{"id":45431,"date":"2019-01-08T00:07:00","date_gmt":"2019-01-07T22:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45431"},"modified":"2020-06-02T16:06:18","modified_gmt":"2020-06-02T14:06:18","slug":"leb-wohl-frauenfurz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45431\/leb-wohl-frauenfurz\/","title":{"rendered":"Leb wohl, Frauenfurz"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\"><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"p1\">\u00ab10, 9, 8, 7\u00bb, z\u00e4hlt die Freundin meines Bruders laut runter. Es ist 7 Sekunden vor Mitternacht, wir alle stehen in unserem kleinen Hinterhof, die Champagnergl\u00e4ser fest in den H\u00e4nden &#8211; wir sind bereit. \u00ab6, 5, 4\u00bb. Ich werfe einen Blick in die Runde. Die Freude vor dem Jahreswechsel sieht man den Feiernden f\u00f6rmlich an. Vielleicht ist es aber auch nur der Alkohol. \u00ab3, 2\u00bb. Noch wenige Sekunden, dann ist es soweit und 2018 ist vor\u00fcber. Ende Gel\u00e4nde. Aus die Maus. Adee, messi. Sch\u00f6n war\u2019s. \u00ab1!\u00bb Here we go.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Am n\u00e4chsten Morgen weiss ich nicht, was schlimmer ist: Mein Magen, der sich mit meinem Brummsch\u00e4del darum streitet, wer heute die \u00dcberhand hat oder doch der Anblick meiner Wohnung. \u00dcberall auf dem Boden liegt Konfetti, auf dem Esstisch gesellen sich getr\u00e4nkte Pfefferminztee-Beutel zu gr\u00fcnen Vodka-Flecken, zig leere Flaschen halten eine Versammlung in der K\u00fcche und der Hinterhof gleicht einem Frauenfurz-Friedhof. Hilfe.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Einer meiner Vors\u00e4tze f\u00fcrs neue Jahr war es, ordentlicher zu sein und nicht immer alles stehenzulassen. Ich benutze hier extra die Vergangenheitsform, habe ich diesen Vorsatz n\u00e4mlich bereits nach drei Tagen im neuen Jahr gebrochen. Der Hinterhof sieht zwar wieder einigermassen in Ordnung aus, das Konfetti-Meer ist aber noch nicht verschwunden, genauso wenig wie die Flecken auf dem Tisch. Zur\u00fcckzuf\u00fchren ist dies auf das Scheitern an meinem zweiten Vorsatz, den ich mir gefasst hatte: Weniger Zeit auf Social Media zu verbringen. Wenn ich meinen Laptop aufgeklappt habe, sehe ich die Konfetti am Boden eben nicht. Sch\u00f6n bl\u00f6d.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">W\u00e4hrend ich also belanglos durch Facebook scrolle anstatt zu putzen, f\u00e4llt mein Blick auf den Silvesterpost von Greenpeace Schweiz. Ein ganz kurzes Feuerwerksvideo mit der Botschaft \u00abEs guets Nois\u00bb. \u00abH\u00e4rzig\u00bb, denk ich mir, \u00abdas hat mein Arbeitskollege sch\u00f6n gemacht.\u00bb Beim Weiterscrollen aber springt mir die Kommentarsektion ins Auge. 21 Kommentare, das ist eher un\u00fcblich. Und es dauert nicht lange, bis mir klar wird, weshalb es so viele sind.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">\u00abDas mit dem Feuerwerk ist wohl ein Witz, oder? Feinstaub-Emission, Tierwelt erschrecken und kleine Menschen am Schlafen hindern sowie Umweltverschmutzung zur puren Unterhaltung ist doch nicht in eurem Sinne?\u00bb, schreibt ein User ver\u00e4rgert &#8211; und ist mit dieser Meinung nicht allein. Ein emp\u00f6rter Kommentar folgt dem N\u00e4chsten. Unweigerlich denke ich an meine Silvesterparty zur\u00fcck. Die kleinen Vulkane. Die knallenden Frauenf\u00fcrze. Die zischenden Was-auch-Immer. Oh-Oh.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Ich \u00f6ffne rasch Google und gebe \u00abfeuerwerk \u00f6kologisch\u00bb ein. Als Erstes springt mir ein Artikel der Frankfurter Rundschau entgegen. \u00ab<a href=\"http:\/\/www.fr.de\/wissen\/klimawandel\/umwelt\/feuerwerk-der-zuendstoff-fuer-die-umwelt-a-1416752\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Silvester-Feuerwerk: Die Umweltfolgen f\u00fcr Mensch und Tier<\/a>\u00bb. Zu Beginn handelt der Artikel von den Folgen der Knaller f\u00fcr V\u00f6gel, die durch den L\u00e4rm ihre Nester fluchtartig verlassen. An die habe ich nicht gedacht. Nat\u00fcrlich weiss ich vom Effekt des Feuerwerks auf Katzen und Hunde, da bei uns aber keine Tiere im Haus leben, fand ich das bisschen B\u00f6llern nicht so schlimm. Schliesslich waren wir ja nicht die Einzigen. Mein Magen meldet sich erneut, doch dieses Mal ist es das schlechte Gewissen, das sich dort breit macht.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Des Weiteren behandelt der Artikel die Folgen von Feuerwerk f\u00fcr die Umwelt. \u00abWenn das Schwarzpulver in der Rakete verbrennt, entstehen Kohlendioxid, Schwefeldioxid sowie Ru\u00df, der als Feinstaub in der Luft bleibt\u00bb, steht geschrieben. Und auch der Abfall, der wieder auf dem Boden landet, stelle ein Problem dar. Auch wenn ich am Morgen nach der Party allen M\u00fcll im Hof fein s\u00e4uberlich eingesammelt und den Boden geschrubbt hatte und auch wenn laut Artikel die Folgen des Feuerwerks f\u00fcr das Klima sehr gering ausfallen w\u00fcrden \u2013 das schlechte Gewissen hat sich nun komplett ausgebreitet.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Dass das Feuerwerk in den Schweizer L\u00e4den dabei auch noch mehrheitlich aus China stammt und somit dem \u00f6kologischen Fussabdruck in den Hintern tritt, setzt meinem Schuldbewusstsein die Krone auf. Etwas besch\u00e4mt schliesse ich den Laptop. Ich bin mit Feuerwerk gross geworden. Seit ich denken kann, haben wir mit der Familie Raketen und B\u00f6ller an Silvester gez\u00fcndet &#8211; und am 1. August erst. Es geh\u00f6rte halt einfach dazu. Und genau das ist das Problem an der ganzen Sache: Ich bin bis 2019 nie darauf gekommen, Feuerwerk zu hinterfragen \u2013 einfach, weil ich es mir gewohnt bin.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Solch eine Gewohnheit f\u00fchrt dann auch schnell mal zu einem nicht durchdachten Feuerwerksvideo auf FB. Oder dem Griff zum Plastiksack beim Einkaufen. Oder der Buchung der Flugtickets nach Berlin f\u00fcr 18.95 CHF. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier \u2013 und macht aufgrund dessen un\u00fcberlegte Fehler. Doch wann, wenn nicht zu Beginn eines neuen Jahrs hat man die M\u00f6glichkeit, mit Gewohnheiten zu brechen?<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Deswegen plane ich meine Silvesterparty f\u00fcr das n\u00e4chste Jahr ohne Frauenf\u00fcrze. Und um \u00abwunderkerzen \u00f6kologisch\u00bb zu googeln, bleibt mir ja noch etwas Zeit.<\/p>\n\n<p><strong class=\"no-underline\">Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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