{"id":44661,"date":"2016-07-15T07:00:00","date_gmt":"2016-07-15T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44661"},"modified":"2020-05-21T16:01:00","modified_gmt":"2020-05-21T14:01:00","slug":"erste-schritte-auf-dem-weg-zum-fairen-smartphone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44661\/erste-schritte-auf-dem-weg-zum-fairen-smartphone\/","title":{"rendered":"Erste Schritte auf dem Weg zum \u00abfairen\u00bb Smartphone"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Unsere gestylten Smartphones sind ziemliche Dreckschleudern und hinterlassen auf der ganzen Welt Narben bei Mensch und Natur. Es ginge auch anders, wie erste Initiativen beweisen. Dank \u00abkonfliktfreien\u00bb Mineralien aus zertifizierten Minen und der Durchsetzung von h\u00f6heren Sozialstandards bei Zulieferfirmen.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">I<\/span>n einem Aussenbezirk von Shanghai, an der Ecke der Xiu Yan und Shen Jiang Road, entstand vor wenigen Jahren ein neues St\u00e4dtchen. Es heisst \u00abPegatron Corp.\u00bb und ist etwa 90 Fussballfelder gross. Dort gibt es Pl\u00e4tze zum Flanieren, Teiche mit Koi-Zierfischen, ein Gastroangebot f\u00fcr Tausende von Menschen, eine eigene Polizeistation und ein Postamt. Doch in \u00abPegatron Corp.\u00bb wohnt niemand; hierhin kommen Chinesen lediglich zum Arbeiten. Tagt\u00e4glich str\u00f6men rund 50\u2019000 Arbeiterinnen und Arbeiter ins Areal, mit einer einzigen Aufgabe: iPhones f\u00fcr den Weltmarkt zusammenzubauen.<\/p>\n\n<p>Apple hat in den vergangenen neun Jahren \u00fcber 800 Millionen iPhones verkauft. Alleine im vergangenen Jahr waren es \u00fcber 230 Millionen. Nimmt man alle Marken zusammen, beliefen sich die Smartphone-Verk\u00e4ufe 2015 auf 1,4 Milliarden St\u00fcck; 325 Millionen alleine beim s\u00fcdkoreanischen Giganten Samsung. Davon profitieren die Aktion\u00e4re der grossen Techkonzerne und die Konsumenten, die aufgrund der enormen St\u00fcckzahlen f\u00fcr immer weniger Geld immer mehr Funktionen kriegen. Wer nicht davon profitiert, sind die Billiglohnarbeiter in den Montagehallen Ostasiens und die Mineure in tiefen Sch\u00e4chten Afrikas und Lateinamerikas. Sie zerst\u00f6ren ihren K\u00f6rper f\u00fcr die F\u00f6rderung von Metallen, die f\u00fcr den Bau von Smartphones unverzichtbar sind. Ausgebeutet wird auch die Natur, die entlang der gesamten Produktionskette belastet wird (siehe Kasten zu Elektroschrott).<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ohne Allerweltsmetalle keine Smartphones<\/h2>\n\n<p>In einem Smartphone sind bis zu 40 Metalle verbaut. Darunter gr\u00f6ssere Mengen Aluminium, Eisen, Kupfer, Nickel, Zink und kleinere Mengen Platin, Beryllium, Indium, Tantal und Gold. Viele dieser Metalle sind auf einige wenige Herkunftsl\u00e4nder verteilt: Kobalt kommt vor allem in der Demokratischen Republik Kongo und in Sambia vor, Platin und Ruthenium in S\u00fcdafrika. Es ist paradox: W\u00e4hrend in China f\u00fcr die Produktion unserer Smartphones neue Produktionsst\u00e4dtchen wie \u00abPegatron Corp.\u00bb entstehen, werden am anderen Ende der Welt zum gleichen Zweck D\u00f6rfer plattgemacht. Zum Beispiel in der Provinz Limpopo im Norden S\u00fcdafrikas. Dort wurde das Dorf Ga Pila mit \u00fcber 4500 Einwohnern wegen Abr\u00e4umhalden f\u00fcr den Platinabbau umgesiedelt. Ohne das wertvolle Metall w\u00fcrden unsere Smartphones nicht funktionieren.