{"id":44664,"date":"2016-07-22T07:00:00","date_gmt":"2016-07-22T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44664"},"modified":"2020-05-21T16:06:19","modified_gmt":"2020-05-21T14:06:19","slug":"amazonas-nach-der-abholzung-nun-die-staudaemme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44664\/amazonas-nach-der-abholzung-nun-die-staudaemme\/","title":{"rendered":"Amazonas: Nach der Abholzung nun die Staud\u00e4mme"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Seit 1999 k\u00e4mpft Greenpeace im Amazonasgebiet erfolgreich gegen die Abholzung. Eine neue Gefahr f\u00fcr den Urwald und die dort lebenden Indigenen sind Megastaud\u00e4mme.<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abF\u00fcr ein einziges der geplanten Staubecken wird eine Fl\u00e4che so gross wie die Stadt New York geflutet\u00bb, sagt Greenpeace-Campaignerin Tica Minami (siehe Bild unten) aus Brasilien. Sie ist in die Schweiz gekommen, um ihre hiesigen Kolleginnen und Kollegen auf den neusten Stand zu bringen, was im Amazonasgebiet geplant ist: ein Megastaudamm-Projekt zur Erzeugung vermeintlich sauberer Energie. F\u00fcnf Kraftwerke, 7,6 Kilometer Staumauern, 729 Quadratkilometer Staubecken, 2235 Quadratkilometer wertvoller Urwald, der abgeholzt werden muss. Dereinst sollen es gar 43 Kraftwerke im Einzugsgebiet des Tapaj\u00f3s sein. Dieses Jahr hat Greenpeace seine international ausgerichtete Kampagne gegen den Bau des S\u00e3o Luiz do Tapaj\u00f3s im Herzen des brasilianischen Amazonasgebiets&nbsp;(siehe Kasten unten)&nbsp;gestartet. Die Megastaud\u00e4mme sind eine neue Bedrohung am Amazonas. Das f\u00fcr die Erde einzigartige \u00d6kosystem mit seiner unvergleichlichen Biodiversit\u00e4t ist erneut in Gefahr \u2013&nbsp;und das, nachdem zumindest in Brasilien der illegale Einschlag im Urwald massiv reduziert werden konnte, was auch ein Verdienst von Greenpeace ist.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/a82c9411-gp0stpob0_pressmedia.jpg\" alt=\"Munduruku in the Tapaj\u00f3s river, next to Sawr\u00e9 Muybu Indigenous Land, home to the Munduruku people, Par\u00e1 state, Brazil. Brazilian Government plans to build 43 dams in the Tapaj\u00f3s river basin. The largest planned dam, S\u00e3o Luiz do Tapaj\u00f3s, will impact the life of indigenous peoples and riverside communities. Mega-dams like these threaten the fragile biome of the Amazon, where rivers are fundamental to regeneration and distribution of plant species and the survival of local flora. Renewable energy, such as solar and wind, holds the key to Brazil\u2019s energy future. Munduruku no Rio Tapaj\u00f3s, na regi\u00e3o da Terra Ind\u00edgena Sawr\u00e9 Muybu, do povo Munduruku, no Par\u00e1. O governo brasileiro planeja construir 43 hidrel\u00e9tricas na bacia do Tapaj\u00f3s. A maior delas, S\u00e3o Luiz do Tapaj\u00f3s, ter\u00e1 impacto sobre a vida dos povos ind\u00edgenas e comunidades ribeirinhas. Barragens como essas amea\u00e7am o fr\u00e1gil bioma da Amaz\u00f4nia, onde os rios s\u00e3o fundamentais para a regenera\u00e7\u00e3o e distribui\u00e7\u00e3o de esp\u00e9cies vegetais e a sobreviv\u00eancia da flora local. Energias renov\u00e1veis, como solar e e\u00f3lica, det\u00eam a chave para o futuro energ\u00e9tico do Brasil. Itaituba, Par\u00e1. 22\/02\/2016. Foto: Valdemir Cunha\/Greenpeace.