{"id":44743,"date":"2016-11-01T07:00:00","date_gmt":"2016-11-01T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44743"},"modified":"2020-05-23T12:12:31","modified_gmt":"2020-05-23T10:12:31","slug":"die-axpo-und-die-transparenz-ein-trauerspiel-in-fuenf-akten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44743\/die-axpo-und-die-transparenz-ein-trauerspiel-in-fuenf-akten\/","title":{"rendered":"Die Axpo und die Transparenz \u2013 ein Trauerspiel in f\u00fcnf Akten"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die Beznau-Betreiberin informiert die Bev\u00f6lkerung v\u00f6llig unzureichend \u00fcber den Zustand des \u00e4ltesten AKW der Welt. Was hat die Axpo zu verbergen?<\/strong><\/p>\n\n<p><strong>Prolog: Neutronenfeuer<\/strong><br>Niemand vermag sie zu z\u00e4hlen, all die Neutronen, die in all den Jahrzehnten im Reaktor von Beznau auf die Stahlwand des Druckbeh\u00e4lters geprasselt sind. Niemand weiss, was dieses Feuerwerk genau angerichtet hat mit dem Herzst\u00fcck des AKW. Klar ist nur: Sie haben den Stahl zerm\u00fcrbt; verspr\u00f6det, wie es im Fachjargon heisst.<\/p>\n\n<p><strong>1. Akt: Schwarzmaler<\/strong><br>Ein paar wenige Menschen wissen etwas genauer, wie zerm\u00fcrbt der Reaktordruckbeh\u00e4lter von Beznau ist. Und wenn es nach ihnen geht, dann sollen sie die Einzigen bleiben. Auf rund tausend Seiten hat die Axpo dokumentiert, wie es um das alte Herzst\u00fcck ihres AKW steht. Greenpeace Schweiz will diese Geheimniskr\u00e4merei beenden und fordert, gest\u00fctzt auf das \u00d6ffentlichkeitsgesetz, die Herausgabe des Berichts. Die einleuchtende Begr\u00fcndung: Die Bev\u00f6lkerung \u2013 immerhin die Leidtragende, wenn es beim \u00e4ltesten AKW der Welt zum Schlimmsten kommt \u2013 hat ein Recht auf vollst\u00e4ndige Information. Doch dieses Anrecht auf Transparenz wird von der Axpo und der Atomaufsichtsbeh\u00f6rde ENSI verwehrt: Trotz langem juristischem Hin-und-her erh\u00e4lt Greenpeace gerade einmal 50 Seiten des Berichts. Und selbst diese sind fast bis zur Unkenntlichkeit mit Schwarzstift bearbeitet worden.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/cd519eeb-aufmacherbild_energiewende.jpg\" alt=\"Der geschw\u00e4rzte Bericht der Axpo\" class=\"wp-image-2389\"\/><figcaption>Der geschw\u00e4rzte Bericht der Axpo<\/figcaption><\/figure>\n\n<p><strong>2. Akt: \u00abUnregelm\u00e4ssigkeiten\u00bb<\/strong><br>Manchmal braucht man keinen Schwarzstift, um unliebsame Informationen zu verdecken. Statt hinter schwarzer Farbe kann man was einem unangenehm ist auch hinter Worth\u00fclsen verstecken. Am 16. Juli 2015 verschickt die Axpo eine Medienmitteilung mit dem sch\u00f6nen Titel \u00abKernkraftwerk Beznau: Reaktordruckbeh\u00e4lterdeckel erfolgreich aufgesetzt \u2013 Zeitliche Anpassungen bei den Revisionen von Block 1 und 2\u00bb. Die Meldung, die sich hinter diesem Titel versteckt, hat Z\u00fcndstoff: Im zerm\u00fcrbten Herzst\u00fcck von Block 1 des AKW Beznau wurden bei Ultraschalluntersuchungen Schwachstellen entdeckt \u2013 was die Axpo nat\u00fcrlich nicht so schreibt. Sondern so: Es seien \u00aban einigen Stellen Anzeigen registriert\u00bb worden, \u00abdie auf minimale Unregelm\u00e4ssigkeiten aus dem Herstellungsprozess hinweisen\u00bb. Die Wiederinbetriebnahme des \u00e4ltesten AKW der Welt verschiebe sich voraussichtlich auf Ende Oktober 2015.