{"id":45481,"date":"2019-01-25T07:00:00","date_gmt":"2019-01-25T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45481"},"modified":"2020-06-02T16:45:29","modified_gmt":"2020-06-02T14:45:29","slug":"von-der-ironie-des-sterbenden-schwans","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45481\/von-der-ironie-des-sterbenden-schwans\/","title":{"rendered":"Von der Ironie des sterbenden Schwans"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"p1\"><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p class=\"p1\">Enten f\u00fcttern \u2013 wenn das mal nicht eines der Highlights der Kindheit war. So manchen Sonntag haben meine Geschwister und ich mit unseren Grosseltern im Park verbracht und den Wasser-V\u00f6geln das alte Brot des Vortages zugeworfen. Dabei hatte man immer eine Lieblings-Ente, welcher man mehr gab, als den anderen. Doch zugegeben: Einem kleinen \u00abSchisshaas\u00bb, wie ich es war, jagten die Schn\u00e4bel der Tiere Angst ein. Wenn dann noch ein grosser Schwan daher kam, mich mit seinen furchteinfl\u00f6ssenden Augen ins Visier nahm und mit seiner grossen Klappe anfauchte, war ich weg.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Ganz anders sah es aber vor dem Fernseher aus. Den Zeichentrickfilm \u00abDie Schwanenprinzessin\u00bb habe ich geliebt: Die arme Odette, die mit einem Fluch belegt wird, sich deswegen in einen wundersch\u00f6nen Schwan verwandelt, auf dramatische Weise stirbt, nur um dann zu guter Letzt wieder in den Armen ihres Geliebten aufzuwachen \u2013 mal ehrlich, solche Stories reissen doch jedes kleine M\u00e4dchen mit. Im Fernsehen haben die Schw\u00e4ne halt auch grosse, blaue Kulleraugen mit sch\u00f6nen, langen Wimpern. Und fauchen tun sie auch nicht.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Bis heute kann ich mich nicht so richtig entscheiden, ob ich Schw\u00e4ne sympathisch finde. Wobei ich mir bis heute auch nicht wirklich Gedanken zu diesem Thema machen musste. Schliesslich ist es nicht so, dass man in Klatschmagazinen-Psychotests \u00e0 la \u00abSind Sie ein Labrador oder ein Chihuahua?\u00bb herausfinden kann, wieviel Schwan in einem steckt. Obwohl ich mir das noch interessant vorstelle: Typ A: Der b\u00f6se Schwan \u2013 Sie sind ein Mensch, der seine Mitmenschen gerne anfaucht und ihnen Angst einfl\u00f6sst. Typ B: Der liebe Schwan \u2013 mit ihrer grazilen Art verm\u00f6gen Sie es, Ihre Mitmenschen in den Bann zu ziehen. Typ C: Kein Schwan \u2013 Sie sind nach wie vor ein Hund. Oder so.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Zur\u00fcck zum Thema. Als ich heute durch Facebook scrollte, fiel mir ein Watson-Artikel ins Auge: \u00ab<a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/!680996380?utm_medium=social-team&amp;utm_source=facebook&amp;utm_campaign=fb_news&amp;fbclid=IwAR1Xd60EDdZoPumnn7ZIr3qaJZKV-iYYZZEIEw--lwIFZIE7UZLpJf2PPuM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Sch\u00e4den sind zu gross: Jetzt schiesst Nidwalden Schw\u00e4ne ab<\/a>\u00bb stand da geschrieben. Sch\u00e4den? Schw\u00e4ne? Was k\u00f6nnen diese Tiere schon grossartig Schlimmes anstellen, fragte ich mich, und habe bereits begonnen zu lesen. Anscheinend gibt es beim Flughafen in Buochs zu viele Schw\u00e4ne, die den Flugbetrieb st\u00f6ren und in Ennetb\u00fcrgen w\u00fcrde der Kot der Tiere die Landwirtschaft verschmutzen. Deswegen sollen die Schw\u00e4ne, zumindest beim Flughafen, bis auf 15 St\u00fcck abgeschossen werden.