{"id":44936,"date":"2017-05-26T07:00:00","date_gmt":"2017-05-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44936"},"modified":"2020-05-23T17:40:39","modified_gmt":"2020-05-23T15:40:39","slug":"ein-bauprojekt-stoert-die-mutter-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44936\/ein-bauprojekt-stoert-die-mutter-erde\/","title":{"rendered":"Ein Bauprojekt st\u00f6rt Mutter Erde und l\u00e4sst Menschen zusammenr\u00fccken"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein britischer Gesch\u00e4ftsmann will in Patagonien ein Luxus-Ferienort bauen. Dadurch ist die Existenz einer Stadt bedroht. Trotz Brandanschl\u00e4gen und Morddrohungen wehren sich die Bewohner gegen das Projekt. Ein Besuch in El Bols\u00f3n zeigt, wie sich Nachbarn wieder n\u00e4her kommen.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">M<\/span>isstrauisch blickt mich Laura an, verschr\u00e4nkt ihre Arme vor der Brust. Und bevor sie weitererz\u00e4hlt von den Gespr\u00e4chen mit ihren Nachbarn und dem allm\u00e4hlichen Gewahrwerden, dass es ohne Wasser kein Leben gibt, will sie wissen, wer ich bin, f\u00fcr wen ich schreibe und warum ich ausgerechnet sie als Interviewpartnerin ausgew\u00e4hlt habe. Ich antworte. Doch viel weiter kommen wir an diesem Vormittag nicht. Sie m\u00fcsse sich zuerst mit ihren <em>Compa\u00f1eros<\/em> besprechen: die Entscheidung, einem Journalisten Auskunft zu geben, m\u00fcsse in der Gruppe gef\u00e4llt werden.<\/p>\n\n<p>Ich solle Morgen wieder kommen, dann k\u00f6nne sie mehr sagen.<\/p>\n\n<p>Wir schreiben die ersten Tage 2017 und in El Bols\u00f3n, einer mittelgrossen Stadt im argentinischen Teil von Patagonien, herrscht Anspannung. Seit Wochen sind auff\u00e4llig viele Polizisten mit auff\u00e4llig dicken Schutzausr\u00fcstungen zu sehen, insbesondere rund ums Gemeindehaus. Das ist ungew\u00f6hnlich f\u00fcr den Ort. Denn Bols\u00f3n ist seit Ende der 60er Jahre ein Anziehungspunkt f\u00fcr Hippies und andere Aussteiger, die ein Leben in Harmonie mit der Natur suchen, fernab von den &nbsp;Zw\u00e4ngen der Konsumgesellschaft, fernab von staatlicher Kontrolle.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Von den Hippies zum Disneyland<\/h3>\n\n<p>Diese Zeiten sind l\u00e4ngst pass\u00e9. Bols\u00f3n gilt zwar nach wie vor als Alternative und die lokale (Land-)Wirtschaft wird nach wie vor gef\u00f6rdert, doch die Globalisierung ist auch hier vorbeigerast. Das zeigt sich beim Spaziergang durch die<em> Feria<\/em>, wo Silberkettenkn\u00fcpfer, Lederg\u00fcrtelmacher und junge Traumf\u00e4nger aus Grossst\u00e4dten ihr Handwerk gleich neben menschlichen Transformern und Plastikb\u00e4umen verkaufen.Disneyland k\u00f6nnte es nicht besser. Und als ob dies nicht genug der Entzauberung eines eigentlich zauberhaften Ortes in den Voranden w\u00e4re, sehen sich die rund 40\u2019000 Bewohnerinnen des Tals seit ein paar Jahren einer konkreten Bedrohung ausgesetzt. Die Rede ist vom Recht auf ein St\u00fcck Land und vom Zugang zu Trinkwasser.\u00a0Davon gibt es in Patagonien mit seinen Feldern, W\u00e4ldern, Bergen und Gletschern eigentlich gen\u00fcgend. Doch genau wie die Gegend reich an Ressourcen ist, ist sie auch reich an mafi\u00f6sen Verflechtungen zwischen lokalen Politikern und globalen Firmen. Da es bei Ressourcen immer auch um geopolitische Interessen geht, wird zur Verteidigung derselben auch Gewalt angewendet. Daher das Misstrauen von Laura.