{"id":45355,"date":"2018-11-20T07:00:00","date_gmt":"2018-11-20T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45355"},"modified":"2020-06-02T11:16:21","modified_gmt":"2020-06-02T09:16:21","slug":"die-verflixte-kalbsbratwurst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45355\/die-verflixte-kalbsbratwurst\/","title":{"rendered":"Die verflixte Kalbsbratwurst"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\"><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"p1\">Ich bin ziemlich schweizerisch aufgewachsen. Wir hatten ein Haus auf einem H\u00fcgel, links davon ein grosser Wald, unsere Nachbarn hielten H\u00fchner und der \u00f6rtliche Bauer brachte zweimal im Jahr seine K\u00fche auf die Wiesen rechts von unserer Siedlung \u2013 ein besonderes Highlight f\u00fcr uns Kinder. Sobald wir die Kuhglocken h\u00f6rten, rannten wir sofort zu den Tieren, f\u00fctterten sie mit \u00c4pfeln und wer ganz mutig war, liess sich die Hand von einer rauen Kuh-Zunge ablecken. Brr.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Wenn ich seither durch einen Einkaufsladen schlendere und eine abgeschnittene Rindszunge im K\u00fchlregal entdecke, sehe ich unweigerlich \u00abmeine\u00bb K\u00fche aus der Kindheit vor mir. Ohne weiter hinzuschauen, gehe ich dann daran vorbei und lege ein paar Reihen weiter die Kalbsbratwurst in den Einkaufswagen. Dazu gibt es am Abend rote Spaghetti und ein kaltes Glas Milch \u2013 mein Lieblingsgericht seit der Kindheit. Die Wurst sieht ja auch nicht mehr aus wie die Kuh. <\/p>\n\n<p class=\"p1\">Paradox? Und wie!<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Noch bis vor zwei Jahren geh\u00f6rte die \u00abunbeschwerte\u00bb Ern\u00e4hrung zu meinem Alltag. Ich habe mir keine Gedanken zur Herkunft meiner Nahrung gemacht und auch mit dem Thema Nachhaltigkeit hatte ich nichts am Hut. Ich kannte in meiner Kindheit zwar eine Vegetarierin, die wollte aber alle Kinder dazu animieren, \u00fcberfahrene Fr\u00f6sche von der Strasse aufzuheben und w\u00fcrdevoll zu beerdigen, was mir eher eigenartig vorkam. Auch mein Vater, der durch seine neue Partnerin stetig \u00abgr\u00fcner\u00bb wurde, traf damals auf eine gewisse Teenie-Ablehnung, wenn er \u00fcber das Thema Bio diskutieren wollte. Und \u00fcberhaupt: Der Vegan-Trend, der aufkam, als ich etwa 20 war, wurde von vielen Seiten bel\u00e4chelt. Mit der Nachhaltigkeit ist es wie mit dem Mittagsschlaf: Sie kann einem nicht aufgedr\u00e4ngt werden, man muss den Zugang dazu selbst &#8211; und vor allem freiwillig &#8211; finden.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Dies passierte bei mir ganz zuf\u00e4llig: Als ich wieder einmal auf Netflix auf der Suche nach einer neuen Serie war, stiess ich auf den Dokumentarfilm \u00ab<a href=\"http:\/\/www.cowspiracy.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Cowspiracy<\/a>\u00bb. Das spezielle Cover-Bild der Kuh erinnerte mich an meine Kindheit, also dr\u00fcckte ich auf \u00abPlay\u00bb &#8211; und war gleich von der ersten Minute an in deren Bann gezogen.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/f53741ab-13102750_470756873115840_6018145885650782016_n.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6452\"\/><figcaption>Der Dokumentarfilm ist im Jahre 2014 erschienen. (\u00a9 Facebook Cowspiracy)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"p1\">In der Doku besch\u00e4ftigt sich Produzent Kip Andersen mit den Problemen, die der weltweit steigende Konsum tierischer Nahrungsmittel verursacht. Dabei zeigt er auf, dass die Tierhaltung f\u00fcr rund 15% der globalen Emissionen an Treibhausgasen verantwortlich ist. Weiter liegt laut dem Filmproduzenten der Wasserverbrauch f\u00fcr landwirtschaftliche Tiernutzung j\u00e4hrlich zwischen 129-287 Billionen Liter Wasser. F\u00fcr ein halbes Kilo Rindfleisch sind im Schnitt 9&#8217;500 Liter Wasser n\u00f6tig.&nbsp;Das heisst, alleine f\u00fcr einen Hamburger braucht es so viel Wasser, wie bei einer zweimonatigen Dusche verbraucht w\u00fcrde. Das ist schon fast grotesk.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">\u00ab<a href=\"http:\/\/www.whatthehealthfilm.