{"id":45583,"date":"2019-05-17T07:00:00","date_gmt":"2019-05-17T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/?p=45583"},"modified":"2020-06-03T16:20:48","modified_gmt":"2020-06-03T14:20:48","slug":"die-grosse-applenkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.greenpeace.ch\/de\/hintergrund\/45583\/die-grosse-applenkung\/","title":{"rendered":"Die grosse Applenkung"},"content":{"rendered":"\n<p>Du und dein Smartphone im Supermarkt. Die GPS-Ortung deiner Umweltorganisation erkennt, dass du \u2013 sagen wir \u2013 bei Aldi einkaufst. Du stehst vor dem Fischangebot. Das GPS-Feintuning deiner Organisation hat das bereits festgestellt. Auf dem Schirm deines Phones erscheint ihr aktueller Ratgeber. Er sagt dir, welcher Fisch zu verzehren korrekt ist. Bio-Fisch gibt\u2019s in deinem Aldi nicht. Du begutachtest das Angebot und entscheidest, welche drei Fische du pr\u00fcfen willst. Du scannst daf\u00fcr den Barcode auf der Packung des ersten Fischs ein. Dorsch. So wie es dein Rezept vorschl\u00e4gt. Auf deinem Screen erscheint in Zehntelsekundenschnelle: generell gef\u00e4hrdet. Beim zweiten, dem Heilbutt, nach dem Scan die Info: FAO-Nummer 47, heisst \u00abFanggebiet s\u00fcd\u00f6stlicher Atlantik\u00bb und \u00abstark bedroht\u00bb. Geht nicht. Der Dritte. Kabeljau mit der FAO-Nummer 67. Er sei \u00abnoch akzeptierbar\u00bb, und du \u00fcberlegst, ob das Dorsch-Rezept auch f\u00fcr den Kabeljau passe \u2013 vermutlich schon, entscheidest dich f\u00fcr ihn.<\/p>\n\n<p>Du gehst weiter. Um die Beilage Kartoffeln zu kaufen. Du scannst den Code der Knollen. Sind polnischen Ursprungs. Haben 6,4 Kilogramm CO<sub>2<\/sub> verursacht. Ausserdem brauchst du eine neue Gl\u00fchlampe und bleibst beim entsprechenden Regal stehen. Der \u00abLeuchten und Lampen\u00bb-Ratgeber ist schon auf deinem Phone. Und die richtige Birne im Korb. An der Kasse scannst du deine Eink\u00e4ufe. Zahlst mit der Rappen-App deiner Bank. Ziehst \u00f6kologisch best\u00fcckt von dannen.<\/p>\n\n<p>Auf dem Nachhauseweg schaltest du mit der Ofen-App den Backofen minutengenau, also energieeffizient zum Vorheizen ein. Die Zeit unterwegs reicht noch, die vergessene K\u00fchlschrank-Check-App zu bet\u00e4tigen. Die CoolCam zeigt: Milch fehlt! Der nur zwei Daumenwische entfernte Blick in den Vorratsschrank zeigt eine Bio-UHT-Milch. Uff. Zuhause empf\u00e4ngt dich das beim Eintreten eingeschaltete, stromsparende Wand-Tablet. Es hat f\u00fcr dich massgeschneiderte Angebote f\u00fcr&#8217;s fr\u00fchabendliche Online-Engagement zusammengestellt. Bevor du also den Kabeljau in die Pfanne haust, tust du selbiges per Fingerdruck noch rasch mit Nestl\u00e9, Shell und VW.<\/p>\n\n<p>Du stehst in der K\u00fcche, als dir Eva, deine Partnerin, mit der Bin-Etwas-Knapp-App ihre acht Minuten Versp\u00e4tung durchgibt. Die Effi-App legt f\u00fcr diese Zeit den Herd still und projiziert die Tablet-Oberfl\u00e4che auf die K\u00fcchenschrankt\u00fcr vor dir. Der Kochherd-Knopf dient in der Auszeit als Maus. Beim Checken deiner Mails siehst du, dass die Konzerne bereits geantwortet haben. Und zwar die CEOs h\u00f6chst pers\u00f6nlich. Sie versprechen, dein Anliegen sehr ernst zu nehmen. Irgendwie kommt dir ihr Sound zwar bekannt vor, doch der Kabeljau jault auf bzw. br\u00e4t weiter. Die acht Minuten sind vorbei.<\/p>\n\n<p>Beim Essen und einem guten Tropfen Gr\u00fcn-Roten sinnierst du mit Eva \u00fcber App-L\u00fccken auf dem \u00d6koaktiv-Markt. Den besten Einfall bringt sie: eine Kochherd-Blocker-App! Die ginge so, dass ein Sensor im T\u00fcrrahmen erkennen w\u00fcrde, k\u00e4me unerlaubter Fisch oder un\u00f6kologisches Fleisch \u00fcber die T\u00fcrschwelle. Eine App w\u00fcrde aktiviert, die den Kochherd blockierte. Und zwar solange, bis die Ware wieder \u00fcber die Schwelle raus w\u00e4re.<\/p>\n\n<p>Du als iPhoner hast die iDeaApp installiert und kannst damit eure Brainstorm-Key-Ideas direkt im Apple-Lab platzieren. \u00abJetzt wollen wir mal sehen, ob Tim Cook seine Jobs gut macht\u00bb, sagst du augenzwinkernd zu Eva. Sie hat in dieser Zeit das Resultat als Kurz-Powerpoint und per Rap-App unterlegtem Beat auf weTube gestellt. Eva sinniert noch dar\u00fcber, ob die Daten, die weltweit mit einer solchen T\u00fcrschwellen-App gesammelt w\u00fcrden, nicht f\u00fcr eine gemeinn\u00fctzige Gugl-Stiftung interessant sein k\u00f6nnten. Derweil \u00fcberlegst du bereits, ob du mit der TantrApp oder ZimmerdeckenTVApp Stimmung ins Schlafzimmer bringen willst.<\/p>\n\n<p>Apps erleichtern nicht nur zunehmend den Alltag, sie haben zudem das Potenzial, \u00f6kologische Probleme nebenher beim Einkaufen zu erledigen: Verappelung als Vision eines endlich bequemen Umweltengagements? Eine grossartige Applenkung?<\/p>\n\n<p><strong>Kuno&nbsp;<\/strong><strong>Roth<\/strong>&nbsp;schreibt in seinen Kolumnen manchmal unverbl\u00fcmt, manchmal humoristisch, manchmal gar satirisch und immer solidarisch-kritisch&nbsp;\u00fcber das Umfeld und Randerscheinungen der \u00d6kobewegung aus (noch) unkonventioneller Sicht, die naheliegend und \u00fcberraschend&nbsp;zugleich&nbsp;ist. Er arbeitet international als Leiter des globalen Mentoring-System bei Greenpeace.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du und dein Smartphone im Supermarkt. Die GPS-Ortung deiner Umweltorganisation erkennt, dass du \u2013 sagen wir \u2013 bei Aldi einkaufst. Du stehst vor dem Fischangebot. 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