<\/p>\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit ihren <em>Compa\u00f1eros<\/em> sollte dann aber doch stattfinden. Denn in Bols\u00f3n geht es in diesen Monaten (und vielleicht Jahren) nicht nur um Land und Wasser. Es geht darum, wieder Vertrauen in die Wurzeln lokaler Kulturen zu fassen \u2013 \u00e4hnlich, wie dies anderswo auf der Welt geschieht. Es geht um das Ubuntu von Afrika, das Swadeshi von Indien und das Buen vivir von Lateinamerika.<\/p>\n\n<p>Laura wird mir ein paar Wochen sp\u00e4ter ein Wort beibringen, das aus ihrer Sprache stammt und sie die letzten Monate gepr\u00e4gt hat: <em>ekesh<\/em>. Es bedeutet <em>tief hinschauen<\/em>.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Kolonialherr aus England<\/h3>\n\n<p>Vor vier Jahren, als ein weiteres Mal mehrere tausend Personen durch die Stadt zogen, um f\u00fcr Wasser- und Landzugang zu demonstrieren, stand auf einem Schild: \u00abDank Lewis begegnen wir uns wieder\u00bb. Lewis heisst zum Vornamen Joe, kommt aus England, ist mit Argentiniens \u00a0Pr\u00e4sidenten Mauricio Macri befreundet und lebt im Steuerparadies Bahamas. Von dort aus verwaltet der Finanzstratege seine Firmen, Fussballclubs und Ferienorte. Einer davon liegt am <em>Lago Escondido<\/em>, rund f\u00fcnfzig Kilometer n\u00f6rdlich von Bols\u00f3n. Dort hatte sich Lewis Ende der 90er Jahre f\u00fcr ein paar tausend Dollar 12\u00b4000 Hektaren Land gekauft, inklusive Fl\u00fcssen, Bergen und eben des <em>Lago Escondido<\/em>, des versteckten Sees. Vorgesehen war eigentlich auch ein Flughafen, um bequem von \u00dcbersee in seiner patagonischen Residenz zu landen. Allerdings sollte dieser auf einem Feuchtgebiet gebaut werden. Dort entspringen einerseits die Quellen, die die Bewohner im Tal mit Trinkwasser versorgen, andererseits deklarierte die Gemeinde die <em>Pampa de Ludden<\/em> als Naturschutzgebiet. Das Begehren wurde abgelehnt.<\/p>\n\n<p>Vor sieben Jahren tauchte dann der Vorschlag auf, ein Wohnviertel f\u00fcr Wintertouristen zu bauen \u2013 am selben Ort, an dem die Bewohner bereits nein zum Flughafen gesagt hatten. Die Nachbarn trafen sich inzwischen regelm\u00e4ssig in Versammlungen, den sogenannten <em>Asambleas<\/em>. Sie f\u00fcrchten, dass beim Bau eines neuen Viertels oberhalb Bols\u00f3n die ohnehin fragile Trinkwasserversorgung im Tal komplett zusammenbricht.&nbsp;Nach jahrelangem Hin- und her, juristischen Schachz\u00fcgen, dubiosen Landk\u00e4ufen und Firmengr\u00fcndungen sowie leeren Versprechen der Politiker kam es am 16. Dezember 2016 zum Eklat. An einer ausserordentlichen Gemeinderatssitzung wurde der Bau des Viertels gutgeheissen \u2013 ohne auf die Bef\u00fcrchtungen der Gegner einzugehen. Diese wollten ebenfalls an der Sitzung teilnehmen. Doch die Polizisten, unterst\u00fctzt von Gemeindemitarbeitern, dr\u00e4ngten ihre eigenen Leute mit Pfefferspray zur\u00fcck.<\/p>\n\n<p>Laura erinnert sich, dass man wenige Stunden danach eine erste <em>Asamblea<\/em> einberief und entschied, das Thema dauerhaft auf die Strasse zu tragen. \u00abWir haben die Konfrontation stets vermieden\u00bb, sagt Laura, \u00ababer jetzt f\u00fchlen wir uns verpflichtet, physisch Pr\u00e4senz zu zeigen.