<\/p>\n\n<p>Heute, Anfang November 2016, ist Beznau 1 noch immer nicht am Netz. Und es brauchte erst eine Indiskretion aus der Energiekommission des Nationalrats, damit nur die Zahl der Schwachstellen ans Licht kam: Es sind fast 1000. Ein paar weitere Informationstr\u00f6pfchen liess die Axpo ab und an ihren Informationsfilter passieren. Dann n\u00e4mlich, wenn es ihrem Ziel, Beznau wieder in Betrieb zu nehmen, dienlich schien. Oder wenn der \u00f6ffentliche Druck doch zu gross werden drohte.<\/p>\n\n<p><strong>3. Akt: Druck<\/strong><br>Druck aufbauen, ein Schlaglicht zu werfen auf unsaubere Gesch\u00e4ftspraktiken, das geh\u00f6rt zu den Kernkompetenzen von Greenpeace. Unterst\u00fctzt von 40 weiteren Organisationen lanciert die Umweltorganisation im Fr\u00fchling 2016 eine klare Forderung an die Versteckis-Spieler bei der Axpo: Die Beznau-Betreiberin soll alle Fakten zum Zustand des AKW auf den Tisch legen und sich dann einem \u00f6ffentlichen Hearing mit unabh\u00e4ngigen Experten stellen.<\/p>\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/utjOdfMM5SI\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"utjOdfMM5SI\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n\n<p>\u00dcber 8000 Privatpersonen sind es letztlich, welche die Axpo ebenfalls auffordern, sich dem Hearing zu stellen. Diese weigert sich \u2013 ein Hearing sei \u00abnicht zielf\u00fchrend\u00bb.<\/p>\n\n<p>Mit anderen Worten: Das Ziel der Axpo ist es offenbar nicht, die Bev\u00f6lkerung umfassend zu informieren. Ob es vielleicht andere Mittel und Wege gibt, Licht in die Blackbox Beznau zu bringen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5wl0r1AO6oU\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5wl0r1AO6oU<\/a><\/p>\n\n<p>Die Axpo, beziehungsweise deren Medienchef Rainer Meier, hat f\u00fcr die ernst gemeinte Aufforderung von Greenpeace nur H\u00e4me \u00fcbrig:<\/p>\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote twitter-tweet is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p dir=\"ltr\" lang=\"de\"><a href=\"https:\/\/twitter.com\/Oliver_Classen\">@Oliver_Classen<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/fkasser\">@fkasser<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/axpo\">@axpo<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Weltwoche\">@Weltwoche<\/a> <a href=\"https:\/\/twitter.com\/alex_baur\">@alex_baur<\/a> \u00dcbrigens: war heute DER Br\u00fcller in Beznau. Bin sicher, es kommt kistenweise Material-;)<\/p><p>\u2014 Rainer Meier (@rainmeie) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/rainmeie\/status\/771285725262204928\">1. September 2016<\/a><\/p><\/blockquote>\n\n<p><script async=\"\" src=\"\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n\n<p>Dies lassen Greenpeace-AktivistInnen nicht auf sich sitzen. Kurze Zeit sp\u00e4ter verwandeln sie den Axpo-Hauptsitz in Baden in eine Blackbox. Als Erinnerung daf\u00fcr, was die \u00d6ffentlichkeit von der Axpo fordert, hinterlassen sie ein grosses Transparent mit dem Hinweis \u00abWir haben ein Recht auf Transparenz\u00bb, auf das sie die Namen s\u00e4mtlicher \u00fcber 8000 Personen schreiben, die den Aufruf an die Axpo unterzeichnet haben.