{"id":45222,"date":"2018-08-31T07:00:00","date_gmt":"2018-08-31T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45222"},"modified":"2020-05-27T15:48:13","modified_gmt":"2020-05-27T13:48:13","slug":"gentechart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45222\/gentechart\/","title":{"rendered":"Keine Gentechnik durch die Hintert\u00fcr"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Heute wurde in Bern die von \u00fcber 30 000 Menschen unterzeichnete Petition \u00abKeine Gentechnik durch die Hintert\u00fcr\u00bb eingereicht. Diese verlangt, dass auch die sogenannt neuen gentechnischen Methoden nicht unreguliert zur Anwendung kommen. Denn nur so ist die Transparenz und damit die Wahlfreiheit f\u00fcr die KonsumentInnen sichergestellt.<\/strong><\/p>\n\n<p>H\u00f6here Ertr\u00e4ge, weniger Pestizide, gr\u00f6ssere Trockenheitstoleranz, mehr N\u00e4hrwerte: Seit \u00fcber zwei Jahrzehnten versprechen uns die Gentech-Bef\u00fcrworter das Blaue vom Himmel. Und weil sie nichts davon einhalten konnten, versuchen sie es jetzt mit einem Buebetrickli: Die neue Gentechnik sei gar nicht Gentechnik. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof sieht das zu Recht anders.<\/p>\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wer die 80er- und 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts aktiv miterlebt hat, wird sich wohl noch daran erinnern: Der Hype rund um die neuen M\u00f6glichkeiten, welche die Gentechnologie in der Pflanzenz\u00fcchtung bringen wird. Es wurden h\u00f6here Ertr\u00e4ge, resistente Pflanzen und das Ende des Hungers auf der Welt prophezeit. Wenn wir nun zur\u00fcckblicken, m\u00fcssen wir feststellen, dass davon kaum etwas wahr geworden ist. Es werden zwar gentechnologisch ver\u00e4nderte Pflanzen auf Millionen von Hektaren angebaut. Dabei handelt es sich aber entweder um Pflanzen, die gegen Herbizide resistent sind, oder um Pflanzen, die selbst ein Insektizid produzieren. Beide Ans\u00e4tze f\u00fchren mit der Zeit zu Resistenzen und Sch\u00e4den in den \u00d6kosystemen. Und zu Abh\u00e4ngigkeiten der B\u00e4uerInnen von der Agrarindustrie. Echter agrar\u00f6kologischer Fortschritt sieht anders aus.<\/span><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><b>Pr\u00e4zis und zielgerichtet?<\/b><\/h3>\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nun werden dieselben Versprechungen mit den neuen gentechnologischen Methoden wie CRISPR\/Cas gemacht. Eine grosse Portion Skepsis ist hier angebracht. So einfach wie es die gl\u00fchenden Bef\u00fcrworter einer raschen Anwendung dieser Technologien gerne h\u00e4tten, ist es nicht. Die immer wieder ger\u00fchmte Pr\u00e4zision der Technologie ist relativ, wie eine k\u00fcrzlich erschienene <\/span><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/nbt.4192\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"font-weight: 400;\">Studie<\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\"> gezeigt haben. So kommt es zu so genannten Off-Target-Effekten, das heisst, die Erbsubstanz der Zelle wird auch an Stellen ver\u00e4ndert, die gar nicht im Visier der ForscherInnen waren. Auch der Prozess, um von der einzelnen in-vitro modifizierten Zelle wieder zu einer lebensf\u00e4higen Pflanze zu gelangen, kann zu weiteren Mutationen im Erbgut f\u00fchren. Deshalb rufen auch <\/span><a href=\"https:\/\/ensser.org\/publications\/ngmt-statement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"font-weight: 400;\">f\u00fchrende WissenschafterInnen <\/span><\/a><span style=\"font-weight: 400;\">inzwischen zu einer klaren Regulierung dieser Technologien auf.