\u00bb Noch am selben Abend wurden an der meistbefahrenen Kreuzung der Stadt rund dreissig Zelte aufgebaut. Die sogenannt <em>Acampe<\/em> soll so lange bleiben, bis die <em>Pampa de Ludden<\/em> wieder in staatlichem Besitz ist.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gewalt und Gewaltlosigkeit<\/h3>\n\n<p>Die Nachbarn versorgten die <em>Acampe<\/em> sogleich mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Brennholz. Die Solidarit\u00e4t war von Anfang an gross, das Wohlwollen un\u00fcbersehbar. Allerdings zeigte sich auch das andere Bols\u00f3n, jenes, das an die Versprechen von Fortschritt und Wachstum der politischen Eliten glaubt. Es gab Passanten, die die Zeltstadtbewohner beschimpften, andere fuhren mit dem Motorrad oder dem Auto vorbei und richteten ihre zu Pistolen geformten Finger auf die <em>Acampe<\/em>. In der vierten Nacht sch\u00fctteten Unbekannte gar Benzin \u00fcber die Flagge der <em>asamblea<\/em> und steckten sie in Flammen. \u00abIn uns drohte eine negative Saat aufzugehen\u00bb, berichtet Nelson, einer der Bewohner. Viele konnten nicht mehr ruhig schlafen, man f\u00fcrchtete weitere Anschl\u00e4ge.<\/p>\n<div data-render=\"planet4-blocks\/gallery\" data-attributes=\"{&quot;attributes&quot;:{&quot;multiple_image&quot;:&quot;54887,54888&quot;,&quot;image_data&quot;:[{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54887},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54888}],&quot;gallery_block_style&quot;:0,&quot;gallery_block_title&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_description&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_focus_points&quot;:&quot;&quot;,&quot;images&quot;:[{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/092244d7-8-nelson-guitarra-taller_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;\\u201cDie Gewaltlosigkeit ist der Weg, der uns Menschen heilt. Aber das ist ein jahrelanger Prozess, den jeder selber durchleben muss\\u201d: Nelson, einer der Integranten der Zeltstadt, verd\\u00fcnnt die Gewalt mit Musik.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/de7d7408-1-asamblea-arbol_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Vereinigt unter B\\u00e4umen: In der Asamblea treffen sich die Nachbarn von El Bols\\u00f3n, um \\u00fcber das weitere Vorgehen zu diskutieren.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;}]}}\"><\/div>\n<p>Nelson ist Lehrer an einer Landschule (escuela rural) in Bols\u00f3n und in der Zeltstadt f\u00fcr die Sicherheit zust\u00e4ndig. Der Mann ist Anfang f\u00fcnfzig, Vater eines erwachsenen Sohnes und gut geerdet. Man habe in der Gruppe \u00fcber das Geschehene gesprochen, \u00fcber die Angst, die Wut, die Aggressionen. \u00abEs ist wichtig, uns von den Einsch\u00fcchterungsversuchen der Institutionen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen\u00bb, sagt Nelson.