{"id":45377,"date":"2018-12-04T07:00:00","date_gmt":"2018-12-04T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45377"},"modified":"2020-06-02T15:29:58","modified_gmt":"2020-06-02T13:29:58","slug":"o-du-armer-santiglaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45377\/o-du-armer-santiglaus\/","title":{"rendered":"Santiglaus, du arme Maa!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\"><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-center p1\">Lieber Santiglaus<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Lange ist es her, seit ich dir einen Brief geschrieben habe. Geschweige denn, als ich dich zum letzten Mal sah. Und trotzdem f\u00fchlt es sich an, als ob es erst gestern war. Ich erinnere mich gut daran, welch grosse Angst du mir eingefl\u00f6sst hast. Wie ich dir als kleines M\u00e4dchen mit zitteriger Stimme ein \u00abV\u00e4rsli\u00bb vorgetragen habe, w\u00e4hrend ich dabei versuchte, einen Blick in dein grosses Buch zu erhaschen \u2013 in welchem komischerweise ein Zettel mit der Handschrift meiner Mutter lag. Daraus hast du mir mal tadelnd, mal erfreut vorgelesen, mit deiner tiefen, unheimlichen Stimme. So leid es mir heute tut, aber der sch\u00f6nste Moment war f\u00fcr mich immer, wenn wir die T\u00fcre hinter dir schliessen konnten \u2013 nat\u00fcrlich mit einem tollen Geschenk in der Hand.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">In zwei Tagen machst du dich erneut auf den Weg zu all den Kindern der Welt. Um sie zu loben, zu r\u00fcgen, vor allem aber: um ihnen Freude zu schenken. Das ganze Jahr \u00fcber hast du Briefe erhalten, in welchen dir die Kinder ihre sehnlichsten W\u00fcnsche aufgeschrieben haben. Mit dem Versprechen, im Gegenzug daf\u00fcr auch ungeheuer brav zu sein. Ich weiss noch, was ich mir fr\u00fcher immer erhofft hatte: Pl\u00fcschtiere \u2013 in allen Formen und Farben. Und Barbies nat\u00fcrlich. Am liebsten mit einem pinken Haus, einem pinken Auto und einem pinken Hund. Ja, ich war ein richtig typisches M\u00e4dchen. Doch darf man das heute \u00fcberhaupt noch so sagen?<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Santiglaus, ich hoffe, du hast dich gut auf deinen Rundgang im 2018 vorbereitet. Denn der Begriff der Stunde heisst \u00ab<a href=\"https:\/\/blog.bazonline.ch\/mamablog\/index.php\/79581\/ist-die-geschlechtsneutrale-erziehung-extrem\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Geschlechtsneutrale Erziehung<\/a>\u00bb. Man erzieht dabei sein Kind ohne geschlechtliche Attribute, d.h. nicht klar als M\u00e4dchen oder Jungen, und m\u00f6chte sich von den Bezeichnungen \u00aber\u00bb und \u00absie\u00bb ebenfalls distanzieren. Auch stereotypische Kleidung ist ein No-Go. Bring also an deinem Besuch im Kindergarten&nbsp;ja keine roten und blauen Schoggiherzen f\u00fcr die M\u00e4dchen und Jungen mit \u2013 das ist definitiv nicht gender-neutral. Auch in deiner Begr\u00fcssungsrede w\u00fcrde ich sparsam mit Geschlechter-Bezeichnungen umgehen, nicht dass dir noch Diskriminierung vorgeworfen wird. Am besten h\u00e4ltst du dich kurz und verteilst ein paar N\u00fcsse \u2013 so bleibt dir ein Shitstorm auf Twitter \u00e0 la #santigate erspart.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Bei deinem Besuch in der Grundschule sollte das eigentlich kein Problem sein \u2013 dort h\u00f6ren dir wahrscheinlich sowieso nicht so viele Kinder zu. Denn wie beinahe jedes Kind in Alter von neun Jahren, dass mir draussen begegnet, h\u00e4ngen die meisten vermutlich am Handy. Als ich in dem Alter alt war, haben wir uns w\u00e4hrend der Stunde heimlich Zettelchen zugeschoben und auf dem Pausenplatz zusammen Halli-Hallo gespielt. Heutzutage schicken die Kinder einander im Unterricht Snaps \u2013 mal mit Hundeohren, mal mit riesengrossen Kulleraugen \u2013 und filmen sich w\u00e4hrend der Pause f\u00fcr ihren Instagram-Kanal. Sei also vorsichtig, lieber Glaus, wenn du \u00fcbermorgen die Klassenzimmer betrittst und schau zu, dass deine Hose richtig sitzt. Nicht, dass dein blankes Hinterteil am darauffolgenden Tag auf Facebook landet.