\" class=\"wp-image-1661\"\/><figcaption>Ein Munduruku-Mann im Tapaj\u00f3s. Mega-Staud\u00e4mme wie sie die brasilianische Regierung f\u00fcr die Heimat der Munduruku plant vertreiben V\u00f6lker wie dieses aus dem Gebiet, das sie seit Generationen bewohnen. Zudem bedrohen sie die fragile Fauna und Flora&nbsp;des Amazonas, wo Fl\u00fcsse wesentlich sind f\u00fcr die Regeneration und Verbreitung von verschiedensten Organismen. \u00a9 Valdemir Cunha \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Tica Minami war noch nicht dabei, als Greenpeace International Ende der 1990er Jahre beschloss, in der Amazonas-Stadt Manaus ein B\u00fcro zu er\u00f6ffnen, aber sie kennt die Anf\u00e4nge: \u00abFakten und Beweise auf den Tisch zu legen, ist eine unserer&nbsp;Kernkompetenzen. Als meine Kollegen von S\u00e3o Paulo aus anfingen, sich um den Amazonas zu k\u00fcmmern, merkten sie aber schnell, dass von dort oben keine verl\u00e4sslichen Informationen zu erhalten sind. Also entschied Greenpeace, mit einem eigenen B\u00fcro vor Ort zu sein.\u00bb Das n\u00f6tige Geld daf\u00fcr kam mehrheitlich aus der Schweiz \u2013 konkret: aus Basel.<\/p>\n\n<p>Muriel Bonnardin, die bei Greenpeace Schweiz&nbsp;seit \u00fcber zwanzig Jahren f\u00fcr Grossspenden und Legate zust\u00e4ndig ist, erinnert sich: \u00abDer Kunstsammler Ernst Beyeler interessierte sich immer sehr f\u00fcr das Thema Urwald. Er war sofort bereit, mitzuhelfen, das B\u00fcro in Manaus zu erm\u00f6glichen. Gemeinsam mit Freunden von ihm planten wir eine Amazonas-Benefizveranstaltung in der Fondation Beyeler. Er selber hat sie organisiert \u2013&nbsp;wir von Greenpeace mussten nur kommen und Redner und Fotos mitbringen, die die Zerst\u00f6rung sichtbar machten.\u00bb Rund&nbsp;200&nbsp;000 Franken seien an dem Abend zusammengekommen. \u00abDieses Geld erm\u00f6glichte es Greenpeace unter anderem, das B\u00fcro in Manaus bereits 1999 zu er\u00f6ffnen.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/2e2f69fe-gp1stoau_pressmedia.jpg\" alt=\"\u00dcberflug \u00fcber den Tapajos Fluss im brasilianischen Amazonas-Gebiet mit dem neuen Greenpeace Wasserflugzeug, einer Cessna 208 mit 10 Sitzen. \u00a9 Jannes Stoppel \/ Greenpeace\" class=\"wp-image-1669\"\/><figcaption>\u00dcberflug \u00fcber den Tapajos Fluss im brasilianischen Amazonas-Gebiet mit dem neuen Greenpeace Wasserflugzeug, einer Cessna 208 mit 10 Sitzen. \u00a9 Jannes Stoppel \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Das Team im Amazonas-B\u00fcro arbeitet seit 17 Jahren ausschliesslich an der Rettung des grossen Urwalds. \u00abWir starteten mit der Kampagne gegen die illegale Abholzung. Dabei zeigten wir zum Beispiel, wie sich die von den&nbsp;Holzfirmen gebauten Strassen in den Wald hineinfressen, mit immer tiefer gehenden Verzweigungen und Seitenarmen, und \u00fcberall dort, wo diese Strassen sind, verschwindet der Wald rundherum. Auf Karten sieht man, wie einzig gesch\u00fctzte Fl\u00e4chen und das Land der Ureinwohner verschont blieben. Das f\u00fchrte uns zur Strategie, eine Art gr\u00fcnen Schutzwall zu errichten, indem wir unter anderem die Ureinwohner unterst\u00fctzten, die offizielle Anerkennung f\u00fcr ihr Land zu erhalten und es zu kennzeichnen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Dennoch gab es 2004 einen Rekordverlust an Urwald: 24&nbsp;000 Quadratkilometer wurden in diesem Jahr gerodet. Zun\u00e4chst sah es noch so aus, als sei allein die Holzindustrie mit ihren legalen und illegalen Kahlschl\u00e4gen daf\u00fcr verantwortlich, aber dann realisierten&nbsp;unsere Fachleute vor Ort, dass sich da noch ein ganz anderes Gesch\u00e4ftsmodell entwickelte: Brandrodungen machten aus Urwald freie Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Soja sowie f\u00fcr Weideland f\u00fcr Rinder. Was tun? Tica: \u00abWir trauten uns noch nicht gleich an die in Brasilien so m\u00e4chtige Viehindustrie heran, also nahmen wir uns zuerst die Sojaindustrie vor. 2006 erwirkten wir ein Moratorium, mit dem sie sich verpflichtete, ab diesem Datum kein Soja mehr von Grossfarmern zu kaufen, die im Amazonas roden. Das Moratorium gilt noch heute und wurde nach jahrelangen Verhandlungen und Verl\u00e4ngerungen im Mai 2016, kurz vor dem Regierungswechsel, unbefristet verl\u00e4ngert.