<\/p>\n\n<p>Mit den Institutionen meint er Staat und Firmen, die ihre bezahlten Stosstrupps bereithalten, um Gegner zu bedrohen und zu verunsichern. N\u00f6tigenfalls \u2013 auch wenn es um Immobiliengesch\u00e4fte geht \u2013 &nbsp;l\u00e4sst man sie wie zu Zeiten der Milit\u00e4rdiktatur auch verschwinden. Oder man vertreibt sie wie Mitte Januar rund hundert Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von Bols\u00f3n. Dort trieb die Polizei mehrere Mapuche-Familien mit Schlagst\u00f6cken und Gummischrott von ihrem Grundst\u00fcck. Hintergrund ist auch hier ein Landkonflikt mit einem Multimillion\u00e4ren aus Europa (hierbei handelt es sich um den Firmengr\u00fcnder des Modeunternehmens Benetton aus Italien). Die vier <em>Acampe<\/em>-Teilnehmer, die aus Solidarit\u00e4t in das Gebiet fuhren, hatten an diesem Tag einen wachsamen Schutzengel. Die Bleikugeln aus den Pistolen der Polizisten trafen lediglich das Auto.<\/p>\n\n<p>Nelson spricht oft von Union, davon Negativit\u00e4t in Kreativit\u00e4t zu verwandeln und dass die <em>Acampe<\/em> die Aufgabe habe, den Frieden zu f\u00f6rdern \u2013 egal welchen Aggressionen sie ausgesetzt ist. Woher kommt diese \u00dcberzeugung der Gewaltlosigkeit? Wie, frage ich mich, soll man da innerlich ruhig bleiben?<\/p>\n\n<p>\u00abIch stamme aus einer sehr gewaltt\u00e4tigen Familie und wurde als Kind oft geschlagen. Jahrelang habe ich mich mit allen gestritten, bis ich realisierte, dass ich nur deshalb Gewalt anziehe, weil ich selber gewaltt\u00e4tig bin. Wenn ich also Frieden m\u00f6chte, dann muss ich selber innerlich friedlich sein. Erst dann k\u00f6nnen wir Menschen uns wieder anschauen und vielleicht sogar umarmen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Aus seinen Augen kommt ein m\u00fcdes L\u00e4cheln. \u00abDie Gewaltlosigkeit ist der Weg, der uns Menschen heilt. Aber das ist ein jahrelanger Prozess, den jeder selber durchleben muss.<strong>\u00bb<\/strong><\/p>\n\n<p>Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein Brite in Argentinien Gespr\u00e4che ausl\u00f6st, die in \u00e4hnlicher Form zu Zeiten Gandhis in Indien stattgefunden haben d\u00fcrften.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Dialog von Herz zu Herz<\/h3>\n\n<p>Die Diskussionen \u00fcber Gewalt oder Gewaltlosigkeit finden in Bols\u00f3n seit Jahren statt. Wie soll man als Nachbar reagieren, wenn in kurzer Zeit zwei regierungskritische Radios im Tal angez\u00fcndet werden und auch das Gemeinschaftszentrum, in dem sich die <em>Asamblea<\/em> jeweils versammelte, einem Brandanschlag zum Opfer f\u00e4llt? Was tun, wenn Leute der <em>Asamblea<\/em> oder Journalisten per Telefon, Whatsapp oder Facebook Todesdrohungen erhalten? Und an wenn soll man sich wenden, wenn dies alles vom Staat nicht n\u00e4her untersucht wird?<\/p>\n\n<p>In den K\u00f6pfen einzelner Mitglieder der <em>Asamblea<\/em> spuckt der Geist der Rache umher. Allerdings werden sie von der Gruppe umgehend zurechtgewiesen. Das zeigt sich auch an der Versammlung nach dem Brandanschlag auf die <em>Acampe<\/em>, an der rund hundert Nachbarn teilnehmen. Aggressive Votanten werden ausgepfiffen oder es wird ihnen das Wort entzogen.<\/p>\n\n<p>\u00dcberhaupt wird viel dar\u00fcber geredet, wie man reden soll \u2013 sowohl innerhalb der <em>Asamblea<\/em> als auch mit den Nachbarn, die das Projekt unterst\u00fctzen. \u00abAuch mit ihnen sollten wir das Gespr\u00e4ch suchen\u00bb, schl\u00e4gt ein Mann vor. Schliesslich gehe es um Wasser und das betreffe alle Bewohnerinnen des Tals. \u00abWenn wir von Herz zu Herz miteinander reden\u00bb, wirft eine Frau ein, \u00abverschwinden pl\u00f6tzlich die Vorurteile, die wir uns vom anderen gemacht haben.