{"id":45346,"date":"2018-11-06T07:00:00","date_gmt":"2018-11-06T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45346"},"modified":"2020-05-27T17:49:10","modified_gmt":"2020-05-27T15:49:10","slug":"wenn-aus-free-willy-ein-ozeanium-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45346\/wenn-aus-free-willy-ein-ozeanium-wird\/","title":{"rendered":"Wenn aus \u00abFree Willy\u00bb ein Ozeanium wird"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p>\u00abFree Willy\u00bb &#8211; Wer kennt den Film schon nicht? Ich war etwa acht Jahre alt, als ich ihn Zuhause zum ersten Mal auf VHS-Kassette (welch Nostalgie) sah &#8211; und seither mindestens zehn weitere Male. Ich erinnere mich genau daran, wie faszinierend ich den kleinen Jungen Jesse fand, den eine tiefe Freundschaft mit dem Orca Willy verband. Und an den gutherzigen Indianer Randolph, mit dessen Hilfe Jesse den Wal am Ende des Films aus der Gefangenschaft befreit \u2013 mit diesem unvergesslichen Sprung \u00fcber die Felsen! Dazu noch die Musik von Michael Jackson: \u00abWill you be there\u00bb. G\u00e4nsehaut pur.<\/p>\n\n<p>Der Film h\u00e4tte mich damals wohl eines lehren sollen: dass Tiere nicht in Gefangenschaft geh\u00f6ren. Doch wie es bei Kindern halt so ist, steht die Unterhaltung im Vordergrund. Die Message dahinter begreift man erst Jahre sp\u00e4ter. Und so ging auch ich in meiner Kindheit auf die Suche nach Kaulquappen, die ich Zuhause in einem mit Wasser gef\u00fcllten Tupperware zu kleinen Fr\u00f6schen z\u00fcchtete. Oder holte Raupen aus dem Wald, um sie in einer mit Luftl\u00f6chern versehenen Schuhschachtel zu f\u00fcttern. Und wie jedes Kind ging auch ich mit meinen Grosseltern in den Zoo. Unz\u00e4hlige Male. Erst heute ist mir bewusst, wie falsch das war.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/3bfea610-orca-flossen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6380\"\/><figcaption>Keiko, der Orca, der Willy verk\u00f6rperte, wurde nach dem Film ausgewildert. (\u00a9 Monika Wieland Shields\/Greenpeace)<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Meinen Grosseltern kann ich die Zoo-Besuche gar nicht vorwerfen. Erstens, weil sie meine Grosseltern sind. Zweitens, weil sie es ja gar nicht anders kannten, bzw. sie es nicht besser wussten. Denn ihnen allen wurden Zoos von der Gesellschaft als etwas Wunderbares verkauft \u2013 genau wie das Rauchen. Sie galten als eine Institution, die den Naturschutz gew\u00e4hrleistete und das Erforschen neuer Erkenntnisse im Tierbereich erm\u00f6glichte. Und vor allem als etwas, was den Enkelkindern Spass machte &#8211; auch heute ist das noch so.<\/p>\n\n<p>Wir Schweizer dr\u00fccken uns also seit Jahrzehnten die Nasen an den Scheiben platt. Der \u00e4lteste Zoo unseres Landes, der \u00abBasler Zolli\u00bb, wurde bereits 1874 er\u00f6ffnet. Er musste zur damaligen Zeit in der Schweiz wohl so etwas wie eine Sensation gewesen sein. Als ich das letzte Mal &#8211; vor ca. f\u00fcnf Jahren &#8211; hindurch spazierte und die Tiere in ihren viel zu kleinen Gehegen sah, empfand ich ihn vor allem als eines: sensationell grauenhaft.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/018e4028-22728727_1561832993854435_6383828344869532190_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6383\"\/><figcaption>Das Innengehege der Pinguine im Basler Zoo. (\u00a9 Zoo Basel Facebook)<\/figcaption><\/figure>\n\n<p>Seitdem frage ich mich: Wie k\u00f6nnen wir solche Institutionen heute noch zulassen? Wir haben doch gerade in unserem Zeitalter so viel Zugang zu Material, welches uns eines Besseren belehren sollte. Netflix-Dokumentationen wie \u00ab<a href=\"http:\/\/www.blackfishmovie.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Blackfish<\/a>\u00bb beispielsweise: Diese gew\u00e4hrt einen Einblick in das grausame Leben von Orcas in Sea Worlds in den USA &#8211; und was die Gefangenschaft f\u00fcr schlimme Auswirkungen auf deren Wesen hat. Oder unz\u00e4hlige Videos auf Facebook, die zeigen, wie L\u00f6wen im Zirkus offensichtlich frustriert auf ihre Dompteure losgehen oder Tiger im Zoo fast schon dumpf von einem Ende des Geheges zum anderen gehen. Wir haben heutzutage sogar die M\u00f6glichkeit, im Internet schnell ein Flugticket zu kaufen, um die Welt zu reisen und die Tiere selber in freier Wildbahn zu beobachten &#8211; etwas, wovon unsere Grosseltern nur tr\u00e4umen konnten.