues Grundst\u00fcck m\u00fcssen wir uns allein suchen. Von damals 62 Menschen sind wir heute noch 19, die durchgehalten haben.\u00bb Man sieht G\u00fcnter Spretz und seiner Frau an, wie sehr ihnen die jahrelange Unsicherheit und auch die Respektlosigkeit zugesetzt haben.<\/p>\n\n<p>Auf der anderen Seite kritisieren viele Gespr\u00e4chspartner die Doppelmoral von Vattenfall. Der Konzern kauft sich in Strukturen ein, f\u00fcr die eigentlich die \u00f6ffentliche Hand zust\u00e4ndig w\u00e4re. \u00abVattenfall bezahlt hier alles \u2014 Schulen, Kinderg\u00e4rten, Fussballvereine. Wer sich hier gegen den Tagebau \u00e4ussert, bekommt kein Geld mehr. Das ist doch Erpressung.\u00bb Die Zuwendungen aufgrund von \u00abKompensationsvereinbarungen\u00bb, die Vattenfall beispielsweise an die Randgemeinden des Tagebaus J\u00e4nschwalde zahlt, k\u00f6nnen sich sehen lassen: Knapp 600 000 Euro gab das Amtsblatt der Gemeinde Peitz im September 2013 zu Protokoll.<\/p>\n\n<p>\u00abUnsere Energieversorgung ist nicht mehr dieselbe wie vor 100 Jahren. Wenn Bundesregierung, Landesregierung und Vattenfall behaupten, dass es keinen Verzicht auf Kohle geben k\u00f6nne, dann stimmt das nicht. Es gibt Alternativen \u2014 und besonders f\u00fcr die Lausitz gibt es sie. Der Tagebau ist der falsche Weg.\u00bb Mathias Berndt, dessen Dorf Atterwasch einem zuk\u00fcnftigen Tagebau J\u00e4nschwalde-Nord weichen m\u00fcsste, spricht f\u00fcr viele in seiner Gemeinde: \u00abDie Existenz der Menschen, die hier leben, zu entwerten, ist eine Entwertung der Menschen selbst. Die Pl\u00e4ne Vattenfalls f\u00fcr die Region sind besch\u00f6nigend, ihre Informationsbl\u00e4tter funktionieren wie Illustrierte. Nur ein umfassender Strukturwandel kann die Lausitz als lebenswerte Region erhalten.\u00bb So stehen Urw\u00e4lder, Felder, weite Wiesen, viele \u00abrandbetroffene\u00bb Ortschaften und die Orte Kerkwitz, Grabko, Atterwasch, Rohne, Mulkwitz, Trebendorf, Schleife, Proschim und Welzow gegen J\u00e4nschwalde-Nord, Nochten II und Welzow-S\u00fcd \u2014 drei geplante Tagebaue, deren Wirtschaftlichkeit das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung infrage stellt.<sup>10<\/sup><\/p>\n\n<p>In den regionalen Planungsaussch\u00fcssen, die \u00fcber die Zukunft der Lausitz entscheiden, will man davon nichts wissen. Sie sprechen sich f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Tagebaue aus, trotz vieler kritischer Nachfragen. Auszubildende des Vattenfall-Konzerns werden manchmal von der Arbeit freigestellt, damit sie w\u00e4hrend der Sitzungen Pr\u00e4senz zeigen. Von Einsch\u00fcchterung sprechen viele der Tagebaubetroffenen. Mathias Berndt sagt dazu, dass ein Tagebau eine Region nicht zuletzt deshalb nachhaltig zerst\u00f6rt, weil er Gemeinschaften spaltet und rechte Parteien und Gruppierungen st\u00e4rkt. Mit ihren einfachen, radikalen Schuldzuweisungen setzen sie sich in der \u00abOpferregion\u00bb Lausitz mehr und mehr durch, berichtet er. Doch selbst wenn Vattenfall derzeit noch die Geschicke der Lausitz lenke \u2014 \u00abdie Menschen hier werden mehr und mehr verstehen, dass das alte Wort von denen, die mit einem sowieso machen, was sie wollen, nicht mehr uneingeschr\u00e4nkt gilt\u00bb. Er ist mit seinen nun 64 Jahren einer der J\u00fcngeren im Dorf und viele, die er erreicht, bringen nicht mehr die Kraft auf, sich zu engagieren.<\/p>\n\n<p>Viele j\u00fcngere Lausitzer ziehen weg \u2014 zu unsicher ist ihnen die Perspektive in der Region. Manche, die geblieben sind, k\u00e4mpfen nun, wie in Kerkwitz bei J\u00e4nschwalde, f\u00fcr eine \u00abZukunft ohne Braunkohle\u00bb. Manche, die damals mit dem Bauboom gekommen sind, h\u00e4ngen weniger an der Gegend und ihrer Geschichte als an ihrem Eigentum, f\u00fcr das ihnen von Vattenfall Entsch\u00e4digung versprochen wird. Und manche, wie in Proschim oder Trebendorf, arbeiten bei Vattenfall. Das sch\u00fcrt Konflikte \u2014 \u00abin manchen Orten l\u00e4uft die Spaltung quer durch die Dorfgemeinschaft\u00bb. Selbst Familien sind wegen des Tagebaus zerstritten. \u00abNichts in der Lausitz ist g\u00fctlich, gar nichts\u00bb, sagt Hannelore Wodtke. In dem Zusammenhang werden h\u00e4ufig die Zahlen der Umsiedler mit denen der Arbeitspl\u00e4tze verglichen: Etwa 8000 Menschen arbeiten derzeit in den f\u00fcnf Lausitzer Gruben und Kraftwerken in Brandenburg und Sachsen.