\u00bb Ein Mann erg\u00e4nzt, dass man nicht mit den Werkzeugen jener arbeiten solle, die an der Macht sind. \u00abWir sollten uns nicht weiter teilen, sondern wieder vereinigen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Das scheint in Bols\u00f3n auf den ersten Blick gar nicht so einfach. Schliesslich wird die Gegend nicht nur von Bauern und Indigenen bewohnt, sondern auch von Althippies, Yuppies, Arbeitern, Intellektuellen, Handwerkern, K\u00fcnstlern, Arbeitslosen, Designern, Selbstversorgern und Transsexuelle. In welcher Sprache spricht man also, wenn die Bewohnerinnen eines Ortes aus Megacitys, St\u00e4dten, D\u00f6rfern vom Land oder Ausland kommen, also aus sozial, \u00f6konomisch und kulturell v\u00f6llig unterschiedlichen Ecken?<\/p>\n\n<p>Die <em>Acampe<\/em> sollte sich im Lauf der Wochen zu einem Ort entwickeln, an dem Themen an die Oberfl\u00e4che quellen, die allgemein bekannt sind, die aus Scham, Angst oder Unsicherheit aber selten \u00f6ffentlich besprochen werden. Wo auf dem Planeten setzen sich die Menschen schon \u00fcber die Klassen- und Ethnienfrage hinweg und suchen friedlich nach Gemeinsamkeiten?<\/p>\n<div data-render=\"planet4-blocks\/gallery\" data-attributes=\"{&quot;attributes&quot;:{&quot;multiple_image&quot;:&quot;54889,54890&quot;,&quot;image_data&quot;:[{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54889},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54890}],&quot;gallery_block_style&quot;:0,&quot;gallery_block_title&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_description&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_focus_points&quot;:&quot;&quot;,&quot;images&quot;:[{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/9090d82b-3-laura-territorio_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Auch wenn man nicht einer Meinung ist, weiterhin den Kontakt mit den Nachbarn suchen: Laura von der Asamblea beim Rundgang in einem Quartier von El Bols\\u00f3n.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/11ca9481-4-familia-mesa_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Zuh\\u00f6ren, tief schauen, sich nicht unterkriegen lassen: Laura (links) von der Asamblea am Familientisch von Nachbarn, die vom Bau eines Wintersportortes direkt betroffen w\\u00e4ren.\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;}]}}\"><\/div>\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sich nicht auf Trump &amp; Co. einlassen<\/h3>\n\n<p>Delia, eine Frau Mitte vierzig, die vor sieben Jahren aus Buenos Aires nach Bols\u00f3n gezogen ist, sp\u00fcrt, dass es keinen Sinn hat, sich wie gewohnt auf die M\u00e4chtigen einzuschiessen \u2013 nicht auf Lewis und auch nicht auf Macri oder Trump (die ebenfalls miteinander befreundet sind). \u00abEs liegt an uns, Verantwortung f\u00fcr unser Denken und Handeln zu \u00fcbernehmen und die Krisen auf dem Planeten in etwas Konstruktives zu verwandeln.\u00bb Die Zeiten des Motzens, Klagens und Sichemp\u00f6rens seien vorbei. \u00abEs braucht einen inneren Wandel in jedem und jeder von uns.