{"id":44788,"date":"2016-12-16T07:00:00","date_gmt":"2016-12-16T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44788"},"modified":"2020-05-23T13:29:18","modified_gmt":"2020-05-23T11:29:18","slug":"die-letzte-meile-freie-fahrt-dem-onlinehandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44788\/die-letzte-meile-freie-fahrt-dem-onlinehandel\/","title":{"rendered":"Die letzte Meile &#8211; Freie Fahrt dem Onlinehandel"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Onlinehandel hat den Ruf, die Umwelt zu sch\u00e4digen. Der vermehrte G\u00fcterverkehr produziere Stau und Treibhausgase, mehr als der Einkauf in der Ladenmeile. Doch ist die Lage wirklich klar? Eine deutsche Studie befeuert die Diskussion um den ersten Platz im Klimahimmel.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">D<\/span>ie Wetten f\u00fcr das Rennen sind gesetzt. Der schwere Motor brummt. Bis unters Dach ist der Lastwagen mit Paketen gef\u00fcllt. Alle sind sie gekommen: die Konsumenten, die Onlineh\u00e4ndler, die Ladengesch\u00e4fte \u2013 und nicht zuletzt auch wir, die Besserwisser. Wir wollen es genauer wissen. Kann die komfortable Lieferung unserer Schuhe in die heimische Stube umweltfreundlicher sein, als wenn wir sie vor Ort einkaufen?<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Startklar f\u00fcr das Rennen: Gemessen wird der CO2-Ausstoss<\/h3>\n\n<p>Eine <a href=\"http:\/\/www.dcti.de\/fileadmin\/pdfs_dcti\/DCTI_Studien\/Studie_Klimafreundlich_Einkaufen_WEB.pdf\">Studie<\/a> des politisch und wirtschaftlich unabh\u00e4ngigen Deutschen CleanTech Instituts (<a href=\"http:\/\/www.dcti.de\/\">DCTI<\/a>) kommt zum Schluss: Ja, sie kann. Trotz vieler Warenr\u00fccksendungen ist online einkaufen \u00f6kologischer. Die Studie von 2015 unter der Leitung von Linda Fahmy vergleicht die CO2-Bilanz des Online- und des station\u00e4ren Einkaufs in Deutschland. Die Daten stammen von der Otto Group und ihrem Auslieferer Hermes sowie einer Befragung von tausend Konsumentinnen und Konsumenten. Betrachtet wird die so genannte \u00abletzte Meile\u00bb: der Weg, den das Paket vom Lager bis zu mir auf dem dem K\u00fcchentisch zur\u00fccklegt.<\/p>\n\n<p>Das Ergebnis \u00fcberrascht. Doch w\u00e4hrend der Konsument seine Eink\u00e4ufe noch klassisch mit dem Auto erledigt, setzt der Onlinehandel bereits auf eine effizientere Warenauslieferung. Die f\u00e4ngt schon bei der Verpackung an. 1,5 Liter Luft wurden pro P\u00e4ckchen seit der Optimierung eingespart. Das sind \u00fcber 500 LKW-Ladungen pro Jahr in Deutschland. Die Pakete werden ausgekl\u00fcgelt zugestellt, um zweimalige Anfahrten zu vermeiden. So spart man Sprit \u2013 und damit bares Geld.<\/p>\n\n<p>Onlineh\u00e4ndler t\u00fcfteln fleissig an neuen L\u00f6sungen, um den Verbrauch von Treibstoff zu reduzieren \u2013 sei es beim sechstonnigen Elektro-LKW, der ab November auf der deutschen Strasse f\u00e4hrt, oder beim Umwelthinweis, die Bluse nur in einer Gr\u00f6sse zu bestellen, um Retouren zu vermeiden. Die \u00d6kologie steht dabei nicht im Vordergrund, sondern das Geld. Willkommener Nebeneffekt: Das Klima wird geschont.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Boxenstopp \u2013 Blick auf die Messger\u00e4te: Onlinehandel liegt vorn<\/h3>\n\n<p>Doch kann man einer Studie glauben, die vom Onlinehandel in Auftrag gegeben wird? Der Mobilit\u00e4tsforscher Thomas Sauter-Servaes von der ZHAW&nbsp;School of Engineering&nbsp;in Winterthur stellt diese Frage in den Raum. Er zweifelt nicht an der Methodik. Jedoch: \u00abDa werden gewisse Parameter nach Belieben ein- und ausgeblendet.\u00bb Die Herstellung des Verpackungsmaterials werde nicht einbezogen, genauso wenig Emissionen durch die Lagerhalle. Besonders fehle ihm \u00abdas Potenzial, das Menschen in der Stadt haben. Das finde ich schade.\u00bb Denn der Konsument k\u00f6nne \u2013 rein theoretisch \u2013 zu Fuss einkaufen gehen. Und das produziert kein CO2.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Runde zwei: Der station\u00e4re Einzelhandel \u00fcberholt<\/h3>\n\n<p>Studienleiterin Linda Fahmy vom DCTI best\u00e4tigt diese Aussagen. \u00abW\u00fcrde man alles rund um die Verpackung einberechnen, k\u00f6nnte das Ergebnis anders ausfallen.