{"id":45286,"date":"2018-09-28T07:00:00","date_gmt":"2018-09-28T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45286"},"modified":"2020-05-27T16:49:39","modified_gmt":"2020-05-27T14:49:39","slug":"citizen-science-als-naturgefahrenberaterin-im-einsatz-fuer-das-klima","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45286\/citizen-science-als-naturgefahrenberaterin-im-einsatz-fuer-das-klima\/","title":{"rendered":"Citizen Science: Als Naturgefahrenberaterin im Einsatz f\u00fcr das Klima"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\"><strong><span class=\"s1\">Mit dem Klimawandel ver\u00e4ndern sich Temperatur und Niederschl\u00e4ge. Trockenheit, Hochwasser und Hangrutsche nehmen zu, Pflanzen entwickeln sich anders. Um die Ver\u00e4nderungen zu verstehen und sich den neuen Bedingungen anpassen zu k\u00f6nnen, braucht es Menschen und ihre Beobachtungen. Drei Beispiele, wie die zivilgesellschaftliche Beteiligung in der Wissenschaft und bei der Anpassung an den Klimawandel funktionieren kann.<\/span><\/strong><\/p>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\"><span class=\"dropcap\">\u00abA<\/span>ls ich \u00fcber die vibrierende Br\u00fccke rannte, h\u00f6rte ich nur noch dieses laute, tiefe Grollen. Es kam von den Steinen, die mit unbeschreiblicher Wucht den Steinibach hinunterdonnerten.\u00bb Die teilweise riesigen Brocken h\u00e4tten auch stark gerochen, erz\u00e4hlt Mich\u00e8le Odermatt: \u00abNach Schwefel, von der Reibung.\u00bb <\/span><span class=\"s1\">Die Naturgefahrenberaterin der Gemeinde Dallenwil NW war eilig auf dem Weg in die Einsatzzentrale der Feuerwehr, es war eine Juninacht im Jahr 2015, niemand hatte am Vorabend damit gerechnet, dass das Wasser nochmals so hoch und gewaltig kommen w\u00fcrde. <\/span><\/p>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Irgendwann h\u00f6rte es dann auf zu regnen in der im Tal liegenden Gemeinde im Kanton Nidwalden. Was die Leute im Dorf nicht ahnten: Oben am Stanserhorn waren am Vorabend zwei Gewitter aufeinandergetroffen, blieben an Ort und Stelle und es regnete stark weiter.<\/span><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachtarbeit ohne Lohn<\/h3>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Seit jener Nacht fragt im Dorf keiner mehr, warum sie diese Arbeit als freiwillige Naturgefahrenberaterin macht. Der kleine Bach kann bei Unwetter trotz Verbauungen zum gef\u00e4hrlichen Wildbach werden und einzelne Hangbereiche oberhalb des Dorfes sind stark rutschgef\u00e4hrdet. Mich\u00e8le Odermatt beobachtet gezielt Bach und H\u00e4nge; die Umweltingenieurin mit Erfahrung im Wasserbau wurde mit anderen Naturgefahrenberatern im Kanton daf\u00fcr ausgebildet. Was sie von ihnen unterscheidet: Sie ist die einzige Frau. Und noch nicht mal aus dem Kanton, sondern zugezogene Stadtz\u00fcrcherin, der Liebe wegen. Sie f\u00fchle sich gut akzeptiert.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">F\u00fcr ihre Arbeit wird die 35-J\u00e4hrige nicht entl\u00f6hnt, einzig f\u00fcr Unwettereins\u00e4tze und Sitzungen gibt es ein bescheidenes Honorar. Verantwortung hat sie offiziell keine. Aber wenn es Unwetterwarnungen f\u00fcr ihre Region gibt, gehe sie nie ohne Handy zu Bett \u2013 und manchmal studiere sie in der Nacht noch Wetterkarten.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Odermatt lebt mit ihrer Familie im oberen Teil des Dorfes. Beim Unwetter vor drei Jahren wurde auch ihr Haus nicht verschont: Auf einer Wiese bildete sich ein Rinnsal, daraus wurde innert Minuten ein Bach, der in den Keller des 150 Jahre alten Hauses eindrang. Das habe es noch nie gegeben, sagte Odermatts Schwiegermutter am n\u00e4chsten Tag. Und auch ihr Mann werde nachdenklich, wenn er \u00fcbers heutige Wetter rede: \u00abEr sagt oft: Es kann nicht mehr ein<\/span><span class=\"s1\">fach normal gewittern, es ist immer extrem.