{"id":44971,"date":"2017-07-21T07:00:00","date_gmt":"2017-07-21T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44971"},"modified":"2020-05-25T11:43:48","modified_gmt":"2020-05-25T09:43:48","slug":"mikroplastik-partikel-in-der-kosmetik-fasern-in-der-kleidung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44971\/mikroplastik-partikel-in-der-kosmetik-fasern-in-der-kleidung-2\/","title":{"rendered":"Mikroplastik: Partikel in der Kosmetik, Fasern in der Kleidung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mikroplastik besteht aus Kunststoffpartikeln, die formfest, nicht l\u00f6slich und kleiner sind als f\u00fcnf Millimeter. Die Kosmetikindustrie verwendet auch quellende oder teilweise l\u00f6sliche synthetische Kunststoffe (Haargel, Shampoo etc.). Unter dem Begriff \u00abMikroplastik\u00bb versteht Greenpeace s\u00e4mtliche, auch langlebige, giftige und\/oder bioakkumulierende synthetische Polymere.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">S<\/span>ie k\u00f6nnen fest, fl\u00fcssig oder wachsartig sein. Dabei gibt es prim\u00e4re und sekund\u00e4re Partikel: Prim\u00e4re Partikel sind schon in dieser Form produziert worden. Sie bestimmen die Eigenschaften eines Produkts oder dienen als Granulat zur Herstellung von Kunststoff.\u00a0Sekund\u00e4re Partikel entstehen im Verwitterungs\u00adprozess aus gr\u00f6sseren Teilen wie Plastikt\u00fcten oder -flaschen, Kunststoffbojen oder Netzen durch Sonneneinstrahlung und mechanische Reibung.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plastikpartikel f\u00fcr Haut und Haar<\/h3>\n\n<p>Plastikpartikel in Peelings sollen unsere Haut \u00abweichschmirgeln\u00bb und schwaches Bindegewebe straffen, Phthalate im Shampoo sorgen f\u00fcr eine angenehme Konsistenz und in Gesichtscremes fungieren Kunststoffe als Bindemittel, um ein gutes Hautgef\u00fchl zu erzeugen. Haarsprays und Gels halten Sturmfrisuren mit Kunststoffen aufrecht. Im Badeschaum f\u00fcr Kinder glitzern Plastikpartikel. Wir schmieren uns von oben bis unten mit Plastik ein und sp\u00fclen es dann ins Abwasser. Zu klein, um von Kl\u00e4ranlagen herausgefiltert zu werden, gelangen die Partikel in die Binnengew\u00e4sser, ins Meer und mit dem Kl\u00e4rschlamm auf die \u00c4cker. Mikroplastik ist biologisch nicht abbaubar: Es wird immer mehr und nie weniger. Mittlerweile befinden sich R\u00fcckst\u00e4nde von Kunststoffpartikeln aus der Kosmetikindustrie \u00fcberall \u2013&nbsp;in den Meeren, in den Gew\u00e4ssern und an Land.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00a0Fasern in synthetischen Kleidern<\/h3>\n\n<p>Mehr als ein Drittel der Mikroplastikpartikel im Meer geht auf synthetische Textilien zur\u00fcck.<span style=\"font-size: 15.8333px;\">&nbsp;<\/span>Sie werden beim Waschen aus synthetischer Kleidung herausgel\u00f6st. Paradoxerweise tr\u00e4gt ausgerechnet diejenige Kleidung zur Umweltbelastung bei, die maximale N\u00e4he zur Natur verspricht: Outdoor- und Wanderkleidung, Fleecejacken, T-Shirts und Travel-Handt\u00fccher aus Mikrofasern. Sie sind leicht im Gewicht, einfach zu pflegen und geben warm. Winterjacken f\u00fcr Extremwetter bestehen meist aus drei Schichten: aussen Polyamid, in der Mitte GoreTex und innen Polyester. Wir stecken die Jacken zur Reinigung in die Waschmaschine und dr\u00fccken auf den Knopf.<span class=\"pull-left\">Zooplankton nimmt die Mikroplastikpartikel als vermeintliche Nahrung auf und reichert so auch die angehefteten Giftstoffe an. <\/span> Dabei \u2013 das zeigt eine Studie der britischen Plymouth University \u2013 geben rein synthetische Textilien in einem Waschgang bis zu 730 000 Mikrofasern ab.<span style=\"font-size: 15.8333px;\">&nbsp;<\/span>Wind- und Wetterkleidung weniger zu waschen, ist schon mal ein guter Ansatz. Aber auch elastische Sockenb\u00fcndchen, Baumwollgemische oder Viskosestoffe f\u00fcr M\u00fctzen, Schals und Wollpullover sind oft mit Acrylfasern versetzt. Unterschiedliche Faktoren wie&nbsp;Waschmittel, Waschtemperatur, Waschprogramm, Maschine, Rotation der Maschine, Bef\u00fcllmenge der Maschine etc.&nbsp;sind verantwortlich, wieviel und welche Art von Partikeln beim Waschvorgang austreten. Mit Weichsp\u00fcler l\u00f6sen sich&nbsp;tendenziell mehr Fasern.