\u00bb<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/5b1d578d-gp0stpse7.jpg\" alt=\"Tica Minami von Greenpeace Brasil vor dem Banner\" class=\"wp-image-1732\"\/><figcaption>Tica Minami von Greenpeace Brasilien setzt sich vor dem Banner der Kampagne f\u00fcr den Erhalt des Tapaj\u00f3s und der Lebensregion der Mundurukus ein. \u00a9 Fran Ruchalski \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Mit dem Soja-Moratorium im Sack trat das Amazonas-Team nun mit Selbstvertrauen dem gr\u00f6ssten Treiber der Urwaldzerst\u00f6rung in Brasilien entgegen: der gef\u00fcrchteten Viehwirtschaft. Vertreter der drei gr\u00f6ssten Schlachth\u00f6fe in der Region waren nach dem Nachweis von unz\u00e4hligen illegalen Viehfarmen und einer internationalen Kampagne bereit, sich mit Greenpeace an einen Tisch zu setzen. Das Vieh-Abkommen kam 2009 zustande. Auch hier verpflichtet sich die Industrie, fortan nicht mehr bei Rinderz\u00fcchtern einzukaufen, die Urwald roden.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/d844ef93-gp0stpt7b_pressmedia.jpg\" alt=\"Eine abgestorbene Gegend in Par\u00e1 beginnt allm\u00e4hlich, neue G\u00e4ste zu beherbergen. Gem\u00e4ss m Jahr 2014 hatte der Staat die 7. gr\u00f6sste Herde des Landes. the state had the seventh largest flock of the country, according to the Ministry of Agriculture, Livestock and Supply. \" class=\"wp-image-1666\"\/><figcaption>Eine abgestorbene Gegend in Par\u00e1 beginnt allm\u00e4hlich, neue G\u00e4ste zu beherbergen. Nach Angaben des Ministeriums f\u00fcr Landwirtschaft, Tierbestand und Versorgung lebte hier im Jahr 2014 noch die 7. gr\u00f6sste Herde des Landes. \u00a9 Lunae Parracho \/ Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Aber das ist Tica Minami und ihren Kollegen nicht genug: \u00abUnser Ziel ist und bleibt null Abholzung im Urwald.\u00bb Um alle Vertreter der Viehwirtschaft an den Tisch zu bekommen, kn\u00f6pften sie sich als n\u00e4chstes die Supermarktketten vor. Sie sagten ihnen: \u00abBereits f\u00fcr \u00fcber die H\u00e4lfte des Fleisches in euren Regalen wurde kein Urwald zerst\u00f6rt. Ihr k\u00f6nnt doch auch die anderen dreissig bis vierzig Prozent von sauberen Produzenten nehmen!\u00bb Die frohe Botschaft kam vor kurzem:&nbsp;Die gr\u00f6ssten Supermarktketten Walmart und Casino f\u00fchrten zwischen M\u00e4rz und Mai 2016&nbsp;die Regel ein, nur noch bei Lieferanten einzukaufen, die nachweisen k\u00f6nnen, woher ihr Fleisch kommt. Darauf hat auch der Supermarkt-Gigant Carrefour gemeldet, man werde dasselbe tun.<\/p>\n\n<p>Unter anderem Kampagnen von Greenpeace und der Druck der Konsumentinnen und Konsumenten bewirkten in den letzten gut zehn Jahren, dass die Abholzung des Urwalds stark reduziert werden konnte. Ironischerweise profitiert auch die Regierung davon \u2013 sie verweist in Klimaverhandlungen gerne darauf, denn die dramatische Abholzung am Amazonas war zuvor Brasiliens gr\u00f6sster \u00abBeitrag\u00bb an den Klimawandel gewesen. Ende gut, alles gut? Nein. \u00abIn der Zwischenzeit\u00bb, sagt Tica Minami, \u00abheckte die Regierung f\u00fcr die Zukunft eine Energiestrategie aus, die auf Megastaud\u00e4mme im Amazonasgebiet setzt. Alle anderen Fl\u00fcsse im Land, die sich f\u00fcr die Energiegewinnung im grossen Stil eignen, sind bereits gestaut. Es bleibt nur der Amazonas. Die angeblich so notwendige zus\u00e4tzliche Produktion von Strom beruht auf Wirtschaftsprognosen, die f\u00fcr Brasilien ein grosses Wachstum voraussagten. Doch die mussten l\u00e4ngst revidiert werden. Im Februar dieses Jahres schrieb die NZZ, Brasiliens Wirtschaft befinde sich \u00abim freien Fall\u00bb.