{"id":44083,"date":"2015-01-09T07:00:00","date_gmt":"2015-01-09T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44083"},"modified":"2020-05-17T17:43:17","modified_gmt":"2020-05-17T15:43:17","slug":"mit-twitter-und-facebook-gegen-die-goldmine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44083\/mit-twitter-und-facebook-gegen-die-goldmine\/","title":{"rendered":"Mit Twitter und Facebook gegen die Goldmine"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Tausende indigene Bauern in Peru k\u00e4mpfen um Wasserquellen, die ein Bergbau-Konzern unter US-amerikanischer F\u00fchrung f\u00fcr die Goldf\u00f6rderung trockenlegen will. Unterst\u00fctzt werden sie von einem globalen Netzwerk von Aktivisten, das sich mit Dokumentarfilmen, Social-Media-Beitr\u00e4gen und Webpetitionen gegen die Willk\u00fcr von Staat und Rohstoffindustrie zur Wehr setzt.<\/strong><\/p>\n\n<p>M\u00e1xima Acu\u00f1a de Chaupe ist eine kleine, zierliche Frau Mitte vierzig. Ihre Haut ist von Sonne, Wind und Regen gegerbt, ihr Blick stolz und eindringlich. Mit ihrem Mann, vier Kindern und der Verlobten eines Sohnes lebt sie auf der peruanischen Hochebene Tragadero Grande in einem kleinen, fensterlosen Lehmhaus mit Wellblechdach. Tags\u00fcber ist M\u00e1xima draussen, bestellt das Kartoffelfeld, treibt Schafe ein und melkt ihre K\u00fche. Wenn sie ihren Blick \u00fcber das 4000 Meter hohe Plateau schweifen l\u00e4sst, sieht sie die Jalca, die sanften, dicht mit Gras bewachsenen H\u00fcgel der peruanischen Anden, und die Laguna Azul, den Bergsee, in dem sie zuweilen Fische f\u00e4ngt und der ihr in einem d\u00fcnnen B\u00e4chlein Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen liefert. Trotz ihres bescheidenen Lebens k\u00f6nnte sich Chaupe kein anderes Zuhause vorstellen<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kupfer, Silber, Molybd\u00e4n und Gold<\/h2>\n\n<p>Die Tragadero Grande liegt im Norden Perus, im Departement Cajamarca nahe der ecuadorianischen Grenze. Die 13 Provinzen von Cajamarca geh\u00f6ren zu den \u00e4rmsten des Landes. Mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung, darunter viele Kleinbauern, leben unter der Armutsgrenze. Dabei ist der Boden reich an Kupfer, Silber, Molybd\u00e4n und Gold \u2014 die Region ist voll davon. 1993, kurz nach der Liberalisierung der peruanischen Wirtschaft unter den Bedingungen des Internationalen W\u00e4hrungsfondsund der Weltbank, er\u00f6ffnete die Gesellschaft Yanacocha ihre erste Mine in Cajamarca. Das Bergbaukonglomerat ist im Besitz des amerikanischen Minenkonzerns Newmont (51,35%), des peruanischen Minenkonzerns Buenaventura (43,65%) und der Weltbank (5%). In den besten Jahren wurden hier \u00fcber 100\u2009000 Kilogramm Gold gef\u00f6rdert. 2011 waren es noch 40 000, aber inzwischen hatte sich der Weltmarktpreis vervierfacht. Nach mehr als zwanzig Jahren Sprengen und Baggern geht nun die Ausbeute weiter zur\u00fcck und der Goldpreis ist 2012 eingebrochen.<\/p>\n\n<p>Damit die Gewinne gehalten werden k\u00f6nnen, muss die Goldf\u00f6rderung effizienter werden. 