{"id":44598,"date":"2016-04-26T07:00:00","date_gmt":"2016-04-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44598"},"modified":"2020-05-21T14:59:00","modified_gmt":"2020-05-21T12:59:00","slug":"fuenf-jahre-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44598\/fuenf-jahre-fukushima\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Jahre Fukushima"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ungeachtet vehementer Proteste aus der Bev\u00f6lkerung setzt die japanische Regierung auf eine Atomzukunft. Dies, obschon die Havarie vor genau f\u00fcnf Jahren die Region rund um Fukushima bis heute unbewohnbar gemacht hat.<\/strong><\/p>\n\n<p>Am 11. M\u00e4rz 2011 bebte in Fukushima die Erde. Mit einer Magnitude von 9.0. Die Folgen: 18 537 Tote, 470 000 Fl\u00fcchtlinge, 375 000 zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude, Unf\u00e4lle in mehreren Atomkraftwerken, Der schlimmste im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Infolge des schweren Erdbebens und eines Tsunamis war in Fukushima Daiichi das K\u00fchlsystem ausgefallen, woraufhin es in drei Reaktoren zur Kernschmelze kam. Vier von sechs Reaktorbl\u00f6cken wurden zerst\u00f6rt und das umliegende Gebiet radioaktiv verseucht. Noch vier Jahrzehnte sollen die Aufr\u00e4umarbeiten andauern. Zehntausende Menschen mussten die radioaktive Gegend in und um Fukushima verlassen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/f413c20e-9d1b92bb5a93843e8173ae650fb9f595.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Tamura, 5. Oktober 2013. Neben S\u00e4cken mit kontaminiertem Boden wird wieder Gem\u00fcse angebaut. \u00a9 Noriko Hayashi \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Heute scheint der Super-GAU in den Hintergrund geraten zu sein. Vergessen sind die Sch\u00e4den, vergessen die vielen Toten, Kranken und Fl\u00fcchtlinge, vergessen die Risiken der Kernenergie. Doch auch f\u00fcnf Jahre nach der schlimmsten Industriekatastrophe aller Zeiten, ist die Region noch immer unbewohnbar. Radioaktivit\u00e4tsmessungen von Green Cross ergaben, dass es auch ausserhalb der Sperrzonen radioaktive Hotspots gibt. Die Bodenproben stammen aus Tomioka, einer Geisterstadt etwa zehn Kilometer s\u00fcdlich von Fukushima Daiichi, sowie aus der Stadt Koriyama, die 70 Kilometer westlich des besch\u00e4digten Kernkraftwerkes liegt.<\/p>\n\n<p>Japan ist eines der erdbebengef\u00e4hrdetsten L\u00e4nder der Welt. Somit birgt die Atomkraft auf dieser Insel noch immer hohe zus\u00e4tzliche Risiken. Zudem kam es vor rund einem Jahr zum wiederholten Mal zu einem Leck am Kraftwerk Fukushima. Die Folge: verseuchtes Wasser, welches von der Betreiberfirma Tepco zur K\u00fchlung der abgeschalteten Reaktoren eingesetzt wurde. Die S\u00e4uberung dieser Tausenden Tonnen kontaminierten Wassers dauert noch mindestens drei bis vier Jahrzehnte.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung bestehen neben gesundheitlichen Sp\u00e4tsch\u00e4den wie Krebs und genetischen Anomalien auch neuropsychologische Langzeitfolgen wie Stress.<\/p>\n\n<p>Die Regierung lehnte lange einen Zusammenhang zwischen dem Reaktorunfall und Krebs ab. Erst viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe wurde der erste Fall von Leuk\u00e4mie aufgrund der radioaktiven Strahlung der Kernschmelze best\u00e4tigt. Laut bisherigen Erkenntnissen von Forschern der University of Southern California h\u00e4ngen rund 1700 Todesf\u00e4lle mit der Fukushima-Katastrophe infolge von Stress, Ersch\u00f6pfung und widriger Lebensumst\u00e4nde als Fl\u00fcchtlinge zusammen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/953f268c-12670b4e56e19383937a373db19a0560.