{"id":44972,"date":"2017-07-28T07:00:00","date_gmt":"2017-07-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=44972"},"modified":"2020-05-25T13:46:28","modified_gmt":"2020-05-25T11:46:28","slug":"plastikmuell-im-meer-verwende-keine-strohhalme-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/44972\/plastikmuell-im-meer-verwende-keine-strohhalme-2\/","title":{"rendered":"Plastikm\u00fcll im Meer: <br> Verwende keine Strohhalme!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Acht Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr ins Meer \u2013 und damit in die Nahrungskette. \u00dcber die Folgen hat der Filmemacher Craig Leeson einen aufr\u00fcttelnden Film gedreht. Im Interview mit GEO.de erkl\u00e4rt er, was ihn antreibt.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">D<\/span>as Plastikproblem l\u00f6st Gef\u00fchle der Ohnmacht aus. Das d\u00fcrfte nach diesem Film nicht besser sein. Dabei haben Konsumenten auch Macht. Konsumg\u00fcter und Dienstleistungen werden immer gr\u00fcner \u2013&nbsp;von der Unterhose bis zum Coiffeurbesuch. Wir betreiben Umweltschutz durch Konsum \u2013&nbsp;wie von Zauberhand. Man muss nur richtig konsumieren.<\/p>\n\n<p>Falsch. Auch wenn die Produktion aus und mit erneuerbaren Ressourcen richtig ist, ist sie nicht immer besser, denn die Grenzen des Wachstums k\u00f6nnen auch wir nicht verschieben. Erd\u00f6l ist und bleibt begrenzt,&nbsp;die Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr pflanzliche Energien und Zellstoffe zur Produktion von G\u00fctern ebenfalls. Die Weltmeere als M\u00fclltonne f\u00fcr heimliche und unheimliche Plastikabf\u00e4lle schlucken auch nicht alles.<\/p>\n\n<p>Naturschutz bedeutet, der Natur die Wildnis zu lassen und diese im besten Fall zu mehren. Was uns fehlt, sind Grenzen. Wie weit d\u00fcrfen wir gehen? Wann stimmt die Balance von Angebot und Nachfrage? F\u00fcr mehr Gr\u00fcn in der Wirtschaft d\u00fcrfen wir keine Natur opfern. Nicht f\u00fcr den Abbau von Lithium f\u00fcr die Batterien unserer Elektroautos, nicht f\u00fcr die Suche nach \u00d6lvorkommen und nicht f\u00fcr die grenzenlose Herstellung von Plastik. Wir sind gefordert, unseren Konsum den Grenzen des Planeten anzupassen. Reisen ist nur ohne Motorkraft umweltneutral \u2013 \u00abtraveln\u00bb mit Flugzeug und Mietauto ist es nicht. Das passt ebenso wenig zum Globetrotter wie f\u00fcnf Paar Sportschuhe und ein \u00fcbervoller Kleiderschrank.<\/p>\n\n<p>Umweltschutz heisst optimieren. Nicht beim Produkt, sondern beim Verbrauch. Wir optimieren unseren Verbrauch, bis Angebot und Nachfrage in einem umweltethisch korrekten Mass stimmen. Dann erst d\u00fcrfen wir uns in kompostierbaren Plastiksesseln und surrenden E-Autos ausruhen. Der Film <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6zrn4-FfbXw\" target=\"_blank\">\u00abA Plastic Ocean\u00bb <\/a>d\u00fcrfte auch die Letzten \u00fcberzeugen. Wenn Sie diesen Sommer nach dem letzten Strohhalm greifen, w\u00e4hlen sie einen aus Papier. Es gibt sie auch in bunt.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/1060372a-1060372a-dr-jenniver-lavers-and-director-craig-leeson-examine-plastic-found-in-seabirds.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3945\"\/><figcaption>Dr Jenniver Lavers und Regisseur Craig Leeson untersuchen M\u00f6wen auf Plastik.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p><em>GEO.de:\u00a0Herr Leeson, andere filmen die Sch\u00f6nheit von Str\u00e4nden oder die Faszination der Unterwasserwelt. Warum haben Sie sich entschieden, einen Film \u00fcber etwas so Unappetitliches wie Plastikm\u00fcll in den Ozeanen zu machen?<\/em><\/p>\n\n<p>Craig A. Leeson:&nbsp;Eine Freundin, die Biologin und sp\u00e4tere Produzentin des Films, Jo Ruxton, machte mich 2010 auf das Problem aufmerksam. Sie plante damals gerade eine Expedition, um den Pazifischen M\u00fcllstrudel zu erforschen, und fragte mich, ob mir auf meinen Reisen und Surf-Trips das Plastik im Meer und an den Str\u00e4nden aufgefallen sei. Ich sagte ihr: nein, aber ich w\u00fcrde mal darauf achten. Und in dem Moment, als ich anfing, danach zu suchen, sah ich es \u00fcberall. Ich hatte mich so an den Anblick gew\u00f6hnt, dass es f\u00fcr mich unsichtbar geworden war.<\/p>\n\n<p>Als Jo von ihrer Expedition zur\u00fcckkam, hatte sie zwar keine riesige Plastikinsel gefunden, daf\u00fcr aber etwas viel Heimt\u00fcckischeres: einen Ozean voll mit Mikroplastik. Es war klar, wir haben hier ein gro\u00dfes Problem. Was wir nicht wussten, war, wie sehr die anderen Ozeane betroffen waren. Auch die Auswirkungen auf die Meerestiere kannten wir nicht. Das wollten wir herausfinden. Es war der Beginn einer vierj\u00e4hrigen Expedition zu 20 Orten rund um den Planeten.