{"id":44458,"date":"2015-09-25T07:00:00","date_gmt":"2015-09-25T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44458"},"modified":"2020-05-20T17:14:47","modified_gmt":"2020-05-20T15:14:47","slug":"chemie-im-gletscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44458\/chemie-im-gletscher\/","title":{"rendered":"Chemie im Gletscher?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Paradox: Ausgerechnet die angeblich so naturverbundene Outdoor-Industrie hinterl\u00e4sst Chemiespuren in unber\u00fchrter Natur. Greenpeace ist ihnen gefolgt. Unser Chemiker Manfred Santen berichtet.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">I<\/span>ch bin zur\u00fcck von einer wirklich \u00fcberw\u00e4ltigenden Tour in eines der sch\u00f6nsten und entlegensten Gebiete der Alpen: den <a title=\"Macuner Seen\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/Swiss+National+Park\/@46.6665905,10.1999038,17z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x47836a1cbb0c93a5:0xe87097f43f5fcb8c\">Macuner Seen<\/a> im Schweizer Nationalpark.<\/p>\n\n<p>Die Tour war f\u00fcr einen Flachl\u00e4nder ganz sch\u00f6n anstrengend. Bis zu den Seen hatten wir noch 700 H\u00f6henmeter zu \u00fcberwinden und von Sonnenschein \u00fcber Nieselregen bis hin zu Schnee und Graupel war alles dabei. Aber wir \u2014 die Schweizer Greenpeace-Kollegen und ich &#8211; waren ja auch nicht zum Spa\u00df dort, sondern um Proben zu entnehmen. Wir wollen zeigen, wie weit verbreitet das Problem der Verschmutzung mit Chemikalien ist, und dass auch Gebiete davon betroffen sind, die fernab aller Zivilisation und schmutzigen Industrien liegen.<\/p>\n\n<p>Im Mai dieses Jahres hat Greenpeace weltweit acht Expeditionen in sehr entlegene Gebiete dieser Erde gestartet. Die Tour in den Schweizer Nationalpark ist eine davon, weitere Touren fanden in Asien, Europa und S\u00fcdamerika statt: unter anderem im <a title=\"Sibillini-Nationalpark\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/Parco+Nazionale+dei+Monti+Sibillini\/@42.9331315,13.0795823,17z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x132e0d21dc27176d:0x6a5f9e78815e7b4%20\">Sibillini-Nationalpark<\/a> im Apennin, in der <a title=\"Hohe Tantra\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/High+Tatras,+062+01+Vysok%C3%A9+Tatry,+Slovakia\/@49.1665115,20.1316748,15z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x47158a0a021a858f:0x7cd47e9dd6255398%20\">Hohen Tatra<\/a> in der Slowakei und in den <a title=\"Goldene Berge\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/Altai+Krai,+Russia\/@52.5451868,82.529122,7z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x42e7d4873e2241ff:0xee7f02708d6c3bd5%20\">Goldenen Bergen<\/a> des Altai in Russland. In Nordeuropa untersucht Greenpeace den Ort, wo Norwegen, Schweden und Finnland <a title=\"Treriksr\u00f6set\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/Treriksr%C3%B6set\/@69.0599612,20.5486388,17z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0x45d0ba7ed30d7913:0xcbac2b0a495b26d9\">aneinandersto\u00dfen<\/a>.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">PFC IM SCHNEE?<\/h2>\n\n<p>Alle Expeditionsteams kehrten mit Proben von unber\u00fchrtem Schnee zur\u00fcck, einige haben auch Wasser- sowie Bodenproben mitgebracht. Alle Muster werden auf gef\u00e4hrliche Chemikalien untersucht, insbesondere auf persistente <a title=\"Detox Outdoor\" href=\"http:\/\/detox-outdoor.org\/de-CH\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC).<\/a><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/578eff1a-f8963d3164b6b54b2496a10b02416ae6.