{"id":44735,"date":"2016-10-28T07:00:00","date_gmt":"2016-10-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44735"},"modified":"2020-05-23T12:03:07","modified_gmt":"2020-05-23T10:03:07","slug":"7-treffende-argumente-fuer-ihre-atomausstiegsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44735\/7-treffende-argumente-fuer-ihre-atomausstiegsdebatte\/","title":{"rendered":"Mach Dich fit: 7 treffende Argu\u00admente f\u00fcr die Atom\u00adausstiegsdebatte"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Am 27.\u2009November stimmt die Schweizer Bev\u00f6lkerung \u00fcber den geordneten Atomausstieg ab. Im Vorfeld bringen die Gegner Argumente auf den Tisch, die sich leicht widerlegen lassen.<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><span class=\"dropcap\">D<\/span>ie Atomausstiegsinitiative (AAI) steht nicht in Konkurrenz zur Energiestrategie 2050 des Bundes, sondern erg\u00e4nzt und unterst\u00fctzt sie mit klar definierten Etappenzielen: Bei einer Annahme werden 2017 Beznau 1 und 2 und M\u00fchleberg abgeschaltet, 2024 ist die Reihe an\u00a0G\u00f6sgen, 2029 soll Leibstadt als letztes Schweizer AKW vom Netz gehen. Von diesem Fahrplan w\u00fcrde die Binnenwirtschaft dank einem Investitionsschub im Bereich der erneuerbaren Energien profitieren.<\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-left p2\"><span class=\"s1\">Die Initiative bringt gutschweizerisch auf den Punkt, was die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung will: Planungssicherheit auf dem Weg in eine saubere Zukunft ohne atomare Risiken. Nachfolgend die sieben wichtigsten Argumente der Initiativgegner und die treffenden Antworten.<\/span><\/p>\n\n<p><strong>1 \u00abOhne Atomkraftwerke gehen die Lichter aus. Es kommt zu Engp\u00e4ssen in der Stromversorgung. Die Versorgungssicherheit ist nicht mehr gew\u00e4hrleistet.\u00bb<\/strong><br>\nDie Lichter werden in keinem Fall ausgehen. Zum einen deshalb, weil die Schweiz eines der am besten vernetzten L\u00e4nder Europas ist und jederzeit Strom importieren kann. Und zum andern, weil bei uns in den&nbsp;letzten Jahren die Produktion an erneuerbarer Energie (Solar, Wind, Wasser und Biomasse) so stark zugenommen hat, dass ein AKW von der Gr\u00f6sse M\u00fchlebergs schon ersetzt ist. Ausserdem warten auf der Liste der kostendeckenden Einspeiseverg\u00fctung (KEV) rund 55\u2009000 Kraftwerksprojekte mit einer Gesamtproduk<span class=\"s1\">tion von \u00fcber 10 Terawattstunden auf Bau oder Finanzierung. Zusammen mit den schon gebauten Anlagen k\u00f6nnte man schon heute mehr als die H\u00e4lfte des Atomstroms ersetzen. Wir m\u00fcssen nur wollen.<\/span><\/p>\n\n<p><strong>2 \u00abWenn wir die AKW abstellen, m\u00fcssen wir dreckigen Strom aus Europa importieren. Das macht uns vom Ausland abh\u00e4ngig und bewirkt, dass die Klimaziele nicht erreicht werden.\u00bb<\/strong><br>\nWir haben nicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wie jeder Einzelhaushalt kann auch die Schweiz als Land beschliessen, nur Strom aus erneuerbarer Energie zu kaufen. Wenn wir parallel dazu unser Potenzial an einheimischen erneuerbaren Energien aussch\u00f6pfen, wird die Abschaltung des letzten AKWs im Jahr 2029 unsere Unabh\u00e4ngigkeit sogar erh\u00f6hen, denn Uran&nbsp;m\u00fcssen wir ja auch importieren. Kommt dazu, dass unsere Stromversorger im Ausland so viele erneuerbare Anlagen hinzugebaut haben, dass damit zwei Schweizer Atomreaktoren \u00fcberfl\u00fcssig geworden sind. Der Atomausstieg \u00e4ndert im \u00dcbrigen nichts daran, dass unsere Nachbarl\u00e4nder ihre fossilen Kraftwerke in den n\u00e4chsten Jahren abschalten m\u00fcssen, um ihre Klimaziele zu erreichen.