{"id":45119,"date":"2018-01-05T07:00:00","date_gmt":"2018-01-05T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45119"},"modified":"2020-05-27T10:37:11","modified_gmt":"2020-05-27T08:37:11","slug":"walk-the-talk-serie-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45119\/walk-the-talk-serie-15\/","title":{"rendered":"Walk the Talk! (Serie: 1\/5)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Es gibt gen\u00fcgend Gr\u00fcnde, pessimistisch zu sein: Hurrikane, Waldbr\u00e4nde, \u00dcberschwemmungen, Fisch- und Korallensterben, Mikroplastik und Anti\u00adbiotika in unseren Lebensmitteln. Die Temperaturen steigen von Jahr zu Jahr, und das Arktiseis bricht langsam auseinander. Wer ist da nicht versucht, den Kopf in den Sand zu stecken, es sich in seiner kleinen Wohlstandsblase gem\u00fctlich zu machen oder erst recht aufs Gas zu dr\u00fccken? <\/strong><\/p>\n\n<p>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. Raphael Fellmer ist einer von ihnen.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vom geldfreien M\u00fclltaucher zum Social Entrepreneur<\/h3>\n\n<p class=\"p1\">Als ich Raphael Fellmer Anfang September kontaktiere, steckt er gerade mitten in der Er\u00f6ffnung seines ersten Lebensmittelgesch\u00e4fts in Berlin-Charlottenburg. SirPlus heisst es und soll Foodsharing in den Mainstream \u00fcberf\u00fchren. Das soziale Unternehmen rettet Lebensmittel, die normalerweise in der M\u00fclltonne landen: einwandfreie Produkte, die entweder kurz vor dem Verfalldatum stehen oder bereits dar\u00fcber sind. Fellmer und sein Team holen sie bei Lebensmittel-Grossm\u00e4rkten, H\u00e4ndlern oder Produzenten ab und bezahlen den Unternehmen daf\u00fcr ein kleines Entgelt. Die Partner ersparen sich die Kosten f\u00fcr die Vernichtung der \u00fcbersch\u00fcssigen Lebensmittel und polieren erst noch ihr Image auf. Die Kunden wiederum, die im Gesch\u00e4ft von SirPlus einkaufen, erhalten die ausgemusterten Tomaten, M\u00fcesli und Fruchts\u00e4fte 30 bis 70 Prozent g\u00fcnstiger als in konventionellen Gesch\u00e4ften.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<lite-youtube style=\"background-image: url('https:\/\/i.ytimg.com\/vi\/kqESjcrFmTA\/hqdefault.jpg');\" videoid=\"kqESjcrFmTA\" params=\"rel=0&#038;enablejsapi=1&#038;origin=https%3A%2F%2Fwww.greenpeace.ch&#038;cc_load_policy=1\"><\/lite-youtube>\n<\/div><\/figure>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Mit Geldstreik gegen die Verschwendung<\/h3>\n\n<p class=\"p2\">Fellmers medienwirksames Engagement gegen die Ressourcenverschwendung und f\u00fcr alternative Lebenskonzepte begann 2010: Nach dem Uniabschluss seiner Europastudien trampte er ohne einen Euro in der Tasche von Holland nach Mexiko. <a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.ch\/2015\/04\/21\/ich-minimiere-also-bin-ich-2\/#Fellmer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Was als Experiment begann, wurde zum Lebensprojekt.<\/a> Auf einem Segelboot, auf dem er angeheuert hatte, entschied er sich mitten im Atlantischen Ozean, von nun an ohne Geld zu leben. \u00abW\u00e4hrend der Uno-Klimakonferenz, die in jenem Jahr in Canc\u00fan tagte, realisierte ich, dass wir den Wandel leben m\u00fcssen, den wir in der Welt sehen m\u00f6chten\u00bb, erinnert er sich. \u00abWir haben keine Zeit, auf die Politik zu warten.\u00bb Fellmer sah seinen Geldstreik fortan als politisches Statement und gelebten Wandel. Gleichzeitig wuchs in Mexiko sein Bewusstsein und sein Unverst\u00e4ndnis, dass Millionen von Menschen hungern, w\u00e4hrend t\u00e4glich Tonnen von \u00fcbersch\u00fcssigen Lebensmitteln vernichtet werden.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Zur\u00fcck in Berlin fand Fellmer mit seiner Frau und der neugeborenen Tochter kostenfrei Unterschlupf. Dort erlebte er den \u00dcberfluss wieder hautnah. T\u00e4glich besorgte er sich Lebensmittel und Gebrauchsg\u00fcter des Alltags aus den M\u00fclltonnen der umliegenden Superm\u00e4rkte \u2013 illegal. Fellmer und seine Familie lebten gut vom \u00abAbfall\u00bb, der in ihrer Umgebung t\u00e4glich produziert wurde. Im M\u00e4rz 2012 initiierte er die Lebensmittelretten-Bewegung. Gleichgesinnte retteten nun legal Lebensmittel von kooperierenden Superm\u00e4rkten, B\u00e4ckereien und Restaurants und verteilten sie kostenlos. 