\u00bb<\/p>\n\n<p>Delia sprach in diesem Sinne schon vor l\u00e4ngerem einmal in einer <em>Aamblea<\/em> \u2013 und wurde ausgebuht. \u00abDas ist verst\u00e4ndlich\u00bb, sagt sie. Viele wollten nur das Bauprojekt verhindern und s\u00e4hen nicht, dass es um einen grunds\u00e4tzlichen Bewusstseinswandel gehe. Sie selber unterscheide nicht zwischen <em>Asamblea<\/em> und dem h\u00f6chst umstrittenen Gemeindepr\u00e4sidenten. \u00abDiese Weltanschauung stellt die Denkstrukturen eines jahrhundert alten Paradigmas in Frage. Deshalb sorgt es f\u00fcr Verunsicherung und Ablehnung.\u00bb<\/p>\n\n<p>In ihrer Stimme schwingt der Geist des Buen Vivir mit, des Sumak Kawsay wie man in Quechua sagt. Es sind die Prinzipien der Indigenen Lateinamerikas, die in enger Beziehung zu Mutter Erde leben, zu Pachamama, und f\u00fcr die \u2013 im Gegensatz zu westlichen Gesellschaften \u2013 nicht der Mensch und seine Bed\u00fcrfnisse im Zentrum stehen. In ihrer Kosmovision ist der Mensch Teil eines grossen Ganzen und also mitverantwortlich, Pachamama zu sch\u00fctzen. Buen Vivir dient den Anw\u00e4lten der Natur als Werkzeug, um ihre Ausbeutung zu verringern.<\/p>\n\n<p>Als erste L\u00e4nder Lateinamerikas haben Ecuador (2008) und Bolivien (2009) Buen Vivir in ihre Verfassung aufgenommen und damit Raum f\u00fcr die Haltung von Kulturen geschaffen, die Amerika vor der Ankunft der Europ\u00e4er bewohnten.<\/p>\n\n<p>In Bols\u00f3n wird Buen Vivir kaum erw\u00e4hnt. Allerdings ist zu sp\u00fcren, dass das kollektive Ged\u00e4chtnis der Indigenen Lateinamerikas auch am S\u00fcdzipfel des Kontinenten zu wirken beginnt.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00abWarum haben wir kein Land?\u00bb<\/h3>\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag treffe ich mich mit Laura und ihren <em>compa\u00f1eros<\/em>. Sie kommen gerade vom Flyer verteilen, in wenigen Stunden findet in Bols\u00f3n die n\u00e4chste Demonstration statt. Wir setzen uns in den Schatten eines Baumes und die Gruppe berichtet von den Begegnungen mit den Nachbarn. Sie erz\u00e4hlen von den prek\u00e4ren Lebensumst\u00e4nden ausserhalb der Stadt, wo sich Hunderte eine zentrale Trinkwasserstelle teilen oder das Wasser direkt kaufen m\u00fcssten. Einige haben hinter ihrem Haus gar ein Loch gegraben und eine Plastikplane ausgebreitet, um Regenwasser f\u00fcr den Garten zu sammeln.<\/p>\n\n<p>Doch es geht l\u00e4ngst nicht mehr nur um die aktuellen Lebensbedingungen. \u00abEs kommen Konflikte ans Licht, die bis weit in vergangene Jahrhunderte zur\u00fcckreichen\u00bb, erkl\u00e4rt Marco, einer der <em>Compa\u00f1eros<\/em>. Man d\u00fcrfe nicht vergessen, dass dort wo heute Bols\u00f3n stehe, fr\u00fcher Mapuchen und Tehuelchen lebten.\u00a0Und jene die den Genozid im 19. Jahrhundert \u00fcberlebt haben, verf\u00fcgen nicht \u00fcber die Papiere (etwa f\u00fcr Grundst\u00fccke), die von den Eroberern heute verlangt werden. Ohne Papiere keine Rechte &#8211; auch in Patagonien. \u00abWie kann es sein\u00bb, wiederholt Marco die Frage eines Nachbarn, \u00abdass eine Person vom anderen Ende der Welt hierher kommt, Land zu einem Spottpreis kauft und wir seit Generationen hier leben und darum betteln m\u00fcssen, Trinkwasser oder ein St\u00fcck Erde zu erhalten?