{"id":44682,"date":"2016-08-12T07:00:00","date_gmt":"2016-08-12T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44682"},"modified":"2020-05-22T16:12:50","modified_gmt":"2020-05-22T14:12:50","slug":"die-natur-eine-maechtige-dienstleisterin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44682\/die-natur-eine-maechtige-dienstleisterin\/","title":{"rendered":"Die Natur \u2013 \u00adeine m\u00e4chtige Dienst\u00adleisterin"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Unsere wichtigste und gr\u00f6sste Dienstleisterin ist die Natur, ist die Erde selber. Ihre \u00d6kosysteme bilden ein komplexes Unternehmen mit vielen Teilhabern, in dem keiner ohne den anderen \u00fcberleben kann.<\/strong><\/p>\n\n<p>Die Dividenden sind regelm\u00e4ssig \u2013 und lebenserhaltend! Saubere Luft, der Schutz vor Hochwasser, die Best\u00e4ubung von Kulturpflanzen und sauberes Grundwasser sind nur einige der kostbaren G\u00fcter und Leistungen dieser \u00d6ko\u00adsysteme und\u00a0letztlich die Grundlage unserer Lebensqualit\u00e4t. Bei diesen \u00d6kosystemleistungen handelt es sich um \u00f6ffentliche G\u00fcter: Sie sind zwar\u00a0kostenlos, aber unbezahlbar \u2013 denn es gibt keinen Markt, wo man sie kaufen\u00a0k\u00f6nnte. Wir profitieren alle von diesen G\u00fctern und Leistungen, aber niemand f\u00fchlt sich daf\u00fcr verantwortlich. Die \u00dcbernutzung ist damit programmiert und mit dem steigenden Druck ver\u00e4ndert sich auch unsere Lebensqualit\u00e4t.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Umweltschutz ist g\u00fcnstig \u2013 kein Umweltschutz wird teuer<\/h4>\n\n<p>Wir m\u00fcssen heute nicht mehr dar\u00fcber nachdenken, was Umweltschutz kostet. Wir m\u00fcssen dar\u00fcber nachdenken, was kein Umweltschutz kostet.&nbsp;Die Europ\u00e4ische Union bezifferte die Ausgaben, mit denen wir f\u00fcr unser Nichthandeln haften m\u00fcssen, bis 2050 auf rund 4 Prozent ihres Brutto\u00adin\u00adlandprodukts.&nbsp;Das sind rund 585,2 Milliarden Euro, mit denen wir die heute noch von der Natur erbrachten Leistungen ersetzen oder bereits zer\u00adst\u00f6rte \u00d6kosysteme reparieren m\u00fcssen. Eine Quantifizierung der \u00d6kosystemleistungen soll das nun \u00e4ndern. Bis 2020 will das Bundesamt f\u00fcr Umwelt \u00ad(BAFU) in der Schweiz im Rahmen der Strategie \u00abBiodiversit\u00e4t Schweiz\u00bb alle \u00d6kosystemleistungen quantitativ erfassen k\u00f6nnen und dadurch mit&nbsp;bislang fehlenden Preissignalen neue Anreize f\u00fcr den Erhalt und die F\u00f6rderung der \u00d6kosysteme setzen.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Preisschilder f\u00fcr die Natur<\/h4>\n\n<p>Die Diskussion um eine monet\u00e4re Bezifferung der Natur kommt seit Jahren zu keinem g\u00fcltigen Schluss. Ihre Resultate seien stark von der Methode abh\u00e4ngig und daher umstritten, so die Forscher vom BAFU. F\u00fcr sie geht es nicht darum, Arten oder Biotopen ein Preisschild umzu\u00adh\u00e4ngen, sondern deren Bedeutung f\u00fcr Gesundheit, Sicherheit, Biodiver\u00adsit\u00e4t und wirtschaftliche Leistung wieder wertzusch\u00e4tzen und \u2013 darauf liegt&nbsp;die Hoffnung der Umwelt\u00f6konomen \u2013 den Wert der \u00d6kosysteme und ihrer Leistungen nicht als monet\u00e4re, sondern als moralische Instanz in politische wie \u00f6konomische Entscheidungen einfliessen zu lassen. Kritiker sehen in der monet\u00e4ren Erfassung von \u00d6kosystemleistungen eine Ge\u00ad\u00adfahr,&nbsp;denn was einen Preis hat, l\u00e4sst sich auch handeln. Ironischerweise steht dagegen, dass Geldeinheiten f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich sind und so gerade in reichen L\u00e4ndern wie der Schweiz f\u00fcr mehr Akzeptanz im Umweltschutz sorgen. Wie schwierig die quantitative Erfassung eines \u00d6kosystem ist, zeigt das Beispiel Wald: Als Erholungsort f\u00fcr Ruhesuchende, als nat\u00fcrlicher Filter f\u00fcr sauberes Trinkwasser, als R\u00fcckzugsort f\u00fcr \u00adWildtiere, als Pool der Artenvielfalt und als CO2-Speicher erf\u00fcllt der Wald zahlreiche Aufgaben. Den Wert des Waldes quantitativ festzulegen ist gar&nbsp;nicht so einfach \u2013 besonders bei Interessenskollisionen: So steigt bei einem gut besuchten Wald sein Wert als Erholungsort, w\u00e4hrend der Wert&nbsp;f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t sinkt.