<\/p>\n\n<p>\u00abF\u00fcr die Genehmigung eines Tagebaus muss eine energiepolitische Notwendigkeit gegeben sein. Diese wird kaum nachzuweisen sein, deshalb begr\u00fcndet man die laufenden Verfahren mit Arbeitspl\u00e4tzen, Steuern und industrieller Wertsch\u00f6pfung. Das ist verst\u00e4ndlich, aber eine sozialpolitische Angelegenheit. Das andere sind fiskalpolitische und wirtschaftspolitische Fragen. Wenn mal wieder 30 Auszubildende von Vattenfall bei einer Demo unter dem Transparent\u2039Zukunft Braunkohle\u203aaufgebaut werden, dann werde ich wieder zu ihnen sagen:\u2039Tut mir leid, Jungs, das sehe ich nicht so. Wer jetzt 30 ist, hat noch eine Chance, bis ins Rentenalter im Bergbau zu bleiben, aber f\u00fcr euch sehe ich ehrlich gesagt schwarz.\u203a\u00bb<\/p>\n\n<p>Thomas Burchardt ist im Sommer 2013 noch Optimist. \u00abWir wollen den Umstieg gemeinsam mit der Politik und den gesellschaftlichen Tr\u00e4gern. Das w\u00e4re wirklich eine Perspektive f\u00fcr die Lausitz und auch f\u00fcr die Kumpel hier nach 2030.\u00bb Burchardt k\u00e4mpft daf\u00fcr, dass es einen tragf\u00e4higen Kohleausstiegskonsens mit verbindlichen Daten f\u00fcr die Lausitz gibt. Die B\u00fcndnisarbeit ist dabei fester Bestandteil, unter anderem mit B\u00fcrgerinitiativen, die auch abseits der betroffenen D\u00f6rfer \u00fcber den Tagebau aufzukl\u00e4ren versuchen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/a7f227da-f64ced6a0334a742e2da5f6aff6ce270.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00abDie Leute wissen gar nicht, was offener Tagebau bedeutet\u00bb Adrian Rinnert und Friederike B\u00f6ttcher, von der B\u00fcrgerinitiative: Kein Nochten II, in ihrem Haus \u00a9 Mark M\u00fchlhaus\/attenzione\/Agentur Focus<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>\u00abWir leben hier\u00bb, erz\u00e4hlt Friederike B\u00f6ttcher, Sprecherin der Initiative \u00abKein Nochten II\u00bb, \u00ababer was in der Lausitz passiert, geht mehr Leute an. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass so viele Menschen nicht wissen, was offener Tagebau bedeutet, so einen Tunnelblick habe ich inzwischen bekommen.\u00bb Als die Verkaufsabsichten von Vattenfall bekannt werden, stellt die Initiative klar: \u00abWenn sich Vattenfall aus Deutschland zur\u00fcckzieht, braucht der schwedische Staatskonzern auch keine zus\u00e4tzlichen Tagebaue in der Lausitz. F\u00fcr Nochten II fehlt es damit an der energiewirtschaftlichen Notwendigkeit. Die bereits genehmigten Tagebaue reichen bis nach 2040. Wenn zus\u00e4tzliche Kohle gar nicht gebraucht wird, ist es v\u00f6llig unn\u00f6tig, jetzt drei D\u00f6rfer zu zerst\u00f6ren und mehr als 1500 Menschen ihrer Heimat zu berauben.\u00bb<\/p>\n\n<p>F\u00fcr viele Engagierte ist wichtig, dass mehr Menschen wissen, dass die Energiewende durch die Braunkohle massiv blockiert wird. Und dass die Lausitz nicht auf einem anderen Stern liegt. Sie sollten auch wissen, dass die Enteignung von Menschen, die sich weigern, umzuziehen, auf der Grundlage eines Gesetzes aus dem Jahr 1938 m\u00f6glich ist. \u00abEs ist ein Nazi-Gesetz, mit dem Vattenfall seine Wirtschaft betreibt\u00bb, sagt Hannelore Wodtke, \u00abdas ist ein Skandal.