<\/p>\n<div data-render=\"planet4-blocks\/gallery\" data-attributes=\"{&quot;attributes&quot;:{&quot;multiple_image&quot;:&quot;54753,54752,54751,54750&quot;,&quot;image_data&quot;:[{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54753},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54752},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54751},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54750}],&quot;gallery_block_style&quot;:0,&quot;gallery_block_title&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_description&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_focus_points&quot;:&quot;&quot;,&quot;images&quot;:[{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/e6e83bf0-gp0stq421_medium_res-1024x682-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Rund 30 Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace haben heute Morgen ein Glasgeb\\u00e4ude des Axpo-Hauptsitzes in Baden (AG) mit schwarzem Stoff verh\\u00fcllt. Mit der friedlichen Protest-Aktion wollen sie aufzeigen, wie intransparent die Axpo zum Zustand des AKW Beznau kommuniziert und fordern, dass endlich Licht in die Blackbox kommt.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/022a5dfc-gp0stprhl_medium_res-1024x682-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Mit dem Slogan \\u00abWorld\\u2019s oldest nuclear reactor\\u00bb begr\\u00fcsst Greenpeace Schweiz ankommende Touristen. Der Wegweiser auf einem Feld beim Flughafen ist so gross wie ein halbes Fussballfeld und ist beim Landeanflug nach Z\\u00fcrich-Kloten gut sichtbar. Greenpeace erinnert damit an eine unangenehme Wahrheit: In der Schweiz steht das \\u00e4lteste AKW der Welt \\u2013 mitten in dicht besiedeltem Gebiet.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/bb083f21-foj3721-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Hearing zum Zustand des AKW Beznau im Trafo in Baden\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751.jpg 896w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2016\\\/11\\\/3b8c73a8-foj3751-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;}]}}\"><\/div>\n<p><strong>4. Akt: Anh\u00f6rung<\/strong><br>Ein Donnerstagabend Ende Oktober. Der Saal 36-3 im Trafo Baden ist voll. \u00dcber 100 Personen haben sich eingefunden, um sich selbst ein Bild zu machen \u00fcber den Zustand des AKW Beznau. Das im Fr\u00fchling geforderte \u00f6ffentliche Hearing, heute findet es statt. Und, man h\u00f6re und staune, sogar die Axpo ist anwesend. Also zumindest ein bisschen. Echte Transparenz wird die AKW-Betreiberin auch an diesem Abend nicht herstellen. Aber immerhin ihren Kommunikationschef Rainer Meier auf dem Politpodium Stimmung machen lassen gegen die Initiative f\u00fcr den geordneten Atomausstieg, die einen Monat sp\u00e4ter zur Abstimmung kommt.<\/p>\n\n<p>Vorher aber streiten sich die Expertinnen mit den Experten. Material-Expertin Simone Mohr vom \u00d6ko-Institut h\u00e4lt gleich zu Beginn fest, wie d\u00fcrftig die Informationspolitik der Axpo ist verglichen mit den von \u00e4hnlichen Problemen geplagten belgischen AKW-Betreibern: \u00abIn der Schweiz gab es lediglich drei Axpo-Mediengespr\u00e4che mit technisch nicht unbedingt ausreichendem Inhalt.\u00bb Die Axpo wiederum erh\u00e4lt Sch\u00fctzenhilfe f\u00fcr ihre Botschaft, die Schwachstellen im Herzst\u00fcck seien harmlos, von Ulf Ilg, einem Material-Ingenieur, der im deutschen AKW Philippsburg gearbeitet hatte. Die Schwachstellen, gem\u00e4ss der Axpo als Aluminiumoxid identifiziert, h\u00e4lt Ilg f\u00fcr harmlos: \u00abOxide sind ganz normal.