<\/p>\n\n<p>Die Umweltauswirkungen der F\u00f6rderung solcher Metalle sind weitreichend: F\u00fcr eine Tonne Kupfer fallen 110 Tonnen Abfall und 200 Tonnen Aushub an. Oft sind die Abf\u00e4lle toxisch, enthalten Arsen oder Blei, die das Grundwasser sowie Flora und Fauna verseuchen. Das gilt f\u00fcr Goldminen in Peru genauso wie f\u00fcr Platinminen in S\u00fcdafrika. Kleinsch\u00fcrfer nutzen zudem gerne auch Quecksilber, um Gold aus dem Erz zu l\u00f6sen. Kleinste Mengen reichen, um einen Menschen irreversibel zu sch\u00e4digen. Hinzu kommen die Arbeitsbedingungen: Viele der in Smartphones verbauten Metalle werden unter menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen gef\u00f6rdert. <a href=\"https:\/\/www.amnesty.org\/en\/latest\/news\/2016\/01\/Child-labour-behind-smart-phone-and-electric-car-batteries\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Amnesty International<\/a> hat mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass Kobalt, welches f\u00fcr den Bau von Smartphone-Akkus verwendet wird, aus Minen der Demokratischen Republik Kongo stammt, in welchen sich Minderj\u00e4hrige kaputt schuften.<\/p>\n\n<p>Bis die Metalle in unseren Smartphones verbaut sind, ist von diesem Leid meist nichts mehr sichtbar. \u00abEs ist extrem schwierig, die Herkunft l\u00fcckenlos zu belegen\u00bb, sagt Irene Schipper vom <a href=\"http:\/\/www.somo.nl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Centre for Research on Multinational Corporations<\/a>&nbsp;in Amsterdam. Sie hat mehrere Studien zur Lieferkette von Smartphone-Herstellern verfasst. Alle grossen Marken, wie Apple, Samsung oder LG, geben die Fertigung ihrer Ger\u00e4te an Firmen wie Pegatron Corp. oder Foxconn in Asien ab. Diese kaufen ihre Komponenten bei Hunderten von Herstellern auf der ganzen Welt ein. Diese wiederum beziehen ihr Rohmaterial bei Rohstoffh\u00e4ndlern (viele mit Sitz in der Schweiz), welche die Metalle \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler beziehen, die in Kontakt mit den Minen in Afrika oder S\u00fcdamerika stehen. Schipper hat k\u00fcrzlich mit einem Vertreter eines grossen Smartphone-Herstellers gesprochen, der seine Kobalt-Lieferkette analysierte. Das Ergebnis: In 3750 Einzelkomponenten der Produktpalette steckt Kobalt, das von 363 verschiedenen Zulieferern stammt. Unter solchen Umst\u00e4nden scheint es praktisch unm\u00f6glich, den \u00dcberblick zu behalten, ob ein Rohstoff unter ausbeuterischen Bedingungen gef\u00f6rdert wurde. Doch stimmt das wirklich?<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/2b5213f0-8454776149_a109e8f54b_o-1.jpg\" alt=\"Arbeoter in einer Kupfermine in der Republik Kongo. \u00a9 Fairphone\" class=\"wp-image-1638\"\/><figcaption>Arbeiter in einer Kupfermine in der Republik Kongo. \u00a9 Fairphone<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konfliktfreie Mineralien f\u00fcr \u00abfaire\u00bb Smartphones<\/h2>\n\n<p>Wenn man Experten nach Alternativen fragt, f\u00e4llt zwangsl\u00e4ufig ein Name: <a href=\"https:\/\/www.fairphone.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00abFairphone\u00bb<\/a>. Das niederl\u00e4ndische Unternehmen startete vor sechs Jahren als Projekt zur Bewusstseinsbildung f\u00fcr die Folgen der globalisierten Billigproduktion. Der Industriedesigner Bas van Abel wollte durch die Entwicklung eines \u00abfairen\u00bb Smartphones auf all die zuvor genannten Umwelt- und Menschenrechtsprobleme hinweisen. Es begann eine zweij\u00e4hrige Recherche nach einer Lieferkette, die vom Mineral bis zum fertigen Produkt m\u00f6glichst nachhaltig w\u00e4re. Van Abel suchte nach kongolesischen Minen, die Zinn konfliktfrei f\u00f6rdern und ihren Arbeitern existenzsichernde L\u00f6hne bezahlen. Daf\u00fcr trat Fairphone einem Konsortium bei, das Rohstoffe zertifiziert, an welchen keine Warlords mitverdienen. Weiter suchte er nach einer chinesischen Montagefabrik, die sich dazu verpflichtete, die Arbeiterrechte zu achten und ihre Sozialstandards gem\u00e4ss den Vorstellungen des Auftraggebers anzuheben. 