23 Kilometer nord\u00f6stlich der bestehenden Mine soll deshalb eine zweite namens Conga gebaut werden. Newmont l\u00e4sst verlauten, man wolle 7000 Arbeiter f\u00fcr den Bau sowie 1600 f\u00fcr den Betrieb einsetzen und so Arbeitspl\u00e4tze schaffen, welche die arme Region dringend ben\u00f6tige. 4,8 Milliarden Dollar sollen investiert werden, 31 Quadratkilometer Land w\u00e4ren betroffen, etwa die Fl\u00e4che des Kantons Basel- Stadt. Zwei gewaltige Gruben \u2014 die gr\u00f6ssere 1900 Meter breit und 600 Meter tief \u2014 sollen den Zugang zu den begehrten Metallen erm\u00f6glichen. Riesige Bagger werden t\u00e4glich 184\u2009000 Tonnen Gestein aus dem Berg schaufeln, das in riesigen M\u00f6rsern zermalmt, zu feinem Sand ge-mahlen und mit hochgiftiger Natriumcyanidl\u00f6sung ausgewaschen wird. Wer die bestehende Tagebaugrube in Cajamarca auf Fotos sieht, realisiert: Hier werden ganze Berge abgetragen und Landschaften umgepfl\u00fcgt. Die braune W\u00fcste im Gr\u00fcn der Anden ist selbst auf Satellitenbildern leicht zu erkennen. Die Conga-Goldmine w\u00fcrde doppelt so viel Land verschlingen und w\u00e4re die gr\u00f6sste Lateinamerikas. M\u00e1xima Acu\u00f1a de Chaupes H\u00fctte liegt mitten drin.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/c29f9d29-6acb50f94a8432eff503a8754468dfb6.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Handfester Widerstand: Einheimische zerst\u00f6ren die Mauern von einem der vier Reservoirs, in welche die Gesellschaft Newmont Mining das Wasser des Perolsees umleiten will. \u00a9 Enrique Castro Mendivil<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fusstritte vom Staat<\/h2>\n\n<p>Seit die peruanische Regierung im Oktober 2010 das Umweltgutachten (EIA) f\u00fcr die neue Mine durchgewinkt hat, ist es mit dem Frieden auf der Tragadero Grande vorbei: Die Lehmh\u00fctte, in der Chaupe mit ihrer Familie damals wohnte, wurde im Mai 2011 von privaten Sicherheitskr\u00e4ften und Polizisten der Divisi\u00f3n Nacional de Operaciones Especiales unter den Augen von Yanacocha-Ingenieuren zerst\u00f6rt. Chaupe weigerte sich, ihr Land zuverlassen, schlief im Freien und baute mit Freunden eine neue H\u00fctte. Im August tauchten Spezialeinheitenund Sicherheitskr\u00e4fte erneut auf. Chaupe, ihr Sohn Daniel und die Tochter Gilda wurden misshandelt. Gilda verlor nach einem Schlag mit dem Gewehrkolben das Bewusstsein. Hab und Gut der Familie wurde konfisziert und die Familie vertrieben, doch sie kehrte zur\u00fcck. Seither steht sie unter st\u00e4ndiger \u00dcberwachung, wird gefilmt, erh\u00e4lt telefonische Todesdrohungen, und wer sie besuchen will, wird von der Polizei abgefangen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/f2f567df-a85890145251f4cf8b83912ac002c4d4.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Ungleiche Positionen: W\u00e4hrend eines Protestmarschs gegen das 35 Milliarden teure Conga-Projekt unterh\u00e4lt sich ein Einheimischer mit einem Polizisten. \u00a9 Enrique Castro Mendivil<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Egal ob bei solchen R\u00e4umungen oder bei der Niederschlagung von Protesten: Yanacocha kann auf die Unterst\u00fctzung der Beh\u00f6rden z\u00e4hlen. 2013 wurde bekannt, dass die peruanische Nationalpolizei in mindestens 13 F\u00e4llen lukrative Vertr\u00e4ge mit Rohstofffirmen abgeschlossen hat, darunter auch mit Yanacocha. Die Minen werden st\u00e4ndig bewacht und die Firmen k\u00f6nnen Polizeieins\u00e4tze