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/ed051feb-gp0stpoyn.jpg\" alt=\"Karte der Region rund um den Fluss Tapaj\u00f3s in Brasilien. \u00a9 Greenpeace\" class=\"wp-image-1726\"\/><figcaption>Karte der Region rund um den Fluss Tapaj\u00f3s in Brasilien. \u00a9 Greenpeace<\/figcaption><\/figure>\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Interview:&nbsp;War es Sabotage?<\/h2>\n\n<p><strong>Im Kampf gegen die illegale Abholzung und den Bau von Megastaud\u00e4mmen im Herzen des Amazonasgebiets ist Greenpeace auf ein Wasserflugzeug angewiesen. Ein Schweizer Grossspender hat den Kauf k\u00fcrzlich erm\u00f6glicht.<\/strong><\/p>\n\n<p><em><strong>Magazin Greenpeace:<\/strong> Greenpeace ist im Amazonasgebiet auf ein eigenes Wasserflugzeug angewiesen. Im vergangenen August st\u00fcrzte es ab. War das Sabotage?<\/em><\/p>\n\n<p><strong>Muriel Bonnardin<\/strong><em>:<\/em> Wir wissen es nicht. Unser erfahrener Pilot konnte eines Tages pl\u00f6tzlich nicht mehr landen: Bei jedem Versuch geriet eine der Kufen in Schr\u00e4glage. Irgendwann musste er aber dann doch aufsetzen \u2013 in diesem Moment sackte die Kufe unter Wasser ab. Der Pilot und sein Begleiter konnten sich retten, das Flugzeug versank. Es gab lange Untersuchungen durch die Versicherung. Ein Pilotenfehler konnte ausgeschlossen werden. Sie schauen jetzt noch, ob das Flugzeug manipuliert wurde oder ob es sich um einen technischen Fehler handelt. Die Untersuchung l\u00e4uft.<\/p>\n\n<p><em>Seid ihr f\u00fcr die aktuelle Kampagne auf ein Flugzeug angewiesen?<\/em><\/p>\n\n<p>Unbedingt! Wird der Tapaj\u00f3s-Megastaudamm gebaut, verliert das indigene Volk der Munduruku sein Land und seine Lebensgrundlage. Nur mit einem Wasserflugzeug k\u00f6nnen wir Leute aus dem Urwald herausholen und wieder zur\u00fcckbringen. Auch Journalisten k\u00f6nnen wir ins Gebiet fliegen. Ein Flugzeug brauchen wir aber auch, um Beobachtungsfl\u00fcge durchzuf\u00fchren und Beweisbilder und -filme zu machen. Denn noch immer wird im Amazonas auch gerodet. Illegalen Einschlag sieht man nur von oben und Satellitenbilder sind zu wenig detailliert und nicht immer aktuell.<\/p>\n\n<p><em>Wer finanziert nun ein neues Wasserflugzeug?<\/em><\/p>\n\n<p>Es ist bereits finanziert, wiederum dank einer Grossspende aus der Schweiz. Damit \u2013und mit dem, was die Versicherung bezahlt hat \u2013 konnten wir eine Occasions-Cessna in Manaus kaufen.<\/p>\n\n<p><em>Wer spendete das Geld?<\/em><\/p>\n\n<p>Die Person m\u00f6chte nicht genannt werden. Was ich sagen kann: Es ist eine sehr engagierte, kultur- und umweltaffine Privatperson. Wir nehmen ja keine Firmengelder.<\/p>\n\n<p><em>Warum wollen Grossspender anonym bleiben?<\/em><\/p>\n\n<p>Es gibt so viele Gr\u00fcnde, wie es Personen gibt. Bescheidenheit ist ein Grund. Oder auch dass jemand nicht \u00f6ffentlich mit Greenpeace in Verbindung gebracht werden m\u00f6chte. Wir sind eine Organisation, die polarisiert und bewusst Grenzen \u00fcberschreitet. Das kann man pers\u00f6nlich zwar m\u00f6gen \u2013 aber es heisst noch lange nicht, dass man sich \u00f6ffentlich dazu bekennen m\u00f6chte. Greenpeace zu unterst\u00fctzen kann auch eine Art rebellischer Akt sein, den man nicht an die grosse Glocke h\u00e4ngt, sondern f\u00fcr sich allein oder im kleinen Kreis geniesst.