{"id":45121,"date":"2018-01-12T07:00:00","date_gmt":"2018-01-12T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45121"},"modified":"2020-05-27T10:40:28","modified_gmt":"2020-05-27T08:40:28","slug":"walk-the-talk-serie-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45121\/walk-the-talk-serie-25\/","title":{"rendered":"Walk the Talk! (Serie: 2\/5)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. Franziska Herren ist eine von ihnen<\/strong>.<\/p>\n\n<h3 class=\"p1 wp-block-heading\">Vom Fitnessstudio ins Bundeshaus \u2013 eine Frau k\u00e4mpft gegen Sub\u00adventionen f\u00fcr zerst\u00f6rerische Landwirtschaft.<\/h3>\n\n<p class=\"p1\">Wir k\u00f6nnen uns gerne auch am Sonntagnachmittag treffen, hat Franziska Herren auf meine Anfrage f\u00fcr einen Gespr\u00e4chstermin geantwortet. \u00abArbeit und Freizeit sind f\u00fcr mich einerlei.\u00bb\u00a0 Seit die 50-j\u00e4hrige Bernerin im M\u00e4rz mit dem Stimmensammeln f\u00fcr ihre neuste Initiative begonnen hat, arbeitet sie praktisch rund um die Uhr. Ihr Sohn im Teenageralter, der anders als die Tochter noch zu Hause lebt, habe k\u00fcrz\u00adlich zu ihr gesagt, man sehe, dass sie wieder in einer Initiative stecke; der K\u00fchlschrank sei fast leer. Das Fitnessstudio, das die ehemalige Stewardess seit 24 Jahren an ihrem Wohnort Wiedlisbach BE im Oberaargau f\u00fchrt, wird tempor\u00e4r vor allem von den Angestellten gemanagt.<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Herren wirft gerne grunds\u00e4tzliche Fragen auf: \u00abWeshalb m\u00fcssen Konsumenten mehr f\u00fcr biologisch produzierte Produkte bezahlen als f\u00fcr konventionelle? Und weshalb k\u00f6nnen sich in der Folge nur Privilegierte solche Produkte leisten?\u00bb, fragt sie rhetorisch. \u00abWeil Bauern nicht f\u00fcr die Umweltsch\u00e4den aufkommen m\u00fcssen, die durch Pestizide und Antibiotika angerichtet werden. Und weil diese Sch\u00e4den auch noch vom Bund subventioniert werden.\u00bb Mit ihrer Volks\u00adinitiative \u00abF\u00fcr sauberes Trink\u00adwasser und gesunde Nahrung\u00bb will Herren die Schweizer Landwirtschaft umkrempeln: Anstatt konventionelle Landwirtschaftsbetriebe mit Milliarden Franken zu subventionieren, sollen nur noch diejenigen Be\u00adtriebe von Bund und Kantonen unterst\u00fctzt werden, die ohne Pestizide und ohne Massentierhaltung produzieren.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wissen verpflichtet<\/h3>\n\n<p class=\"p2\">\u00abEigentlich habe ich M\u00fche, in der \u00d6ffentlichkeit zu stehen, und arbeite lieber im Hintergrund\u00bb, gesteht Herren. \u00abDoch vom Zeitpunkt an, wo man etwas weiss, hat man eine Verantwortung. Dann muss man einfach etwas unternehmen.\u00bb Ihr politisches Engagement begann vor zw\u00f6lf Jahren mit einer Gemeindeinitiative gegen den Kahlschlag eines Waldst\u00fccks und Naherholungsgebiets hinter ihrem Haus. Sie mobilisierte ihre Nachbarn, verhandelte mit der Burgergemeinde und wendete den Kahlschlag schliesslich ab. Zum ersten Mal sp\u00fcrte Herren, was es heisst, ein Anliegen gegen die Mehrheit und gegen Expertenmeinungen zu vertreten. Manche Nachbarn in der 2000-Seelen-Gemeinde gingen ihr pl\u00f6tzlich aus dem Weg oder kamen nicht mehr ins Fitnessstudio. Noch st\u00e4rker bekam sie die Ablehnung zu sp\u00fcren, als&nbsp;sie 2011 auf Gemeindeebene gegen die Umzonung von Fruchtfolgeland k\u00e4mpfte. Es ging um viel Geld; entsprechend hart wurde um die Gunst der Gemeinde gerungen.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima im M\u00e4rz 2011 kam Herren unverhofft zu ihrem ersten politischen Auftritt auf kantonaler Ebene. Schockiert von den Bildern aus Japan, druckte sie Flugbl\u00e4tter und verteilte sie in ihrer Gemeinde. Eine Schweiz mit 100 Prozent erneuerbarer Energie sei m\u00f6glich, behauptete sie dort.&nbsp;Walter Kummer, ein ehemaliger Unternehmer mit Geld und rechtlichem Know-how, bekam ein Flugblatt in die Hand. Er bot Herren an, eines ihrer Anliegen, das AKW M\u00fchleberg vom Netz zu nehmen, auf kantonaler Ebene durchzusetzen. Ein Initiativkomitee wurde zusammen\u00adgestellt, eine Website aufgeschaltet und Unterschriftensammler rekrutiert. \u00abM\u00fchleberg vom Netz\u00bb wurde am 18. Mai 2014 vom Berner Stimmvolk abgelehnt. F\u00fcr Herren war die Initiative trotzdem ein Erfolg: \u00abAufgrund der Abstimmungsdebatte kann die BKW heute nicht mehr anders, als das AKW bis 2019 vom Netz zu nehmen.