beantragen, wenn sie Proteste bef\u00fcrchten. Die Polizei geht also im Auftrag internationaler Konzerne gegen die eigene Bev\u00f6lkerung vor. F\u00fcr die Regierung ist es vorrangig, dass die globalen Investoren im Land bleiben und weitere Minen bauen, denn jede Unze Gold sp\u00fclt Geld in die Staatskasse und kurbelt die Wirtschaft an, die in den letzten f\u00fcnf Jahren durchschnittlich um 5,6 Prozent gewachsen ist. Kein Wunder also, ist die st\u00f6rrische B\u00e4uerin Chaupe der Regierung in Lima genauso ein Dorn im Auge wie den Initianten des Conga-Projekts.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ikone des globalisierten Widerstands<\/h2>\n\n<p>M\u00e1xima Acu\u00f1a de Chaupe ist mittlerweile zu einer Ikone geworden \u2014 sowohl f\u00fcr die Kleinbauern in Cajamarca, die um ihre Lebensgrundlagen f\u00fcrchten, als auch f\u00fcr ein globales Netzwerk von Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten. Dazu hat ein Bild, das der peruanische Fotograf Alexander Luna im Dezember 2012 aufgenommen hat, wesentlich beigetragen. Es zeigt Chaupe, wie sie mit erhobener Faust auf ihrem Land steht, l\u00e4chelndund siegesgewiss. Luna war nach Cajamarca gereist, um die Proteste gegen die geplante Conga-Mine zu dokumentieren. Einige Monate zuvor hatte die Polizei f\u00fcnf Demonstranten erschossen. Der 16-j\u00e4hrige Cesar Medina Aguilar wurde aus einem Polizeihelikopter heraus get\u00f6tet, der \u00fcber der Menge kreiste. Eine Untersuchung gab es nicht. Pr\u00e4sident Ollanta Humala rief den Ausnahmezustand \u00fcber drei Provinzen aus und hebelte so das Versammlungsrecht aus. Die Bauern sprachen von einem Krieg der Regierung gegen das eigene Volk \u2014 zugunsten eines Milliardenkonzerns.<\/p>\n\n<p>Das Foto setzte Luna f\u00fcr eine Kampagne ein, in der Chaupe zur \u00abFrau des Jahres 2012\u00bb erkoren wurde. Dank der Verbreitung \u00fcber Facebook, Twitter und Blogs hatte die Kampagne so viel Erfolg, dass Lunas Bilder heute auf Dutzenden Blogs und Kampagnenwebsites von internationalen NGOs aufgeschaltet sind. \u00abLa Republica\u00bb, eine der wenigen politisch und wirtschaftlich unabh\u00e4ngigen Zeitungen Perus, schickte eigene Journalisten zu Chaupe und publizierte einen zweiseitigen Artikel \u00fcber die Frau des Jahres. In der Folge trat Chaupe im Fernsehen auf, wurde f\u00fcr Diskussionen bis in die Schweiz und nach Deutschland eingeladen und hat mittlerweile eine Facebook-Seite mit \u00fcber 1\u200a500 Freunden, obwohl sie weder lesen noch schreiben kann, keinen eigenen Fernseher besitzt und noch nie einen PC bedient hat. Ihre Site wird von jungen, ambitionierten und gut ausgebildeten Aktivisten betreut, zu denen auch der Fotograf Luna geh\u00f6rt. Sie nutzen die M\u00f6glichkeiten des Internets, um die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr den Kampf der Campesinos zu sensibilisieren.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/023ba44d-66d9bc19ecf6f557f69509b18901a7e1.