<\/p>\n\n<p>Mengenm\u00e4ssig \u00fcberwiegt zwar die Verschmutzung der Meere und Gew\u00e4sser durch Plastikflaschen und ihre sekund\u00e4ren Mikropartikel.&nbsp;Doch auch Textilfasern sind sch\u00e4dlich. G\u00e4ngige Waschmaschinen schaffen es nicht, die Fasern zur\u00fcckzuhalten und technische L\u00f6sungen z.B. mit einem integrierten Filter sind erst in der Entwicklung. Langfristig kann das aber keine L\u00f6sung sein: Wir werden unser Konsumverhalten und unsere Herstellerprozesse \u00e4ndern m\u00fcssen. Zu Mikroplastik-Kosmetikprodukten gibt es ebenfalls gute Alternativen, wie Waschen mit Efeu, die Feuchtt\u00fccher f\u00fcr den Babypo selber zu machen, Shampoosteine oder Haarsp\u00fclungen aus Kaffee.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mikroplastik stillt den Hunger<\/h3>\n\n<p>Im Meer bieten die Eigenschaften von Kunststoff ideale Bedingungen f\u00fcr die Bindung von Giftstoffen und Pathogenen. Dazu kommt, dass Kunststoffpartikel bereits im Herstellungsprozess mit Schadstoffen angereichert sind. Es ist kein Zufall, dass die Schadstoffkonzentration von Mikroplastikpartikeln deswegen im Meerwasser oft deutlich h\u00f6her ist als im Herstellungsprozess selbst.<span style=\"font-size: 15.8333px;\">&nbsp;<\/span>Zooplankton nimmt die Mikroplastikpartikel als vermeintliche Nahrung auf und reichert so auch die angehefteten Giftstoffe an. Am Ende der Nahrungskette stehen Grossfische und Meeress\u00e4uger \u2013&nbsp;und ganz am Ende wir. Wer sich f\u00fcr ein Gericht mit 300 Gramm Muscheln entscheidet, verspeist 300 Plastikteilchen.&nbsp;Als \u00abPlastikplankton\u00bb lagern sich die Kunststoffpartikel ausserdem in den M\u00e4gen von Walen oder Heringen an. Dort verursachen sie nicht nur Verletzungen und Entz\u00fcndungen im Verdauungstrakt, sie hemmen auch das Hungergef\u00fchl der Tiere. Als Folge nehmen sie \u00fcberlebenswichtige N\u00e4hrstoffe nicht mehr ausreichend zu sich.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Politik als Weichsp\u00fcler<\/h3>\n\n<p>Eine einheitliche offizielle Definition von Mikroplastik fehlt bis heute. Solange dies so bleibt, legen die Hersteller fest, was sie darunter verstehen. Das sind meist nur feste Plastikteilchen, nicht aber fl\u00fcssige, wachs- und gelartige Kunststoffe. Zudem verweigern die Hersteller den Plastik-Ausstieg aus \u00abLeave-on-Produkten\u00bb, die nicht gleich wieder abgewaschen werden, wie Shampoo oder Duschgel (Rinse off). Dazu geh\u00f6ren Cremes, Lotions, Make-ups, Lippenstifte oder Haarspray.\u00a0Auch in der Schweiz sieht man wenig Handlungsbedarf. Der Bundesrat stuft die Gefahr von Mikroplastik als vergleichsweise gering ein und lehnte damit ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetikprodukten vorl\u00e4ufig ab.<\/p>\n\n<p>Auch f\u00fcr Kleidung m\u00fcssten einheitliche Richtlinien geschaffen werden. Es ist langfristig nicht sinnvoll, aus PET-Flaschen Fleecejacken herzustellen und diese in Form von Mikropartikeln ins Meer zu sp\u00fclen. Was es braucht, sind \u00c4nderungen bei den Herstellungsverfahren und Weiterentwicklungen der Filtersysteme.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plastic check-out \u2013 right now!<\/h3>\n\n<p>In \u00fcber 640 kosmetischen Produkten hat der Bund f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland Mikroplastik gefunden \u2013&nbsp;darunter auch Pflegeprodukte f\u00fcr Babys und Kinder. Die L\u00e4nge der Liste ist erschreckend \u2013&nbsp;ein Blick in den Badzimmerschrank ist nichts f\u00fcr Feiglinge.<\/p>\n\n<p>Eine Reihe namhafter Kosmetikhersteller, darunter auch The Body Shop und Yves Rocher, die sich mit Umschreibungen wie \u00abinspired by nature\u00bb oder \u00abPflanzen-Kosmetik\u00bb schm\u00fccken, m\u00fcssen sich f\u00fcr ihre Produkte verantworten. Ein bekannter Name ist ebenso wenig Garant f\u00fcr plastikfreie Kosmetik wie teuer oder exklusiv zu sein. Einzig bei der Zahnpasta verzichten die Hersteller seit 2014 auf Mikroplastik als Schmirgelstoff gegen Zahnbelag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik besteht aus Kunststoffpartikeln, die formfest, nicht l\u00f6slich und kleiner sind als f\u00fcnf Millimeter. Die Kosmetikindustrie verwendet auch quellende oder teilweise l\u00f6sliche synthetische Kunststoffe (Haargel, Shampoo etc.). 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