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Namie, 8. Februar 2016. Ein Arbeiter putzt die Strassen einer verlassenen Stadt. Den zusammengesammelten Dreck wird er in spezielle schwarze S\u00e4cke einpacken. \u00a9 Christian \u00c5slund<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tausende von Menschen leben in Containern<\/strong><\/h2>\n\n<p>Noch immer leben 125 000 Menschen als Nuklearfl\u00fcchtlinge in Notunterk\u00fcnften. In Tokio tut man aber so, \u00abals habe es die Katastrophe nie gegeben\u00bb, so Regisseurin Doris D\u00f6rrie, die in ihrem Film \u00abGr\u00fcsse aus Fukushima\u00bb das Schicksal zweier Frauen in der verstrahlten Zone erz\u00e4hlt. Viele Fl\u00fcchtlinge, vor allem m\u00e4nnliche, leiden an Depressionen, es kommt zu Suiziden, viele trinken oder verfallen der Spielsucht.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/60dfa8c1-b446b2828a8408ed81e41aff3647f153.jpg\" alt=\"\"\/><figcaption>Yonezawa, 25. M\u00e4rz 2011. Kurz nach der Katastrophe wohnten viele in Turnhallen und \u00e4hnlichen Notunterk\u00fcnften. 5 Jahre danach m\u00fcssen viele noch in einer \u00e4hnlichen Situation leben und haben oft nur einen Container f\u00fcr sich selbst und die Familie zur Verf\u00fcgung. \u00a9 Christian \u00c5slund \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Strahlung hat die Existenz vieler Bauern zerst\u00f6rt. Rinderz\u00fcchter und Milchbauern haben aufgegeben, der Anbau von Reis und Gem\u00fcse liegt brach. Landwirtschaft wird auch nach der Dekontaminierung nicht mehr m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n<p>Unterdessen hinterl\u00e4sst Fukushima gar Spuren in Nordamerika. An der Westk\u00fcste Kanadas wurden radioaktive Teilchen gefunden.<\/p>\n\n<p>Und trotz alldem setzt Japan unter der konservativen Regierung von Shinzo Abe auf die Atomenergie. Als Konsequenz aus der Katastrophe standen rund zwei Jahre alle 48 Reaktoren in Japan still. Im Herbst letzten Jahres gingen bereits zwei Reaktoren des Atomkraftwerks Sendai trotz Protesten der Bev\u00f6lkerung wieder ans Netz. B\u00fcrger k\u00e4mpfen vor Gericht weiter gegen den Neustart der Reaktoren.<\/p>\n\n<p>Eine deutsch-japanische Studie belegt: Japan braucht diese Atomenergie nicht. Ganz im Gegenteil: Bis 2050 k\u00f6nnte das Land seine gesamte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien beziehen, denn es bietet mitunter die besten geologischen, topografischen und technologischen Voraussetzungen daf\u00fcr, so 10 000 Kilometer K\u00fcste mit g\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr Offshore-Anlagen. Bisher gewinnt Japan nur 0,4 Prozent seiner Energie aus Windkraft. Mit Geothermie k\u00f6nnte gut ein Drittel des Energiebedarfs gedeckt werden, bislang sind es nur 0,3 Prozent. W\u00fcrden 5 Prozent der Landfl\u00e4che mit Photovoltaikanlagen bebaut, k\u00f6nnte der gesamte Energiebedarf gedeckt werden. Bisher sind es jedoch nur 0,2 Prozent.<\/p>\n\n<p>Japans ehemaliger Premier Naoto Kan: \u00abIch halte die Kernenergie f\u00fcr die gef\u00e4hrlichste Form der Energiegewinnung. Das Restrisiko ist einfach zu gross. [&#8230;] Dass Japan auch ohne Kernkraftwerke funktionieren kann, haben die zwei Jahre gezeigt, in denen alle Atommeiler abgeschaltet waren. Das hatte praktisch keinen negativen Einfluss auf das Leben der Menschen und auf den Gang der Wirtschaft.\u00bb*<\/p>\n\n<p>* Interview: Vincenzo Capodici, 03.02.2016 im \u00abTages-Anzeiger\u00bb.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/lc-g9CSfWyk\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"lc-g9CSfWyk\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n<\/div><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungeachtet vehementer Proteste aus der Bev\u00f6lkerung setzt die japanische Regierung auf eine Atomzukunft. 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