\u00bb<\/p>\n\n<p>Laura und die <em>Compa\u00f1eros<\/em> besuchen bewusst die \u00e4rmeren Quartiere Bols\u00f3ns, wo viele Bewohnerinnen f\u00fcr die Gemeinde arbeiten und sich aus Angst vor einer K\u00fcndigung nicht trauen, offen ihre Meinung zu sagen. \u00abUmso wichtiger war es f\u00fcr uns zu sp\u00fcren, dass die <em>Acampe<\/em> auch hier gut aufgenommen wird\u00bb, sagt Claudio. Die Ablehnung und die Aggressionen gegen die <em>acampe<\/em> f\u00e4nden vor allem auf Facebook oder \u00fcber Whatsapp statt. \u00abWenn wir direkt mit den Nachbarn sprechen, entdecken wir pl\u00f6tzlich Gemeinsamkeiten, deren wir uns nicht bewusst waren.\u00bb<\/p>\n<div data-render=\"planet4-blocks\/gallery\" data-attributes=\"{&quot;attributes&quot;:{&quot;multiple_image&quot;:&quot;54891,54892&quot;,&quot;image_data&quot;:[{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54891},{&quot;url&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;focalPoint&quot;:{&quot;x&quot;:0.5,&quot;y&quot;:0.5},&quot;id&quot;:54892}],&quot;gallery_block_style&quot;:0,&quot;gallery_block_title&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_description&quot;:&quot;&quot;,&quot;gallery_block_focus_points&quot;:&quot;&quot;,&quot;images&quot;:[{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/7a917bda-6-laura-y-maria_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Sich als Nachbarn gegenseitig auf dem Laufenden halten: Laura (im gelben Rock) von der Asamblea im Gespr\\u00e4ch mit Maria vom Mall\\u00edn Ahogado (El Bols\\u00f3n).\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;},{&quot;image_src&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1.jpg&quot;,&quot;image_srcset&quot;:&quot;https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1.jpg 1024w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\\\/\\\/www.greenpeace.ch\\\/static\\\/planet4-switzerland-stateless\\\/2017\\\/05\\\/25faecb4-5-abuelo-de-espaldas_web-1024x683-1-510x340.jpg 510w&quot;,&quot;image_sizes&quot;:false,&quot;alt_text&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;Wenn es um Land und Wasser geht, herrschen nach wie vor die Machtstrukturen aus Kolonialzeiten: Ein Bewohner auf dem Grundst\\u00fcck seiner Familie in Mall\\u00edn Ahogado (El Bols\\u00f3n).\\n&quot;,&quot;focus_image&quot;:&quot;&quot;,&quot;credits&quot;:&quot;&quot;}]}}\"><\/div>\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bols\u00f3n, Bern, Br\u00fcttisellen<\/h3>\n\n<p>Als Laura zu sprechen beginnt, verschl\u00e4gt es ihr nach ein paar Minuten die Stimme. Denn sie spricht nicht nur im Namen ihrer Sch\u00fclerinnen und Familien, deren Realit\u00e4ten die Kindergartenlehrerin seit Jahren kennt. Die grossgewachsene Frau mit schwarzen Z\u00f6pfen und dunklen Augen spricht im Namen aller Lauras, die \u00fcber Jahrhunderte unterdr\u00fcckt, ausgebeutet oder ermordet worden sind. Sie ist als Mapuche (Mensch der Erde) selber daran ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ihren Vorfahren eine Stimme zu geben. \u00abWir haben heute die M\u00f6glichkeit, uns wieder als Menschen zu begegnen\u00bb, sagt sie, \u00abegal welcher Herkunft oder Hautfarbe.\u00bb Sie wolle jenen Dingen Gewicht geben, die sie mit anderen verbinde.