{"id":45499,"date":"2019-02-05T07:00:00","date_gmt":"2019-02-05T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45499"},"modified":"2020-06-02T16:55:37","modified_gmt":"2020-06-02T14:55:37","slug":"scheiss-auf-klopapier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45499\/scheiss-auf-klopapier\/","title":{"rendered":"Scheiss auf Klopapier"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p>F\u00fcr einmal fange ich meine Kolumne nicht in der Kindheit an \u2013 sondern auf dem Klo. Ja, genau, an dem stillen \u00d6rtchen, wo ja eigentlich niemals jemand hingeht. Das Tabu-Thema schlechthin. Warum sich so viele Menschen genieren, wenn es ums T\u00fcrchen-Schletzen geht, ist mir ein R\u00e4tsel. Schliesslich ist es das Nat\u00fcrlichste auf der Welt \u2013 wenn halt auch nicht das Delikateste.<\/p>\n\n<p>So unbeliebt es ist, \u00fcber dieses Thema zu sprechen, so wichtig ist es den Menschen gleichzeitig, dass der Akt von h\u00f6chstem Komfort ist. Mein Freund beispielsweise kann geschlagene zehn Minuten vor der Klopapier-Auswahl bei Coop stehen und \u00fcberlegen, welches Papier zwischen seinen Hinterbacken wohl am wenigsten zu kratzen vermag. Die Auswahl ist ja aber auch riesig: Von ein- bis f\u00fcnflagig gibt es alles, was das Heimscheisser-Herz begehrt. Mir hingegen ist diese Angelegenheit wortw\u00f6rtlich scheissegal \u2013 wobei sie das nicht sein sollte.<\/p>\n\n<p>Das erste Mal ging mir beim Thema Klopapier ein Licht auf, als ich vor dem Fernseher sass. Wo auch sonst. Wie jeden Dienstagabend lief auf VOX \u00abDie H\u00f6hle der L\u00f6wen\u00bb. Eine Show, in der Einzelunternehmer und Start-Ups ihre Produkte pr\u00e4sentieren d\u00fcrfen und dann mit f\u00fcnf Investoren um eine Kapitalanlage f\u00fcr ihre Idee feilschen. Einmal kam da ein junger Herr hinein, der etwas dabei hatte, von dem ich noch nie geh\u00f6rt habe: eine Klo-Dusche \u2013 f\u00fcr in die Handtasche. Damit soll man sein Hinterteil nach dem Gesch\u00e4ft ganz einfach absp\u00fclen. Holy Shit!<\/p>\n\n<p>Sich einen Wasserstrahl an sein Ihr-Wisst-Schon-Was zu spritzen, kam mir schon etwas speziell vor. Weswegen ich mich auch nicht weiter mit dem Thema besch\u00e4ftigt habe \u2013 bis vor kurzem. Denn als ich mal wieder auf der Sch\u00fcssel sass und die letzte WC-Papier-Rolle aus der XXL-Packung nahm, fragte ich mich, ob es denn wirklich sein kann, dass wir schon wieder Frisches einkaufen gehen m\u00fcssen? Die Packung hat gerade mal zwei Wochen gereicht. Ist das noch normal?<\/p>\n\n<p>Wie es so auf dem Klo ist, hatte ich mein Smartphone dabei und begann, mich auf Google schlau zu machen. Wobei ich zuerst mal las, dass man zum WC auch Donnerbalken sagen kann. Grossartig, genau mein Humor. Was ich dann aber herausfand, ist so gar nicht grossartig: Laut <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/sendungen\/kassensturz-espresso\/tests\/kassensturz-tests\/wc-papier-weich-aber-selten-oekologisch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kassensturz<\/a>&nbsp;verbraucht ein Schweizer im Durchschnitt 21 Kilogramm Toilettenpapier im Jahr. Bei einem Gewicht von 90 Gramm pro Rolle kommt man so auf 233 Rollen pro Person, die j\u00e4hrlich das Klo heruntergesp\u00fclt werden. Und um sich das ganze bildlich vorstellen zu k\u00f6nnen: Eine Papier-Rolle hat eine H\u00f6he von 10 cm, ich bin 163 cm gross. Das heisst pro Jahr verbrauche ich einen Turm an Klopapier, der 14-mal so hoch ist wie ich. Ach du Scheisse.<\/p>\n\n<p>Nat\u00fcrlich f\u00e4llt das Klopapier auch nicht einfach vom Himmel \u2013 obwohl ich es bisher stets als himmlische Erfindung empfand. Das Gegenteil ist der Fall: Es muss aufwendig produziert werden. Dabei wird eine Unmenge an Wasser, Chemikalien und Elektrizit\u00e4t verbraucht, was ja eigentlich schon schlimm genug ist. Aber es kommt noch schlimmer: F\u00fcr den weltweiten Klopapier-Konsum werden t\u00e4glich B\u00e4ume gef\u00e4llt, und <a href=\"https:\/\/www.geo.de\/geolino\/forschung-und-technik\/11148-bstr-von-der-rolle-so-wird-klopapier-hergestellt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">zwar 270&#8217;000 St\u00fcck<\/a>. Wenn ich mir also zuk\u00fcnftig meinen Allerwertesten mit dreilagigem Supersoft-Papier abwische, h\u00f6re ich nicht mehr die Englein singen \u2013 sondern die B\u00e4ume weinen.<\/p>\n\n<p>Mittlerweile hatten sich auf meinen Oberschenkeln rote Flecken gebildet und als ich mich erhob, klebte der Klo-Ring an mir \u2013 ein unbezahlbares Gef\u00fchl. Beim H\u00e4ndewaschen war ich nach wie vor am Gr\u00fcbeln, wobei mir die Po-Dusche wieder in den Sinn kam. Das w\u00e4re ja schon eine ziemliche Umstellung. Und es w\u00fcrde sich sicher komisch anf\u00fchlen. Die Sauerei bei den ersten Versuchen? Vorprogrammiert. Und was w\u00fcrde ich den Besuchern sagen, wenn sie verzweifelt nach Klopapier suchen?<\/p>\n\n<p>Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich habe meine H\u00e4nde gewaschen \u2013 und nicht mit unn\u00f6tig viel Papier abgeputzt. Wieso machen wir das denn nicht auch mit unserem Hinterteil? Laut Hersteller-Webseite hat das Hand-Bidet&nbsp;<a href=\"https:\/\/happypo.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">HappyPo<\/a> \u2013 kein Scherz, so heisst das Produkt \u2013 n\u00e4mlich so einige Vorteile. Erstens ist es gut f\u00fcr den Po. Darauf muss ich jetzt nicht n\u00e4her eingehen. Zweitens ist es gut f\u00fcr die Umwelt. Denn durch dessen Gebrauch wird zumindest 50 Prozent weniger Toilettenpapier ben\u00f6tigt. Und drittens ist es gut f\u00fcr das Gewissen. Schliesslich bedeutet der Stuhlgang dann nicht mehr nur eine Erleichterung f\u00fcr einen selbst. Sondern auch f\u00fcr die Umwelt.<\/p>\n\n<p>Scheiss also auf Klopapier \u2013 mein HappyPo ist unterwegs.<\/p>\n\n<p><strong class=\"no-underline\">Danielle M\u00fcller<\/strong>&nbsp;studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n\n<p>Informiere dich <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.ch\/themen\/wald\/\">hier<\/a> dar\u00fcber, was du gegen das Waldsterben unternehmen kannst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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