{"id":44618,"date":"2016-04-27T07:00:00","date_gmt":"2016-04-27T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44618"},"modified":"2020-05-21T15:09:13","modified_gmt":"2020-05-21T13:09:13","slug":"tschernobyl-und-fukushima-die-beleuchtung-des-unsichtbaren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44618\/tschernobyl-und-fukushima-die-beleuchtung-des-unsichtbaren\/","title":{"rendered":"Tschernobyl und Fukushima: Die Beleuchtung des Unsichtbaren"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>30 Jahre nach Tschernobyl und f\u00fcnf Jahre nach der dreimaligen Kernschmelze im TEPCO Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zeichnen sich die Schatten beider Desaster noch immer ab.<\/strong><\/p>\n\n<p>In der Folge von Fukushima trat ich dem Greenpeace Strahlenschutzteam bei, um den Einfluss der Strahlung auf die Bev\u00f6lkerung zu messen und zu kommunizieren. Greenpeace dokumentiert seit \u00fcber 40 Jahren Umweltverschmutzung und \u2013zerst\u00f6rung, aber eine Frage hat mich nicht mehr losgelassen: Wie wirft man ein Licht auf etwas, das unsichtbar ist?<\/p>\n\n<p>Wir fanden die Antwort in einem speziell angefertigten LED-Leuchtstab, der an einen Geiger-Z\u00e4hler angeschlossen werden, das radioaktive Strahlungslevel messen und in Echtzeit anzeigen kann. Nimm ein Bild von einer kontaminierten Fl\u00e4che mit langer Beleuchtungszeit auf und gehe mit dem Messger\u00e4t dar\u00fcber, und schlie\u00dflich erh\u00e4ltst du eine wellenf\u00f6rmige Lichtwand, die die Strahlung in der Umgebung visuell auf einer Karte darstellt.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/39be7def-gp0stppd9_medium_res.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1360\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/39be7def-gp0stppd9_medium_res.jpg\" alt=\"Schulhof in der Region Bryansk in Russland. Die wei\u00dfen Balken zeigen eine Strahlenbelastung bis zu 0.23 \u00b5Sv\/h, die orangefarbenen zeigen Level bis zu 0.65 \u00b5Sv\/h an. 30 Jahre nach dem Reaktorunfall ist der Schulhof immer noch belastet. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace\" class=\"wp-image-1360\"\/><\/a><figcaption>Schulhof in der Region Bryansk in Russland. Die wei\u00dfen Balken zeigen eine Strahlenbelastung bis zu 0.23 \u00b5Sv\/h, die orangefarbenen zeigen Level bis zu 0.65 \u00b5Sv\/h an. 30 Jahre nach dem Reaktorunfall ist der Schulhof immer noch belastet. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Wei\u00dfes Licht zeigt jene Radioaktivit\u00e4t an, die die Regierung als akzeptabel eingestuft hat. Oranges Licht weist auf eine \u00dcberschreitung des sicheren Kontaminationslevels hin und signalisiert gr\u00f6\u00dfere Risiken ohne Schutz. Ein rotes Signal zeigt eine Verstrahlung an, bei der die Bev\u00f6lkerung evakuiert werden muss.<\/p>\n\n<p>Als wir dieses Messger\u00e4t in den Katastrophengebieten von Tschernobyl und Fukushima benutzten, fanden wir Bereiche, die von den Beh\u00f6rden als \u201edekontaminiert\u201c eingestuft wurden, aber dennoch Strahlung oberhalb des zugelassenen Limits aufwiesen. Die Radioaktivit\u00e4t bleibt bestehen. In Russlands Bryansk-Region fanden wir 30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl noch Strahlungslevel, die mit den heutigen Werten in den Evakuierungszonen von Fukushima vergleichbar sind.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/559031ca-gp0stpleq_medium_res.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1362\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/559031ca-gp0stpleq_medium_res.jpg\" alt=\"In der Kindertagesst\u00e4tte in Soramame in der Pr\u00e4fektur Fukushima sind die Level niedrig. Dennoch kamen nach dem Ungl\u00fcck weniger Kinder in die Einrichtung. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace\" class=\"wp-image-1362\"\/><\/a><figcaption>In der Kindertagesst\u00e4tte in Soramame in der Pr\u00e4fektur Fukushima sind die Level niedrig. Dennoch kamen nach dem Ungl\u00fcck weniger Kinder in die Einrichtung. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Egal ob f\u00fcnf oder 30 Jahre danach, die Strahlungsrisiken bleiben und die Gemeinden k\u00e4mpfen weiterhin mit Problemen, wie der neuen deutlich komplizierteren Normalit\u00e4t und dem Zerfall ihrer Ortschaften. In Starye Bobovichi, einige hundert Kilometer von Tschernobyl entfernt, glaubt die Schulleiterin Tatyana Dorokhova, dass kontaminiertes Material an ihrer Schule gelandet ist. Das k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, wieso wir im Garten der Schule und auf dem Spielplatz Fl\u00e4chen erh\u00f6hter Strahlung entdeckt haben, aber woanders konstant niedrige Strahlungslevel.<\/p>\n\n<p>Frau Sadako Monma ging gro\u00dfe Anstrengungen ein, ihren Kindergarten Soramame zu reinigen, aber schlie\u00dflich musste sie in die Randbezirke von Fukushima umziehen, wo die Strahlungswerte niedriger waren. Die Reinigung reichte einfach nicht aus. Trotz des Umzugs ihres Kindergartens blieben viele Kinder weg. 2016 wird sie ihre Tagesst\u00e4tte schlie\u00dfen, 20 Jahre nachdem sie entstand.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/0ed90eed-gp0stplf4_medium_res.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1363\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/0ed90eed-gp0stplf4_medium_res.jpg\" alt=\"Wohnung in Iitate. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace\" class=\"wp-image-1363\"\/><\/a><figcaption>Wohnung in Iitate. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Die Mehrheit der H\u00e4user in dem Dorf Staryy Vyshkov in Russland sind mittlerweile verlassene Ruinen. Es ist leicht zu sehen warum, denn die radioaktive Kontamination ist \u00e4hnlich hoch wie in der Gemeinde Iitate in Fukushima.<\/p>\n\n<p>Gelegentlich zieht ein neuer Bewohner in die leerstehenden H\u00e4user. Typischerweise sind dies Menschen, die bereits zu alt sind, um sich Sorgen \u00fcber die gesundheitlichen Folgen der Strahlung zu machen, oder zu arm, um andere Handlungsm\u00f6glichkeiten zu haben. Die Menschen, die geblieben sind wie Ladenbesitzer Natalya Rueva, haben keine alternativen Zufluchtsorte und die Radioaktivit\u00e4t beeinflusst seitdem jeden Aspekt ihres Lebens.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/b3ce8625-gp0stppb6_medium_res.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1364\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/b3ce8625-gp0stppb6_medium_res.jpg\" alt=\"Spielplatz in Bryansk, Russland. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace\" class=\"wp-image-1364\"\/><\/a><figcaption>Spielplatz in Bryansk, Russland. \u00a9 Greg McNevin \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Sobald eine Gemeinde unter dem unsichtbaren Schatten der Radioaktivit\u00e4t zerf\u00e4llt, ist es extrem schwierig, die Gemeinschaft wieder aufzubauen. Die beiden Landwirte aus Iitate, Toru Anzai und Hiroshi Kanno, wissen dies aus erster Hand. Nachdem sie bereits jahrelang in tempor\u00e4ren Unterk\u00fcnften wohnen, fehlt beiden der Glauben, jemals wieder in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Die Gemeinschaft und ihr altes Leben sind l\u00e4ngst verschwunden.<\/p>\n\n<p>25 Jahre trennt die Opfer von Fukushima und Tschernobyl, aber ihre Tragik ist eine \u00e4hnliche und pr\u00e4sent wie eh und je. Radioaktivit\u00e4t sammelt sich an und verweilt in der Umwelt \u00fcber lange Zeit, bis sie schlie\u00dflich jeden Aspekt des Lebens der betroffenen Gemeinde durchdringt.<\/p>\n\n<p><em>Autor Greg McNevin\u00a0ist ein freiberuflicher Fotograf. Folgt ihm auf\u00a0<a href=\"https:\/\/twitter.com\/gmcnevin\">Twitter\u00a0<\/a>und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/gregmcnevin\/\">Instagram\u00a0<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30 Jahre nach Tschernobyl und f\u00fcnf Jahre nach der dreimaligen Kernschmelze im TEPCO Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zeichnen sich die Schatten beider Desaster noch immer ab.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":54657,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[42],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-44618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","tag-energie","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44618\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44618"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=44618"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=44618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}