2014 fusionierte das Netzwerk mit der webbasierten Plattform <a href=\"https:\/\/foodsharing.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">foodsharing.de<\/a>.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Teil der L\u00f6sung werden<\/h3>\n\n<p class=\"p2\">Heute hat <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/foodsharing.de\/\" target=\"_blank\">foodsharing.de<\/a> \u00fcber 300\u2009000 Nutzerinnen und Nutzer sowie 30\u2009000 sogenannte \u00abFoodsavers\u00bb, die regelm\u00e4ssig bei \u00fcber 3300 Kooperationsbetrieben Lebensmittel retten und verteilen. \u00abViele sahen in unserem\u00a0Projekt eine M\u00f6glichkeit, mit ihrer eigenen Motivation anzudocken und selbst etwas gegen Verschwendung und Umweltverschmutzung zu tun\u00bb, erkl\u00e4rt Fellmer den Erfolg von <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/foodsharing.de\/\" target=\"_blank\">foodsharing.de<\/a>. \u00abViele erkannten, dass die Liebe zu Lebensmitteln auch die Liebe zur Erde ist: zum eingesetzten Wasser, zur ben\u00f6tigten Energie und zur geleisteten Arbeit.\u00bb<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Fellmer schrieb ein Buch \u00fcber seinen Geldstreik und die Lebensmittelretten-Bewegung.<br>\nEr trat in Talkshows auf und sprach vor Schulklassen. Im Sommer 2015 nahm er zum ersten Mal wieder Geld an. Er sah sich gezwungen, sich von seinem \u00abDogma und Privatgef\u00e4ngnis\u00bb, wie er es heute nennt, zu l\u00f6sen. Er hatte nun zwei Kinder und musste in Berlin eine neue Bleibe f\u00fcr seine Familie finden. Heute ist er \u00fcberzeugt, dass Geld ein Vehikel f\u00fcr positiven Wandel sein kann und den Wirkungsgrad seines Engagements erh\u00f6hen wird. \u00abEigentlich war ich schon immer Unternehmer\u00bb, sinniert der 34-J\u00e4hrige \u00fcber seinen Wandel vom Geldverweigerer zum Gesch\u00e4ftsmann. Sein Antrieb sei derselbe geblieben: \u00abMit anderen Menschen zusammen Ideen verwirklichen zu d\u00fcrfen, welche die Welt ein St\u00fcck besser machen, ist sehr befriedigend.\u00bb<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Zum Fliegen kam die Idee eines Gesch\u00e4fts f\u00fcr gerettete Lebensmittel in Berlin dank eines Darlehens von 100\u2009000 Euro und einer Crowdfunding-Kampagne. 1700 Menschen spendeten 90\u2009000 Euro. \u00abCrowdfunding ist ein tolles Inst\u00adrument, um eine Idee \u00fcber Medien und soziale Netzwerke bekannt zu machen und zu schauen, ob sie ankommt.\u00bb Der Zeitaufwand sei jedoch nicht zu untersch\u00e4tzen, sagt er. Allein das Pr\u00e4sentationsvideo habe \u00fcber zwei Monate in Anspruch genommen. Fellmer schwebt f\u00fcr die Zukunft eine Lebenmittelretten-Franchisingkette vor, mit Gesch\u00e4ften in ganz Deutschland, in \u00d6sterreich und der Schweiz. Eine Art McDonald\u2019s f\u00fcr gerettete Lebensmittel also? \u00abWir machen das f\u00fcr die Sache\u00bb, erkl\u00e4rt Fellmer. \u00abWir haben die Marke, die Prozesse, ein B\u00fcndel von Erfahrungen und Kontakten. Die stellen wir Interessierten zur Verf\u00fcgung und schaffen damit eine Basis, damit Lebensmittelretten zum Mainstream wird.\u00bb<\/p>\n\n<p><em>In der n\u00e4chsten Folge der\u00a0Walk the Talk!\u00a0Serie erwartet Sie ein Portr\u00e4t \u00fcber Franziska Herren: Vom Fitnessstudio ins Bundeshaus.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt gen\u00fcgend Gr\u00fcnde, pessimistisch zu sein: Hurrikane, Waldbr\u00e4nde, \u00dcberschwemmungen, Fisch- und Korallensterben, Mikroplastik und Anti\u00adbiotika in unseren Lebensmitteln. Die Temperaturen steigen von Jahr zu Jahr, und das Arktiseis bricht langsam auseinander. 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