{"id":45129,"date":"2018-01-26T07:00:00","date_gmt":"2018-01-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45129"},"modified":"2020-05-27T11:12:40","modified_gmt":"2020-05-27T09:12:40","slug":"mobilisierung-ist-gut-engagement-noch-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45129\/mobilisierung-ist-gut-engagement-noch-besser\/","title":{"rendered":"Mobilisierung ist gut, Engagement noch besser\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wer Menschen mobilisieren will, spricht in erster Linie die Emotionen, Wut und Angst an. So gehen politische Umweltorganisationen und Aktivisten vor, z.B. in ihren Mobilisierungen gegen AKWs, die Klima\u00aderw\u00e4rmung oder gegen die Trump-Inverkehrsetzung. Das funktioniert recht gut. Nachhaltig sind Mobili\u00adsierungen indes meist nicht; sie k\u00f6nnen eher schlecht als recht in langfristiges Engagement umgem\u00fcnzt werden.<\/strong><\/p>\n\n<p>Eine Kolumne von Kuno Rotth<\/p>\n\n<p>Dass sich nur eine kleine Minderheit langfristig gesellschaftlich engagiert, k\u00f6nnte darin begr\u00fcndet sein, dass mit Protestaktivit\u00e4ten einseitig negative Gef\u00fchle angesprochen werden. Das mobilisiert zwar auf der rechten Seite den Wutb\u00fcrger und auf der linken die Aktivistin, schliesst aber jene potenziell Engagierten aus, bei denen mehr Saiten zum Klingen gebracht werden m\u00fcssten. Denn die meisten Menschen wollen bei einem langfristigen Engagement vor allem positive Emotionen erleben. Sie setzen sich also dann gerne und verbindlich f\u00fcr eine Sache ein, wenn sich Freude mit Inhalt trifft. Und k\u00f6nnen sie etwas aktiv mitgestalten, steigt ihre Bereitschaft, viel zu leisten. Der Erfolg, gemeinsam konkrete Schritte zu erreichen, ist der Treibstoff f\u00fcrs Engagement. Das ist z.B. ansatzweise in den zahlreich aufkommenden \u00d6ko-Siedlungen zu erkennen. Hier engagieren sich viele Menschen \u00fcbers Einfamilienhaus hinaus: Im (nicht zu) Kleinen die Welt gestalten und leben, die man sich im Grossen w\u00fcnscht, ist eine wichtige Grundlage f\u00fcr weiteres Engagement.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lernen beim Engagement ist der Schl\u00fcssel<\/h3>\n\n<p>Wie also k\u00f6nnen Organisationen mehr Menschen zum Engagement begleiten bzw. f\u00fchren? Zur Beantwortung dieser \u2013 f\u00fcr alle NGOs zentralen \u2013 Frage bietet die Motivforschung* Hilfestellung. Nach ihr gibt es vier Kraftquellen des Handelns, n\u00e4mlich die Motive \u00abBeziehung\u00bb, \u00abFreiheit\u00bb, \u00abMacht\u00bb und \u00abLeistung\u00bb. Sie sind alle in jedem Menschen angelegt, freilich verschieden stark ausgepr\u00e4gt. Bei Freiwilligen dominiert oft das Motiv \u00abBeziehung\u00bb, das danach trachtet, Beziehungsw\u00e4rme durch Kooperation zu gewinnen. Das Motiv \u00abFreiheit\u00bb sucht nach Gestaltungsm\u00f6glichkeiten. Das Machtmotiv zeigt sich im Willen, sich gegen Gesellschaftsmitglieder durchzusetzen, die andere Werte vertreten. Das Motiv \u00abLeistung\u00bb schliesslich wird durch die Emotionen Freude und Interesse angefacht. Und sich selber entwickeln zu wollen \u2013 der Lerntrieb \u2013, ist Teil dieses Leistungsmotivs. Er ist ein starker Antreiber und der Schl\u00fcssel zum Engagement.