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Regionale und globale Solidarisierung in Zeiten des Web 2.0 \u00a9 Hubertus<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Inzwischen hat Luna mit drei Mitstreitern aus Deutschland das Filmprojekt \u00abGuardianes del Agua\u00bb (W\u00e4chter des Wassers) begonnen. Es soll die Geschichte von Chaupe und Cajamarca in die Welt tragen. Den Schnitt und die Postproduktion des umfangreichen Materials versuchten sie \u00fcber eine Crowdfunding-Kampagne im Internet zu finanzieren. Der Film soll 2015 fertig sein, erste Sequenzen sind bereits auf Vimeo zu sehen. Dabei haben sie Menschrechtsorganisationen wie Union Latinoamerica de Mujeres in ihre Blogs und Webauftritte eingebunden. Seither kann sich die ganze Welt ein Bild von Chaupe, ihrem Kampf f\u00fcr Gerechtigkeit und ihrer bedrohten Lebenswelt machen. Man erf\u00e4hrt von den Pl\u00e4nen Yanacochas, auf Tragadero Grande insgesamt vier Seentrockenzulegen, in zwei der Gruben nach Gold zu graben und die anderen beiden mit dem Abraum zu f\u00fcllen. Zur Kompensation will der Konzern zwei k\u00fcnstliche Seen ausserhalb des Minengel\u00e4ndes anlegen. Internationale Fachleute bezeichnen das Umweltgutachten, das der Planung zugrunde liegt, als reine PR. Vom Abbau w\u00e4ren \u00fcber 600 Quellen und Flussl\u00e4ufe betroffen, denn der Betrieb w\u00fcrde Unmengen Wasser verschlingen: Um eine Tonne Rohgold auszuwaschen, ben\u00f6tigt man ungef\u00e4hr 260\u2009000 Tonnen Wasser. Yanacocha sch\u00e4tzt den k\u00fcnftigen Bedarf auf zwei Milliarden Liter pro Jahr. Die Menschen in Cajamarca f\u00fcrchten, dass das gesamte hydrologische System der Hochebene zerst\u00f6rt wird. Der Grundwasserspiegel k\u00f6nnte so stark sinken, dass die \u00fcber 20 000 Bauern in der Region pl\u00f6tzlich auf dem Trockenen sitzen. Sie protestieren deshalb mit dem Kampfspruch \u00abGold kann man nicht trinken!\u00bb. Zugleich f\u00fcrchten sie sich vor den giftigen Abf\u00e4llen. Schon heute ist das Trinkwasser der Stadt Cajamarca mit Chloriden, Cyaniden und Schwermetallen der bestehenden Mine belastet. Chaupes Widerstand war deshalb von Beginn an mehr als nur ein Kampf um einen idyllischen Flecken Erde. Es geht um das Wasser von Cajamarca.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/14a0e901-c39669cc163282d9ed2fa6b8bd279f94.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Eine Frau trinkt Wasser vom Perolsee in den Anden, der durch ein Grossprojekt der Newmont-Goldf\u00f6rderer gef\u00e4hrdet ist \u00a9 Enrique Castro Mendivil<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aktivisten vernetzen sich<\/h2>\n\n<p>Von der globalen Vernetzung \u00fcber Internet und Social Media profitieren auch lokale Aktivisten in Cajamarca. Der bekannteste von ihnen, der Priester Marco Arana, spricht sich f\u00fcr einen gewaltlosen Widerstand aus. 2009 wurde er vom \u00abTime Magazine\u00bb zum \u00abHero of the environment\u00bb erkoren. Arana hat die NGO Grufides gegr\u00fcndet, die sich seit \u00fcber zehn Jahren \u2014 lange bevor die globale Solidarit\u00e4tswelle mit Chaupe anlief \u2014 mit einem Dutzend Aktivisten f\u00fcr den Schutz der Umwelt und soziale Gerechtigkeit in Cajamarca einsetzt. Am 4. Juli 2012, rund einen Monat nachdem er mit anderen regionalen Politikern und Aktivisten in der Provinz einen Streik ausgerufen hatte, wurde Arana bei einer friedlichen Demonstration von Polizisten verhaftet und auf dem Weg ins Gef\u00e4ngnis verpr\u00fcgelt. Es gelang ihm, \u00fcber Twitter einen Notruf abzusetzen: \u00abSie inhaftierten mich und schlugen mich. In der Station schlugen sie mich weiter, Schl\u00e4ge in mein Gesicht, die Nieren, Beschimpfungen.