2013 sicherte sich das Projekt sein Startkapital f\u00fcr die Produktion einer ersten Charge \u00fcber eine Crowdfunding-Kampagne. In wenigen Wochen kamen so knapp sieben Millionen Euro zusammen. Seither hat das Unternehmen 60\u2019000 Fairphone 1 verkauft. Vom Folgemodell will die Firma dieses Jahr 150\u2019000 verkaufen. Zinn und Tantal stammen aus zertifizierten Minen in der Demokratischen Republik Kongo. Fairphone verpflichtete zudem ihren Zulieferer f\u00fcr Leiterplatten, die \u00f6sterreichische AT&amp;S, Fairtrade-Gold f\u00fcr die Veredelung der Stromleitungen auf den Leiterplatten einzusetzen. In einem n\u00e4chsten Schritt soll auch Wolfram \u2013 ein weiteres \u00abKonfliktmineral\u00bb (siehe Kasten) \u2013 aus einer zertifizierten Mine aus Ruanda stammen.<\/p>\n\n<p>Fairphone ist bislang einzigartig. Die grossen Smartphone-Hersteller preisen ihre Produkte weiterhin \u00fcber technische Gadgets an, wie hochaufl\u00f6sende Kameras oder schnellere Prozessoren. Menschenrechte und Nachhaltigkeit scheinen f\u00fcr den Massenmarkt noch keine verkaufsf\u00f6rdernden Argumente zu sein. Samsung brachte zwar 2013 mit dem Galaxy S4 ein erstes Modell mit einer TCO-Zertifizierung auf den Markt. Die schwedische Organisation TCO vergibt seit 20 Jahren Zertifikate f\u00fcr \u00abnachhaltige\u00bb Elektronikprodukte. Doch im Falle von Samsung handelt es sich vor allem um Greenwashing, wie eine <a href=\"http:\/\/www.somo.nl\/publications-en\/Publication_4215\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie<\/a> des Centre for Research on Multinational Corporations zeigt. Irene Schipper verglich das Galaxy S4 mit dem Fairphone anhand von 34 Nachhaltigkeitskriterien. Ihr Ergebnis: Samsung \u00fcbertraf den Industriestandard nur bei 7 Kriterien; das Fairphone immerhin bei 20. \u00abLeider sind die Anforderungen f\u00fcr das TCO-Zertifikat bei Smartphones sehr tief und werden leicht f\u00fcr Greenwashing ausgenutzt\u00bb, sagt Schipper. Vor allem punkto Arbeitsbedingungen umfassten die Kriterien lediglich den g\u00e4ngigen Branchenstandard; zum Beispiel die Forderung nach externen Audits. \u00abDoch das bringt nichts\u00bb, sagt Schipper. \u00abJeder weiss, dass Samsung in vielen L\u00e4ndern die Organisation von Arbeiterinnen und Arbeitern in Gewerkschaften stark behindert.\u00bb Hinzu komme, dass, wenn Audits durchgef\u00fchrt w\u00fcrden, diese meist unter Verschluss blieben und f\u00fcr NGOs und Gewerkschaften nicht einsehbar seien. Anders bei Fairphone: \u00abDort wird nicht nur eine Politik auf dem Papier betrieben, sondern die Macher engagieren sich vor Ort zusammen mit den Minenbetreibern, Lieferanten und Endproduzenten\u00bb, lobt Schipper. Zudem werde Transparenz gelebt: Die Liste mit allen Zuliefererfirmen ist \u00f6ffentlich, genauso die Auditberichte aus den Partnerunternehmen.<\/p>\n\n<p>All das ist aufwendig, braucht viel Zeit und Geduld. F\u00fcr die Produktion von 150\u2019000 Telefonen pro Jahr ist das m\u00f6glich, aber f\u00fcr 300 Millionen? \u00abNat\u00fcrlich ist die Komplexit\u00e4t zur Gestaltung einer durchgehend nachhaltigen Lieferkette f\u00fcr multinationale Konzerne viel gr\u00f6sser\u00bb, sagt Schipper. \u00abDoch gleichzeitig haben sie auch viel mehr Macht, um Druck auf die Zulieferer auszu\u00fcben.\u00bb M\u00fcssten die Konsumenten dann aber nicht auch bereit sein, mehr f\u00fcr ihr Smartphone zu bezahlen? Das Fairphone kostet 525 Euro, was im Vergleich mit ebenb\u00fcrtigen Modellen der Grossproduzenten etwas teurer ist. \u00abNicht unbedingt\u00bb, ist Schipper \u00fcberzeugt. Die Profite von Apple und Samsung pro verkauftes Ger\u00e4t seien heute riesig. W\u00fcrden diese nur geringf\u00fcgig reduziert, m\u00fcssten die Mehrkosten nicht unbedingt auf die Konsumenten abgew\u00e4lzt werden. Und selbst wenn: \u00abDie Arbeitskosten bei der Produktion machen rund ein Prozent des Endpreises aus. Sogar wenn man die L\u00f6hne verdoppelt, tut das keinem Konsumenten weh.