<\/p>\n\n<p>Wie k\u00f6nnte oder gar m\u00fcsste, so stellt sich die Frage, Kampagnenarbeit ver\u00e4ndert werden, damit diese Grundmotive vermehrt zur Resonanz kommen? Einige \u00dcberlegungen:<\/p>\n\n<p>Das Beziehungsmotiv ist das grundlegende Motiv f\u00fcr partizipative Kampagnen (\u00abopen campaigns\u00bb). Es bedeutet einerseits, zusammen mit anderen Projekte umsetzen zu wollen. Andererseits aber auch, dass Engagierte als Menschen und nicht als Werkzeuge gesehen werden m\u00f6chten. Solches (zu) instrumentelles Denken k\u00f6nnte ein Grund\u00fcbel vieler Campaigning-Organisationen sein: Sie mobilisieren potenziell Engagierte f\u00fcr eine kurzfristige Sache, welche sie zwar schon interessiert, doch meist etwas weniger als die\/den Campaigner\/in.<\/p>\n\n<p>Und vor allem ber\u00fccksichtigen solche Mobilisierungsw\u00fcnsche die Gesamtmotivlage der zu Mobilisierenden zu wenig bzw. sie richten sich an einer kleinen Minderheit aus. Zwar ist es nachvollziehbar, m\u00f6glichst viele Ressourcen zur Durchsetzung einer Forderung mobilisieren zu wollen \u2013 und Freiwillige sind eine (wertvolle) Ressource. Das ist aber zum einen oft nur kurzfristig gedacht. Und zum anderen geht man dabei von der falschen Annahme aus, dass eine Motivation geimpft werden k\u00f6nne \u2013 erkennbar etwa an der Floskel \u00abwir m\u00fcssen sie motivieren\u00bb. Doch die Motive sind im Menschen bereits angelegt und sind die Motoren seines Handelns. Die Floskel w\u00e4re also eher umzudrehen: Wir m\u00fcssen uns motivieren, Angebote partizipativ zu entwickeln.**<\/p>\n\n<p>Damit sich neue, auf Partizipation beruhende Engagement-Arten entfalten k\u00f6nnen, brauchen Organisationen ein solides Grundangebot f\u00fcr Freiwillige. Mit diesem bringen sie \u00c4hnlich-Gesinnte zusammen. Um sie zusammen zu halten, braucht es eine wertsch\u00e4tzende Kommunikation und eine demokratisierte Beziehung. Engagement heisst im Grunde, positive Emotionen zu leben und zu lernen: Freude und Mitmenschlichkeit sind der Boden f\u00fcr neue F\u00fchl-, Denk- und Verhaltensweisen, d.h. die emotionalen Grundlagen des Lebens und damit des Engagements.<\/p>\n\n<p><em>Quellen: Julius Kuhl u. Alexandra Strehlau, \u00abHandlungspsychologische Grundlagen des Coaching\u00bb; Luc Ciompi, \u00abDie emotionalen Grundlagen des Denkens\u00bb; Joachim Bauer, \u00abPrinzip Menschlichkeit \u2013 warum wir von Natur aus kooperieren\u00bb. Empfehlenswert auch: Daniel Kahneman: \u00abSchnelles Denken, langsames Denken\u00bb (schnelles Denken entspr\u00e4che dem Mobilisierungseffekt), langsames Denken dem langfristigen Engagement).<\/em><\/p>\n\n<p><em>** Vorsicht ist allerdings geboten, denn es gibt Engagierte, die eine Organisation zur Befriedigung ihres Machtmotivs instrumentalisieren wollen. Wer sich institutionell engagiert, tut das ja, weil er oder sie sich mit dem Namen der Organisation einen gr\u00f6sseren Einfluss verschaffen will \u2013 damit umzugehen, ist f\u00fcr beide Seiten nicht einfach (siehe Kolumne \u00ab<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/2013\/10\/15\/freiwilligenarbeit-zwischen-freud-und-frust\/\">Freiwilligenarbeit zwischen Freud und Frust<\/a>\u00bb).<\/em><\/p>\n\n<p><strong>Kuno Roth<\/strong>\u00a0\u2013 Dienst\u00e4ltester Mitarbeiter von Greenpeace in der Schweiz \u2013 schreibt in seinen Kolumnen manchmal unverbl\u00fcmt, manchmal humoristisch, manchmal gar satirisch, und immer solidarisch-kritisch\u00a0\u00fcber das Umfeld und Randerscheinungen der \u00d6kobewegung aus (noch) unkonventioneller Sicht, die naheliegend und \u00fcberraschend\u00a0zugleich\u00a0ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer Menschen mobilisieren will, spricht in erster Linie die Emotionen, Wut und Angst an. 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