{"id":45518,"date":"2019-03-26T07:00:00","date_gmt":"2019-03-26T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45518"},"modified":"2020-06-02T17:44:02","modified_gmt":"2020-06-02T15:44:02","slug":"von-99-luftballons-und-dass-sowas-von-sowas-kommt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45518\/von-99-luftballons-und-dass-sowas-von-sowas-kommt\/","title":{"rendered":"Von 99 Luftballons und dass sowas von sowas kommt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. Genau da setzt sich Greenpeace-Praktikantin Danielle mit den Hoffnungen, Herausforderungen und Problemen ihrer Generation Y auseinander \u2013 und fragt sich in ihren kommenden Kolumnen: Wie zum Teufel soll das gr\u00fcn gehen?<\/strong><\/p>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.ch\/2019\/03\/12\/kippenspicken-kannst-du-knicken\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In meiner Kolumne vor zwei Wochen<\/a> habe ich mich mit meiner Generation auseinandergesetzt und geschrieben, dass wir nicht wirklich wissen, wer wir eigentlich sind oder sein wollen. Daran m\u00f6chte ich gerne ankn\u00fcpfen, kommt n\u00e4mlich dieses f\u00fcr uns typische Nicht-Entscheiden-K\u00f6nnen oder meinetwegen auch -Wollen nicht von ungef\u00e4hr. Sind wir doch eine Generation, die irgendwie zwischen den St\u00fchlen steht.<\/p>\n\n<p>F\u00fcr uns war es ganz logisch, dass wir M\u00e4dchen im Alter von sieben Jahren mit Barbies spielten, die gleichaltrigen Jungs hingegen mit Lego. F\u00fcr uns war es eine Freude, wenn wir den 10. Geburtstag gemeinsam mit dem rothaarigen Ronald bei Mc Donald&#8217;s feiern durften. F\u00fcr uns war es cool, dass wir im Alter von 15 Jahren mit der Klasse einfach mit dem Easyjet-Flieger von Z\u00fcrich nach Amsterdam jetten konnten \u2013 und vier Tage sp\u00e4ter wieder zur\u00fcck. Und f\u00fcr uns war es auch selbstverst\u00e4ndlich, dass das erste, was wir mit 18 Jahren machten, der F\u00fchrerschein war. Schliesslich hat es uns die vorherige Generation so auch vorgelebt.<\/p>\n\n<p>Nach uns aber w\u00e4chst nun eine Generation heran, die so ganz anders ist, als wir und all das, was wir als cool und selbstverst\u00e4ndlich ansahen. Typisch M\u00e4dchen, typisch Jungs ist pl\u00f6tzlich nicht mehr so logisch. Die Herstellung der Burger bei Mc Donald&#8217;s macht keine Freude mehr. St\u00e4dtefl\u00fcge und deren Auswirkungen auf das Klima sind so gar nicht cool. Und auch das Auto sollte man wohl besser gegen ein Fahrrad oder den Zug eintauschen. Zusammengefasst ist man heute alles, was wir damals gelernt haben zu sein, besser nicht mehr. Das hat vor allem eines zur Folge: Meine Generation befindet sich in einer Midlife-Crisis \u2013 obwohl wir die Mitte unseres Lebens noch nicht mal erreicht haben.<\/p>\n\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt m\u00fcssen wir ansehen, wie es all den uns vertrauten Bestandteilen des Alltags an den Kragen geht. Sei dies der Plastikzahnb\u00fcrste, dem Klopapier, der Zigarette oder dem Fleisch \u2013 sie alle m\u00fcssen der neuen Generation und deren Sinn f\u00fcr das Umweltbewusstsein weichen. Was nat\u00fcrlich h\u00f6chst lobenswert und unbedingt zu unterst\u00fctzen ist. Trotzdem versetzt es einem aber einen kleinen Stich ins Herz. Und nun ist auch die Zeit der Luftballone gekommen.<\/p>\n\n<p>Der Luftballon geh\u00f6rte zu meiner Kindheit wie die Barbie-Puppe. Immer, wenn in Basel Herbstmesse war, durften meine Geschwister und ich einen Ballon aussuchen, wobei meiner stets die Form eines Hundes oder einer Prinzessin hatte \u2013 was auch sonst. Und an jedem Geburtstagsfest liessen die bunten, aufgeblasenen Wunderkugeln meine Augen und die meiner Gsp\u00e4nli leuchten. Die Faszination f\u00fcr Luftballone nehmen viele von uns bis ins Erwachsenenalter mit, weswegen sie auch bis heute an den verschiedensten Stationen im Leben Verwendung finden \u2013 beispielsweise an der Er\u00f6ffnung eines eigenen Gesch\u00e4fts oder der Hochzeit. Und genau da f\u00e4ngt das Problem an.