{"id":44560,"date":"2016-04-26T07:00:00","date_gmt":"2016-04-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44560"},"modified":"2020-05-21T14:40:30","modified_gmt":"2020-05-21T12:40:30","slug":"pestizide-wer-hat-eigentlich-das-sagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44560\/pestizide-wer-hat-eigentlich-das-sagen\/","title":{"rendered":"Pestizide &#8211; wer hat eigentlich das Sagen?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In der Schweiz wurden die rund 300 zugelassenen Pestizide nicht etwa vom Bundesamt f\u00fcr Gesundheit oder dem f\u00fcr Umwelt getestet, sondern das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft hat die Erlaubnis erteilt. Dies auf der heiklen Basis von Studien der Pestizidproduzenten.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">D<\/span>ie industrielle Landwirtschaft basiert heute auf Monokulturen von Hochleistungssorten, die einen steten Zufluss an Kunstd\u00fcnger und Pestiziden ben\u00f6tigen, um hohe Ertr\u00e4ge zu realisieren. So werden allein in der Schweiz gut 2000 Tonnen Pestizide pro Jahr eingesetzt, um Nutzpflanzen vor Unkr\u00e4utern, Insekten oder Pilzkrankheiten zu sch\u00fctzen. Das sind 2000 Tonnen Gift auf unseren Feldern, in unseren Plantagen und G\u00e4rten. Die Auswirkungen von Pestiziden auf Mensch und Umwelt sind massiv: Pestizide sind mitschuldig am Verlust der Biodiversit\u00e4t, sie gef\u00e4hrden Bienen und andere Best\u00e4uber, sie sch\u00e4digen die Bodenlebewesen und gelangen in unser Trinkwasser. Von den \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.blw.admin.ch\/psm\/produkte\/index.html?lang=de\">300 zugelassenen Pestiziden<\/a> sind etliche als \u00abwahrscheinlich krebserregend\u00bb eingestuft, andere wirken auf das Hormonsystem oder sind fruchtsch\u00e4digend.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Intransparente Zulassungsverfahren<\/h2>\n\n<p>Bei diesen Mengen und Auswirkungen w\u00fcrde man annehmen, dass die Beh\u00f6rden die Sicherheit von Pestiziden sorgf\u00e4ltig \u00fcberpr\u00fcfen und dabei Tests durchf\u00fchren, bevor sie diese bewilligen. Doch die Bewilligungsentscheide der Beh\u00f6rden basieren nicht auf eigenen Untersuchungen, sondern auf Studien der Hersteller. Unabh\u00e4ngige Forschung wird bei der Bewilligung gar nicht erst in Betracht gezogen \u2014 oft mit fadenscheinigen Behauptungen, dass ihre Qualit\u00e4t nicht ausreichend sei.<\/p>\n\n<p>Die heutige Bewilligungspraxis ist intransparent und weist zahlreiche M\u00e4ngel auf. So wird zum Beispiel die angenommene Konzentration eines Pestizids in der Umwelt regelm\u00e4ssig zu tief gesch\u00e4tzt, der Effekt von Hilfsstoffen in Pestiziden wird nicht systematisch analysiert und die Wechselwirkungen von <a href=\"https:\/\/bionetz.ch\/nachrichten\/branchennews\/1908-pestizid-cocktails-in-schweizer-gewaessern-2.html\">Pestizid-Cocktails<\/a>, denen Umwelt und Menschen ausgesetzt sind, werden gar nicht in Betracht gezogen.<\/p>\n\n<p>In der Schweiz ist das <a href=\"http:\/\/www.blw.admin.ch\/themen\/00011\/00075\/index.html?lang=de\">Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft (BLW)<\/a> f\u00fcr die Zulassung von Pestiziden zust\u00e4ndig und nicht die Schutz\u00e4mter BAFU (Bundesamt f\u00fcr Umwelt) oder BAG (Bundesamt f\u00fcr Gesundheit). Das ist problematisch, weil sich das BLW mehrfach als unkritisch gegen\u00fcber Pestiziden geoutet hat. So hat sich das BLW lange gegen ein Verbot der bienensch\u00e4digenden Neonikotinoide gestr\u00e4ubt und l\u00e4sst Vertreter der Industrie am neuen Nationalen Aktionsplan Pestizide mitarbeiten. So macht sich das BLW zur Gehilfin der Pestizidindustrie, statt den Schutz der Umwelt und unserer Gesundheit an die erste Stelle zu setzen. Das ist verantwortungslos.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das M\u00e4rchen von den fehlenden Alternativen<\/h2>\n\n<p>Die Chemielobby spricht gerne von der Weltern\u00e4hrung. Sie behauptet, dass die landwirtschaftliche Produktion ohne ihre Produkte zusammenbrechen w\u00fcrde und noch viel mehr Menschen auf der Welt hungern m\u00fcssten. Dass dies nicht so ist, beweisen die sch\u00e4tzungsweise <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/en\/publications\/Campaign-reports\/Agriculture\/Food-and-Farming-Vision\/\">zwei Millionen Biobauern<\/a> auf der ganzen Welt. Sie sch\u00fctzen ihre Kulturen ebenfalls, aber ohne in die Giftkiste zu greifen: Sie st\u00e4rken die N\u00fctzlinge durch eine Erh\u00f6hung der Biodiversit\u00e4t, sie verwenden schlaue Fruchtfolgen, die Krankheiten in Schach halten, sie pflanzen robuste Sorten in Duo- oder Polykulturen, verwenden moderne Methoden wie Pheromonfallen, bek\u00e4mpfen Unkr\u00e4uter mechanisch oder verwenden Spritzmittel auf nat\u00fcrlicher Basis.<\/p>\n\n<p>Zwar produziert ein Biobauer etwas weniger pro Quadratmeter als ein konventioneller Bauer. Die Differenz schrumpft jedoch dank besseren Biomethoden stetig. Und solange wir fast die H\u00e4lfte der weltweit angebauten Pflanzenkalorien als Tierfutter verwenden und einen Drittel der produzierten Lebensmittel wegwerfen, ist es absurd, die Landwirtschaft mit riesigen Mengen Energie und Chemie auf Effizienz zu trimmen und dabei die Umwelt und die Gesundheit aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz wurden die rund 300 zugelassenen Pestizide nicht etwa vom Bundesamt f\u00fcr Gesundheit oder dem f\u00fcr Umwelt getestet, sondern das Bundesamt f\u00fcr Landwirtschaft hat die Erlaubnis erteilt. 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