{"id":45502,"date":"2019-02-26T07:00:00","date_gmt":"2019-02-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45502"},"modified":"2020-06-02T17:18:43","modified_gmt":"2020-06-02T15:18:43","slug":"die-verfluchten-billigfluganbieter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45502\/die-verfluchten-billigfluganbieter\/","title":{"rendered":"Die verfluchten Billigfluganbieter"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p>In meinen Kolumnen versuche ich stets, Leser dazu zu animieren, etwas Kleines f\u00fcr die Umwelt zu tun. Sei dies nun anhand einer Holzzahnb\u00fcrste oder einer Po-Dusche (die \u00fcbrigens angekommen ist und meinen Po echt gl\u00fccklich macht). Manchmal mag es fast so scheinen, als w\u00e4re ich die kleine Miss Greenpeace, die alles richtig macht und es den Menschen auf die Nase bindet. Doch davon bin ich meilenweit entfernt. Flugmeilen n\u00e4mlich.<\/p>\n\n<p>Just w\u00e4hrend ich an dieser Kolumne sitze, erhalte ich oben rechts an meinem Mac-Book-Rand eine Mailbenachrichtigung von Easyjet \u2013 kein Scherz. \u00abDanielle, Fl\u00fcge ab 25,99 Euro \u2013 Sonnenbad oder St\u00e4dtetrip?\u00bb steht da geschrieben. Nat\u00fcrlich nicht ohne ein sch\u00f6nes Bild einer Stadt, die ich zwar nicht kenne, aber nun das Gef\u00fchl habe, unbedingt einmal in meinem Leben gesehen haben zu m\u00fcssen. Damn you, Easyjet \u2013 wieso machst du es mir auch so schwer?<\/p>\n\n<p>Es gab eine Zeit, da war ich ein richtiger Easyjet-Junkie. Das war damals, als ich in Berlin mein Studium absolvierte und etwa einmal im Monat f\u00fcr ein Wochenende zur\u00fcck in die Schweiz flog. Ob ein Flug 20 Euro oder 80 kostete, war mir dabei egal \u2013 mit dem Schweizer Kindergeld meines Vaters musste ich mir in Deutschland keine Sorgen um meine Existenz machen. Und das Thema Umwelt war mir sowieso fern. 12 Mal im Jahr hin und herzufliegen, was macht das schon aus? Ich sah die Welt mit orangen Augen. Heutzutage weiss ich, wie falsch das war \u2013 nicht nur, weil ich das Geld schmerzlichst auf meinem Konto vermisse.<\/p>\n\n<p>Seit ich bei Greenpeace arbeite, hat sich mein Weltbild ge\u00e4ndert. Nat\u00fcrlich wusste ich bereits zuvor, dass man Erdbeeren besser nicht im Winter kauft. Oder im Regal lieber zum Bio-Fleisch greift. Doch mit dem ganzen Emissionen-Thema hatte ich nichts am Hut. Dass Fliegen schlecht sein soll f\u00fcr die Umwelt, davon hatte ich in Geografie nie etwas mitbekommen \u2013 obwohl ich mit einer knappen 4 im Zeugnis vermutlich so einiges nicht mitbekommen habe. Nach sechs Monaten bei Greenpeace verstehe ich aber die Zusammenh\u00e4nge zwischen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen und dem Klimawandel. Weshalb ich mir vor f\u00fcnf Monaten vorgenommen habe, wenn immer m\u00f6glich auf das Fliegen zu verzichten. Leichter gesagt als getan.