<\/p>\n\n<p>Laura schaut zu Boden, als ob der folgende Satz dort aufgeschrieben w\u00e4re. \u00abWenn wir nach den Gespr\u00e4chen in unsere eigene Realit\u00e4t zur\u00fcckkehren, mit Heizung, Wasser und gen\u00fcgend Essen, dann werden wir uns bewusst, dass der Zugang zu einem St\u00fcck Land und die M\u00f6glichkeit es zu kultivieren ein Menschenrecht sind und also auch f\u00fcr jene gilt, die frieren und Hunger leiden.\u00bb<\/p>\n\n<p>Es sei wichtig, dass man sich von den Ereignissen auf der Welt und den Begegnungen mit den Menschen weiterhin ber\u00fchren lasse. \u00abDenn wenn wir unsere eigene Zerbrechlichkeit anerkennen und ihr mit Hoffnung, Glauben und Vertrauen begegnen, dann begreifen wir, dass wir unsere Seelen nur durch Offenheit sch\u00fctzen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n\n<p>Gandhi schrieb einst, dass die Wahrheit hart ist wie ein Diamant und zart wie eine Bl\u00fcte.<\/p>\n\n<p>Ein paar Wochen sp\u00e4ter tippt Laura <em>ekesh<\/em> in den Computer und ich beginne zu begreifen, dass die Saat von Bols\u00f3n genauso gut in Bern, B\u00fcren oder Br\u00fcttisellen aufgehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n<p><em>Die neuesten Ereignisse aus der Region um El Bols\u00f3n, Argentinien: Die Auseinandersetzungen um Land und Wasser in El Bols\u00f3n und der Provinz Rio Negro gehen mit dem aktuell zur Diskussion stehenden\u00a0Landgesetz in die n\u00e4chste Runde<\/em>.<\/p>\n\n<p><em>Die Basis dazu gelegt hat Pr\u00e4sident Mauricio Macri, der im Juli 2016 per Dekret auf nationaler Ebene entschieden hat, das alte Gesetz durch ein neues zu ersetzen. Das neue sieht unter anderem vor, dass der Verkauf von Land an Ausl\u00e4nder \u2013 namentlich an multinationale Firmen aus Nordamerika, Europa oder Asien \u2013 k\u00fcnftig wieder einfacher ablaufen soll. Ausserdem hat er die unter der Regierung Kirchner eingef\u00fchrten Steuerabgaben auf Commodities (Rohstoffe) aufgehoben; das Interesse gilt neben dem Agrarsektor inzwischen vor allem Mineralien und Gas (Fracking).&nbsp;Die Asamblea von El Bols\u00f3n versucht genauso wie andere Nachbarschafts- und Umweltorganisationen im Land immer mehr, den Beschl\u00fcssen der neoliberalen Regierung in Buenos Aires vereint entgegenzutreten \u2013 Internet sei Dank.<\/em><\/p>\n\n<p><em>Die Acampe (Protestcamp) im Zentrum von El Bols\u00f3n hat sich nach drei Monaten inzwischen aufgel\u00f6st. Daf\u00fcr kam es in den vergangenen Wochen zu Protestm\u00e4rschen von Indigenen: Einer f\u00fchrte von der der Stadt La Quiaca (Provinz Jujuy), an der bolivianischen Grenze in die knapp 300 Kilometer entfernte Provinzhauptstadt San Salvador de Jujuy. Grund sind die Lithium-Vorkommnisse in der Region, an denen Firmen aus Japan, China, S\u00fcdkorea, Australien und Frankreich interessiert sind und deren Ausbeutung die Lebensgrundlage der Kommunen Aimara und&nbsp; Kolla gef\u00e4hrden w\u00fcrde. Der andere Marsch, angef\u00fchrt von Mapuchen, f\u00fchrt derzeit von Bariloche ins 800 Kilometer entfernte Viedma, wo besagtes Landgesetz auf Provinzebene diskutiert wird.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein britischer Gesch\u00e4ftsmann will in Patagonien ein Luxus-Ferienort bauen. Dadurch ist die Existenz einer Stadt bedroht. Trotz Brandanschl\u00e4gen und Morddrohungen wehren sich die Bewohner gegen das Projekt. 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