{"id":45186,"date":"2018-05-25T07:00:00","date_gmt":"2018-05-25T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45186"},"modified":"2020-05-27T14:14:58","modified_gmt":"2020-05-27T12:14:58","slug":"lart-pour-laar-engagierte-kunst-fuer-die-gebirgslandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45186\/lart-pour-laar-engagierte-kunst-fuer-die-gebirgslandschaft\/","title":{"rendered":"\u00abL\u2019art pour l\u2019aar\u00bb \u2013  engagierte Kunst f\u00fcr die  Gebirgslandschaft"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In den 1990er-Jahren setzen Kunstschaffende im Grimsel\u00adgebiet einer neuen Dimension im Kraftwerkbau eine neue Form des Protests entgegen: Sie schaffen ihre Werke direkt in der bedrohten Landschaft.<\/strong><\/p>\n\n<p><span class=\"dropcap\">E<\/span>nde der 1980er-Jahre plant die Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), ihr Hydroimperium an der Grimsel mit einem gigantischen Pump\u00adspeicherwerk zu erweitern. Dieses h\u00e4tte massivste Eingriffe in eine grossartige Alpengebirgslandschaft zur Folge. Ihre Schutzw\u00fcrdigkeit ist belegt durch mehrere kantonale, nationale (BLN) und internationale Postulate (UNESCO-Welt\u00aderbe). Alle massgebenden Schutzorganisationen und die Standortgemeinde versuchen, mit Einsprachen dem Monsterprojekt einen Riegel vorzuschieben. \u00dcberzeugt, dass Kunst mehr vermag, als nur Argumente zu bringen, schliessen sich Kunstschaffende zur Gruppe \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb (Kunst f\u00fcr die Aare) zusammen. Eine Sommerwoche lang schaffen jeweils bis zu zwei Dutzend K\u00fcnstlerInnen gemeinsam am bedrohten Ursprung der Aare, um gegen das 4-Milliarden-Projekt zu protestieren. Ziel ist es, mit den Mitteln der Kunst die Schutzw\u00fcrdigkeit dieser Landschaft ins Blickfeld zu r\u00fccken und auch andere Kreise anzusprechen als die ohnehin \u00dcberzeugten.<\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Protestkunst gegen Kraftwerk\u00adgigantismus, Klimaerw\u00e4rmung und Wasserhandel<\/h3>\n\n<p>Die Kunstwerke von \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb feiern nicht die Sch\u00f6nheit der Gletscher und der Berge; die Arbeiten sind eminent politisch und dienen vorab dem Widerstand: Sie sollen hinterfragen, zuspitzen, irritieren und provozieren. Als die Kraftwerke Oberhasli (KWO) 1995 ihr Grossprojekt zur\u00fcckziehen, weitet \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb, mittlerweile eine verschworene zehnk\u00f6pfige Gruppe, die engagierten Kunstaktivit\u00e4ten aus auf andere Landschaften und relevante Probleme im Alpenraum. Die Themen Klimaerw\u00e4rmung, Gletscherschmelze, \u00dcbernutzung durch Verkehr und immer absurdere Sportarten, sogar der internationale Handel mit Wasser werden k\u00fcnstlerisch umgesetzt. Als Mittel dienen publikumswirksame Installationen und Aktionen vor Ort in der bedrohten Landschaft. Was motiviert eine zusammengew\u00fcrfelte Gruppe von K\u00fcnstlerInnen, die schiere Plackerei auf sich zu nehmen und im rauen Gebirgs\u00adklima Protestkunst zu machen? <\/p>\n\n<p>Sind es politische \u00dcberzeugung und Weltverbesserung f\u00fcr die einen, stellen sich andere der k\u00fcnstlerischen Heraus\u00adforderung, gegen die \u00fcberw\u00e4ltigende Umgebung zu bestehen, w\u00e4hrend f\u00fcr Dritte wohl die Lust am inspirierenden gemeinsamen Schaffen eine Hauptrolle spielt. Auch wenn interne Diskussionen nicht ausbleiben, wird nie am Sinn des Engagements gezweifelt. Die Auseinandersetzungen drehen sich eher um die Wahl eines zurzeit im Berggebiet relevanten Themas und seine k\u00fcnstlerische Umsetzung als um die moralische oder ethische Legitimit\u00e4t einer Protestarbeit. Auch an\u00adgesichts von Anfeindungen, etwa wegen des Widerstands gegen die \u00absaubere\u00bb Wasserkraft, verfolgt die Gruppe meist einhellig ihr Ziel, Konflikte zwischen Nutzungsanspr\u00fcchen und \u00f6kologischen Anliegen aufzuzeigen.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/b430da31-2011-2012-hingucker-auf-die-bedrohte-landschaft-1-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5310\"\/><figcaption>In Schauk\u00e4sten visualisiert die KWO ihr Seevergr\u00f6sserungsprojekt. Mit identischen, aber roten \u00abHinguckern\u00bb f\u00fcllt \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb deren Informationsl\u00fccken: Auf Glasplatten gedruckt, stehen die einschl\u00e4gigen Schutzartikel und ein Schutzaufruf direkt vor der betroffenen Landschaft.