\u00bb<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Widerspr\u00fcche unumg\u00e4nglich<\/h2>\n\n<p>Die Macher von Fairphone machen keinen Hehl daraus, dass ihr Smartphone noch einen langen Weg vor sich hat, bevor es komplett \u00abfair\u00bb ist. Erst gerade vier von bis zu vierzig Metallen stammen aus zertifizierten Minen, und l\u00e4ngst noch nicht alles im Ger\u00e4t verbaute Gold ist auch Fairtrade. Zudem lauern die Widerspr\u00fcche in jedem Glied der Produktionskette: Zum Beispiel wird selbst Fairtrade-Gold in einer Raffinerie veredelt, die daf\u00fcr beschuldigt wird, Gold aus Minen mit minderj\u00e4hrigen Arbeitern angenommen zu haben. Solche Themen werden jedoch auf dem <a href=\"https:\/\/www.fairphone.com\/2016\/01\/27\/how-we-got-fairtrade-certified-gold-in-the-fairphone-2-supply-chain\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blog<\/a> des Unternehmens offen mit kritischen Konsumenten diskutiert. Erfolge und Misserfolge werden transparent gemacht. Dadurch erh\u00e4lt der Konsument einen Einblick in die Undurchsichtigkeit und Komplexit\u00e4t von globalen Lieferketten und die Auswirkungen des eigenen Konsums auf Mensch und Natur. Doch auch f\u00fcr das Fairphone gilt am Ende: Das nachhaltigste Smartphone ist dasjenige, das gar nicht erst produziert wird. Wer sein Ger\u00e4t l\u00e4nger nutzt, repariert und daf\u00fcr sorgt, dass die Komponenten recycelt werden, reduziert den weiteren Raubbau an der Natur weit mehr als durch den Kauf eines neuen Telefons.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weniger Elektroschrott dank modularen Smartphones?<\/h2>\n\n<p>Die Menge an \u00abe-waste\u00bb w\u00e4chst schneller als jede andere Abfallart. Wir kaufen immer mehr elektronische Ger\u00e4te und benutzen diese weniger lang. Die Anzahl Elektroprodukte in englischen Haushalten ist von 13 im Jahr 1970 auf durchschnittlich 41 im Jahr 2011 gestiegen. Laut einer Studie der United Nations University sind 2014 \u00fcber 40 Millionen Tonnen Elektroschrott angefallen. Doch nur ein Sechstel davon wird auch fachm\u00e4nnisch entsorgt und recycelt. Elektroger\u00e4te und Smartphones enthalten oft giftige Komponenten, vor denen die Benutzer zwar gesch\u00fctzt sind, die jedoch beim Zerlegen der Ger\u00e4te wieder austreten. Sie verschmutzen die Umwelt und gef\u00e4hrden die Gesundheit all derjenigen, die damit in Kontakt kommen. Nach wie vor werden grosse Mengen Elektroschrott aus Europa und den USA in Afrika, Indien oder China entsorgt, wo die Ger\u00e4te ohne Schutzvorkehrungen f\u00fcr den R\u00fcckgewinn von wertvollen Metallen zerlegt werden. In Guiyu, im S\u00fcdosten Chinas, zerlegen mehrere zehntausend Arbeiter und Arbeiterinnen tonnenweise Elektroschrott des Weltmarktes. Teils werden die Schwermetalle \u00fcber offenen Feuern f\u00fcr die Wiederverwertung geschmolzen. Giftige D\u00e4mpfe verpesten die Luft und das Trinkwasser. In Studien konnte eine erh\u00f6hte Bleikonzentration im Blut von Kleinkindern nachgewiesen werden, und Mediziner in der Region erz\u00e4hlen von geh\u00e4uften Totgeburten und Behinderungen.<\/p>\n\n<p>Gleich mehrere Smartphone-Initiativen haben auf die E-waste-Problematik reagiert und wollen den Abfall durch einen modularen Aufbau reduzieren. Pionier war 2013 der holl\u00e4ndische Designer Dave Hakkens mit seiner Idee&nbsp;<a href=\"http:\/\/phonebloks.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abPhonebloks\u00bb.