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Manfred Santen bei der Probeentnahme \u00a9 Christian Breitler \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>PFC werden in gro\u00dfem Stil verwendet, unter anderem f\u00fcr die wasserabweisende Ausr\u00fcstung von Outdoor-Bekleidung. Einmal hergestellt und zum Beispiel bei der Textilproduktion freigesetzt, k\u00f6nnen sie nicht abgebaut werden und verteilen sich \u00fcber den Globus. Man spricht von <strong>long range transportation<\/strong>, weil Quelle und Fundorte f\u00fcr PFC Hunderte bis Tausende von Kilometern voneinander entfernt sein k\u00f6nnen. Bereits heute sind diese Chemikalien in den Tiefen der Ozeane, auf Berggipfeln und in lebenden Organismen zu finden.<\/p>\n\n<p>Es ist paradox: Ausgerechnet die mit dem Image der Naturverbundenheit werbende Outdoor-Industrie hinterl\u00e4sst nachhaltige Spuren in der unber\u00fchrten Natur. PFC haben dort nichts zu suchen, sie sind menschengemacht und biologisch nicht abbaubar; einige sind krebserregend, andere stehen im Verdacht, Hormonst\u00f6rungen zu verursachen. PFC k\u00f6nnen in der Umwelt \u00fcberdauern, zuk\u00fcnftige Generationen werden ihnen \u00fcber verseuchtes Wasser, kontaminierte Luft und Nahrung weiterhin ausgesetzt sein.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">ES GEHT AUCH OHNE PFC<\/h2>\n\n<p>Das Aufsp\u00fcren der PFC war eines der Expeditionsziele \u2014 wir haben aber auch noch weitere. So dient die Tour in die Berge zum Beispiel dazu, Alternativen zu Kleidung zu testen, die mit PFC hergestellt wird. Die Outdoor-Industrie vermittelt ja in ihren Werbespots den Eindruck, als k\u00f6nne man die unber\u00fchrte Natur nicht mehr ohne Jacken, Schuhe oder Hosen genie\u00dfen, die dank PFC wasserdicht und wasserabweisend sind. Unsere Teams hingegen sind komplett mit PFC-freien Alternativen ausgestattet und schaffen es damit in den chinesischen Haba-Bergen auf \u00fcber 5000 Meter. Und sie kommen trocken durch Schneesturm und Regen bis zu den<strong> <a title=\"Torres del Paine\" href=\"https:\/\/www.google.ch\/maps\/place\/Torres+del+Paine+National+Park\/@-50.9423262,-73.406788,17z\/data=!3m1!4b1!4m2!3m1!1s0xbda51b0183dbaf07:0xbd9f2657451ace58\">Torres del Paine<\/a> <\/strong>in Patagonien.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CHEMIE F\u00dcR JEDES WETTER<\/h2>\n\n<p>Vor vier Jahren begann Greenpeace, die Bekleidungsindustrie zum Entgiften zu bewegen. Die Detox-Verpflichtung ist mittlerweile f\u00fcr Textilien zum Industriestandard geworden, und die beteiligten Firmen verweisen mit einigem Stolz darauf, dass sie mitmachen.<\/p>\n\n<p>In den Jahren 2012 und 2013 konnte Greenpeace Deutschland anhand von Untersuchungen nachweisen, dass die meisten Unternehmen der Outdoor-Branche sogenannte per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) verwenden, um ihre Outdoor-Bekleidung wasserdicht zu machen. Auch Textilien von Schweizer Herstellern waren betroffen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">BESORGTE WISSENSCHAFT<\/h2>\n\n<p>Die Problematik der PFC wird auch der Wissenschaft zunehmend bewusst, und am 1. Mai dieses Jahres verabschiedeten mehr als 200 Wissenschaftler aus 38 L\u00e4ndern die sogenannte <a title=\"Erkl\u00e4rung von Madrid\" href=\"http:\/\/ehp.niehs.nih.gov\/1509934\/\">\u00abErkl\u00e4rung von Madrid\u00bb<\/a>. In der dr\u00fccken sie ihrer Besorgnis \u00fcber die PFC aus und verlangen, dass Produktion und Gebrauch solcher Stoffe eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n\n<p>Nun ist es an der Zeit, dass sich auch die Konsumenten einschalten. Wir brauchen strengere Vorschriften zum Schutz von Umwelt und menschlicher Gesundheit. Es reicht nicht, nur einzelne Substanzen zu kontrollieren, wie das heute auf internationaler Ebene geschieht. Greenpeace fordert, dass die gesamte Gruppe der PFC verboten und durch sicherere Alternativen ersetzt wird. Damit auch k\u00fcnftige Generationen noch reine, unber\u00fchrte Natur auf den Gletschern dieser Welt vorfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Paradox: Ausgerechnet die angeblich so naturverbundene Outdoor-Industrie hinterl\u00e4sst Chemiespuren in unber\u00fchrter Natur. Greenpeace ist ihnen gefolgt. 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