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">What the Health<\/a>\u00bb heisst ein weiterer Dokumentarfilm von Kip Andersen \u2013 welchen ich mir nat\u00fcrlich ebenfalls anschaute. Darin beleuchtet der US-Amerikaner die Auswirkungen der fleischlichen Ern\u00e4hrung auf unseren K\u00f6rper. Laut der Doku erh\u00f6ht der Konsum von verarbeitetem Fleisch das Krebsrisiko um 18 Prozent \u2013 und nur eine Portion davon das Risiko auf Diabetes um 51 Prozent! Die Weltgesundheitsorganisation stuft Speck und W\u00fcrste mittlerweile als genauso krebserregend ein wie Plutonium und Asbest \u2013 also radioaktives Material.<\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/e306d535-gp048v7_pressmedia.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6443\"\/><figcaption>Die typischen Bestandteile eines &#171;Zmorge&#187;. (\u00a9 Jan Kornstaedt\/Greenpeace)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<p class=\"p1\">Aber nicht nur Fleisch, sondern auch Milchprodukte schaden dem K\u00f6rper. Beispielsweise in Form von Prostatakrebs oder Osteoporose. Dies schmerzt vor allem eine Milch-aus-der-T\u00fcte-Trinkerin wie mich. Aber wenn ich ehrlich bin, frage ich mich: M\u00fcssen wir wirklich eine Fl\u00fcssigkeit trinken, die eigentlich Babynahrung f\u00fcr K\u00e4lber ist? Dazu ein perfektes 3-Minuten-Ei kochen, das urspr\u00fcnglich der Fortpflanzung von H\u00fchnern dient? Und daneben ein St\u00fcck Schwein aufs Brot legen, welches extra f\u00fcr uns geschlachtet wurde?<\/p>\n\n<p>Die Antworten auf diese Fragen sind eigentlich so leicht \u2013 aber zugleich so schwer. Deswegen gehen die Meinungen dar\u00fcber auch auseinander. Die einen sagen, ohne tierische Produkte fehlten dem K\u00f6rper wichtige Stoffe wie Eisen, Kalzium und essenzielle Fetts\u00e4uren, die nicht durch anderes ersetzt werden k\u00f6nnten. Schliesslich ern\u00e4hre sich der Mensch seit der Steinzeit von Tieren und konnte nur so \u00fcberleben. Die anderen sagen, eine vegane Ern\u00e4hrung sei die einzige L\u00f6sung, die Defizite liessen sich durch pflanzliche Stoffe ausgleichen. Und wenn\u2019s hart auf hart kommt, k\u00f6nne der Mensch auch mit Beeren und N\u00fcssen sein \u00dcberleben sichern. Wer hat nun recht?<\/p>\n\n<p>Dies wollte ich selbst herausfinden. Inspiriert von den Dokus, versuchte ich, vegan zu leben \u2013 und bin kl\u00e4glich gescheitert. Nach nicht mal einer Woche, wohlgemerkt. Nicht mein stolzester Moment. Warum es nicht geklappt hat? Ich k\u00f6nnte so einige Ausreden pr\u00e4sentieren: Aufwand, Gesundheit, Gewohnheit, etc. Doch schlussendlich lag es vor allem an einem: Ich esse gerne Fleisch. Die Lust war zu gross, mein Wille zu schwach und die Kalbsbratwurst zu verlockend.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Aber auch wenn mein Wille nicht stark genug ist, um auf Fleisch zu verzichten, so kann ich doch eines: reduzieren. Erstens der Umwelt zu liebe. Zweitens dem K\u00f6rper zu liebe. Und drittens: den Tieren zu liebe. Denn viel zu oft werden Tiere in der Zucht nicht artgerecht gehalten. Viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum wachsen viel zu schnell heran, um dann viel zu fr\u00fch f\u00fcr unseren Konsum zu sterben. Um bei der Haltung Platz zu sparen, werden den K\u00fchen in der Schweiz sogar die H\u00f6rner abgeschnitten, was die j\u00fcngste <a rel=\"noopener noreferrer\" href=\"https:\/\/hornkuh.ch\/de\/hornkuh-initiative\/\" target=\"_blank\">Hornkuh-Initiative<\/a> zu \u00e4ndern versucht.<\/p>\n\n<figure class=\"wp-block-image alignnone  caption-style-blue-overlay caption-alignment-center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/static\/planet4-switzerland-stateless\/2020\/04\/45df8170-gp0strm1u_pressmedia.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6462\"\/><figcaption>Ein Melkkarussell in Deutschland. (\u00a9 Paul Langrock\/Greenpeace)<\/figcaption><\/figure>\n\n<p class=\"p1\">Nat\u00fcrlich hat die Gesellschaft nach dem Karnismus, dem Vegetarismus, dem Pescetarismus und dem Veganismus schon einen passenden Begriff f\u00fcr die Fleischreduktion gefunden: Flexitarismus. Dabei l\u00e4sst man den Fleischkonsum zwar zu, er steht aber nicht im Mittelpunkt der Ern\u00e4hrung. Das heisst, Fleisch wird nur ausgew\u00e4hltes, nachhaltig produziertes und vor allem wenig gegessen. F\u00fcr Menschen wie mich, die den veganen Weg versucht haben und gescheiter sind, ist dies ein erster Schritt in die richtige Richtung.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Deswegen gehe ich seither im Einkaufsladen neun von zehn Mal an der Kalbsbratwurst vorbei &#8211; wenn auch mit geschlossenen Augen.<\/p>\n\n<p><strong>Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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