{"id":44549,"date":"2016-04-26T07:00:00","date_gmt":"2016-04-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44549"},"modified":"2020-05-21T14:50:37","modified_gmt":"2020-05-21T12:50:37","slug":"eine-oekologische-und-soziale-zukunft-schenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44549\/eine-oekologische-und-soziale-zukunft-schenken\/","title":{"rendered":"Eine \u00f6kologische und soziale Zukunft schenken"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Erbschaften: Gemeinsam f\u00fcr dieselben Ideale. Die Kooperation zwischen Greenpeace Schweiz und der Stiftung Edith Maryon<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">A<\/span>us Gr\u00fcnden der Unabh\u00e4ngigkeit kann Greenpeace keine Liegenschaften oder Grundst\u00fccke als Erbe annehmen, die nicht verkauft werden d\u00fcrfen. Anfang 2015 sind wir deshalb mit der <a href=\"http:\/\/www.maryon.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stiftung Edith Maryon<\/a> aus Basel eine Kooperation eingegangen.<\/p>\n\n<p>Sie ist schnell erkl\u00e4rt: Vererbte Liegenschaften gehen an die Stiftung Edith Maryon \u00fcber, die den Erhalt der H\u00e4user sowie ihre sozialvertr\u00e4gliche und \u00f6kologische Nutzung garantiert, und \u00fcbersch\u00fcssige Ertr\u00e4ge kommen Greenpeace zugute. Dank dieser bestechend einfachen Idee haben unsere SpenderInnen ab sofort die M\u00f6glichkeit, ihre pers\u00f6nlichen Ziele zu erreichen und gleichzeitig Greenpeace zu unterst\u00fctzen. Um-gekehrt k\u00f6nnen Personen, die ihre Immobilie direkt der Stiftung Edith Maryon vererben, neu auch die Umweltaktivit\u00e4ten von Greenpeace alimentieren.<\/p>\n\n<p>Es ist bereits gelungen, zwei langj\u00e4hrige SpenderInnen f\u00fcr die Idee zu gewinnen. Das folgende Interview mit Verena Gabathuler und&nbsp;J\u00fcrg Beat Meier (Greenpeace-Spender) und der Bericht des Ehepaars Wirth (Spender der Stiftung Edith Maryon) zeigen, dass die Kooperation funktioniert und es erm\u00f6glicht, bei der Umsetzung des \u00f6kologischen und des sozialen Engagements zwei Fliegen auf einen Streich zu treffen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/ae8d3e86-1316fda8a43d0afaf552395a095a30e1.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>\u00a9 Greenpeace \/ Ex-Press \/ Miriam K\u00fcnzli<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Verena Gabathuler (60) und J\u00fcrg Beat Meier (60) leben in einem Flarzhaus in B\u00e4retswil im Z\u00fcrcher Oberland (Bild oben). Durch Vermittlung von Greenpeace Schweiz vermacht das Paar der Stiftung Edith Maryon testamentarisch vier Flarzhausteile. Die Stiftung garantiert den Erhalt der H\u00e4user sowie ihre sozialvertr\u00e4gliche und \u00f6kologische Nutzung.<\/p>\n\n<p><em>RT: Warum wollen Sie Ihre Flarzh\u00e4user der Stiftung Edith Maryon vermachen?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Wir h\u00e4ngen sehr an den vier Flarzhausteilen und m\u00f6chten, dass sie so bestehen bleiben. Wir haben keine Kinder und wollen verhindern, dass die H\u00e4user zu Spekulationsobjekten werden.<\/p>\n\n<p>JBM: Wir haben sie mit viel Herzblut nach \u00f6kologischen Richtlinien renoviert und dabei m\u00f6glichst viel von der alten Bausubstanz erhalten. Das bedeutet, dass sie auch heute noch fast vollst\u00e4ndig mit Holz geheizt werden \u2014 bei uns vor allem mit dem grossen Kachelofen. \u00dcber die Jahre haben wir eine starke Bindung an unser Haus entwickelt.<\/p>\n\n<p><em>Wie sind Sie auf die Maryon-Stiftung gekommen, die ihren Sitz in Basel hat?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Wir machten uns schon vor zehn Jahren erstmals Gedanken, was mit den H\u00e4usern nach unserem Tod passieren soll. Damals fragten wir Greenpeace wegen einer Schenkung an, doch die Organisation h\u00e4tte die H\u00e4user in diesem Fall aus rechtlichen Gr\u00fcnden verkaufen m\u00fcssen. Die Partnerschaft von Greenpeace mit der Stiftung Edith Maryon erm\u00f6glicht nun genau die Form des Nachlasses, die wir uns&nbsp;gew\u00fcnscht haben.