\u00bb Gem\u00e4ss internationalen Richtlinien haben aber solche sogenannten Inhomogenit\u00e4ten im Reaktorstahl nichts zu suchen.<\/p>\n\n<p>Der Rest der Experten-Debatte entzieht sich dann weitgehend dem Laien-Verst\u00e4ndnis. Was bleibt sind zwei Erkenntnisse: Die Blackbox Beznau bleibt dicht, und die Einsch\u00e4tzungen zur Sicherheit eines AKW gehen selbst bei profunden Kennern der Materie weit auseinander. Beides nicht unbedingt vertrauenserweckende Befunde.<\/p>\n\n<p><strong>5. Akt: Kampf<\/strong><br>Wenn selbst unter Experten in keiner Weise Konsens herrscht zur Sicherheit eines AKW, dann wird diese Verhandlungssache und Juristenfutter. Das zeigt eine Enth\u00fcllung der \u00abSonntagsZeitung\u00bb vom vergangenen Wochenende erneut: Die Axpo versucht auf juristischem Weg diejenige Verordnung auszuhebeln, die massgeblich die Sicherheitsbestimmungen der AKW festlegt. Jene Verordnung, auf die sich Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard im laufenden Abstimmungskampf zur Atomausstiegsinitiative implizit beruft, wenn sie ihr Mantra wiederholt, die AKW sollen solange laufen, wie sie \u00absicher\u00bb sind. \u00abDie Axpo f\u00e4llt Doris Leuthard in den R\u00fccken\u00bb, h\u00e4lt Florian Kasser, Atomexperte von Greenpeace Schweiz, fest. Und sie erweist so den Gegnern der Initiative mit diesen \u2013 selbstverst\u00e4ndlich zuvor geheim gehaltenen \u2013 juristischen Winkelz\u00fcgen einen B\u00e4rendienst.<\/p>\n\n<p>Wie ein verwundeter B\u00e4r verh\u00e4lt sich die Axpo denn auch im Abstimmungskampf. Es wirkt verzweifelt, wenn ihr Chef Andrew Walo gleichentags in der \u00abNZZ am Sonntag\u00bb die grosse Keule auspackt und mit Schadenersatzklagen in der H\u00f6he von 4 Milliarden Franken droht, falls die Initiative angenommen wird. Die Drohung ist so leer wie die Kassen der Axpo. Rechtsexperten \u2013 selbst aus den Reihen der atomfreundlichen SVP \u2013 rechnen nicht damit, dass die Stromkonzerne f\u00fcr ihre Steuergeldverdunster-AKW tats\u00e4chlich Schadenersatz erhalten.<\/p>\n\n<p><strong>Epilog: Bye-bye Beznau<\/strong><br>Die Hoffnung, dass die Axpo irgendwann doch noch Licht in die Blackbox Beznau bringt, sie muss, n\u00fcchtern betrachtet, als relativ gering eingesch\u00e4tzt werden. Die Hoffnung seitens der Axpo, mit all den Tricksereien und all der Heimlichtuerei zu erreichen, dass das AKW Beznau tats\u00e4chlich noch seinen 60. Geburtstag feiert (was die Axpo ernsthaft anzustreben vorgibt), kann nicht viel gr\u00f6sser sein. Das Ende des \u00e4ltesten AKW der Welt, es ist nahe.<\/p>\n\n<p>Und damit wird es langsam wirklich gef\u00e4hrlich.<\/p>\n\n<p>Die Gefahr ist gross, dass die finanziell angeschlagene Axpo noch den letzten Batzen rauspressen will aus dem alten Werk, ohne in die Sicherheit zu investieren. Um diese Gefahr zu bannen, bleibt als einzige vern\u00fcnftige L\u00f6sung: dem \u00e4ltesten AKW der Welt den Stecker ziehen, bevor es zu sp\u00e4t ist \u2013 auch ohne zu wissen, in welchem Zustand es sich genau befindet.<\/p>\n\n<p><em>Die Hintergr\u00fcnde zur Geschichte findest du unter http:\/\/byebyebeznau.ch\/wissenswertes\/<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Beznau-Betreiberin informiert die Bev\u00f6lkerung v\u00f6llig unzureichend \u00fcber den Zustand des \u00e4ltesten AKW der Welt. 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