<\/p>\n\n<p><em>Plastik ist h\u00e4sslich, und wenn Meerestiere und -v\u00f6gel es fressen, ist es f\u00fcr sie oft t\u00f6dlich. Aber inwiefern ist es f\u00fcr Menschen gef\u00e4hrlich?<\/em><\/p>\n\n<p>Diese Frage stellten wir uns auch, als wir sahen, wie viele Meerestiere Plastikteile verschlucken. Denn viele dieser Tiere sind Teil unserer Nahrungskette. Das Problem ist, dass die Schwermetalle und Giftstoffe aus der Industrie, die in die Ozeane gelangen, sich im Wasser nicht aufl\u00f6sen, sondern sich an feste Gegenst\u00e4nde anlagern. Plastik ist daf\u00fcr ideal, es saugt die Toxine auf wie ein Schwamm. Und in der Nahrungskette der Meereslebewesen, vom Plankton bis zum Hai, reichern sich diese Giftstoffe an. Am Ende dieser Nahrungskette steht oft der Mensch. Forscher haben herausgefunden, dass diese Giftstoffe Krebs verursachen k\u00f6nnen, aber auch Diabetes, sie k\u00f6nnen Entwicklungs- und Lernst\u00f6rungen verursachen, Autoimmunkrankheiten ausl\u00f6sen und unsere Fruchtbarkeit beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n\n<p><em>Wird die Menschheit das Problem in den Griff bekommen?<\/em><\/p>\n\n<p>Im Moment ist die Situation v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle. Allein in diesem Jahr werden wir 300 Millionen Tonnen Plastik produzieren, die H\u00e4lfte davon f\u00fcr den einmaligen Gebrauch. Wir werden in diesem Jahrzehnt mehr Plastik verbrauchen als in allen Jahren seit seiner Erfindung. Ein gro\u00dfer Teil davon landet in den Ozeanen, acht Millionen Tonnen jedes Jahr \u2013 von denen70 Prozent auf den Meeresboden sinken. Was wir an der Oberfl\u00e4che sehen, ist also nur ein kleiner Teil des Problems.<\/p>\n\n<p><em>Haben Sie w\u00e4hrend der Dreharbeiten selber noch etwas dazugelernt?<\/em><\/p>\n\n<p>Ja: dass Plastik niemals verschwindet. Wenn wir es wegwerfen, ist es nicht weg \u2013 sondern zum Beispiel im Hals oder im Magen anderer Arten. Ich war geschockt, als mir d\u00e4mmerte, dass ich sogar pers\u00f6nlich verantwortlich war. Die Dinge, die wir achtlos wegwerfen &#8211; Zahnb\u00fcrsten, Plastikverpackungen, Strohhalme -, das sind genau die Sachen, die wir in den M\u00e4gen von V\u00f6geln wiederfinden.<\/p>\n\n<p><em>Was tun Sie heute, um die Ozeane zu retten?<\/em><\/p>\n\n<p>Wir vergessen gern, dass die Erde mit ihrer hauchd\u00fcnnen Atmosph\u00e4re eine winzige, merkw\u00fcrdige Insel des Lebens ist, die mit Tausenden Stundenkilometern durch das All rast. Wir haben nur die eine Chance, jetzt das Richtige zu tun. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich sind die Filme und Geschichten, die ich als Journalist mache, Vehikel, um mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Probleme dieses Planeten zu wecken. Pers\u00f6nlich, zu Hause und im Studio, recyceln wir alles, kompostieren Essenreste \u2013 und auf dem Kompost ziehe ich Gem\u00fcse.<\/p>\n\n<p><em>Und was kann jeder Einzelne von uns tun?<\/em><\/p>\n\n<p>Aufmerksam sein. Sieh dir alles an, was du wegwirfst, und frage dich, ob du es nicht noch irgendwie verwenden kannst, ob es recycelt werden kann. Habe immer eine Stahlflasche mit Leitungswasser dabei. Oft ist Leitungswasser sogar besser als Mineralwasser aus Plastikflaschen \u2013 und manchmal bis zu 1000 Prozent g\u00fcnstiger. Verwende keine Strohhalme! Allein in den USA werden jeden Tag 500 Millionen Strohhalme verwendet. Nimm eine wiederverwendbare Tasche mit zum Einkaufen und kaufe Gem\u00fcse, das nicht in Plastik eingeschwei\u00dft ist. Verwende keine Duschgels oder Zahnpasta, die Mikroplastik enthalten. Das Zeug haben wir in jedem Ozean gefunden, den wir besucht haben. Benutze Seifenst\u00fccke statt fl\u00fcssiger Seife f\u00fcr H\u00e4nde, Haare und K\u00f6rper \u2013 solche Gels bestehen ohnehin gr\u00f6\u00dftenteils aus Wasser und brauchen unn\u00f6tig viel Verpackung. Wasche deine Fleece-Kleidung so selten wie m\u00f6glich! Denn bei jedem Waschgang gelangen mikroskopisch kleine Plastikteilchen in die Fl\u00fcsse und Meere. Und das Wichtigste: Wende dich an die lokalen Politiker und fordere, dass Unternehmen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Plastik verpflichtet werden. Deutschland hat in dieser Beziehung schon viel erreicht \u2013 etwa mit der Einf\u00fchrung des Gr\u00fcnen Punkts im Jahr 1991.<\/p>\n\n<p>Weitere Informationen zum Film &#171;A Plastic Ocean&#187;:\u00a0<a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.plasticoceans.org\/buy-or-rent-a-plastic-ocean\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.plasticoceans.org\/buy-or-rent-a-plastic-ocean\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Acht Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr ins Meer &#8211; und damit in die Nahrungskette. \u00dcber die Folgen hat der Filmemacher Craig Leeson einen aufr\u00fcttelnden Film gedreht. 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