<\/p>\n\n<p>Der verstorbene Basler Kunstsammler Ernst Beyeler engagierte sich ganz \u00f6ffentlich: Er sammelte mit Freunden aus dem \u00abBasler Daigg\u00bb Geld f\u00fcr die Greenpeace-Flotte und sp\u00e4ter f\u00fcr ein Greenpeace-B\u00fcro am Amazonas \u2026<br>\nJa, er veranstaltete 1999 eine Benefizveranstaltung in seiner Fondation Beyeler, um Greenpeace mit einem eigenen B\u00fcro in Manaus die dauerhafte Pr\u00e4senz im Amazonas zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n<p><em>Was bewegte Beyeler dazu?<\/em><\/p>\n\n<p>Er war ein grosser Baumfreund. Er hatte ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den unvorstellbaren Wert dieses Urwalds mit seiner einzigartigen Biodiversit\u00e4t, seiner Flora und Fauna und den unz\u00e4hligen Arten, von denen selbst heute viele noch nicht einmal entdeckt sind.<\/p>\n\n<p><em>War sein Engagement f\u00fcr den Urwald eine einmalige Angelegenheit?<\/em><\/p>\n\n<p>Keineswegs. Im Rahmen der Christo-Ausstellung \u00abMagie der B\u00e4ume\u00bb gab er Greenpeace und WWF die M\u00f6glichkeit, ihre Amazonas-Kampagnen vorzustellen. Im Anschluss gr\u00fcndete er die Stiftung \u00abKunst f\u00fcr den Tropenwald\u00bb. Durch sie flossen regelm\u00e4ssige weitere Spendengelder in unsere und andere Projekte, die sich in diesem Bereich engagieren.<\/p>\n\n<p><em>Das Greenpeace-B\u00fcro in Manaus gibt es seit mittlerweile 17 Jahren. Wie ging es weiter mit der Schweizer Unterst\u00fctzung?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir f\u00fchrten verschiedene kleinere Benefizveranstaltungen durch. Es gibt einige Stiftungen und Privatpersonen, die sich explizit f\u00fcr den Amazonas interessieren und bereit sind, gr\u00f6ssere Betr\u00e4ge zu sprechen. Sie werden von uns regelm\u00e4ssig informiert, was mit ihrem Geld passiert, welche konkreten Massnahmen wir umsetzen, ob sie Erfolg haben und welchen Herausforderungen wir begegnen. Brasilien ist ein gef\u00e4hrliches Land, in Manaus und im Urwald herrschen Zust\u00e4nde wie im Wilden Westen.<\/p>\n\n<p><em>Die dortigen Mitarbeitenden von Greenpeace leben gef\u00e4hrlich?<\/em><\/p>\n\n<p>Sie tragen bei bestimmten Aktionen jedenfalls kugelsichere Westen. Es hat schon verschiedentlich Todesdrohungen gegeben. Als ich das letzte Mal dort war, war auch das Greenpeace-Auto entsprechend gepanzert.<\/p>\n\n<p><em>Gab es einen konkreten Vorfall?<\/em><\/p>\n\n<p>Nein, die Gr\u00f6sse und Bekanntheit unserer Organisation ist zugleich auch ein Schutz. Aber wir d\u00fcrfen das Risiko trotzdem nicht eingehen. Im Amazonasgebiet sind schon etliche Leute ums Leben gekommen: Geistliche, die sich f\u00fcr die Indigenen oder den Urwald engagiert hatten, Gewerkschafter und andere. Viele sind gestorben, weil sie sich f\u00fcr den Erhalt des Urwalds und den Schutz der Indigenenrechte einsetzten \u2013 auch Menschen, deren Namen man noch nie geh\u00f6rt hat. Deshalb haben wir diese strengen Sicherheitsvorkehrungen.<\/p>\n\n<p><em>Muriel Bonnardin Wethmar ist seit fast 25 Jahren f\u00fcr Greenpeace Schweiz (und z.T. f\u00fcr Greenpeace International) t\u00e4tig, wo sie u. a. die Key Account Programme (Projektspenden, Stiftungen und Erbschaften) aufgebaut hat und bis heute betreut. Dank ihrer langj\u00e4hrigen Mitarbeit bei Greenpeace Schweiz verf\u00fcgt sie \u00fcber ein breites Wissen der Organisation sowohl in Bezug auf die Greenpeace Flotte wie auch deren Aktivit\u00e4ten. Sie hat wiederholt Arbeitseins\u00e4tze an Bord der Rainbow Warrior II im Mittelmeer geleistet und geh\u00f6rte im Jahr 2005 zur Crew des Greenpeace-Schiffes MV Amazon bei der Amazonas-Expedition.<\/em><\/p>\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1999 k\u00e4mpft Greenpeace im Amazonasgebiet erfolgreich gegen die Abholzung. 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