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Ich weiss nicht, was ich schlimmer finde: Dass sich der Mensch das Recht vorbeh\u00e4lt, andere Lebewesen abzuknallen oder dass er einfach gesagt ein selbstherrlicher Idiot ist. Konzentrieren wir uns mal auf Ersteres. Nat\u00fcrlich ist mir bewusst, dass wir Menschen tagt\u00e4glich Tiere t\u00f6ten, damit wir uns ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Doch ist das unter Tieren selber auch der Fall. Schw\u00e4ne beispielsweise essen Fische. Das Verst\u00e4ndnis h\u00f6rt bei mir aber auf, sobald Tiere f\u00fcr oberfl\u00e4chliche Zwecke get\u00f6tet werden \u2013 ihr Fell beispielsweise. Oder f\u00fcr den Troph\u00e4en-Zweck. Oder eben dann, wenn der Mensch sich nicht weiterzuhelfen weiss und zur Waffe greift.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Leider ist das ja nicht nur bei den Schw\u00e4nen in Nidwalden so. Auch W\u00f6lfen und B\u00e4ren hierzulande droht dasselbe Unheil. Ein Wolf, der seiner Natur nachgeht und Schafe reisst, wird f\u00fcr die Beh\u00f6rden in der Schweiz sogleich zu einem roten Tuch. Denn was w\u00e4re, wenn sein nat\u00fcrliches Treiben einen negativen Einfluss auf die Wirtschaft h\u00e4tte? Es sei erw\u00e4hnt: W\u00f6lfe gibt es gerade mal zwischen 40 und 50 in der Schweiz.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Fast noch schlimmer traf es den B\u00e4ren M13. Obwohl er nie aggressiv gegen\u00fcber Menschen war, wurde auch er abgeschossen. Denn was w\u00e4re, wenn er jemanden angegriffen h\u00e4tte? Auch hier: Es gibt null residente B\u00e4ren hierzulande \u2013 Einwohner hingegen 8,42 Millionen. Was w\u00e4re denn, wenn der Mensch seine Machtposition f\u00fcr einmal nicht ausnutzen w\u00fcrde? Wenn er anderen Lebewesen das Recht auf Leben l\u00e4sst, anstatt es ihnen aus Angst vor Verlusten nimmt? Und vor allem: Was w\u00e4re, wenn der Mensch mal zuerst bei sich selber anfangen w\u00fcrde?<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Womit wir beim selbstherrlichen Idioten angelangt sind. Die Schw\u00e4ne sind also ein Problem &#8211; weil sie den Flugbetrieb st\u00f6ren und weil sie die Landwirtschaft der Bauern \u00abzerst\u00f6ren\u00bb. Schon etwas paradox, oder nicht? Schliesslich sind wir Menschen es, die mit eben genau dieser Landwirtschaft die ganze Umwelt zerst\u00f6ren. Wir t\u00f6ten mit Pestiziden die lebenswichtigen Bienen, zerst\u00f6ren mit der Nutztierhaltung die B\u00f6den und verdrecken das Grundwasser. Und mit dem \u00abgest\u00f6rten\u00bb Flugbetrieb? Damit verschmutzen wir sowieso die ganze Welt.<\/p>\n\n<p>Vielleicht w\u00e4re es f\u00fcr den Menschen mal eine gute Idee, bei der eigenen Spezies mit dem Aufr\u00e4umen anzufangen &#8211; und sich selber mal der\u00abWas w\u00e4re, wenn?\u00bb-Frage zu stellen. Dann w\u00fcrde so einigen auffallen, dass weder die Schw\u00e4ne, noch die W\u00f6lfe oder die B\u00e4ren eine wirkliche Bedrohung f\u00fcr den Menschen und schon gar nicht f\u00fcr die Wirtschaft darstellen. Sondern der Mensch selber.<\/p>\n\n<p class=\"p1\">Was w\u00e4re also, wenn es tats\u00e4chlich einen Schwanen-Psychotest g\u00e4be? Dann k\u00e4men wir wohl alle zum selben Resultat: Typ D: Der sterbende Schwan \u2013 Sie zerst\u00f6ren sich selbst.<\/p>\n\n<p><strong class=\"no-underline\">Danielle M\u00fcller<\/strong>&nbsp;studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n\n<p>Bist du bereit f\u00fcr die&nbsp;\u00abWas w\u00e4re, wenn?\u00bb-Frage? Dann <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/mitmachen\/\">setze dich mit uns aktiv f\u00fcr die Umwelt ein<\/a>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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