{"id":45148,"date":"2018-02-23T07:00:00","date_gmt":"2018-02-23T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45148"},"modified":"2020-05-27T11:38:46","modified_gmt":"2020-05-27T09:38:46","slug":"trommeln-tanzen-und-ideologien-wegfeiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45148\/trommeln-tanzen-und-ideologien-wegfeiern\/","title":{"rendered":"Trommeln, tanzen und Ideologien wegfeiern"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Wie in Kolumbien eine neue Form der politischen Partizipation f\u00fcr Bewegung sorgt.<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"p1\">Niemand hatte mit ihnen gerechnet, doch pl\u00f6tzlich trommelten sie mitten im j\u00e4hrlichen Folklorefest der Stadt. Die Studenten und Aktivistinnen von Ibagu\u00e9, einer mittelgrossen Stadt s\u00fcdwestlich von Bogot\u00e1, mischten sich mit ihren zwanzig <i>tambores de resistencia<\/i> bewusst in die vordersten Reihen des Umzugs, denn der erste Wagen geh\u00f6rte nicht irgendeinem Turnverein. Er war von Anglogold Ashanti finanziert, einer der gr\u00f6ssten Minenbaufirmen auf dem Planeten. Die S\u00fcdafrikaner hatten sich Ende der nuller Jahre in der Region installiert, als bekannt geworden war, dass in den B\u00f6den rund um Ibagu\u00e9 die gr\u00f6ssten Goldreserven Lateinamerikas liegen.<\/p>\n\n<p class=\"p2\">W\u00e4hrend die Tambouren trommelten, verteilten Jaime Tocora und seine <i>compa\u00f1eros<\/i> vom Umweltkomitee Flyer und informierten die erstaunten BesucherInnen \u00fcber die Hintergr\u00fcnde von Wagen 1. \u00abAm Ende\u00bb, erinnert sich der 30-J\u00e4hrige, \u00abfeierten die Leute mit uns und buhten das Fahrzeug von Ashanti aus.\u00bb Es war der Anfang von <i>Marcha Carnaval<\/i>.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Tanzen, statt aufzubegehren<\/h3>\n\n<p class=\"p2\">In Kolumbien wird oft demonstriert: gegen ungerechte Gesundheitsreformen, unmenschliche Arbeitsbedingungen, die Ausbeutung der Natur. <i>Resistencia<\/i> ist in Lateinamerika aufgrund der Geschichte Teil des Alltags. \u00abUnd obwohl man diese politische Kultur nicht ignorieren kann\u00bb, sagt Jaime Tocora, \u00abm\u00fcssen wir erkennen, dass die Menschen m\u00fcde sind vom Widerstandleisten.\u00bb Deshalb habe man nach einer anderen Form der politischen Partizipation gesucht und sei w\u00e4hrend der Gespr\u00e4che mit Vertreterinnen von Gewerkschaften, Indigenen- und Bauernorganisationen sowie Universit\u00e4ten allesamt gegen den Megaminenbau \u2013 bei der eigenen Kultur gelandet: beim Musizieren, Tanzen und Feiern, bei der Vielfalt von Ibagu\u00e9. \u00abDie <i>Marcha<\/i> richtet sich nicht gegen den todbringenden Neo-Extraktivismus, gegen den Raubbau und Rohstoffexport\u00bb, sagt Tocora, \u00absondern steht f\u00fcr Freude, Lust und Leben.\u00bb<\/p>\n\n<p class=\"p2\">So gehen die Gegnerinnen des Minenbaus nicht mehr wie fr\u00fcher vermummt und mit Steinen bewaffnet auf die Strasse. Heute malen sich die Ibague\u00f1os Gesichter und K\u00f6rper farbig an, bringen ihre Instrumente mit, verkleiden sich und singen sich die Kehlen wund. Sie transformieren damit nicht nur ihre eigene Wut und Hilflosigkeit, sondern sorgen f\u00fcr ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl, das ideologische und parteipolitische Grenzen unwichtig werden l\u00e4sst. Selbst Vertretende der politischen Rechte trommeln inzwischen mit. An der letzten <i>Marcha Carnaval<\/i> im Juni beteiligten sich \u00fcber 100\u2009000 Menschen \u2013 ein F\u00fcnftel der gesamten Bev\u00f6lkerung von Ibagu\u00e9.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Owqsr40wvhw\n<\/div><\/figure>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00abPolitik kann Freude machen\u00bb<\/h3>\n\n<p class=\"p2\">Was in Ibagu\u00e9 vor zehn Jahren begonnen hat, ist inzwischen in ganz Kolumbien bekannt. Bereits in 35 St\u00e4dten und D\u00f6rfern zeigt die <i>Marcha Carnaval,<\/i> wie B\u00fcrgerbeteiligung auch aussehen kann. \u00abWir wollen die Leute erreichen, die das Vertrauen in politische Prozesse und Einflussnahme l\u00e4ngst verloren haben\u00bb, sagt Paula de las Estrellas (28) von der <i>Marcha<\/i> in der benachbarten Stadt Armenia. Dies betreffe insbesondere die j\u00fcngere Generation, die der heutigen Realit\u00e4t oft hoffnungslos gegen\u00fcberstehe. \u00abIhnen wollen wir zeigen, dass anders gelebte Politik auch Freude machen und motivieren kann.\u00bb<\/p>\n\n<p class=\"p2\">Die Karnevalgruppen unterst\u00fctzen sich landesweit. Als vor ein paar Monaten in Pijao, einem kleinen D\u00f6rfchen in der N\u00e4he von Armenia, eine Volksabstimmung zum Minenbau anstand, informierte die Gruppe nicht nur Schulen und Nachbarn \u00fcber die Folgen der Minenindustrie, sie bot f\u00fcr die eigens organisierte <i>Marcha<\/i> auch Dutzende Personen auf, die trommelnd durch die engen Gassen schritten. \u00abDer Minenbau hat uns als Gesellschaft zusammengeschweisst\u00bb, sagt Ang\u00e9lica Gomez (30) aus Armenia: \u00abDie <i>Marcha<\/i> ist ein menschliches Netzwerk, das dem Ruf von Mutter Erde folgt und uns f\u00fcr die gleiche Idee zusammenbringt, selbst wenn wir unterschiedliche Denkweisen haben.\u00bb<\/p>\n\n<p><strong>Romano Paganini\u00a0<\/strong>ist freier Journalist, Lehm-Maurer und G\u00e4rtner. Er lebt irgendwo zwischen Atlantik und Pazifik und versucht jenen Menschen eine Plattform zu geben, die von den Massenmedien kaum beachtet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie in Kolumbien eine neue Form der politischen Partizipation f\u00fcr Bewegung sorgt.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":45149,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-45148","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45148"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=45148"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=45148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}