<\/p>\n\n<p>Paradoxerweise verfestigt sich das alles nicht in unserem Bewusstsein, sondern landet wieder dort, wo es her kam: Im Internet. Auf Twitter erz\u00e4hlen wir unseren Followern von den spannenden Dokus, die wir gesehen haben. Auf Facebook teilen wir das schockierende Video, nat\u00fcrlich mit einem best\u00fcrzten Smiley betitelt. Auf Instagram posten wir die Bilder unserer Safari in S\u00fcdafrika, versehen mit Hashtags wie #AmazingWildlife und #LoveNature. Und im echten Leben? Die Antwort auf diese Frage liefern die j\u00fcngsten Ereignisse im Zoo Basel gleich selber: 2024 soll ein Ozeanium realisiert werden. Obwohl wir durch die heutige Technologie so gut wie nie zuvor \u00fcber das Leiden der Tiere in Gefangenschaft informiert sind und in den Sozialen Medien so besorgt um das Wohl der Tiere zu sein scheinen, lassen wir es zu, dass Fische aus dem Meer geholt und in einen riesigen Tank geworfen werden. Dies alles, damit Besucher unter anderem Fotos f\u00fcrs Familienalbum namens Facebook schiessen k\u00f6nnen &#8211; #Tierqu\u00e4lerei.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/e33fea2b-44249936_1880563371979732_3835069928885452800_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6390\"\/><figcaption>Eine Visualisierung des Ozeaniums in Basel (\u00a9 Facebook Ozeanium Zoo Basel)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p>Laut dem Zoo Basel ist alles nat\u00fcrlich nur halb so wild, wie er auf seiner <a href=\"https:\/\/www.ozeanium.ch\/de\/aktuell\/detail.php?NEWSID=1163\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Webseite<\/a> verlauten l\u00e4sst: \u00abDer Zoo wird selbstverst\u00e4ndlich keine Tiere im Ozeanium halten, die f\u00fcr die Aquarienhaltung nicht geeignet sind.\u00bb F\u00fcr einige mag dies beruhigend klingen, f\u00fcr mich definitiv nicht. Denn worauf basiert ihr Wissen dar\u00fcber, welche Tiere f\u00fcr Aquarien geeignet sind? Genau, auf Forschungen und Statistiken, die alle eines gemeinsam haben: Sie wurden von Menschen erstellt. Tiere haben in solchen Entscheidungen kein Wort zu sagen. Was ja logisch ist, denn das Leben ist kein \u00abDr. Doolittle\u00bb-Film, in welchem die Tiere sprechen k\u00f6nnen. Leider.<\/p>\n\n<p>Wenn sie es k\u00f6nnten, w\u00e4re wohl eines schnell klar: Tiere brauchen uns nicht &#8211; auch wenn dies gerne behauptet wird. Beispielsweise auf der Webseite von Schweiz Tourismus, welche in der <a href=\"https:\/\/www.myswitzerland.com\/de-ch\/sea-life.html\">Beschreibung<\/a> des Sea Lifes in Konstanz erw\u00e4hnt, dass die Fische in dessen Aquarium \u00abgerettet wurden und nicht in den nat\u00fcrlichen Lebensraum zur\u00fcckgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen\u00bb. In Einzelf\u00e4llen mag dies ja stimmen. Betreffend die Massen, in welchen man die Meerestiere in den Aquarien aber vorfindet, scheint diese Behauptung eher fadenscheinig.<\/p>\n\n<p>Der Mensch hingegen \u2013 er braucht das Tier. Nur alleine, um den eigenen Wohlstand zu sichern. Denn hinter allem, was der Mensch mit Tieren anstellt, steht immer eines: Geld. Das bewies vor kurzem abermals der Beschluss der <a href=\"https:\/\/www.ccamlr.org\/en\/organisation\/home-page\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antarktis-Konferenz<\/a>, den Antarktischen Ozean vor der Fischerei nicht zu sch\u00fctzen. Wieder einmal mehr war das wirtschaftliche Interesse wichtiger als das Wohl der Tiere. Anstatt uns also darum zu k\u00fcmmern, dass Tiere nicht mehr eingesperrt werden, zerst\u00f6ren wir Schritt f\u00fcr Schritt auch noch ihren nat\u00fcrlichen Lebensraum. Anstatt uns an \u00abFree Willy\u00bb ein Beispiel zu nehmen, landen immer wieder aufs Neue Meeresbewohner in Sea Worlds, Aquarien oder eben einem Ozeanium. Und anstatt in der Realit\u00e4t etwas f\u00fcr die Tiere zu tun, schenken wir ihnen die Aufmerksamkeit lediglich in der virtuellen Welt.<\/p>\n\n<p>Was w\u00fcrden wohl Jesse und Randolph dazu sagen?<\/p>\n\n<p><strong>Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n\n<p>Wenn du f\u00fcr die Lebewesen der Antarktis spenden m\u00f6chtest, kannst du das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/act\/antarktis\/\">hier<\/a>. Oder informiere dich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.oceancare.org\/de\/startseite\/\">hier<\/a>&nbsp;bei OceanCare \u00fcber Petitionen, mit welchen du dich f\u00fcr Ozeane und Meeress\u00e4uger einsetzen kannst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. 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