<\/p>\n\n<p><em>Was hat Sie am meisten \u00fcberzeugt?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Uns gibt die Partnerschaft ein gutes Gef\u00fchl. Wir haben Greenpeace schon zur Zeit der ersten \u00abRainbow Warrior\u00bb unterst\u00fctzt, des Schiffs, das 1985 versenkt wurde. Greenpeace macht global, was uns lokal wichtig ist.<\/p>\n\n<p>JBM: Wir hatten uns \u00fcberlegt, selber eine Stiftung zur Erhaltung der Flarzh\u00e4user zu gr\u00fcnden, die bis zu unserem Tod inaktiv geblieben w\u00e4re. Doch das haben wir vertagt, weil es uns zu kompliziert und zu teuer war. Die Zweckbindung im Leitbild der Stiftung Edith Maryon, dass die H\u00e4user nicht verkauft sowie umwelt- und sozialvertr\u00e4glich genutzt werden, k\u00f6nnte aus unserer Feder stammen. \u00dcberzeugt hat&nbsp;uns auch, dass die Stiftung 25 Jahre Erfahrung hat und wir keine Versuchskaninchen sind.<\/p>\n\n<p><em>Warum sind Sie gerade jetzt aktiv geworden?<\/em><\/p>\n\n<p>JBM: Wir sind von Greenpeace angefragt worden, ob wir f\u00fcr die H\u00e4user unterdessen eine L\u00f6sung gefunden h\u00e4tten. Der Zeitpunkt stimmt aber auch von unserer pers\u00f6nlichen Situation her, denn inzwischen bin ich fr\u00fchpensioniert \u2014 ich war Unternehmer im Internetbereich.<\/p>\n\n<p>VG: Ich bin noch teilerwerbst\u00e4tig \u2014 als Sozialarbeiterin und Theatermacherin. Ich finde es aber wichtig, dass wir uns jetzt schon Gedanken \u00fcber alle Eventualit\u00e4ten machen. Unser Flarzhaus ist nicht rollstuhlg\u00e4ngig und es liegt abseits des Dorfes an einem H\u00fcgel.<\/p>\n\n<p><em>Wie sind die sch\u00f6nen alten H\u00e4user in Ihren Besitz gekommen?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Unseren Hausteil haben wir vor 17 Jahren \u00fcber ein Inserat in der Zeitung gefunden. Wir mussten einiges renovieren. 2001 bot sich die Gelegenheit, auch die zwei angebauten Hausteile zu kaufen. 2012 kam noch ein Flarzhausteil im Dorf B\u00e4retswil dazu. Unsere Schenkung umfasst alle Flarzhausteile als Gesamtpaket.<\/p>\n\n<p><em>Ein Verkauf stand f\u00fcr Sie nie zur Debatte?<\/em><\/p>\n\n<p>JBM: Wir wollen ja noch m\u00f6glichst lange hier wohnen bleiben, am liebsten bis zum Tod. Deshalb kommt f\u00fcr uns ein Verkauf nicht in&nbsp;Frage, doch m\u00f6chten wir wissen, was mit den H\u00e4usern danach passiert.<\/p>\n\n<p>VG: Wir haben einen Teil des Geldes, mit dem die H\u00e4user gekauft und renoviert wurden, selber erwirtschaftet, einen Teil aber auch geerbt. Wir waren immer der Meinung, dass man von einer Erbschaft etwas an die Gesellschaft zur\u00fcckgeben sollte.<\/p>\n\n<p><em>Gibt es f\u00fcr Sie auch gesellschaftliche Gr\u00fcnde, warum Sie die H\u00e4user erhalten m\u00f6chten?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Es sind H\u00e4user mit vielen Spuren des Lebens. Im Keller haben wir noch die Aufh\u00e4ngevorrichtung f\u00fcr den Webstuhl gefunden, mit dem Heimarbeit gemacht wurde, und die Balken im oberen Teil sind vom Herdfeuer geschw\u00e4rzt, was wir so gelassen haben. Es sind H\u00e4user<\/p>\n\n<p>mit Geschichte. Gleichzeitig ist der Flarz ein gutes Beispiel f\u00fcr verdichtetes Wohnen und in diesem Sinn auch zukunftsweisend.<\/p>\n\n<p>JBM: Die H\u00e4user sind Zeitzeugen. Es sind typische H\u00e4user dieser Gegend, die urspr\u00fcnglich von Kleinbauern und Heimarbeitern bewohnt wurden. Die ersten Erw\u00e4hnungen unseres Hauses gehen auf den Anfang des 18. Jahrhunderts zur\u00fcck, aber die \u00e4ltesten Geb\u00e4ude sind wohl um 500 Jahre alt. Interessantes erfuhren wir \u00fcber das Leben im Haus: 1806 liess die Familie Pfenninger einen Kachelofen einbauen. Zehn Jahre sp\u00e4ter folgte die verheerende Hungersnot von 1816.<\/p>\n\n<p><em>Bietet Ihnen die Stiftung auch die M\u00f6glichkeit, bei der sp\u00e4teren Nutzung mitzubestimmen?