\u00bb Doch st\u00fcnden dazu von Otto und Hermes keine Daten zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n<p>Den Konsumenten zu Fuss dagegen habe man bewusst nicht einberechnet. Die Realit\u00e4t zeige ein anderes Bild. Die Befragten h\u00e4tten gesamthaft angegeben, mit dem Auto einzukaufen. Sie habe es aus Interesse einmal aus der Rechnung genommen, so Fahmy, und das Ergebnis sei eindeutig. \u00abDas Auto killt einfach jede Klimabilanz.\u00bb<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Runde drei: Der Konsument kauft nochmal ein<\/h3>\n\n<p>Der G\u00fcterverkehr hat durch den Onlinehandel <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home\/statistiken\/mobilitaet-verkehr.html\">zugenommen<\/a>. Das ist sicher. Was uns Besserwisser irritiert: Die Studie hinterl\u00e4sst den Eindruck, die Konsumenten liessen durch den Onlineeinkauf das Auto \u00f6fter in der Garage stehen. Es sollte also weniger privater Personenverkehr auf dem Weg zur Shoppingmeile unterwegs sein als noch vor f\u00fcnf Jahren. Doch stimmt das? Das <a href=\"https:\/\/www.bfs.admin.ch\/bfs\/de\/home.html\">Schweizer Bundesamt f\u00fcr Statistik<\/a> wird erst im Mai 2017 die neuen Zahlen zum Mobilit\u00e4tsverhalten auf der Strasse ver\u00f6ffentlichen. So lange steht der Verdacht im Raum: Es wird nicht besser konsumiert, sondern nur mehr.<\/p>\n\n<p>\u00abOhne es belegen zu k\u00f6nnen, w\u00fcrde ich dies vermuten\u00bb, sagt Moritz Mottschall vom <a href=\"https:\/\/www.oeko.de\/\">\u00d6ko-Institut<\/a>. Ihm sei jedoch noch keine Untersuchung dazu bekannt, inwieweit sich die neuen Einkaufsm\u00f6glichkeiten auf das Mobilit\u00e4tsverhalten auswirken. Oft werde davon ausgegangen, dass immer die gleiche Zeit f\u00fcr die Mobilit\u00e4t verwendet wird. Es sei deshalb gut m\u00f6glich, dass die durch Onlineshopping eingesparte Zeit f\u00fcr andere, zus\u00e4tzliche Wege verwendet wird. Dies k\u00f6nnte die errechneten CO2-Einsparungen komplett zunichtemachen.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Im Ziel: Wer gewinnt?<\/h3>\n\n<p>Der Onlinehandel hat zurzeit die Nase vorn \u2013&nbsp;der Online-Shopper darf sich vorerst besser f\u00fchlen. Der wahre Gewinner ist jedoch, wer mit dem Velo f\u00e4hrt statt mit dem Auto. Dem stimmt auch Sauter-Servaes zu. Statt nun den Onlineeinkauf hochzuloben, solle man besser eine Stadt der kurzen Wege schaffen. Eine Durchmischung von Wohnen, Einkaufen und Leben mache die Fahrt mit dem Auto oft \u00fcberfl\u00fcssig. Auch Moritz Mottschall vom deutschen \u00d6ko-Institut weist in diese Richtung: \u00abWichtiger als den Vergleich der CO2-Emissionen finde ich die Analyse, wo ich konkret ansetzen kann, um die Umweltauswirkungen zu reduzieren.\u00bb Und wir Besserwisser wissen nun zumindest: N\u00e4chstes Mal gehen wir zu Fuss einkaufen.<\/p>\n\n<p><strong><em><span style=\"color: #636060;\">Auf in die Schweiz!<\/span><br><\/em><\/strong> <span style=\"color: #636060;\"><em>Ob die Studie in der kleinr\u00e4umigeren Schweiz zum gleichen Ergebnis gekommen w\u00e4re, ist offen. Es gibt bis anhin keine Untersuchungen dazu. Auch sonst sind viele Fragen ungekl\u00e4rt. Der Stromverbrauch in Gesch\u00e4ften und Logistikzentren k\u00f6nnte das Ergebnis stark ver\u00e4ndern. Moritz Mottschall vom \u00d6ko-Institut in Deutschland vermutet: Aufgrund der Wasserkraft in der Schweiz w\u00fcrden die Emissionen hierzulande in beiden Bereichen deutlich niedriger ausfallen als in Deutschland. Zudem ist der Anteil des <a style=\"color: #636060;\" href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\">schienengebundenen G\u00fcterverkehrs<\/a> in der Schweiz (48,5%) deutlich h\u00f6her als in Deutschland (23,4%). Es w\u00e4re w\u00fcnschenswert, in einer Schweizer Folgestudie den Einfluss auf die beiden Einkaufsoptionen im Detail zu beleuchten.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Onlinehandel hat den Ruf, die Umwelt zu sch\u00e4digen. Der vermehrte G\u00fcterverkehr produziere Stau und Treibhausgase, mehr als der Einkauf in der Ladenmeile. Doch ist die Lage wirklich klar? 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