<\/span><\/p>\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein weiteres Problem ist die Komplexit\u00e4t der Natur. Eine Idee, die im Labor bestens funktioniert, muss in der Natur nicht unbedingt gleich funktionieren. Denn die Wechselwirkungen mit den Bodelebewesen, mit anderen Pflanzen und Insekten sind so vielf\u00e4ltig, dass diese kaum vorausgesehen werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><b>Europ\u00e4ischer Gerichtshof schafft Klarheit<\/b><\/h3>\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Trotz der vielen offenen Fragen rund um diese junge Technologie, will die Forschung und die Agrarindustrie so rasch wie m\u00f6glich mit Gene-Editing manipulierte Produkte auf den Markt bringen. Da die Industrie weiss, dass die meisten KonsumentInnen der Gentechnologie in der Landwirtschaft kritisch gegen\u00fcber stehen, hat sie es mit einem kommunikativen Buebetrickli versucht: Die neuen Verfahren seien keine Gentechnologie, sondern vergleichbar mit der klassischen Z\u00fcchtung. Ja, die Manipulation sei im Nachhinein nicht mehr feststellbar (was so im Normalfall nicht stimmt), und somit sei auch keine Regulierung notwendig. Der Europ\u00e4ische Gerichtshof (EuGH) ist zum Gl\u00fcck nicht darauf reingefallen. Er hat beschlossen, dass die neuen gentechnischen Verfahren unter das Gentechnikgesetz fallen und somit streng reguliert werden m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">\u00dcber 30\u2019000 Menschen haben die Petition \u201cKeine Gentechnik durch die Hintert\u00fcr\u201d unterschrieben, die heute in Bern eingereicht wurde. Diese verlangt, dass die neuen gentechnischen Methoden auch in der Schweiz unter das Gentechnikgesetz gestellt werden. Nur so ist sichergestellt, dass eine Risikobewertung durchgef\u00fchrt wird und sowohl B\u00e4uerInnen wie KonsumentInnen eine echte Wahl haben.<\/span><\/p>\n\n<p><em><span style=\"font-weight: 400;\">\u00a0<\/span>Text: Philippe Schenkel, Greenpeace-Kampagnenverantwortlicher f\u00fcr Landwirtschaft, Fleischkonsum und Pestizide. Mehr Hintergrundinformationen zum Thema finden Sie\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/gentechfrei.ch\/de\/themen\/neue-gv-verfahren\/1838-stellungnahme-des-eu-gerichtshofes-bringt-wenig-klarheit\" target=\"_blank\">hier<\/a>. Genaueres zum EU-Entscheid finden Sie\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/gentechfrei.ch\/de\/themen\/neue-gv-verfahren\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wurde in Bern die von \u00fcber 30 000 Menschen unterzeichnete Petition \u00abKeine Gentechnik durch die Hintert\u00fcr\u00bb eingereicht. Diese verlangt, dass auch die sogenannt neuen gentechnischen Methoden nicht unreguliert zur Anwendung kommen. Denn nur so ist die Transparenz und damit die Wahlfreiheit f\u00fcr die KonsumentInnen sichergestellt.<\/p>\n","protected":false},"author":49,"featured_media":28892,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_planet4_optimize_post_is_variant":false,"_planet4_optimize_experiment_name":"","_planet4_optimize_variant_name":"","ep_exclude_from_search":false,"p4_og_title":"","p4_og_description":"","p4_og_image":"","p4_og_image_id":"","p4_seo_canonical_url":"","p4_campaign_name":"not set","p4_local_project":"not set","p4_basket_name":"not set","p4_department":"","footnotes":""},"categories":[47],"tags":[33],"p4-page-type":[194],"gpch-article-type":[],"class_list":["post-45222","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-greenpeace","tag-ernaehrung","p4-page-type-hintergrund"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45222","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/49"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45222"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45222\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/28892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45222"},{"taxonomy":"p4-page-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/p4-page-type?post=45222"},{"taxonomy":"gpch-article-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/gpch-article-type?post=45222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}