{"id":45125,"date":"2018-01-19T07:00:00","date_gmt":"2018-01-19T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45125"},"modified":"2020-05-27T10:51:27","modified_gmt":"2020-05-27T08:51:27","slug":"walk-the-talk-serie-45","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45125\/walk-the-talk-serie-45\/","title":{"rendered":"Walk the Talk! (Serie: 4\/5)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. Heidi Portmann ist eine von ihnen<\/strong>.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Heidi Portmann, Anti-AKW Aktivistin: &#171;Goppeloni, das darf doch nicht wahr sein!&#187;<\/h3>\n\n<p>Heidi Portmanns Reich ist ein verwunschenes Einfamilienhaus in Arlesheim, eine Viertelstunde mit dem Tram von Basel entfernt. Das Haus ist dicht mit alten Reben bewachsen und von einem wilden Garten mit Kaninchengehege umgeben. Im Wohnzimmer des Kleinods gibt die 77-j\u00e4hrige Aktivistin seit \u00fcber 30 Jahren ihre Anti-AKW-Zeitung \u00abEnergieExpress\u00bb heraus. F\u00fcr ihren unerm\u00fcdlichen Einsatz wurde sie im September 2017 zusammen mit 26 weiteren Schweizer Anti-AKW-Aktivistinnen und -Aktivisten mit dem internationalen Nuclear-Free Future Award ausgezeichnet.<\/p>\n\n<p>Portmanns Wohnzimmer ist auch das B\u00fcro ihres Verlags: Auf einem h\u00f6lzernen Esstisch liegen zwei Laptops, daneben stapeln sich Zeitungsausschnitte und Magazine. Am Boden neben dem Cheminee sind Ordner aufgereiht und in einer Ecke steht ein Drucker. Abgesehen von den Bildern ihrer Enkelkinder und der Pflegetochter aus Jamaika, die bis vor kurzem hier gelebt hat, k\u00f6nnte man sich ebenso gut im WG-B\u00fcro eines Start-ups befinden. Die Umgebung reflektiert Portmanns jungen Geist. Ihre strahlenden Augen leuchten aus einem freundlichen Gesicht mit sanften Z\u00fcgen. Ihr blond-weisses Haar ist bubenhaft geschnitten und sie tr\u00e4gt Blue Jeans. \u00abAtom-Heidi\u00bb wurde sie von Kollegen im Landrat oft genannt \u2013&nbsp;vor allem von denjenigen, denen sie mit ihren Vorst\u00f6ssen f\u00fcr Umweltanliegen und nachhaltige Energie regelm\u00e4ssig Sand ins Getriebe sch\u00fcttete.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kaiseraugst als Initialz\u00fcndung<\/h3>\n\n<p>Als Portmann nach Stationen in Kalifornien und Bern Ende der 70er-Jahre nach Arlesheim zog, hatte sich dort bereits eine Gruppe aktiver AKW-Gegnerinnen geformt. Portmann liess sich von ihrem Mann, einem Chemiker, erkl\u00e4ren, was es mit der Spaltung von Uranium und Plutonium, dem dabei freigesetzten Prozess und den dabei anfallenden Abf\u00e4llen auf sich hat. Sie war emp\u00f6rt. Noch immer k\u00e4mpften Aktivisten und Aktivistinnen gegen das geplante Kernkraftwerk Kaiseraugst. Dies nachdem 15`000 Demonstrierende das Baugel\u00e4nde im April 1975 w\u00e4hrend elf Wochen besetzt hatten. Portmann schloss sich der bis heute existierenden Gewaltfreien Aktion Kaiseraugst (GAK) an. \u00abNach den Demonstrationen fragten wir uns: Was k\u00f6nnen wir nun gegen Kaiseraugst und all die weiter geplanten AKWs tun?\u00bb Eine gut informierte Bev\u00f6lkerung sei die Basis f\u00fcr den Widerstand, kam man \u00fcberein. Also gr\u00fcndete die GAK eine Zeitung. \u00dcber sieben Ecken gelangte Portmann an eine Druckerei, die sich kurzerhand bereit erkl\u00e4rte, unentgeltlich ein Informationsblatt an s\u00e4mtliche Haushalte des Kantons zu verschicken, um k\u00fcnftige Abonnenten anzuwerben. Es sollte die einzige Werbeaktion des \u00abEnergieExpress\u00bb bleiben. Das Informationsblatt wurde Mitte Mai 1986 verschickt \u2013 nur wenige Tage nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Auf einen Schlag stieg das Interesse an den Risiken der Nuklearenergie exponentiell. Der Versand wurde auf weitere Kantone ausgedehnt und innert weniger Monate hatte der neu gegr\u00fcndete \u00abEnergieExpress\u00bb 18&nbsp;000 Abonnenten und Abonnentinnen in der ganzen Schweiz.<\/p>\n\n<p>\u00abWir wollten zuerst einen professionellen Journalisten mit der Zeitung beauftragen\u00bb, erinnert sich Portmann. \u00abDoch wir merkten bald, dass wir uns das gar nicht leisten konnten.