<\/p>\n\n<p>Vor vier Monaten erreicht mich n\u00e4mlich eine freudige Nachricht aus Berlin: Eine meiner Freundinnen heiratet! Ich bin eingeladen \u2013 und nat\u00fcrlich sage ich zu. Das Fest soll an einem Wochenende im September in \u00d6sterreich stattfinden. Es gibt zwar einen Zug dorthin, doch der w\u00fcrde nicht p\u00fcnktlich f\u00fcr die Hochzeit am Samstag ankommen. Ausserdem w\u00e4re es schade, wenn ich den ganzen Sonntag im Zug nach Hause verbringen w\u00fcrde, anstatt mit meinen Berlin-Freundinnen etwas zu unternehmen. Die sehe ich schliesslich nur einmal im Jahr. Ausnahmsweise kann ich ja den orangen Flieger noch ein letztes Mal nehmen \u2013 einmal ist bekanntlich keinmal.<\/p>\n\n<p>Vor drei Monaten ist meine Schwester bei mir zum Abendessen. Seit zwei Jahren ist sie in der Selbstst\u00e4ndigkeit t\u00e4tig, f\u00fchrt ihre eigene Brautboutique. Dazu geh\u00f6rt auch, an Hochzeitsmessen die Konkurrenz auszuspionieren. Zuf\u00e4lligerweise findet eine im M\u00e4rz in Amsterdam statt. Meine Schwester fragt mich, ob wir gemeinsam dahin wollen \u2013 und nat\u00fcrlich sage ich zu. Es gibt zwar einen Bus nach Amsterdam, doch w\u00fcrden 3\/4 der Reise der Busfahrt zum Opfer fallen. Ausserdem kostet der ganz sch\u00f6n viel \u2013 ich habe ja schliesslich nur einen Praktikantenlohn. Ein zweites Mal kann ich ja noch eine orange Ausnahme machen. Zweimal ist auch fast noch keinmal.<\/p>\n\n<p>Vor zwei Monaten zeigt mir mein Smartphone dann eine Benachrichtigung aus meiner Schulfreundinnen-Whatsappgruppe an. Ob wir nicht mal wieder f\u00fcr ein Wochenende zusammen weg wollen? Die letzte gemeinsame Reise ist \u00fcber vier Jahre her \u2013 nat\u00fcrlich bin ich dabei. Das erste Wochenende, das allen passt, findet sich erst im Mai. Da kann ich nicht auch noch vorschlagen, den Zug nach Budapest zu nehmen. Dann m\u00fcssten wir ein verl\u00e4ngertes Wochenende daraus machen und bis wir da ein Datum gefunden h\u00e4tten \u2013 Ojehmine. Also ab auf die orange Webseite. Dreimal sind immerhin keine zw\u00f6lfmal.<\/p>\n\n<p>Jetzt sitze ich hier und habe zu Beginn des Jahres bereits drei Reisen mit dem Flugzeug gebucht. Wieso ich so kl\u00e4glich versagt habe? Ich k\u00f6nnte die Schuld nat\u00fcrlich den verfluchten Billigfluganbietern und ihren verf\u00fchrenden Werbemassnahmen in die Schuhe schieben. Aber wenn ich ehrlich bin, trage ich sie ganz alleine. Erstens, weil ich zu egoistisch war, um meine Zeit f\u00fcr die Umwelt zu opfern. Zweitens, weil ich zu geizig war, um mein Geld f\u00fcr den teureren Zug auszugeben. Und drittens, weil es einfach zu umst\u00e4ndlich war, eine Alternative vorzuschlagen. Da kann ich noch so oft \u00fcber Po-Duschen und Holzzahnb\u00fcrsten schreiben \u2013 wenn ich nicht wirklich bereit bin, etwas in meinem Leben zu \u00e4ndern, mach ich keinen Unterschied.<\/p>\n\n<p>Aber aller Anfang ist bekanntlich schwer. Immerhin etwas Gutes hatte mein Versagen schlussendlich: Es hat mir den n\u00f6tigen Tritt in den Hintern gegeben. Meine Zeit bei Greenpeace habe ich verl\u00e4ngert, so kann ich es immerhin wieder etwas gut machen. Und an meinen \u00fcbrig gebliebenen Ferientagen plane ich mit dem Zug ins Tessin zu fahren \u2013 Orange ist sowieso eine h\u00e4ssliche Farbe.<\/p>\n\n<p><strong class=\"no-underline\">Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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