<\/p>\n\n<p><strong>3 \u00abWir sollten an unserer bew\u00e4hrten Stromversorgung festhalten, solange sie sicher&nbsp;funktioniert. Die Atomaufsichtsbeh\u00f6rde ENSI sorgt schon daf\u00fcr, dass unsichere AKW abgeschaltet werden.\u00bb<\/strong><br>\nDas sieht das ENSI mittlerweile nicht einmal mehr selber so. Es hat vom Parlament Verbesserungen der Gesetze verlangt, damit es seine Aufgabe besser erf\u00fcllen und die Sicherheit erh\u00f6hen kann.&nbsp;National und St\u00e4nderat haben dem ENSI aber eine nicht zu verantwortende Absage erteilt. Niemand \u2013 auch nicht das ENSI \u2013 kann garantieren, dass es in den Schweizer Atomkraftwerken zu keinen Unf\u00e4llen kommt. Von einem sicheren, funktionierenden System kann nicht die Rede sein.<\/p>\n\n<p><strong>4 \u00abBei einer Annahme der Initiative werden die AKW-Betreiber Schadenersatz fordern. Wir zahlen das doppelt: mit unseren Steuern&nbsp;und h\u00f6heren Stromkosten. So wird Volksverm\u00f6gen vernichtet!\u00bb<\/strong><br>\nEin wichtiger Faktor ist die Stromschwemme in Europa. Deswegen sind die Preise gefallen und deswegen sind die AKW nicht mehr rentabel. Das hat aber mit der Initiative nichts zu tun. F\u00fcr unrentable Kraftwerke wird es keinen Schadenersatz geben. Die Stromschwemme kann man reduzieren, indem man Kraftwerke abschaltet und stilllegt. Die Initiative leistet also einen Beitrag zu einer Erholung am Strommarkt \u2013 und hilft damit insbesondere der Schweizer Wasserkraft. Ein geordneter Ausstieg ist zudem g\u00fcnstiger als ein ungeordneter, wie das Beispiel Beznau zeigt. Und extrem viel g\u00fcnstiger als ein GAU.<\/p>\n\n<p><strong>5 \u00abWie k\u00f6nnen wir auf AKW verzichten, wenn wir immer mehr Strom verbrauchen? Bev\u00f6lkerung und Wirtschaft wachsen, W\u00e4rmepumpen und Elektromobilit\u00e4t brauchen zus\u00e4tzlichen Strom.\u00bb<\/strong><br>\nDie Schweiz verbraucht heute trotz Wirtschafts- und Bev\u00f6lkerungswachstum noch&nbsp;immer ungef\u00e4hr gleich viel Strom wie vor 10 Jahren. Das Energiesparpotenzial ist trotz technologischer Fortschritte nach wie vor bei weitem nicht ausgesch\u00f6pft, beispielsweise in der Geb\u00e4udetechnik. Dass zus\u00e4tzliche W\u00e4rmepumpen und die&nbsp;Elektrifizierung des Verkehrs den&nbsp;Stromverbrauch erh\u00f6hen, ist richtig. Weil aber immer noch jede dritte Kilowattstunde verschwendet wird, kann dieser Mehrverbrauch kompensiert werden. Ausserdem wird die Stromproduktion aus einheimischen erneuerbaren Energiequellen in den n\u00e4chsten Jahren deutlich zunehmen.<\/p>\n\n<p><strong>6 \u00abEin Stromsystem aus hundertprozentig erneuerbaren Energiequellen ist gar nicht m\u00f6glich, denn es brauchte immense Speicher, um den unregelm\u00e4ssig anfallenden Solar- und Windstrom auszugleichen.\u00bb<\/strong><br>\nMit den Stauseen in den Alpen besitzt die Schweiz bereits grosse Energiespeicher. Ausserdem ist sie bestens mit Europa vernetzt. Berechnungen der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid zeigen, dass ein Stromsystem aus hundertprozentig erneuerbaren Energiequellen machbar ist. F\u00fcr kurzfristige lokale \u00dcbersch\u00fcsse gibt es kosteng\u00fcnstige L\u00f6sungen. Und neue Technologien wie Smart Grids, welche Produktion und Verbrauch aufeinander abstimmen, haben ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Potenzial.<\/p>\n\n<p><strong>7 \u00abAuch erneuerbare Energien belasten die&nbsp;Umwelt.\u00bb<\/strong><br>\nDas stimmt! Energie einzusparen ist deshalb immer noch die beste L\u00f6sung. Zwischen den Energietr\u00e4gern gibt es&nbsp;jedoch betr\u00e4chtliche Unterschiede: Atomstrom hat \u00fcber den ganzen Zyklus hinweg gesehen \u2013 also von der F\u00f6rderung der Rohstoffe bis zum Recycling oder zur&nbsp;Entsorgung der Abf\u00e4lle \u2013 eine viel schlechtere Umweltbilanz als alle erneuerbaren Energietr\u00e4ger. Zudem ist die Frage der Endlagerung des Atomm\u00fclls weiterhin nicht gel\u00f6st.