\u00bb Alle fragen sich, was da wohl noch kommen mag.<\/span><\/p>\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unruhe in den Bergen<\/h3>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Nach dem grossen Unwetter, das in der Schweiz im Jahr 2005 Sch\u00e4den von \u00fcber zwei Milliarden Franken verursacht hatte, traf der Bund verschiedene Massnahmen zu Pr\u00e4vention und Fr\u00fchwarnung bei Naturgefahren. Der Klimawandel bewirkt im Alpenraum zunehmend Extremniederschl\u00e4ge \u2013 Hochwasser und Hangrutsche k\u00f6nnen Folgen davon sein. Eine Massnahme war, die Gemeinden zu verpflichten, Naturgefahrenberater einzusetzen. Es sind vielerorts B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen wie Mich\u00e8le Odermatt, die aufgrund ihres Wissens und ihrer Ortskenntnisse daf\u00fcr geeignet sind.<\/span><\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" title=\"Greenpeace findet erneut Schadstoffe in Outdoor-Kleidung\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/0f9787b6-mo_2-scaled.jpg\" alt=\"&lt;b&gt;Hamburg\/Z\u00fcrich, 12. Dezember 2013 \u2013 Wetterfeste Kleidung von Marken wie Mammut, The North Face, Patagonia, Adidas und Salewa d\u00fcnstet Chemikalien aus. Zwei unabh\u00e4ngige Labore haben im Auftrag von Greenpeace Deutschland 17 Outdoor-Artikel auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und andere Schadstoffe gepr\u00fcft. In allen Proben wurden PFC nachgewiesen und in Handschuhen von Mammut eine illegale Konzentration der krebserregenden Perfluoroktansulfons\u00e4ure (PFOS).&lt;\/b&gt;\n\n&lt;div&gt;\n\t&lt;p&gt;\u00abDie Outdoor-Branche wirbt nach wie vor mit unber\u00fchrter Natur. Aber ihre Kleidung enth\u00e4lt Schadstoffe, die sich inzwischen rund um den Globus nachweisen lassen. Das ist vor allem ein Problem in den Produktionsl\u00e4ndern. Aber auch bei uns finden wir per- und polyfluorierte Chemikalien in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Blut\u00bb, sagt Mirjam Kopp von der Chemie-Kampagne von Greenpeace Schweiz.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;PFC lassen Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen und finden sich auch in den innen liegenden wasserdichten Membranen (zum Beispiel Gore-Tex). Fluorverbindungen k\u00f6nnen in der Umwelt kaum abgebaut werden und gelangen \u00fcber Nahrung, Trinkwasser und Luft auch in den menschlichen Organismus. Einige PFC k\u00f6nnen das Immunsystem und die Fruchtbarkeit beeintr\u00e4chtigen und zu Schilddr\u00fcsenerkrankungen f\u00fchren.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Die Labors f\u00fchrten Ausgasungstests durch und untersuchten auch das Material selber: Handschuhe der Marke Mammut enthielten illegale Konzentrationen der gesundheitssch\u00e4dlichen Perfluorsulfons\u00e4ure (PFOS); Der Wert \u00fcberschreitet den gesetzlichen Grenzwert von einem Mikrogramm pro Quadratmeter um das 9-fache. Jacken von Sch\u00f6ffel, Jack Wolfskin und Mammut enthielten bedenkliche Konzentrationen der giftigen Perfluoroktans\u00e4ure (PFOA). Hohe Werte weiterer PFC wie Fluortelomeralkohole (FTOH) wurden in fast allen Jacken festgestellt, Spitzenreiter waren die Jacken von Adidas, Jack Wolfskin, The North Face und Salewa. Bedenklich sind auch einige Test-Ergebnisse anderer Schadstoffe, wie der hormonell wirksamen Weichmacher (Phthalate) oder Nonylphenole.