\u00bb Im Netz gab es einen Aufschrei der Emp\u00f6rung, auf Youtube tauchte ein Handyvideo der willk\u00fcrlichen Festnahme auf. Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten verbreiteten die Bilder \u00fcber Social Media und Blogs und riefen im B\u00fcro des peruanischen Pr\u00e4sidenten an. Das Koordinationsb\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte (CNDDHH) sandte sofort einen Anwalt nach Cajamarca. 13 Stunden nach seiner Verhaftung war Arana wieder frei und konnte sich im Spital behandeln lassen.<\/p>\n\n<p>Das Web ist zu einem weltweiten Schaufenster f\u00fcr Menschenrechtsverst\u00f6sse geworden. Es hilft den Aktivisten, lokale Konflikte in einen \u00fcberregionalen, viel-leicht sogar globalen Kontext zu stellen. Wie das geht, zeigt die 32-j\u00e4hrige irische Aktivistin Lynda Sullivan, die seit zwei Jahren in Celendin lebt, wo die Conga-Mine gebautwerden soll. Sie nutzt das Web, um andere zivilgesellschaftliche K\u00e4mpfe in Lateinamerika mit der Conga-Aktionzu vernetzen. So lud sie Chaupe k\u00fcrzlich f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch ein, das im Internet per Livestream \u00fcbertragen wurde. Zugeschaltete Aktivisten aus Mexiko, Kolumbien und Argentinien konnten Chaupe Fragen stellen. K\u00fcnftig will Sullivan alle zwei Wochen einen solchen Livestream organisieren und wechselnde Aktivistengruppen Lateinamerikas von ihren jeweiligen K\u00e4mpfen berichten lassen. Was fr\u00fcher weit weg und unerreichbar schien,ist nun pl\u00f6tzlich ganz nah: Internationale Solidarit\u00e4t. Die Bauern in Cajamarca realisieren: Wir sind nicht allein. Es gibt Millionen auf der Welt, die nicht l\u00e4nger akzeptieren, dass ihr Land zur Abfallhalde der Globalisierung verkommt; Millionen, die es verurteilen, dass sich globale Konzerne bei ihnen auff\u00fchren, wie sie es in ihren Herkunftsl\u00e4ndern niemals k\u00f6nnten; Millionen, die den Staat in die Pflicht nehmen, sich f\u00fcr die Menschenrechte der eigenenBev\u00f6lkerung einzusetzen und nicht f\u00fcr die Gewinne ausl\u00e4ndischer Investoren.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Faires Gold dank Fairtrade? <\/h2>\n\n<p>85 bis 90 Prozent des weltweit gehandelten Goldes werden von grossen Bergbaukonzernen gef\u00f6rdert \u2014 mit nur 10 Prozent der im Goldtagebau Besch\u00e4ftigten. Der Rest, sch\u00e4tzungsweise 15 Millionen, arbeitet in Kleinminen, wo Goldf\u00f6rderung nach wie vor ein Handwerk ist. Typischerweise malochen die Mineure in S\u00fcdamerika oder Afrika unter haarstr\u00e4ubenden Bedingungen. Viele Arbeiter sind minderj\u00e4hrig, Unf\u00e4lle sind h\u00e4ufig und der Lohn reicht meist nicht f\u00fcr ein w\u00fcrdiges Leben. Die englische \u00abFairtrade Gold and Precious Metals\u00bb-Initiative will das mit fairen Standards \u00e4ndern. Kinderarbeit soll aus den Minen verbannt und gewerkschaftliche Organisationen sollen gest\u00e4rkt werden. Mit dem Fairtrade-Label, das von Bananen und Kaffee her bekannt ist, wird den Mineuren ein Minimalpreis f\u00fcr ihre Ware zugesichert. Zudem bezahlt der K\u00e4ufer pro Kilo Gold einen Zuschlag von etwa 1900 Franken, der in