<\/a>&nbsp;Hakkens Visualisierung zeigte ein Smartphone, das wie eine Art Puzzle zerlegt und zusammengebaut werden kann. Bildschirm, Kamera, Batterie und Prozessor k\u00f6nnen einzeln ersetzt werden, ohne dass daf\u00fcr gleich das gesamte Ger\u00e4t weggeschmissen werden muss. Google hat Hakkens\u2019 Idee \u00fcbernommen und das Open-Source-Projekt&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Project_Ara\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abAra\u00bb<\/a>&nbsp;lanciert. Zuk\u00fcnftige Nutzer sollen aktiv am Design und der Software des modularen Smartphones mitarbeiten. Innerhalb eines vorgegebenen Steckrahmens soll jeder sein auf eigene Bed\u00fcrfnisse abgestimmtes Ger\u00e4t zusammenstecken k\u00f6nnen. Prototypen des \u00abAra\u00bb-Smartphones wurden f\u00fcr 2016 angek\u00fcndigt. Auch das von der EU gef\u00f6rderte finnische Start-up&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.puzzlephone.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00abPuzzlephone\u00bb<\/a>&nbsp;will noch dieses Jahr sein erstes modulares und reparierbares Smartphone auf den Markt bringen. Das \u00abFairphone\u00bb (siehe Haupttext) war das erste einfach reparierbare Smartphone.<\/p>\n\n<p>Manche Beobachter zweifeln daran, dass modulare Smartphones einen Beitrag gegen Elektroschrott leisten. Niemand k\u00f6nne voraussehen, ob die Konsumenten ihre Ger\u00e4te tats\u00e4chlich l\u00e4nger behalten und reparieren w\u00fcrden. Genauso k\u00f6nnte durch den h\u00e4ufigen Austausch von alten Komponenten durch neue sogar noch mehr Elektroschrott anfallen.<\/p>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00abKonfliktmineralien\u00bb: Dodd-Frank Act und die neue EU-Legislative<\/h2>\n\n<p>In Smartphones stecken oft mehrere sogenannte Konfliktmineralien. Dazu geh\u00f6ren Tantal, Zinn, Gold und Wolfram. Sie stammen aus der Demokratischen Republik Kongo oder benachbarten L\u00e4ndern, werden in Kleinminen unter desastr\u00f6sen Umst\u00e4nden gef\u00f6rdert und dienen Warlords dazu, ihre Kriege zu finanzieren. An der amerikanischen B\u00f6rse kotierte Unternehmen wurden 2010 durch den Dodd-Frank Act dazu verpflichtet, Konfliktmineralien aus dem Kongo und benachbarten L\u00e4ndern zu bannen. Amnesty International und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.globalwitness.org\/en\/campaigns\/conflict-minerals\/digging-transparency\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Global Witness<\/a>&nbsp;kritisieren jedoch, dass das Gesetz bis heute nur geringe Ver\u00e4nderungen in den Gesch\u00e4ftspraktiken brachte.<\/p>\n\n<p>Ein \u00e4hnliches Gesetz wird derzeit in der EU verhandelt, nachdem eine Koalition von \u00fcber 50 Menschenrechts-, Friedens- und Umweltorganisationen dies in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.globalwitness.org\/en\/archive\/new-eu-law-could-help-stop-natural-resource-trade-fuelling-conflict\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bericht<\/a>&nbsp;von 2013 gefordert haben. Sie k\u00e4mpfen f\u00fcr eine gesetzliche Verpflichtung der Unternehmen, ihre Lieferketten auf Konfliktmineralien hin zu analysieren und sicherzustellen, dass die genutzten Metalle menschenrechtskonform gef\u00f6rdert wurden. Die Mitglieder des EU-Parlaments haben im Mai 2015 f\u00fcr ein strenges Gesetz gestimmt, das \u00fcber dasjenige der USA hinausgeht und rund 880\u2019000 Unternehmen betr\u00e4fe. Nun m\u00fcssen dem Gesetz noch die EU-Mitgliedl\u00e4nder zustimmen, wobei sich wirtschaftsnahe Politiker f\u00fcr ein freiwilliges Regelwerk starkmachen. Die \u00abEU Conflict Minerals Legislation\u00bb steckt derzeit in der Abschlussphase und wird voraussichtlich noch im Sommer 2016 verabschiedet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere gestylten Smartphones sind ziemliche Dreckschleudern und hinterlassen auf der ganzen Welt Narben bei Mensch und Natur. Es ginge auch anders, wie erste Initiativen beweisen. 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