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Abends auf dem Weg zu den Kindern nach Hause solltest du dir dann nochmal die passenden Antworten auf eventuelle Fragen von nachhaltig besorgten Eltern durch den Kopf gehen lassen: Nein, das Fliegen deines Schlittens st\u00f6sst kein CO<sub>2<\/sub> aus, er wird schliesslich von Rentieren gezogen. Auch, dass die Rentiere beim Luftlassen Methan ausstossen, ist bis anhin noch nicht wissenschaftlich erwiesen. Selbstverst\u00e4ndlich erhalten deine Tiere auch gen\u00fcgend Auslauf und die H\u00f6rner l\u00e4sst du ihnen ebenfalls. Und ja, deinen Werbe-Deal mit Coca-Cola gedenkst du zu k\u00fcnden, seit du erfahren hast, dass das Unternehmen einer der gr\u00f6ssten Umwelt-S\u00fcnder der Erde ist. Falls du aber noch nicht weisst, wo Schmutzli eure Kleidung herstellen l\u00e4sst, w\u00fcrde ich das sicherheitshalber nochmals \u00fcberpr\u00fcfen \u2013 damit dir am Freitag nicht die Schlagzeile \u00abKinderh\u00e4nde schaffen Anzug des Santiglaus\u00bb in den Online-Medien der Welt entgegenlacht.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Ja, Niggi-N\u00e4ggi, auch dein Beruf ver\u00e4ndert sich \u00fcber die Zeit \u2013 was ja eigentlich ganz normal ist. Doch mal ganz ehrlich: Macht dir dein Job so \u00fcberhaupt noch Spass? Wenn nicht, habe ich eine gute Nachricht f\u00fcr dich: vielleicht hast du ihn ja bald sowieso nicht mehr. Nicht, weil du zu unsensibel, zu altbacken oder zu umweltsch\u00e4digend bist. Nein, ganz einfach: Weil du zu menschlich bist. Denn anstatt Menschen an der Kasse zu begegnen, trifft man in den Einkaufsl\u00e4den immer h\u00e4ufiger auf den Self-Checkout. Anstatt Busse und Z\u00fcge von Chauffeuren bedienen zu lassen, wird stetig an selbstfahrenden Verkehrsmitteln get\u00fcftelt. Und anstatt uns am Kundendienst vom Personal bedienen zu lassen, beschweren wir uns lieber online bei einem Algorithmus. Wer sagt also, dass nicht auch du bald durch eine Maschine ersetzt wirst?<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Mein lieber Santiglaus, auch wenn du mich jedes Jahr das F\u00fcrchten gelehrt hast, muss ich zugeben: Das w\u00e4re eine Schande. Denn auch wenn du vermutlich nicht immer politisch korrekt sein kannst und deine Schwierigkeiten damit haben d\u00fcrftest, mit den neusten Trends mitzuhalten, bist du f\u00fcr uns alle doch vor allem eines: ein fester Bestandteil von Weihnachten. Deswegen wollte ich dir nach all den Jahren einfach nur mal wieder einen netten Brief schreiben &#8211; und mir eigentlich etwas von dir w\u00fcnschen. Doch ist es mir aufgrund der Gegebenheiten jetzt ein gr\u00f6sseres Anliegen, mir etwas f\u00fcr dich zu w\u00fcnschen: dass es dich auch in 100 Jahren noch geben mag. Dass du nicht der immer komplizierteren und onlineorientierteren Gesellschaft zum Opfer f\u00e4llst. Dass auch ich meine Kinder mit dem Santiglaus einmal im Jahr zum Gehorsam bringen kann. Und dass auch sie hinter dir die T\u00fcre zu machen d\u00fcrfen \u2013 erleichtert und zugleich voller Freude \u00fcber dein Geschenk.<\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-center p1\">Festliche Gr\u00fcsse und toi, toi, toi!<\/p>\n\n<p class=\"has-text-align-center p1\">Deine Danielle<\/p>\n\n<p><strong>Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und Sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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