<\/p>\n\n<p>Das Symbol von aufsteigenden Luftballonen hat sich in unserer Gesellschaft als etwas unglaublich Positives verankert \u2013 nicht umsonst war Nenas \u00ab99 Luftballons\u00bb ein Riesenhit. Der Ballon gilt als Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt. An Hochzeiten l\u00e4sst man Herzluftballonen mit angekn\u00fcpften Botschaften fliegen, um symbolisch neu geschlossenen Ehen Aufschwung zu geben. An Beerdigungen steigen schwarze Ballone in die Luft, um den Verstorbenen eine letzte, an einer Schnur befestigte Nachricht zu schicken. Vergessen wird dabei, dass die Ballone irgendwann auch wieder herunterkommen \u2013 und M\u00fcll hinterlassen. Mann, wer h\u00e4tte das gedacht?<\/p>\n\n<p>Laut der Initiative <a href=\"https:\/\/balloonsblow.org\/impacts-on-wildlife-and-environment\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">BalloonsBlow<\/a> hat sich der Anteil von an Str\u00e4nden gefundenen Ballon\u00fcberresten in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Egal wo sie herunterkommen, sind sie eine Gefahr f\u00fcr die Tiere und Umwelt. Laut einem <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/neon\/vorankommen\/nachhaltigkeit\/luftballons-auf-hochzeiten-werden-zur-gefahr-fuer-die-umwelt-8412622.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Stern-Artikel<\/a> ist einerseits die an die Ballone gebundene Schnur ein Todesurteil f\u00fcr Meerestiere und Seev\u00f6gel, die sich darin verheddern und so einen langsamen Tod sterben. Andererseits sind es die \u00dcberreste des Ballons selbst, die von Tieren f\u00e4lschlicherweise als Nahrung angesehen werden, sich dann im Verdauungstrakt festsetzen k\u00f6nnen, wobei sie ein S\u00e4ttigungsgef\u00fchl ausl\u00f6sen, welches die Tiere verhungern l\u00e4sst. Laut dem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/mariner-plastikmuell-ballons-bringen-den-tod-a-1256041.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spiegel<\/a> geh\u00f6rt der Luftballon sogar zu der f\u00fcr Seev\u00f6gel t\u00f6dlichsten Plastikvariante, da er zur weichsten Form des Kunststoffes z\u00e4hlt, der ein h\u00f6heres Sterberisiko f\u00fcr die V\u00f6gel darstellt als harter Plastik. Dass es einmal soweit kommt, wegen ein paar Luftballons.<\/p>\n\n<p>Wer jetzt denkt, dass es ja auch biologisch abbaubare Ballone gibt und das Thema gar nicht so schlimm ist, irrt sich. Denn auch die \u00d6ko-Variante des Luftballons <a href=\"http:\/\/liga-vogelschutz.org\/luftballons-und-vogelschutz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">braucht bis zu sechs Monate<\/a>, um sich zu zersetzen. Immer noch gen\u00fcgend Zeit f\u00fcr einen Vogel also, sich darin zu verfangen oder die Plastik\u00fcberreste zu verschlucken. Auch von der immer mehr zum Trend werdenden Alternative f\u00fcr Luftballone, den Himmelslaternen, ist abzuraten. Einerseits aufgrund der Brandgefahr, andererseits weil auch deren \u00dcberreste wie bspw. Draht von Nutztieren gefressen werden und sie somit verletzen k\u00f6nnen. Nicht verwunderlich also, dass es vermehrt zu Verboten von <a href=\"https:\/\/www.20min.ch\/schweiz\/zentralschweiz\/story\/Importeur-sauer-ueber-Himmelslaternen-Verbot-24945172\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Himmelslaternen<\/a>&nbsp;und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aargauerzeitung.ch\/ausland\/toedlichster-muell-immer-mehr-gemeinden-verbieten-luftballons-134204300\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Luftballonen<\/a>&nbsp;kommt \u2013 und dass sowas von sowas kommt.<\/p>\n\n<p>In vieler Hinsicht k\u00f6nnte man sagen, der Luftballon ist nicht nur ein Teil meiner Generation, sondern schon fast ein Sinnbild daf\u00fcr. Wir wollen immer h\u00f6her, immer weiter, ohne aber zu wissen, wo genau wir landen werden. Und sind wir einmal angekommen, merken wir, dass das Abheben vielleicht gar keine so gute Idee war. Gerade deswegen ist es f\u00fcr uns an der Zeit, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben \u2013 und f\u00fcr den Luftballon sowieso. Sorry Nena.<\/p>\n\n<p><strong class=\"no-underline\">Danielle M\u00fcller<\/strong>\u00a0studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Berlin und schnuppert nun bei Greenpeace rein. Die 27-J\u00e4hrige Baslerin ist stets im Sattel ihres Rennvelos anzutreffen und sagt nie Nein zu einer guten Umwelt-Doku auf Netflix.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Selbstverwirklichung, Sinnessuche und sozialen Medien. Irgendwo unter all den Smartphones, Smart-TVs und Smartwatches begraben. 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