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die summenden Erntehelfer \u2013 Hummel, Biene und Co.<\/h4>\n\n<p>\u00abNat\u00fcrliche Produktionsunterst\u00fctzungsleistung\u00bb nennt die Landwirtschaft die kleinen Helferlein. Ohne Best\u00e4uberinsekten k\u00e4me bei Apfel, Kirsche und Tomate Handarbeit zum Zug \u2013 Bl\u00fcte f\u00fcr Bl\u00fcte. Die Berechnung des Werts der Best\u00e4uberleistung von Insekten wie der Honigbiene ist komplex. Allein der Erntewert der Schweizer Honigbienen f\u00fcr Obst und Beeren wurde 2002 auf 271 Millionen Franken gesch\u00e4tzt.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Pharma- und Kosmetikindustrie auf den Pfaden der Natur<\/h4>\n\n<p>Bioprospektion heisst die Wissenschaft der wirtschaftlichen Nutzbarmachung von Pflanzen. Besonders die Pharmaindustrie interessiert sich f\u00fcr&nbsp;den nahezu unersch\u00f6pflichen Vorrat an M\u00f6glichkeiten, die Mutter Natur f\u00fcr die Entwicklung neuer Produkte und Inhaltsstoffe bietet. Reich gef\u00fcllt und \u00fcppig bleibt der Korb nat\u00fcrlicher Vielfalt aber nur, wenn die Be\u00addingungen stimmen: stabile \u00d6kosysteme zum Schutz der Artenvielfalt. Wildsammlungen zum falschen Erntezeitpunkt oder Ernteraten \u00fcber der Regenerationsf\u00e4higkeit der Arten bringen nicht nur \u00d6kosysteme durch\u00adeinander, sondern treiben die Wildpopulationen an den Rand ihrer Existenz. Ein Beispiel ist der Candeia-Baum, aus dem das entz\u00fcndungs\u00ad\u00adhem\u00admende Alpha-Bisabolol gewonnen wird. Von der Zerst\u00f6rung von Le\u00adbens\u00ad\u00adr\u00e4umen \u00adzur Fl\u00e4chengewinnung f\u00fcr die Rohstoffproduktion geht die&nbsp;Zerst\u00f6rungskette weiter \u00fcber die Bodenerosionen und den Einsatz von D\u00fcngern und&nbsp;Pestiziden und endet schliesslich mit sogenannten Xeno\u00adbiotika \u2013 bioinkompatiblen Inhaltsstoffen im Abwasser, die unsere Kl\u00e4ranlagen nicht mehr herausfiltern k\u00f6nnen, sodass sie in B\u00e4chen und Fl\u00fcssen landen.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die Schutzleistung der Moore<\/h4>\n\n<p>Wer ein Moor entw\u00e4ssert, entl\u00e4sst nicht nur Unmengen an CO2 und Lach\u00adgas in die Atmosph\u00e4re, sondern riskiert auch, den Landschafts\u00adwasserhaushalt durcheinanderzubringen. Moore sind nicht nur Speicher klimasch\u00e4dlicher Gase und Lebensr\u00e4ume selten gewordener Arten, sie&nbsp;sind auch riesige Wasserspeicher. Torf ist unglaublich quellf\u00e4hig und die Moorvegetation nimmt grosse Niederschlagsmengen auf und gibt sie&nbsp;\u00fcber mehrere Tage verz\u00f6gert wieder ab: eine perfekte Regulierung des Landschaftswasserhaushalts. Moore sind also nicht nur eine einfache und&nbsp;kosteng\u00fcnstige Massnahme zum Einsparen von Klimagasen und zum Erreichen von Klimazielen, sie halten auch die Kosten f\u00fcr den Hoch\u00adwas\u00adserschutz vergleichsweise gering.<\/p>\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Facts<\/h4>\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Abnahme der \u00adBiodiversit\u00e4t und ihrer \u00d6kosystemleistungen bedeutet weltweit \u00adeinen Verlust von 4000 bis 18\u2009000&nbsp;Milliarden Franken im Jahr&nbsp;(BAFU, 2015).<\/li><li>4 Prozent des Brutto\u00adinlandproduktes der EU&nbsp;werden bis 2050 aufgrund unseres Nichthandelns ent\u00adstehen. Das sind um\u00adgerechnet 585,2\u00ad \u00adMilliarden Euro.<\/li><li>Bis zu 3400 Euro&nbsp;bringen eine Hektare Schutzgebiet in der EU. Der Anreiz, endlich mehr als nur traurige 6,5 Prozent der \u00adSchweizer Landesfl\u00e4che \u00adunter&nbsp;Schutz zu stellen, ist \u00adalso gegeben.<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere wichtigste und gr\u00f6sste Dienstleisterin ist die Natur, ist die Erde selber. 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