\u00bb Sie sprang in die Bresche und wurde zur Do-it-yourself-Verlegerin. Daf\u00fcr holte sie sich Rat in ihrem Umfeld, begann zu recherchieren, schrieb Artikel und fand schliesslich doch noch Unterst\u00fctzung von einem interessierten Journalisten. Zweimal reiste sie nach Tschernobyl, um sich vor Ort ein Bild von der Zerst\u00f6rung zu machen und dar\u00fcber zu schreiben. Sie besuchte die Wiederaufbereitungsanlagen in La Hague und Sellafield sowie die Uranmine Key Lake in Kanada \u2013 alles auf eigene Kosten. \u00abGoppeloni, dachte ich jedes Mal, das darf doch nicht wahr sein!\u00bb Jeder Besuch steigerte ihre Emp\u00f6rung \u00fcber die Gefahren der Kernenergie und die Unbek\u00fcmmertheit der Betreiber und der Politik. Neben der Zeitung politisierte sie im Landrat f\u00fcr die SP und versuchte dort ihre Kollegen und Kolleginnen f\u00fcr die Gefahren der Kernenergie und f\u00fcr mehr Umweltschutz zu sensibilisieren.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachtschichten f\u00fcr Adressaufkleber<\/h3>\n\n<p>116 Ausgaben des \u00abEnergieExpress\u00bb sind bis heute erschienen. In ihrem fortgeschrittenen Alter sieht Portmann nach wie vor keinen Grund, damit aufzuh\u00f6ren. Sie publiziert immer noch vier Ausgaben pro Jahr, f\u00fcr welche die Mitglieder zehn Franken bezahlen. Das reicht f\u00fcr den Druck, den Versand und etwas Lobbyarbeit der GAK. Auf der Suche nach neuen Geschichten liest Portmann t\u00e4glich eine Stunde lang den \u00abTages-Anzeiger\u00bb, sie schaut sich regelm\u00e4ssig auf 15 AKW-kritischen Webseiten um, liest Studien der Schweizerischen Energie-Stiftung und Magazine von Energieunternehmen. Sie koordiniert ehrenamtliche Journalisten, organisiert das Lektorat und setzt die Texte auf ihrem weissen MacBook ins Layout.<\/p>\n\n<p>Zu Beginn arbeitete sie zwei Wochen pro Monat ausschliesslich f\u00fcr die Zeitung, erz\u00e4hlt sie. Damals druckte sie die 16\u00a0000 Adressaufkleber f\u00fcr die Couverts noch im Keller \u2013 Papierstaus mitten in der Nacht inklusive. Heute ist der Zeitaufwand etwas geringer, der Technik sei Dank. Zudem ist das Team eingespielt und die Anzahl Seiten wurde k\u00fcrzlich von acht auf vier reduziert. \u00abDie meisten Leserinnen haben das nicht einmal gemerkt\u00bb, erz\u00e4hlt Portmann ohne Groll. Beschleichen sie nicht manchmal Zweifel, ob ihre Artikel \u00fcberhaupt gelesen werden und ihre Arbeit von der Leserschaft gesch\u00e4tzt wird? Portmann winkt ab. \u00abIch komme ja auch nicht dazu, alles zu lesen. Und auch wenn die Empf\u00e4nger unsere Zeitung nur aus \u00dcberzeugung finanziell unterst\u00fctzen, stimmt das f\u00fcr mich.\u00bb Auch dass die Leserschaft mittlerweile auf 8000 geschrumpft ist, weil \u00e4ltere Abonnenten sterben und keine neuen dazukommen, tr\u00fcbt Portmanns Motivation nicht. \u00abWissen Sie, die Zeitung ist wichtig. Aber das Sch\u00f6nste ist, Menschen um sich herum zu haben, die einen unterst\u00fctzen, weil sie dasselbe wollen und weil sie einen Sinn in dem sehen, was ich tue.\u00bb Auch wenn die Bev\u00f6lkerung heute besser informiert sei, Aufkl\u00e4rungsarbeit tue weiterhin Not: \u00abBeznau muss sofort vom Netz. Weltweit kommt es nach wie vor regelm\u00e4ssig zu AKW-St\u00f6rf\u00e4llen. Und die Energiewende muss nun konsequent vorangetrieben werden.\u00bb Daf\u00fcr wird die 77-j\u00e4hrige Aktivistin in ihrem Verleger-Wohnzimmer in Arlesheim auch weiterhin in die Tasten greifen.<\/p>\n\n<p><em>In der n\u00e4chsten Folge der\u00a0Walk the Talk!\u00a0Serie erwartet Sie ein Portr\u00e4t von Martinez Xiuhtezcatl, einem 17-j\u00e4hrigen Azteken, der gegen die US-Regierung klagt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich f\u00fcr die Umwelt engagieren, gerade weil sie sich der enormen Herausforderungen bewusst sind, vor denen unsere Gesellschaften stehen. Ihre Motive und Methoden unterscheiden sich. Aber allen sind zwei Dinge gemein: Sie leben den Wandel, den sie in der Welt sehen wollen. Und sie inspirieren dadurch andere, es ihnen gleichzutun. 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