Projekte f\u00fcr soziale, \u00f6kologische und \u00f6konomische Entwicklung der Gemeinden fliesst. Doch faires Gold ist nicht automatisch auch gr\u00fcnes Gold. \u00c4hnlich wie die grossen Minenkonzerne setzen auch Kleinminen Quecksilber oder Cyanid zum Herausl\u00f6sen des Goldes ein. Die Fairtrade-Standards verlangen lediglich, dass der Chemikalieneinsatz auf ein Minimum beschr\u00e4nkt und die Abf\u00e4lle fachgerecht entsorgt werden. Bis heute gibt es erst zwei Fairtrade-zertifizierte Kleinminen, beide in Peru. 2015 sollen weitere in Ostafrika hinzukommen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zuversicht trotz Repression<\/h2>\n\n<p>Trotz Internetmobilisierung, Transparenz und Solidarisierung stellt sich die Frage: Was bringt das Engagement? Vieles deutet darauf hin, dass Yanacocha noch in diesem oder zu Beginn des n\u00e4chsten Jahres mit den Sprengarbeiten f\u00fcr die Conga-Mine beginnen wird.Und das ist nur der Anfang: In Peru ist eine ganze Reihe weiterer Bergbauprojekte geplant. China will 2,5 Milliarden Dollar ins Gold- und Kupferabbauprojekt El Galeno stecken. 2011 hat die Regierung dreimal so viel Land f\u00fcr den Tagebau konzessioniert wie zehn Jahre zuvor und die Kompetenzen der Umweltbeh\u00f6rde drastisch eingeschr\u00e4nkt. Sie hat nun nur noch 45 Tage Zeit, um zu Umweltgutachten Stellung zu nehmen, dabei umfasste dasjenige f\u00fcr Conga mehr als 9000 Seiten. Die Repression nimmt zu: Im August wurde M\u00e1xima Acu\u00f1a de Chaupe zu 32 Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. \u00dcberdies soll sie dem Yanacocha-Konzern 1940 Dollar Busse bezahlen: ein Verm\u00f6gen f\u00fcr b\u00e4uerliche Verh\u00e4ltnisse. Ihre Rechtsanw\u00e4ltin Mirtha Vasquez von Grufides hat Berufung eingelegt. Bis das Urteil rechtskr\u00e4ftig ist, kann Chaupes Familie auf der Tragadero Grande bleiben.<\/p>\n\n<p>Die Conga-Aktivisten verzweifeln nicht: \u00abKeiner von uns h\u00e4tte vor zwanzig Jahren jemals vom Schicksal einer armen B\u00e4uerin auf der Tragadero Grande erfahren\u00bb, sagt Guadalupe Rodriguez. Sie betreut aus Spanien die M\u00e1xima-Kampagne f\u00fcr die Umwelt-NGO \u00abRettet den Regenwald\u00bb. Bislang haben mehr als 82\u2009000 Menschen die Onlinepetition unterschrieben, die von der peruanischen Regierung fordert, das Conga-Projekt einzustellen und die Klage gegen Chaupe fallen zu lassen. Auf Youtube finden sich mittlerweile \u00fcber hundert Videos zu ihrem Fall. Catherine Gr\u00e8ze, Koordinatorin des Entwicklungskomitees des Europaparlaments, hat sich letztes Jahr in einem Brief an Pr\u00e4sident Humala daf\u00fcr eingesetzt, dass das Conga-Projekt verworfen wird. Und in Reuters-Meldun-gen an Investoren taucht mittlerweile der Hinweis auf, dass Finanzanlagen in Bergbaukonzerne, die in Peru t\u00e4tig sind, wegen der lokalen Aufst\u00e4nde und der Verz\u00f6gerungen der Projekte zunehmend unsicher werden. Rodriguezist \u00fcberzeugt: \u00abWenn wir vor vier Jahren nicht begonnen h\u00e4tten, gegen das Conga-Projekt zu mobilisieren, w\u00e4re die Tragadero Grande heute schon ein einziges, riesiges Loch.