<\/p>\n\n<p><em>Mach Dich fit f\u00fcr die Abstimmung: Weitere News, Film-&amp; Buchtipps wie Du Dein Wissen in Sachen Atom und Energiezukunft f\u00fcr die Atomdebatte vertiefen kannst:&nbsp;<\/em><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/8589da6e-atomnews_buchtipps-scaled.jpg\" alt=\"atomnews_buchtipps\" class=\"wp-image-2362\"\/><\/figure>\n\n<p><em>Internationale Atomnews:<\/em><\/p>\n\n<p><strong>Schweden: Dreckige Energie kostet \u2013 falsche Signale auch<\/strong><br>\nMit dem Unfall von Three Mile Island (USA) Ende 70er Jahre beschloss Schweden per Volksabstimmung den Ausstieg aus der Atomenergie. Doch 2010 sollten die alten Meiler wieder durch neue AKW-Bauten ersetzt werden. Noch 2015 war klar, dass der Widerstand der Opposition zu gross und die wirtschaftlichen Interessen zu schwach waren. Ein Jahr sp\u00e4ter will Schweden nun dennoch den Bau neuer Reaktoren zulassen \u2013 ein Fehler, der sich vor allem finanziell zeigen d\u00fcrfte: Schwedens Gesetz schliesst Subventionen f\u00fcr die Atomkraft ebenso klar aus, wie die Haftungskosten f\u00fcr AKW-Betreiber. Wer also in Strahlenenergie investieren will, muss dies \u00fcber andere Wege finanzieren. Zudem lautet das gesetzlich festgelegte Ziel, \u00abSchweden bis 2040 komplett mit erneuerbaren Energien zu versorgen\u00bb.<\/p>\n\n<p><strong>Frankreich: Das erste Endlager f\u00fcr hochradioaktive Abf\u00e4lle<\/strong><br>\nIn Frankreich ist der Entscheid f\u00fcr den Standort von Europas erstem Endlager f\u00fcr hochradioaktiven Abfall gefallen: In 500 Metern Tiefe will die franz\u00f6sische Regierung im Nordosten des Landes unweit des Dorfes Bure ab 2030 hochradioaktiven Atomm\u00fcll lagern.<\/p>\n\n<p><strong>S\u00fcdafrika: Fehlgriff in Sachen Energiepolitik<\/strong><br>\nS\u00fcdafrika hat Sonne satt und genug R\u00fcckenwind f\u00fcr erneuerbare Energien. Trotzdem beabsichtigt das Land am Kap, bis 2030 in mindestens sechs neue Atomkraftwerke zu investieren. Mitinvestor ist die zwielichtige Atommacht Russland. Greenpeace ist \u00fcberzeugt, dass Atomkraft nicht die Antwort auf S\u00fcdafrikas Energiekrise sein kann, und setzt sich f\u00fcr Investitionen in erneuerbare Energien ein. <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/africa\/en\/campaigns\/Climate-change\/No-Nuclear-Campaign\/#getinvolved\">Greenpeace<\/a> fordert ausserdem, das einzige Atomkraftwerk des Landes, Koeberg, endlich auslaufen zu lassen und die erneuerbaren Ressourcen Sonne und Wind zu nutzen.<\/p>\n\n<p><strong>Fukushima: \u00dcber den Ozean<\/strong><br>\nAls im M\u00e4rz 2011 drei Reaktoren des AKWs Fukushima Daiichi explodierten, wehte der Wind den gr\u00f6ssten Teil der Strahlung aufs offene Meer. Wie viel Radioaktivit\u00e4t dabei in den Pazifik gelangte, ist unklar. Die meisten Sch\u00e4tzungen gehen von 30 Petabecquerel aus, das sind 30 Billiarden Becquerel: eine Zahl mit 16 Nullen. Vor Japans K\u00fcste treffen gewaltige Str\u00f6mungen aufeinander, deren Wassermassen die Strahlung stark verd\u00fcnnen. Trotzdem bedeutet das <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/sites\/www.greenpeace.de\/files\/publications\/fukushima_atomicdepths_21072016.pdf\">keine Entwarnung<\/a>, denn wie sich das \u00d6kosystem Meer und seine Bewohner unter dieser Belastung weiterentwickeln k\u00f6nnen, ist noch ungewiss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27.\u2009November stimmt die Schweizer Bev\u00f6lkerung \u00fcber den geordneten Atomausstieg ab. 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