{"id":45123,"date":"2018-01-16T07:00:00","date_gmt":"2018-01-16T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45123"},"modified":"2020-05-27T10:46:09","modified_gmt":"2020-05-27T08:46:09","slug":"walk-the-talk-serie-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45123\/walk-the-talk-serie-35\/","title":{"rendered":"Walk the Talk! (Serie: 3\/5)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. Max Liboiron ist eine von ihnen<\/strong>.<\/p>\n\n<h3 class=\"p1 wp-block-heading\">Mit Babystr\u00fcmpfen und B\u00fcrgerwissenschaft gegen Mikroplastik<\/h3>\n\n<p class=\"p1\">Max Liboiron ist Biologin, Feministin, K\u00fcnstlerin und Aktivistin. All diese Facetten ihrer Pers\u00f6nlichkeit bringt die Assistenzprofessorin bei ihrer Arbeit f\u00fcr das \u00abCivic Laboratory for Environmental Action Research\u00bb (CLEAR) mit ein. \u00abWissenschaft und Aktivismus waren f\u00fcr mich schon immer dasselbe\u00bb, sagt sie \u00fcberzeugt. Eine nichtaktivistische Forschung sei f\u00fcr sie undenkbar.<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Liboiron wuchs in Nordkanada auf, studierte Biologie, absolvierte einen Master in Kulturwissenschaften in New York und doktorierte an der New York University zu Plastikverschmutzung. Vor zwei Jahren zog sie auf die Insel Neufundland in Nordkanada und baute an der Memorial University ihr eigenes Labor auf. Am CLEAR wird fast ausschliesslich zur Verschmutzung der Ozeane durch Plastikm\u00fcll geforscht, insbesondere durch Mikroplastik. Das sind nach Definition Plastikpartikel, die weniger als f\u00fcnf Millimeter gross sind. Bei ihrem Weg durch die Meere reichern sie sich mit giftigen Industriechemikalien an. Das geht so weit, dass in Kanada gefundene Kadaver von Eisb\u00e4ren, die an der Spitze der\u00a0arktischen Nahrungskette stehen, wegen Vergiftungen als Sonderm\u00fcll entsorgt werden mussten. In Neufundland leben Tausende Menschen vom Fischfang, und bei den Einwohnern geh\u00f6ren Kabeljau und andere Speise\u00adfische zu den Grundnahrungsmitteln. Der Mikroplastik bedroht auch ihre Gesundheit.<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Die Fischereiindustrie trage Mitschuld an der Plastikkatastrophe, erkl\u00e4rt Liboiron. In Neufundland geh\u00f6re die kommerzielle Fischerei zu den gr\u00f6ssten Quellen von synthetischem Meeresm\u00fcll. Die Fangnetze bestehen meist aus Kunststoffen wie Nylon. Anders als traditionelle Netze aus Pflanzenfasern zerfallen diese nicht und bleiben \u00fcber Jahrhunderte im Meer. Liboiron fordert deshalb neue Gesetzgebungen, welche die Industrie zu nachhaltigeren Verfahren zwingen. \u00abWir m\u00fcssen unsere Art, wie wir mit Ressourcen umgehen, komplett \u00fcberdenken.\u00bb<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Feministisch und postkolonialistisch informierte Wissenschaft<\/h3>\n\n<p class=\"p2\"><a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.ch\/2017\/08\/04\/buergerwissenschaft-mit-kabeljau\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Heute arbeiten 25 Doktorierende, Stu\u00addierende, Experten und B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ohne Fachausbildung am CLEAR.<\/a> \u00abNorma\u00adlerweise sind Forschungsgruppen sehr hierarchisch aufgebaut \u2013 und an der Spitze steht meist ein \u00e4lterer weisser Mann\u00bb, erz\u00e4hlt Liboi\u00adron. \u00abBei uns hingegen hat jede Stimme dasselbe Gewicht.\u00bb F\u00fcr die Aktivistin ist das Teil einer \u00abfeministisch und postkolonialistisch informierten\u00bb Wissenschaft, die sich der herrschenden Machtverh\u00e4ltnisse bewusst ist und diese gezielt untergr\u00e4bt. \u00abDer soziale Wandel ist in unseren Methoden angelegt\u00bb, erkl\u00e4rt sie. \u00abNicht die Forschungsergebnisse und die daraus abgeleiteten Argumentationen sind unsere Instrumente f\u00fcr Ver\u00e4nderung, sondern der Forschungsprozess selbst.\u00bb<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Liboiron erkl\u00e4rt das an einem Beispiel: Herk\u00f6mmlich werden Fische f\u00fcr Tests auf Mikroplastik gefangen und get\u00f6tet. F\u00fcr Liboiron ist das eine kolonialistische Praxis. Ihr Team geht direkt in die Fischereih\u00e4fen, arbeitet mit den Fischern zusammen und nutzt den f\u00fcr den Verzehr gefangenen Fisch f\u00fcr Mikroplastik-Tests. \u00abSo analysieren wir nicht ein zuf\u00e4lliges Sample, sondern automatisch den Fisch, der von den Menschen in unserer Region gegessen wird.\u00bb Gleichzeitig bilden Liboiron und ihr Team Laien darin aus, Proben von Mikroplastik aus den Eingeweiden der Fische zu entnehmen. So werden sie erm\u00e4chtigt, k\u00fcnftig selbst\u00e4ndig zu bestimmen, wie stark ihr Fisch durch Mikroplastik belastet ist.<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die aktivistische Forschung am CLEAR ist die Entwicklung von Do-it-yourself-Analytikinstrumenten. \u00abHerk\u00f6mmliche Ger\u00e4te f\u00fcr die Entnahme von Mikroplastikproben aus dem Meer kosten 35\u2009000 Kanadische Dollar, und f\u00fcr den Einsatz ist ein spezielles Boot notwendig\u00bb, erkl\u00e4rt<br>\nLiboiron. Sie hat mit ihrem Team aus Plastik\u00adflaschen, Babystr\u00fcmpfen und Metallklemmen f\u00fcr 12 Kanadische Dollar (9 Fr.) ein Ger\u00e4t ent\u00adwickelt, das sich ebenfalls zur Entnahme von Mikroplastik eignet. Sowohl die Bauanleitung als auch die Methodik f\u00fcr die Probenentnahme werden vom Labor \u00fcbers Internet geteilt. \u00abWir wollen, dass alle selbst pr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob ihre Umwelt verschmutzt ist. Daf\u00fcr sollte kein Universit\u00e4tsabschluss n\u00f6tig sein.\u00bb Eine solche \u00abcitizen science\u00bb \u2013 Wissenschaft unter Miteinbezug von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern \u2013 kommt laut Liboiron selbst bei konservativen Fischergemeinden in Neufundland gut an: \u00abSie m\u00f6gen uns, weil die Zusammenarbeit Spass macht. Und sie sch\u00e4tzen, dass wir nicht so borniert sind wie andere Wissenschaftler\u00bb, erz\u00e4hlt die Akti\u00advistin. \u00abDabei ist ihnen komplett egal, ob unsere Forschung feministisch oder postkolonialistisch oder was auch immer ist.\u00bb<\/p>\n\n<p>Beitragsbild: Max Liboiron unterwegs mit ihrem Team und dem selbst entwickelten Ger\u00e4t zur Erforschung von Plastikm\u00fcss im Meer.<\/p>\n\n<p><em>In der n\u00e4chsten Folge der\u00a0Walk the Talk!\u00a0Serie erwartet Sie ein Portrait \u00fcber Heidi Portmann: Unerm\u00fcdliche Anti-AKW-Verlegerin.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. 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