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das peruanische Gold und die Schweiz<\/h2>\n\n<p>Die Schweiz spielt im Handel und in der Verarbeitung von Gold eine zentrale Rolle. Laut der Erkl\u00e4rung von Bern machte Gold bis vor wenigen Jahren 99 Prozent der Schweizer Eink\u00e4ufe im Andenstaat aus. Gleich vier Schweizer Raffinerien geh\u00f6ren zu den gr\u00f6ssten der Welt. Ihre gemeinsame Kapazit\u00e4t zur Goldverarbeitung betr\u00e4gt rund 2100 Tonnen pro Jahr, was fast 50 Prozent des weltweit gehandelten Goldes entspricht. Die Raffinerien veredeln das Gold aus den Minen und schmelzen Altgold f\u00fcr den Wiederverkauf ein. Die Firma Newmont aus Colorado ist nicht nur Mehrheitsbesitzerin von Yanacocha inPeru, sondern auch der im Tessin ans\u00e4ssigen Goldraffinerie Valcambi. Laut der NGOGesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker (GfbV) hat Valcambi 2011 f\u00fcr Newmont 146 Tonnen Gold raffiniert. Mindestens 10 Tonnen sollen von Yanacocha aus Peru stammen. Insgesamt wurden laut GfbV im Jahr 2011 rund 190 Tonnen Rohgold aus Peru in die Schweiz eingef\u00fchrt, davon 55 Tonnen aus der Mine Yanacocha. Doch nicht nur in der Raffinierung von Gold ist die Schweiz Weltspitze. Die Uhrenindustrie geh\u00f6rt zu den wichtigstenAbnehmern von Gold \u2014 sie verbraucht mehr als die H\u00e4lfte des j\u00e4hrlich raffinierten Goldes. 35 Prozent landen aufdem Finanzmarkt. Julius B\u00e4r, die Z\u00fcrcher Kantonalbank,Credit Suisse und UBS sindwichtige K\u00e4ufer. Nur gerade 11 Prozent des weltweit gef\u00f6rderten Goldes wird f\u00fcr industrielle Zwecke wie zum Beispiel die Elektronik genutzt.<\/p>\n\n<p><em>Pers\u00f6nlicher Nachtrag des Fotografen Alexander Luna:&nbsp;\u00abAuch wenn M\u00e1xima auf Bildern und wenn man sie pers\u00f6nlich trifft, Mut und Freude ausstrahlt, stellt die seit Jahren anhaltende Situation vor allem eine grosse Last f\u00fcr sie dar, die ihre Frohnatur tr\u00fcbt und sie zwischen Zukunftsangst und Zuversicht schwanken l\u00e4sst. Die Kraft zum Weitermachen bekommt sie durch ihren Gerechtigkeitssinn, ihre Familie und den Beistand von Freunden und Unterst\u00fctzerInnen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tausende indigene Bauern in Peru k\u00e4mpfen um Wasserquellen, die ein Bergbau-Konzern unter US-amerikanischer F\u00fchrung f\u00fcr die Goldf\u00f6rderung trockenlegen will. Unterst\u00fctzt werden sie von einem globalen Netzwerk von Aktivisten, das sich mit Dokumentarfilmen, Social-Media-Beitr\u00e4gen und Webpetitionen gegen die Willk\u00fcr von Staat und Rohstoffindustrie zur Wehr setzt.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":44088,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[50],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-44083","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","tag-klima","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44083","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44083"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44083\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/44088"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44083"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44083"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44083"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=44083"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=44083"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}