\u00bb Im Mai 2014 genehmigte das s\u00e4chsische Innenministerium den Braunkohlenplan f\u00fcr Nochten II. Seit August klagt ein B\u00fcndnis dagegen und will erreichen, dass der Braunkohlenplan f\u00fcr unwirksam erkl\u00e4rt wird. Die Chancen sind gering, denn die Brandenburger und Sachsener Landespolitik beharrt aktuell so stur wie kaum zuvor auf einer unbefristeten Braunkohleverstromung: Die Ministerpr\u00e4sidenten Dietmar Woidke (Brandenburg, SPD) und Stanislaw Tillich (Sachsen, CDU) flogen vor wenigen Tagen h\u00f6chstpers\u00f6nlich nach Stockholm, um von Vattenfall Informationen zu erhalten, wie der angek\u00fcndigte Verkaufsprozess ablaufen werde. Dieser Ausflug blieb ohne nennenswerte Ergebnisse \u2014 wer allerdings w\u00fcrde von einem Konzern der Gr\u00f6ssenordnung Vattenfalls ernsthaft erwarten, dass er sich hier in die Karten blicken l\u00e4sst? Und Verkauf hin oder her: Zun\u00e4chst werde jetzt in der Lausitz erst einmal ausgebaut, liess der Konzern verlauten, nachdem Anfang Dezember die Krise der gerade gew\u00e4hlten rot-gr\u00fcnen Regierung Schwedens offenbar wurde, die im Rahmen ihrer energiepolitischen Zielstellung von Vattenfall den Verkauf der Lausitzer Braunkohletagebaue gefordert hatte. Daher beantrage man direkt die Genehmigung f\u00fcr die Erweiterung des Tagebaus Welzow-S\u00fcd Teilfeld II. Diese erhoffte Genehmigung, so schreiben die Braunkohlegegner, diene Vattenfall nur dazu, das Gesamtpaket Lausitzer Braunkohle aufzuwerten. Schwerlich nur l\u00e4sst sich hier anderes vermuten. An wen ver\u00e4ussert werden k\u00f6nnte, bleibt bislang rundheraus spekulativ. RWE, das die Braunkohletagebaue im deutschen Westen betreibt, hat vor l\u00e4ngerem verneint, die Lausitzer Tagebaue \u00fcbernehmen zu wollen. Allerdings wird RWE noch eine Weile am Kohlestrom festhalten m\u00fcssen, denn die Investitionsmittel f\u00fcr einen Umbau hin zu erneuerbaren Energien im Falle, dass die Energiewende doch noch kommt, fehlen dem Konzern \u2014 insofern wird abzuwarten bleiben, welchen Preis Vattenfall am Ende f\u00fcr die Lausitz nennt. Recht behalten werden damit ganz sicher jene Lausitzer und Lausitzerinnen, die den Grundsatz der kapitalistischen Logik auch in ihrer Region verfestigt sehen: Am Ende wird das Geld entscheiden \u2014 \u00fcber die Menschen, die Umwelt und die Zukunftsperspektive der Lausitz.<\/p>\n\n<p>Claudia Krieg ist freie Journalistin in Berlin.<\/p>\n\n<p>Der Text erschien zuerst im November 2013 in \u00abLe Monde diplomatique\u00bb, Berlin<\/p>\n\n<p>Fussnoten<\/p>\n\n<p>7) Siehe Philipp Preiss, Joachim Roos, Rainer Friedrich (2013), Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany by Applying EcoSenseWeb, Institut f\u00fcr Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung (IER) der Universit\u00e4t Stuttgart<\/p>\n\n<p>8) Vgl. Heidrun Gode-Luer\u00dfen, Dorfzerst\u00f6rung und Relokalisierung durch Braunkohletagebau in konzeptionellen biografischen und kollektiven Kontexten von Raum, Ortsbez\u00fcgen und Nachbarschaft, Dissertation an der Uni Magdeburg, 2009, und: Daniel B. Smith,&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2010\/01\/31\/magazine\/31ecopsych-t.html?pagewanted=all&amp;_r=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Is There an Ecological Unconscious?<\/a>, New York Times Magazine<em>,&nbsp;<\/em>27. Januar 2010<\/p>\n\n<p>9) Am 17. September 2008 wurde der sogenannte Trebendorf-Vertrag unterzeichnet. Im Vertrag wurden Umsiedlung und finanzielle Leistungen von Vattenfall an die Gemeinde Trebendorf-Schleife (zum Beispiel Finanzierung neuer Sportanlagen) festgelegt.<\/p>\n\n<p>10) Vgl. Anmerkung 2 und Christian von Hirschhausen, Pao-Yu Oei, Gutachten zur energiepolitischen Notwendigkeit der Inanspruchnahme der im Teilfeld II des Tagebau Welzow-S\u00fcd lagernden Kohlevorr\u00e4te unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der Zielfunktionen der Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg, im Auftrag des Ministeriums f\u00fcr Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg, Berlin (DIW) 2013.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Juli 2013 k\u00fcndigte der schwedische Energiekonzern Vattenfall an, er wolle seine Braunkohletagebaue und seine Kraftwerke in der ostdeutschen Lausitz abstossen. 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