&nbsp;<span class=\"s1\">\u00a9Adolf Urweider<\/span><\/figcaption><\/figure>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kunst ist nicht Journalismus, sondern subversives Mahnzeichen<\/h3>\n\n<p>Seit den fr\u00fchen 1980er-Jahren setzen sich K\u00fcnstlerInnen mit ihren Werken \u2013 sei es durch Intervention vor Ort oder indirektes Aufmerksam- und Sichtbarmachen \u2013 f\u00fcr den Erhalt der Umwelt ein. K\u00fcnstlerischer Aktivismus erobert vor allem die St\u00e4dte und nennt sich \u00abArtivismus\u00bb. Auch die Berglandschaft der Alpen wird zum Tummelfeld f\u00fcr Kunstprojekte. Hier zeichnen sich die Arbeiten der Gruppe \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb dadurch aus, dass sie erstmals direkt am Ort des Geschehens konkrete Missst\u00e4nde im Umgang mit der fragilen Natur des Gebirges anprangern.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/cb2f3476-head-scaled.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5307\"\/><figcaption>Sustenpass 2010. Die globale Klimaer\u00adw\u00e4rmung l\u00e4sst nicht nur Gletscher schmelzen, sie bewirkt auch drastische Ver\u00e4nderungen in der alpinen Pflanzenwelt. Die Arbeit \u00abGlashaus\u00bb steht f\u00fcr die Zerbrechlichkeit der Natur. Auf einer flachen Kiesbank mit Pionierpflan-zen wird auf dem \u00adVorfeld des schwindenden Steingletschers ein fragiles gl\u00e4sernes Treib- haus aufgestellt.&nbsp;<span class=\"s1\">\u00a9Adolf Urweider<\/span><\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Wo liegt, neben den \u00fcblichen Protestformen, der Sinn solch aufw\u00e4ndiger Aktionen und was k\u00f6nnen sie bestenfalls bewirken? Kunst bietet keine L\u00f6sungen und kann weder die Alpenlandschaft noch die Welt retten. Demos, Plakate und Pamphlete machen mehr Schlagzeilen. Kunst in der Berglandschaft hat eine symbolhafte Sprache: Sie kann subversiv sein, alarmierend, will Augen \u00f6ffnen, Fragen stellen und Antworten fordern zum Umgang mit der Landschaft und den Ressourcen der Gebirgswelt. Sie darf sogar Kopfsch\u00fctteln ausl\u00f6sen und im besten Fall zu Widerstand und politischem Aktivismus motivieren. Wenn sie kritische BetrachterInnen dazu anregt, sich auseinanderzusetzen mit der w\u00fcnschbaren Nutzung und dem notwendigen Schutz der Gebirgswelt, hat Protestkunst in der Landschaft ihren Zweck erf\u00fcllt. Dabei stehen Sinn und Wirkung der \u00dcberraschung im Zentrum: Wer zum Beispiel hoch \u00fcber dem Grimselpass mit einem Fussballspiel konfrontiert ist, wird sich nachhaltiger daran erinnern als an lange Presseartikel \u00fcber den notwendigen Schutz der Alpen.<\/p>\n\n<p>S\u00e4mtliche Kunstaktionen und TeilnehmerInnen: <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"http:\/\/www.lartpourlaar.ch\" target=\"_blank\">www.lartpourlaar.ch<\/a>.<\/p>\n\n<p><strong>Adolf Urweider<\/strong>\u00a0ist K\u00fcnstler. Der heute 77-J\u00e4hrige \u00adengagiert sich als Pr\u00e4sident des Grimselvereins im Widerstand, als 1988 die Pl\u00e4ne f\u00fcr ein monstr\u00f6ses Pumpspeicherwerk an der Grimsel bekannt werden. W\u00e4hrend seines Bauingenieurstudiums nimmt er teil an den j\u00e4hrlichen Messungen des Unteraargletschers durch die Eigent\u00fcmerin KWO. Nach mehreren Jahren als Vermesser bei arch\u00e4ologischen Grabungen in den W\u00fcstenlandschaften Israels und dem anschliessenden Studium der Bildhauerei an der Wiener Kunstakademie kehrt er, sensibilisiert f\u00fcr einsame Landschaften und Kunst, ins heimatliche Oberhasli zur\u00fcck. W\u00e4hrend nahezu 30 Jahren ist er an s\u00e4mtlichen Kunstaktionen der Gruppe \u00abl\u2019art pour l\u2019aar\u00bb beteiligt und hofft im R\u00fcckblick, damit zu einem bewussteren Umgang mit der fragilen Gebirgswelt beigetragen zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 1990er-Jahren setzen Kunstschaffende im Grimsel\u00adgebiet einer neuen Dimension im Kraftwerkbau eine neue Form des Protests entgegen: Sie schaffen ihre Werke direkt in der bedrohten Landschaft.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":45187,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-45186","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45186"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45186\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45186"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=45186"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=45186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}