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Alternativen zu dieser schadstoffbelasteten Outdoor-Kleidung sind bereits auf dem Markt. Dazu z\u00e4hlen Jacken mit PFC-freien Membranen oder Impr\u00e4gnierungen aus Polyester und Polyurethan. Auch diese Jacken sind winddicht, atmungsaktiv und halten einem Wolkenbruch stand. \u00abVor dem Kauf sollten Verbraucher pr\u00fcfen, ob sie eine Jacke f\u00fcr den Gipfelsturm oder den Spaziergang ben\u00f6tigen. Die schadstofffreien Jacken gen\u00fcgen fast immer\u00bb, so Kopp.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Greenpeace fordert die Outdoor-Industrie auf, konkrete Ausstiegsziele f\u00fcr PFC festzulegen und fluorfreie Alternativen weiter zu entwickeln. Im Rahmen der Schweizer-Chemikaliengesetzgebung geh\u00f6ren alle PFC auf den Pr\u00fcfstand. Seit dem Start der Detox-Kampagne von Greenpeace im Jahr 2011 haben sich 17 grosse Textilmarken verpflichtet, bis zum Jahr 2020 auf gef\u00e4hrliche Chemikalien zu verzichten.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Den ganzen neuen Report finden Sie &lt;a href=&quot;https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/25b0dc65-25b0dc65-20131211_greenpeace_outdoor_report_2013.pdf&quot;&gt;hier&lt;\/a&gt;, eine Zusammenfassung &lt;a href=&quot;https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2019\/05\/7d6fa8d5-7d6fa8d5-outdoor_zusammenfassung_d_2013_final.pdf&quot;&gt;hier&lt;\/a&gt;.&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Weitere Informationen erhalten Sie auf &lt;a href=&quot;http:\/\/www.greenpeace.ch\/detox&quot;&gt;www.greenpeace.ch\/detox&lt;\/a&gt; oder bei&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Mirjam Kopp, Chemie-Kampagne, Greenpeace Schweiz, +41 447 41 59&lt;\/p&gt;\n&lt;p&gt;Medienstelle Greenpeace Schweiz, +41 447 41 11&lt;\/p&gt;\n&lt;\/div&gt;\" class=\"wp-image-6017\"\/><figcaption>Trotz Verbauungen bleibt der Steinibach unberechenbar. (\u00a9 Isabel Truniger)<\/figcaption><\/figure>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Arbeit sei pragmatisch, sagt sie: \u00abWir verfolgen die Entwicklung eines Unwetters, warten ab und im Ernstfall reagieren wir, an der Seite der Feuerwehr.\u00bb Warum sie das tut? \u00abGanz einfach darum, weil mich die Natur und ihre Gewalten interessieren.\u00bb Der Bergsturz von Bondo im letzten Jahr habe sie zus\u00e4tzlich sensibilisiert. Und es bleibt mit dem R\u00fcckgang der Gletscher, dem Auftauen des Permafrosts und den vielen Extremniederschl\u00e4gen unruhig in den Bergen.<\/span><\/p>\n\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die kontinuierliche Naturgefahrenbeobachtung durch Freiwillige wie Mich\u00e8le Odermatt bedeutet auch, sich Erfahrungswissen anzueignen und zunehmend kompetent zu werden in der Einsch\u00e4tzung von Ereignissen und Konsequenzen. So w\u00e4chst durch das Hinschauen und den Austausch eine Art <a href=\"https:\/\/www.schweiz-forscht.ch\/de\/citizen-science-projekte\/klima\">Citizen Science<\/a> \u2013 notabene eine, die Leben rettet.<\/span><\/p>\n\n<p><strong>Esther Banz<\/strong>&nbsp;ist freischaffende Journalistin und Redaktorin in Z\u00fcrich. Sie vagabundiert f\u00fcr ihre Geschichten gerne bodennah durchs Land.<\/p>\n\n<p><strong>Isabel Truniger&nbsp;<\/strong>arbeitet als selbstst\u00e4ndige Fotografin f\u00fcr diverse Magazine und Auftraggeber. Nebenbei besch\u00e4ftigt sie sich mit ihrer zweiten Leidenschaft \u2013 der Pflanzenwelt \u2013 und arbeitet&nbsp;als G\u00e4rtnerin.&nbsp;<\/p>\n\n<p>Setze auch du dich f\u00fcr den Klimaschutz ein unter&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/gletscher\/\">https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/gletscher\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Klimawandel ver\u00e4ndern sich Temperatur und Niederschl\u00e4ge. 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