\u00bb<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bewusstsein f\u00fcr Schlamassel in Landwirtschaft<\/h3>\n\n<p class=\"p1\">Herrens erste Initiative auf Bundesebene nahm ihren Anfang w\u00e4hrend einer Wanderung. Sie traf auf eine junge Kuh, die schreiend allein auf dem Feld stand, weil man ihr soeben das neugeborene Kalb weggenommen hatte. Sie begann zu recherchieren: \u00abJe mehr ich mich mit dem Leid dieser Kuh befasste, desto mehr wurde mir der ganze Schlamassel unserer intensiven Landwirtschaft bewusst.\u00bb Dass man zugunsten einer hohen Milchproduktion den K\u00fchen ihre Neugeborenen entreisst, war nur die Spitze des Eisbergs. Bald verzichtete Herren auf K\u00e4se und Milch; Vegetarierin war sie seit Kindesalter gewesen. Heute emp\u00f6rt sie sich dar\u00fcber, wie Konsumenten durch Werbung f\u00fcr Fleisch und Milch \u00fcber die tats\u00e4chlichen Produktionsverh\u00e4ltnisse \u2013 die intensive Massentierhaltung \u2013 get\u00e4uscht werden. Und dar\u00fcber, dass diese Werbung, genauso wie die umweltsch\u00e4dliche und unethische landwirtschaftliche Produktion, durch Steuergelder subventioniert wird. Der Lobbyverband Proviande erh\u00e4lt vom Bund j\u00e4hrlich rund sechs Millionen Franken.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Mit ihrer Initiative will Herren den Bogen von einer intensiven, auf Futtermittelimporten und Medikamenten basierenden Landwirtschaft zur Trinkwasserqualit\u00e4t spannen. Die konventionelle Landwirtschaft belastet B\u00f6den mit Nitraten und Pestiziden. Hinzu kommen Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nde insbesondere von Anti\u00adbiotika, die in der Massentierhaltung heute oft pr\u00e4ventiv eingesetzt werden. \u00dcber Mist und G\u00fclle gelangen sie auf die Felder, von dort ins Grundwasser und schliesslich in unser Trinkwasser. Was Herren besonders sorgt: \u00abDie j\u00e4hrlich 42 Tonnen Antibiotika, die f\u00fcr unsere auf Hochleistung getrimmte Tierhaltung eingesetzt werden, f\u00fchren dazu, dass sich zunehmend multiresistente Bakterien \u00fcber die Gew\u00e4sser verbreiten.\u00bb F\u00fcr Menschen kann eine entsprechende Infektion t\u00f6dlich enden. Deshalb bezieht sich das Initiativkomitee explizit auf das Gew\u00e4sserschutzgesetz, das es verbietet, Stoffe in B\u00f6den versickern zu lassen, die Wasser verunreinigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Laut Herren st\u00f6sst die Initiative auf breites Interesse. \u00abDie meisten unserer Spenderinnen und Unterschriftensammler kamen von sich aus auf uns zu, als sie von der Initiative h\u00f6rten.\u00bb Das stimme sie positiv. \u00abSolange man Menschen mit solchen Initiativen ber\u00fchren kann, so lange sehe ich eine Chance f\u00fcr gesellschaftlichen Wandel.\u00bb Herrens Erfolgsrezept, um die Menschen zu ber\u00fchren: \u00abMan muss pers\u00f6nlich pr\u00e4sent sein.\u00bb Deshalb stehen ihre Telefonnummer und ihre E-Mail-Adresse auf jedem Unterschriftenbogen. Sie beantworte praktisch jede Anfrage pers\u00f6nlich \u2013 oft bis in die Nacht. Der Aufwand scheint sich zu lohnen: Nach sechs Monaten Unterschriftensammeln deutet alles darauf hin, dass die Initiative zustande kommt.<\/p>\n\n<p>Beitragsbild: Franziska Herren (links) in Diskussion mit der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n<p><a class=\"button\" rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2017\/08\/18\/die-zeit-fuer-eine-echte-oekologische-landwirtschaft-ist-reif\/\" target=\"_blank\">Lesen Sie auch unseren Blog zur Trinkwasser Initiative: Die Zeit f\u00fcr eine \u00f6kologische Landwirtschaft ist reif<\/a><\/p>\n\n<p><em>In der n\u00e4chsten Folge der\u00a0Walk the Talk!\u00a0Serie erwartet Sie ein Portrait \u00fcber Max Liboiron: Mit Babystr\u00fcmpfen und B\u00fcrgerwissenschaft gegen Mikroplastik.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. Franziska Herren ist eine von ihnen:<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":45122,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[33],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-45121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","tag-ernaehrung","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45121"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45121\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45121"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=45121"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=45121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}