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: Wir k\u00f6nnen W\u00fcnsche \u00e4ussern. Wichtig ist uns, dass die H\u00e4user zu anst\u00e4ndigen Preisen vermietet werden \u2014 an Menschen, die das Besondere sch\u00e4tzen und Freude daran haben. Wir k\u00f6nnten uns auch eine soziale Institution darin vorstellen. Und allenfalls w\u00e4re es m\u00f6glich, die Scheune ausbauen, die wir heute nur als Garage und Abstellraum nutzen.<\/p>\n\n<p>JBM: Das Haus ist ja nicht einfach ein Mietobjekt. Man braucht eine Beziehung dazu, denn mit einer Holzheizung und rund 3000 Quadratmetern Umschwung muss man bereit sein, auch Zeit zu investieren.<\/p>\n\n<p><em>Die Stiftung setzt sich f\u00fcr eine \u00f6kologische und soziale Zukunft ein. Was ist f\u00fcr Sie pers\u00f6nlich das Wichtigste?<\/em><\/p>\n\n<p>VG: F\u00fcr mich ist die soziale Komponente wichtig, das passt auch zu meinem Beruf \u2014 und mir gef\u00e4llt, dass wir auf diese Weise die Zukunft beeinflussen k\u00f6nnen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn auch andere Leute Gefallen f\u00e4nden, \u00fcber eine Schenkung H\u00e4user zu erhalten und der Spekulation zu entziehen.<\/p>\n\n<p>JBM: Die Zielsetzung der Stiftung gibt Gew\u00e4hr, dass die Flarzh\u00e4user so erhalten bleiben, wie sie heute sind. Eine Stiftung kann ihren Zweck ja nicht einfach \u00e4ndern.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Nachlass<\/h2>\n\n<p>Verena Gabathuler und J\u00fcrg Beat Meier vermachen der Stiftung Edith Maryon vier Flarz-hausteile mit rund 3000 Quadratmetern Umschwung. Den \u00e4ltesten Hausteil bewohnt das Paar selber, die zwei angebauten Teile sind vermietet. Ein weiteres Flarzhaus in einer H\u00e4userreihe mitten im Dorf ist ebenfalls Teil des Legats. Die vier H\u00e4user gehen nach dem Tod der Besitzer rechtskr\u00e4ftig in den Besitz der Stiftung \u00fcber. Greenpeace erh\u00e4lt den finanziellen \u00dcberschuss aus der Nutzung. Im Zentrum steht aber nicht der Ertrag, sondern eine sozialvertr\u00e4gliche Nutzung.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Johannes und Doris Wirth-Nebiker verkauften der Stiftung ihre Liegenschaft zu g\u00fcnstigen Konditionen<\/h2>\n\n<p><em>Bericht: Johannes und Doris Wirth-Nebiker<\/em><\/p>\n\n<p>Bereits im Zusammenhang mit der Suche nach einer dauerhaft tragbaren, jegliche Bodenspekulation ausschliessenden L\u00f6sung f\u00fcr das neue Gel\u00e4nde des Paracelsus-Spitals in Richterswil hatten wir Kontakt mit einem der Beir\u00e4te der Stiftung Edith Maryon. Sp\u00e4ter stellten wir uns die Frage, wie es nach uns einmal mit unserer eigenen Liegenschaft an der Sonnenbergstrasse in Z\u00fcrich weitergehen soll, und kamen wieder auf die Stiftung zur\u00fcck. Heute sind hier unter anderem ein Rudolf-Steiner-Kindergarten und Arztpraxen des Paracelsus-Zentrums Sonnenberg Z\u00fcrich untergebracht. Hinzu kommen insgesamt neun Wohnungen. Wir m\u00f6chten, dass das Soziale, das wir hier mit aufgebaut haben, weitergeht, egal worum es sich dabei im Einzelnen handelt. Unsere Kinder, von denen keines in Z\u00fcrich lebt, haben uns fr\u00fchzeitig signalisiert, dass sie kein Interesse am ganzen Haus haben. Um sie jedoch wenigstens ein bisschen am Haus teilhaben zu lassen und ihnen ein Standbein in Z\u00fcrich zu sichern, haben wir uns schliesslich entschieden, 30 Prozent des Geb\u00e4udes (einen Teil der Wohnungen) im Familieneigentum zu behalten. 70 Prozent der Liegenschaft haben wir deutlich unter Verkehrswert an die Stiftung Edith Maryon verkauft. Wir haben Vertrauen in die Stiftung. Ihre zahlreichen sozialen Liegenschaftsprojekte und ihre nichtspekulative Zielsetzung haben uns \u00fcberzeugt.<\/p>\n\n<p>Aufgrund der Kooperation mit Greenpeace hat das Ehepaar Wirth zugestimmt, dass ein Teil der Nettoertr\u00e4ge der Liegenschaft f\u00fcr die n\u00e4chsten zehn Jahre an Greenpeace gespendet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erbschaften: Gemeinsam f\u00fcr dieselben Ideale. 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